Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 11 (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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')h. 11 Oestrrrrichifchr Wochenschrift Seite 217 ich mit unserenr Geldvorrathe so viel als möglich sparen wollte — durch ein Geldgeschenk zu bestimmen, nicht mehr aus dem Seile zurückzugehen, seine Production zu beschließen. Als sich der Akrobat unserem Fenster näherte, hielt ich es für nothwendig, dem Rabbi, der sonst erschrecken konnte, zu sagen, daß der Seiltänzer für kurze Zeit in unser Zimmer treten würde. Der Rabbi schüttelte unwillig den Kops und sprach: „Es ist ein Frevel, daß ein Mensch, ohne etwas Gutes zu bezwecken, sein Leben wagt und nicht minder frevelhaft von Jenen, die, um ihre Schaulust zu befriedigen, ihn dafür zahlen und dadurch veranlassen, sich in Lebensgefahr zu begeben. Ich hatte zur Zeit, als der - Markgraf von Ansbach noch auf meinen Rath hörte — leider vergeblich — darauf gedrungen, daß er in seinem Lande solche lebensgefährliche Productionen verbiete." Noch während der Rabbi diese Worte sprach, ward das Fenster durch die Figur des Gymnastikers verdunkelt, der sich auf das Fensterbrett stellte, ein Glas Wein auf das Wohl des Oberamtmannes leerte und dann ins Zimmer sprang. Hiebei stieß er so heftig an den Fensterrahmen, daß ihn. trotzdem er seine Narrenkappe mit einem Bande unter dem Kinne befestigt hatte, diese vom Kopfe fiel. — In dem Momente hatte ich die Empfindung, als wenn mir ein glühender Dolch ins Herz gestoßen würde; — der Seiltänzer blieb vor Erstaunen wie erstarrt stehen und zu meinem namenlosen Schrecken batte er sofortunsern Rabbi erkannt, wahrscheinlich hatten auch die letzten Worte desselben, die der unvorsichtige Mann laut gesprochen, hierzu beigetragen. Der Seiltänzer ries im Dialect unserer Gegend. „Ich küß die Hand, gnädiger Herr Oberrabbiner! Meiner Seel', das hätt' ich mir nit träume lasse, daß ich die Ehr' habe werd', Sie hier in einem mährische Dorfwirthshaus zu finde. Das ist ja ein merkwürdiger Glücksfall für mich.Sie habe mich schon einmal gerettet, damals, als sich der Markgraf von Ansbach eingebildet, ich wär derjenige, der bei einem Raufhandel einem Polizeisoldate ein Aug ausgestoche und die Nas' abgebisse und mich von unte nach obe hatte rädern lasse wolle. . . . Ihrer gütige Fürsprache is es gelunge, daß er mir. arme Teufel das Leben schenkte, aber meine beide Ohre mußte daran glaube, die ließ er mir ohne Erbarme abschreide. Ich kanns gär nit beschreibe, wie froh ich bin, Sie gesund und frisch in Freiheit zu sehe. Ich war noch in der Nähe von Ansbach, wie Sie, gnädiger Herr Oberrabbiner aus dem Mauerthurm entschwände sind. Ich kenn' Ihr edles Herz. Sie werde einen arme Landsmann, der ein Weib und siebe Bälge zu ernähre hat, nit verlasse. Ich brauche. nämlich jetzt nothwendig zweitausend Gulde. Schenke Sie mir se und das Genik soll ich breche, wenn ein Mensch von mir erfahre soll, daß sich der Fürther Herr Oberrabbiner hier befindet. Ich muß Sie dringend bitte, mein Ersuchen zu erfülle, denn die zweitausend „Gulde muß ich habe, auch wenn ich sie zu stehle oder zu raube wüßte — und wenn Sie gnädiger Herr Oberrabbiner meine ergebene Bitte abschlage, müßte ich so undankbar sein, dem Herrn Oberamtmann, dem dicken Herrn, der da unte in der ^erste Reihe sitzt, anzuzeige, daß der frühere Herr Oberrabbiner von Fürth dem Dorfe die Ehre seiner Anwesenheit erweist." __ (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Weadar 5654. — März 1894. Freitag 8 16 E. b. N. 5h 42'8nr' Samstag 9' Ti DT 'S tnp'i 17 S. Sachor Sonntag 10 18 Montag h 19 Dienstag 12 20 Mittwoch 13 “indk *n 21 Fasten-Esther Donnerstag 14 ^pt'D. ams 22 Purim Freitag 15 cntevp 23 Susan-Purim Briefkasten. 3. Kohlt, Sahbusch.: An den höchsten Feiertagen wie Neujahr und Versöhnungsfest brauchen jüdische Geschworene ihre Functionen nicht auszuüben. — Für den isr. rmnän. Landesschnl-Verein ist uns von Herrn Leopold Hirsch in Kaadcu fl. 1 zugekommen. —H. in N.: Nein. — E. B, Lemberg.: Ingenieur E. ist Jude. — G. 3.: Baron Hirsch stammt ans Bayern, wo seine Vorfahren seit Jahrhunderten cmsäßig waren. CONCURS. Bei der gefertigten israel. Culiusgemeiude in Essek Oberstalr. ist die Ste.Je eines Gemeinde-Notars mit dem Jahresgehalte von fl. 1000.— mul dem Quartierpauschale von fl. 150.— und sonstigen Nebeneinkommen za besetzen. Bewerber um diese Stelle müssen ihre Qualiflcation durch entsprechende Zeugnisse nachweisen können und nebst der deutschen auch die kroatische, oder mindestens eine slavische Sprache in Wort und Schrift vdlkoiumen beherrschen. Die Gesuche nebst Zeugnisabschriften sind längstens bis zum 31. März 1. J. an die Kanzlei der Onltusgemeiude zu senden. Essek (Slavonien), 1. März 1894. Der Cultn?vorsteher: Kästenbaum m. p. In der israel. Cultusgemeinde Brod a. S. wird ein zeiigemässer tüchtiger C&IltOF der auch Schochet ubodek, Kore und Mohl sein muss, acceptirt. Jahresgehalt 11.500, garantirt tiir Schechita fl. 200.— freie Wohnung und übliche Emolumente. Retlectanten haben Gesuche und Original-Zeugnisse nebst Angabe ihres Alters, Familienstandes und ihrer bisherigen Wirksamkeit an den gefertigten Vorstand einzusenden. Nur Berufene werden zum Probevortrage zugelassen und nur dem Acceptirten wird ein Reisepauschale von fl. 40 zugesichert. Antritt für die bevorstehenden Pessachfeiertage erwünscht. Brod, a. 8. 5. März 1894. Der Präses: TaooTo Hüalua. Otto Cohn’sche Stiftung für mittellose, jüdische Realschüler. Die Zinsen obiger Stiftung im Betrage von 210 8. ö. W. elangen zu gleichen Theüen am 30. Mai d. J., aa drei würdige eissiga, jüdische Realschüler zur Verleihung. Die Bewerber haben die mit dem Geburtsscheine, dem Nachweise ihrer Mittellosigkeit, (lern letzten Studienzengnisae und mit der Angabe, ob dieselben in dem Genüsse eines Stipendiums stehen, eventuell in welchem Betrage, versehenen Gesuche bis längstens 31. März d. J. im Secretariate der israel Cultusgemeinde (I , Seitenstet teugasse 4, 2. Stock) einzubringen, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich za beheben sind. Wien, 1. März 1894. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde. Anglo-Oesterreichische Bank, Die XXX. ordenti. Generalversammlung der Actionäre der Anglo - Oesterreichischen Bank findet am 28. März 1894, 6 Uhr Abends, im Saale des Oesterr. Jngenieurui.d Architekte. -Vereines (I., Eschenbachgasse Nr. 9) statt. Gegenstände der Verhandlung sind:!. Jahresbericht des Generalrathes. 2. Bericht der Censoren über den Rechnungsabschluss des Jahres 1893 und Beschlussfassung über denselben 3. Beschlussfassung über die Verwendung des aus der Bilanz pro 1893 resultirenden Reingewinnes. 4. Antrag auf Liberirung der Actien-Interimsscheine und damit im Zusammenhänge stehende Statuten-Aenderungen. 5. Wahl von Mitgliedern des Generalrathes- Die in Gemäßheit des Artikels 40 der Statuten*) stimmberechtigten Herren Actionäre werden damit eingeladen, die Actien-Jnterimsscheine (Provisional-Shares) in Wien bei Ler Liquidatur der Anglo- Oesterreichischen Bank (I., Strauchgasse Nr. 1), in London bei der Anglo-Anstrian-Bank, in Budapest, Brünn, Prag und Triest bei den Filialen der Anglo-Leslerreichifchen Bank dis inclusive 20. März d. I. (als dem letzten statutenmäßigen Termine) zu de, oniren. Laut Artikel 37 der Statuten können Vollmachten nur an stimmberechtigte Actionäre ertheilt werden. Wien, am 8. März 1894. Der Generalrath der Anglo-Oesterreichiscben Bank. *) Artikel 40 der Statuten: Jeder Aktionär ist zn Einer Stiiiii, e für je 25 in seinem Besitze befindlichen Aktien berechtigt. (Nachdruck wird nicht fjoiwirt.)