Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 9 VrsterreichMtze WochrnsttzrM Seite 175 zum Secretär Herr Advocat Dr. Franz Mezei einstimmig gewählt. Der Verein zählt jetzt schon nahezu 1000 Mitglieder und verfügt über ein namhaftes Capital. (Rabbin ereinweihung). Im festlich geschmückten Tempel der Landesrabbinerschule ging am 22. Februar, Vormittags 11 Uhr die feierliche Entlassung von neun Rabbinatseandidaten vor sich. Bei dieser Feier waren anw7 cnd der gesummte Lehrkörper der Landesrabbinerschule, darunter die Professoren Moses Bloch, Wilhelm Bacher, David Kaufmann und Ludwig Blau im Ornat, der Lehrkörper der Landeslehrerpraparandie mit dem Director Josef Banozi an der Spitze, der Präses der Landeskanzlei Marti n S ch w e i g e r, der Präses der Pester jüdischen Gemeinde Sigmund K o h n e r, der Präses derChewra Kadischa Albert Reuß, die Rabbiner Samuel Kohn und M. Kayserling, mehrere Rabbiner aus der Provinz und andere Notabilitäten. Der geräumige Tempel war von dem anwesenden Publicum, darunter auch Damen in großer Anzahl, bis zum Erdrücken voll; selbst die Borräume des Tempels waren dicht besetzt. Nachdem vom Chor der Landesrabbinerschule unter Leitung des Obercantors Lazarus Psalm 100 wirkungsvoll vorgetragen wurde, richtete im Namen der Prüfung-commission Herr Rabbiner Dr. M. Klein aus Groß-Becskerek ermahnende und belehrende Worte an seine neuen Berufsgenossen. Hierauf hielt der Candidat Dr. Samuel K r a u ß in seinem eigenen und im Namen seiner College» eine tief empfundene Abschiedsrede. In Begleitung einer längeren hebräischen Rede überreichte nun Rabbiner Moses Bloch den Candidaten die hebräisch geschriebenen Diplome und ertheilte ihnen den Priestersegen. Mit der Absingung der ungarischen Nationalhymne endete die erhebende Feier. — Bei dieser Gelegenheit wurden die folgenden Nabbinatscandidaten, die zum Theil bereits in Anstellung find, entlassen. DieDoctoren Dav idFriedmann, Simon H andler, Prediger in Kaschau, Samuel Krauß, Prof, an der isr. Landeslehrerpraparandie in Budapest, E m a n u e l Lenke, Rabbiner in Ung.-Ostrau in Mähren, Franz Lövy, Rabbiner in Nagy-Atad, N. Mandel, Rabbiner in Mindfzent, Max Pollak, Rabbiner in Sopron, Mathias Rub in stein, Religionsprofessor der Pester isr. Gemeinde, Bernhard Singer, Rabbiner in Tapolcza. Sämmtliche Candidaten waren zehn Jahre hindurch Zöglinge der Landesrabbinerschule. Budapest, 16. Februar. Heute vormittags wurde hier Mayer Kraus de Megyer, der das 85. Lebensjahr erreicht, unter großer Theilnahme zu Grabe getragen. Mayer Kraus kam vor ungefähr 40 Jahren als schlichter Jude nach Budapest und eröffnete hier einen Branntweinladen. Das Glück war ihm jedoch günstig und da er dabei auch großen Geschäftsgeist und großen Fleiß besaß, so erwarb er sich nach und nach ein Vermögen, wurde dann Großindustrieller und Millionär, und vor einigen Jahren erhielt er auch vom Könige den ungarischen Adel. Prag. (DerBerein für geregeltenGoltesdienst o er Israeliten in Prag) hielt Sonntag den 18. d. M. im Sitzungssaale des Tempels seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr M. H. Neustadtl widmete dem verstorbenen Prediger und Rabbiner Herrn Regierungsrarhe Prof. Dr. Kaempf einen ebrinden Nachruf, in welchem er dessen große Verdienste um die Verherrlichung des israelitischen Gottesdienstes während dessen 40jähriger Amtswirksamkeit eingehend würdigte. Das Andenken an den Verewigten wurde von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt. Sodann erstattete der Secretär Herr Dr. Sigmund Schneider den Geschäfts¬ und Rechenschaftsbericht, demmfolge der Veimögensstand 33.3ll fl. inclusive des neuerworbenen Realbesitzes aufweist. Der Bericht wurde mit großer Stimmenmehrheit genehmigt und dem Gesammtvorstande, sowie dem Bereinscassier Herrn Moriz Austerlitz ter Dank ausgesprochen. Den nächsten Programmpunkt bildete der Vorschlag des Vorstandes, betreffend die Neubesetzung der Predigerstelle, für welche derselbe den seit September vorigen Jahres als Rabbiner und P,ediger fungirenden Herrn Dr. Armand Kaminka empfa l. lieber den von Herrn S. Weltsch gestellten und von Herrn Elkan Fischl warm befürworteten Antrag wurde von der zahlreich besuchten Generalversammlung Herr Dr. Amand Kaminka einstimmig zum Rabbiner und Prediger am Tempel auf die Dauer von drei Jahren gewählt. Bei den sodann erfolgten Wahlen in den Vorstand erscheinen auf drei Jahre gewählt als leitende Vorsteher die Herren: Samuel Fischl, Moriz Maier und M. H. Neustadtl, als Secretär Herr JUDr. Sigmund Schneider u >d als Vermaltungsräthe die Herren: Moriz Austerlitz, Seligmann Elbogen, Sigmund Mauthner, JUDr. Isidor Petschek, JUDr. Ludwig Pick, Julius Pollak und Göttlich Schmales. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jede» unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzung» rechte Vorbehalten.) „Glaubst Du? Glaubst Du das wirklich?" hatte Dina in überquellender Bitterkeit gerufen, „ich nicht! Ich fürchte, Gott hat sein Antlitz für immer von uns abgewendet"; allein, als die beiden Frauen an einem einschichtigen Bauernhöfe vorüberkamen, meinte Dina selbst, Eva möge es versuchen, Einlaß zu erbitten. Das Mädchen war zitternd an das Thor getreten und hatte zuerst schüchtern, und als dies erfolglos blieb, etwas stärker angeklopft. Jetzt wurde den Frauen allerdings eine Antwort, aber sie verhieß nichts Gutes: „Kommst Du endlich nach Hause, Du Trunkenbold, Lump, Spieler, der Du statt zu arbeiten, den ganzen Tag im Wirthshaus fitzest und Karten spielst", rief eine rauhe Männerstimme, „komm' nur. wir werden Dir schon Deine Liederlichkeit austreiben, ich werd' Dir zeigen, das Geld im Wirthshaus zu verlumpen und zu verspielen, ich schlag Dir alle Knochen entzwei", auch wurden Männertritte und das Bellen eines Haushundes, der heftig an seiner Kette zerrte, vernehmbar, ein schwerer Balken, der inwendig als Riegel vorlag, wurde niedergelassen, das große Thor, das in den Angeln kreischte, geöffnet und ein alter Bauer, die Bäuerin, ein Knecht und eine Magd, die eine Stalllaterne trug, traten aus demselben. Das zorngeröthete Gesicht des Bauern, der derbe Knoteustock in seiner, der Dreschflegel in des Knechtes Hand deuteten darauf hin, daß es dem Bauer mit seiner Drohung gegen den ungerathenen Sohn Ernst war. Daß er sich in seiner Erwartung getäuscht und statt des Sohnes zwei fremde Frauen vor dem Thore fand, schien seine üble Laune noch zu vermehren und er herrschte die zitternden Frauen an, weshalb sie am Thore geklopft? Dina hatte vor Schrecken nicht zu antworten vermocht, aber Eva faßte sich ein Herz und antwortete, sie wären zwei arme Frauen, die sich auf dem Wege verirrt und höflich bäten, da sie in der Nacht nicht ihren Weg fortsetzen möchten, ihnen zu gestatten in irgend einem Winkel des Hauses Überyachten zu dürfen; sie würden sich mit dem kleinsten Raume begnügen, nicht die geringste Ungelegenheit bereiten und am Morgen mit dem Frühesten aufbrechen. Die Art und Weise, in welcher Eva ihre bescheidene Bitte vortrug, wahrscheinlich auch deren gewinnende Erscheinung, machten auf den polternden Bauern einen günstigen Eindruck und er schien geneigt, sie eintreten zu lassen, aber plötzlich stieß die Magd einen Entsetzensschrei aus und rief: „Was fällt Euch da ein, diese Weibsbilder einzulaffen. .... Das Mädchen hat kohlschwarze Haare und kohlschwarze Augen, sie ist wie ihre Begleiterin, eine Zigeunerin. Das Gesindel verhext das Vieh. Sonntag beim Tanz im Wirthsbaus' haben sie erzählt, daß zwei Zigeunerinnen, denen ein Bauer aus Barmherzigkeit über Nacht Unterstand gegeben, die Küh' verhext haben, daß sie am nächsten T?ge keine Milch gegeben, vielleicht sind es dieselben." „Fort, fort, Ihr miserables Gesindel", schrie jetzt die Bäuerin, „Wenzl. kett' den Hund los und hetz' ihn auf das elende Zigeunervolk; sie könnten auch bei uns ihre verruchten Zauberkünste ausüben" und auch der Bauer wurde von der Furcht seiner abergläubischen Umgebung angesteckt und schrie: „Trollt Euch weiter! bei mir ist für Weiber, die des Nachts herumstreifen kein Platz!" und da der dienstwillige Knecht, den Befehlen der Bäuerin gehorsamend. den großen Hund von der Kette loslöste und dieser in wilden Sprüngen auf die beiden Frauen losstürzte, erschien es den zu Tode Erschreckten noch als ein Glück, daß der Bauer zornig den Thorflügel zuwarf. Als Dina und Eva dann weiterschritten, begann jene leise heftig zu schluchzen. Eva zermarterte ihr Gehirn, um in dieser entsetzlichen Lage noch ein Wort des Trostes und der Beruhigung zu finden und sie sprach: „Der Schimpf, der uns von fremden Leuten, die uns nicht kennen und für etwas Anderes halten, als wir sind, zugefügt wird, kann . Dich doch nicht kränken. Beruhige Dich nur, mein liebes Mütterchen, ich weiß allerdings nicht, wie es mit uns werden wird; aber ein gutes Sprichwort sagt: Wo die Noth am höchsten, ist die Hilfe am nächsten!" „Das Eine muß ich Dir gestehen, unsere Noth ist so hoch gestiegen, daß eine Steigerung nicht mehr möglich ist!"