Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 9 Vösterreichische WochrnschE tragen, schließlich doch gezwungen zu werden, — was uns endlos tief gedemüthigt hätte — uns an die Barmherzigkeit edler Menschen wenden zu rnüssen, da ward, uns plötzlich, als wir dies am wenigsten erwarteten, Erlösung au^ der härtesten Noch. Als wir am Samstag das Gotteshaus besuchten, wurden wir durch den Erlaß des Oberrabbiners, den der Gemeinde- Rabbiner vor der Thoraverlesung verkündete, überrascht.. Wir trauten unseren Ohren nicht, als wir hörten, der Markgraf habe seinen Sinn geändert, erkenne meines Gatten Unschuld, gestatte uns die Rückkehr in die Heimat und. widerrufe das Ediet, in welchem er einen Preis aus unsere Habhaftwerdung gesetzt, — und als der Zülzer Rabbiner zu dem Schlußsätze gelangte: der Reichs-Ober-Rabbiner und Ober-Hoffactor Wertheimer fordere uns auf, sobald uns diese, seine Botschaft, erreicht, sofort nach Wien zu kommen, wo wir von Dir, mein Rafael, mit Sehnsucht erwartet würden; als 'wir erfuhren, daß Du am Leben und Dich im Hause des edelsten und mächtigsten unserer Glaubensgenossen befändest, da traf uns nach langem, grauenvollen Leide der erste Sonnenstrahl göttlicher Huld so erschütternd, daß wir uns nicht zu beherrschen vermochten und vor tiefer Rührung in lautes Schluchzen ausbrachen. Alle Frauen, die auf der Galerie des Gotteshauses versammelt waren, erkannten sofort, daß' wir die Gesuchten, Gattin und Tochter des allverehrten Fürther Oberrabbiners, des Märtyrers waren, der, wie das Volk' glaubte, durch ein Gvtteswunder aus seinem Kerker gerettet worden war! Mit ehrfurchtsvoller Scheu drängten sich Alle an uns, und uns beiden Frauen, die vor Kurzem verachtet, gekränkt, zu Tode gehetzt,, herumgeirrt tvaren, wurde jetzt gehuldigt, als wenn wir Königinnen wären. Wer von den Frauen es vermochte, eine unserer Hände zu erhaschen, führte sie ehrerbietig an die Lippen, die anderen küßten den Saum unserer Kleider. Die Frau des Vorstehers hatte ihren Gatten aus der Männersynagoge in die Vorhalle rufen lassen unb ihm mitgetheilt, welches Glück der Gemeinde zu Theil geworden, daß sich - Gemalin und Tochter des heiligen Rabbi Hirsch Fränkl in ihrer Mitte befänden. Als wir die Synagoge verließen, fanden wir vor dieser die ganze Gemeinde versammelt. Eltern hoben ihre Kinder in die Höhe, um ihnen Frau und Tochter des großen Rabbi von Fürth zu zeigen. Die Vorsteher der Ge meinde traten an uns heran, begrüßten uns in tiefster Ehrfurcht und drückten ihre Freude darüber aus, daß uns die Heilsbotschaft in ihrer Gemeinde, in ihrem Gotteshause geworden. Sie begleiteten uns in unsere ärmliche Wohnung — der Gemeindeschammes hatte uns über den Sabbat für geringes Geld ein kleines Stübchen eingeräumt, — und unser Heimweg aus der Synagoge glich einem Triumphzuge. In unserer Wohnung las uns der Vorsteher ein Privatschreiben des Oberrabbiners und Oberkriegsfactors Samson Wertheimer vor, das er an die Vorstände all-r ihm unterstehenden Judengemeinden, vom Rhein bis zum Belt, von der Elbe bis an die türkische Grenze und bis Italien gerichtet, in welchem .diesen aufgetragen Mrde, wenn sich die Fränkl'schen Frauen dort befänden, sie unter sicherem Geleite nach Wien zu bringen und weder Kosterc. noch Mühe zu scheuen, ihnen die Reise so wenig beschwerlich, so angenehm als möglich zu machen. Da .der erste Vorsteher von Zülz und dessen Schwester, eine würdige Rabbinerswitwe, darauf bestanden, uns zu begleiten und 1>tefe hierzu ihre Vorbereitungen treffen mußten, verzögerte sich -unsere Abreise um sechsunddreißig Stunden.Run weißt Du Alles; — jetzt aber lieber Sohn berichte auch Du, wie es Dir, seitdem wir von einander getrennt wurden, ergangen." Und nun erzählte Rafael seine merkwürdigen Erlebnisse, wre er nach Wien in Samson Wertheimer's Haus gekommen, in welcher Weise er Lea Arnstein kennen gelernt, wie sie eine heftige innige Neigung für einander gefaßt und wie unendlich es ihn geschmerzt hatte, durch seine traurige Lage gezwungen zu sein, dem, was ihm als das höchste irdische Glück erschien, entsagen und hierdurch das edelste, treueste Herz verletzen zu muffen. Er erzählte von seiner unerwarteten Begegnung mit Rogert und daß dessen Mittheilungen vereint mit dem Umstaude, daß er Wertheimer's Vertrauen gewonnen, es ihm ermöglichten, ein gegen den Prinzen Eugen geschmiedetes Complott zu entdecken und zu dessen Kenntniß zu bringen und hierdurch die Protection und Gunst desselben zu gewinnen. Rafael schloß seine Mittheiluugen: „Samson Wertheimer, der ein Großoheim Lea Arnstein's, das Orakel und die maßgebendste Persönlichkeit seiner Familie ist, hat mich versichert, daß durch den plötzlichen Umschwung, der durch Gottes Hilfe in unseren Verhältnissen eingetreten, die-Hindernisse, die sich Sette 177 meiner Verbindung mit Lea Arnstein entgegeustemmten, ebenso wie jene, die Deine Vereinigung, liebe Schwester, mit dem Manne Deines Herzens, mit dem herrlichen Perez Markbreiter, früher unmöglich zu machen schienen, völlig behoben sind. Wenn wir in Wien angelangt fein werden, 'wirst Du Gelegenheit haben, Lea und ihre würdigen Eltern kennen zu lernen, und wenn Du uns — woran ich nicht zweifle — Deinen Muttersegen ertheilen wirst, hoffe ich Dir eine Schwiegertochter zuzuführen, die Deiner ebenso würdig ist, wie Dein zukünftiger Schwiegersohn, Perez Markbreiter, den Du selbst kennen und achten gelernt hast!" „Ob ich Euch, meine lieben, theueren Kinder, meinen Muttersegen ertheile!" rief Dina Fränkl erschüttert. „Mögt Ihr durch Gottes Huld so glücklich werden, als ich es wünsche, als Jhrs verdient! Nur Eines schmerzt mich weit mehr, als ichs auszudrücken vermag; daß unser Glück nicht vollständig ist, daß Euer Vater nicht an diesem Theil nimmt, daß noch immer der quälende Zweifel, ob er am Leben, wie eine finstere Wolke all.das Glück, das uns geworden, verdunkelt!" „Mütterchen!" rief Eva, sie heiß umschlingend. „Ich bin überzeugt, daß wir auch von unserem Vater das Beste erfahren werden. Du kannst mir's glauben! Ich hab's ja immer vorausgesagt, Gott wird uns helfen und mein Gottvcrtrauen wurde nicht getäuscht. „Mütterchen", ein Lächeln beglückender Hoffuungsseligkeit verschönte ihre Züge zu voller Clafficität, „der Vater pflegte ja oft den Spruch des Talmuds zu citiren. Seitdem das Heiligthum (der Gottestempel zu Jerusalem) zerstört wurde, hat Gott die Gabe der Prophetie nur Thoren und Kindern verliehen." (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Adar-Weadar 5654. — März 1894. Freitag 24 :! 2; E. b. R. 6h 21'9<“ Samstag : 25 V' ij 3 | S. Schekalim Sonntag 26 i; 4 ' Montag 27 5 Dienstgg 28 , 0 Mittwoch .29 7" Donnerstag 30 1 Rösch Chodesch •! 8, Freitag!j 1 2 . 9 Briefkasten. Jur. Stud. I. Arnstein in Prag. Jene Mittheilnngen der Journale sind officivs dementiri worden und haben den Stempel der Unaufrichtigkeit an der Stirne getragen. Tr. G. in M. Diesmal ungeeignet. Concuvs. In de^israel. Caltusgemeinde Suczawa in der Bukowina ist die Stelle eineV Rabbiners mit dem Jahresgehalte von fl. 800 ü. W., einer Remuneration für die Ertheilung des Religionsunterrichtes an dem hiesigen k. k. Obergymnasinms und sonstigen Einkommen zu besetzen. Die Bewerber haben ihre Gesuehe mit den gesetzlich erforderlichen Nachweisen der österreichischen Staatsbürgerschaft und der absolvirten theologischen Studien bis 1. April 1. J. an dem Gefertigten zn richten. Der israel. Cultusvorsteher: Suczawa, im Februar 1894. Dr. Adolf Finkler Landesu. Gerichts-Adv. Isr. Real- und Handelsschule mit Pensionat zu Pfungstadt b. Frankfurt a. M. Gegründet im Jahre 1875. Gewissenhafte religiöse Erziehung, gründliche Ausbildung, sorgfältige Verpflegung. Vorzügliche Referenzen. Mässige Preise. Näheres durch Dr. Barnass, Director.