Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 9 Veflerretttztfihr Wochenschrtfl Seite 173 dem Freispruche Pfeffer's und Grundler's, dagegen wurde Pichler wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu zwanzig Gulden Geldstrafe verurtheilt. Wien. (Auflösung eines antisemitischen Vereines.) Der „Politische Verein des XIII. Bezirkes", dessen Obmann der Gemeinderath Ziegelwanger ist, hatte für gestern in Hopfner's Restauration in Hietzing eine Versammlung einberufen. Da die auf dem Programm angeführten Redner, Dr. Lueger, Msgr. Scheicher und Landtagsabgeordneter Polzhofer, sämmtlich absagen ließen, beschränkte man sich auf den Hauptpunkt des Programmes: Auflösung des Vereines. Die Versammelten hatten noch ein anderes Gesprächsthema: das Ableben des Bürgermeisters Dr. Prix. Es ist charakteristisch für den Schlag Leute, die hier beisammen waren, daß Einige gesehen zu haben erklärten, daß die Leiche des Bürgermeisters eine Wunde am Kopfe hatte, während Andere sehr überzeugt behaupteten, daß Dr. Prix das Opfer eines Duelles gewesen sei! Mähr.-Weißkirchen. (Bürgermeisterwahl.) Bei der am 23. Februar stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde Herr Salamon Schlesinger zum Bürgermeister, Herr A. B. Adler zum ersten Gemeinderath, Herr Moses Vogel zum zweiten Gemeinderath gewählt. Lemberg im Februar. Der Anregung des galizischen Landtages, den jüdischen Religionsunterricht zu regeln, scheint schnelle Folge gegeben zu werden. Durch eine Zuschrift des hohen k. k. Landesschulrathes an den Herrn Rabbiner Dr. Caro wird derselbe aufgefordert, das gesamnlte bisher eingegangene Material zu sichten und zu prüfen, damit dasselbe als Grundlage für eine demnächst einzuberufende Enqustecommission dienen kann. Bei dieser Versammlung hervorragender Schulmänner sollen die Lehrpläne für alle öffentlichen Schulen festgesetzt und über die einzuführenden Lehrbücher berathen werden. Das Rescript des hohen k. k. Landesschulraths vom 13. Februar d. I. fordert zur schleunigsten Erledigung der Angelegenheit auf. Mit Bezug auf die Meldung aus anderen Landeshauptstädten sei hier die Bemerkung gestattet, daß auch der Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Dr. Caro, zu allen officiellen Ballfesten und Empfängen des Statthalters Grafen Badeni und des Landmarschalls Fürsten Sanguszko geladen und erschienen war. Budapest. Bor einem Jahre wurde hier ein gewisser Nathan Popper wegen eines angeblich in Balassa Gyarmeth verübten Betruges zu einer zweijährigen Kerkerstrafe verurtheilt, von welcher, derselbe bisher ein Jahr verbüßt hat. Am 20. v. M. nun erschien der aus Wien zugereiste christliche arische Hutmachergehilfe Johann Wettenhein bei der hiesigen Oberstadt- Hauptmannschaft und suchte um seine Verhaftung an mit der Angabe, daß er der Thäter jenes in Balassa-Gyarmeth verübten Betruges sei. Der Vorfall ist überaus bedeutsam für die von den Antisemiten so gerne ins Treffen geführte jüdische Criminal-Statistik. Die Thatsache, daß ein Angeschuldigter Jude ist, belastet ihn von Haus aus in den Augen der Gerichtsbehörden mit einem stärkeren Verdachte und ungerechte Verurtheilungen wie jene des Nathan Popper sind daher nichts Seltenes. Paris. (Ausze ichnung eines österreichischen Gelehrten in Paris.) Die Pariser medicinische Facultät hat einem österreichischen Gelehrten, Herrn Dr. Emil Berger, der als „Prc>ts88eur lidre" der Augenheilkunde in Paris wirkt, für seine Vorlesungen über die Beziehungen der Augenkrankheiten zur allgemeinen Medicin die „Mention honorable" des Prix Chatauviilard zuerkannt. Es ist dies bereits die dritte Auszeichnung, die dem jugendlichen Forscher von Seiten der wissenschaftlichen Corporationen Frankreichs zu Theil wurde; im Jahre 1888 erhielt derselbe einen Prix Montyon des Institut de France, im Jahre 1892 den Prix Amussat der Französischen Akademie der Medicin. Bei der Aufführung des neuen Stückes „I-es OaboUnes" von M. Pailleron in der Comedie Franoaife sind nicht weniger als fünf jüdische Schauspieler in den Hauptrollen beschäftigt, nämlich die Herren Worms, Beer und Leituer, Societäre des Theaters und die Damen Brandes und Hadamard. — Der junge Violinspieler Bronislav Hubermann macht Mit seinen erstaunlichen Leistungen Aufsehen, so daß das Publicum sich zu Wen Concerten drängt. Hubermann ist erst 8 Jahre alt; er ist der Sohn eines in Paris lebenden ruffischen Emigranten, genoß seinen künstlerischen Unterricht unter der Leitung von Dr. Josef Joachim und hat bereits in vielen Städten Deutschlands und Belgiens unter großem Staunen des Publicums concertirt. Im „Salle Erard" spielte er vor einer erlesenen Zuhörerschaft das Concert von Mendelssohn, eine Nocturne von Chopin, eine Sonate von Bach und die Zigeunerweisen von Sarasate. Die Pariser find voll des Lobes über das Spiel des kleinen Künstlers. New-Nork. Am 18. Februar wurde im städtischen Opernhause eine Extravorstellung von „Carmen" mit Mme. Calvs in der Titelrolle gegeben, behufs Gründung eines Reservefonds für die vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten. Die Logen wurden im Tempel Emanuel verkauft und ergaben mehr als 5000 Dollars. Eine Loge wurde sogar zweimal verkauft, indem der Käufer, welcher für dieselbe 175 Dollars gegeben hatte, dieselbe den vereinigten Wohlthätigkeitsanstalten zum Wiederverkäufe schenkte. Bei den Congreßwahlen ging unser Glaubensgenosse, Herr Isidor Strauß, Bruder des früheren Gesandten in der Türkei, Herrn Oscar Strauß, als Sieger hervor. Strauß ist in Baiern geboren, Schatzmeister des Montefiore House und Vicepräsident des Mauhattan-Hospitals. Strauß ist der einzige Jude im Congreß in Washington. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 25. Februar 1894 wurden getraut: Im Stadttempel: Herr Heinrich Drab mit Frl. Sofie Fried, Herr Carl Ehrenfeld mit Frl. Adrienne Billitzer, Herr Marcus Wolf Barber mit Frl. Regina Singer, Herr Samuel Duka mit Frl. Karoline Kohn. Im Leopoldstädter Tempel: Herr Avram Meir Boehover mit Frl. Fanni Zikel, Herr Max Nelken mit Frl. Paula Gold, Herr Jacob Schüller mit Frl. Ester Müller. Im Tempel des VI. Bezirkes: Herr Dr. Wilhelm Großmann mit Frl. Johanna Doktor. Im Tempel des IX. Bezirkes: Herr Arnold Schleifer mit Frl. Marie Fürst, Herr Isidor Jellinek mit Frl. Johanna Mandl, Herr Moriz Lustig mit Frl. Emma Heller. (T r a u u n g). Sonntag den 4. März findet im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Hugo Fischer mit Frl. Martha Töpfer statt. Die Braut ist die Tochter des Arztes Herrn Dr. D. Töpfer und der Bräutigam ein Sohn des verstorbenen Cantors Fischer der Wiener israel. Cultusgemeinde. — Sonntag den 11. März, 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Hedwig Liebes n y, Tochter des Herrn Leopold L i e b e s n y , mit Hrn. Bernhard Feiermann statt. (Verlobung.) Herr Med. - Dr. Jacob Rappaport, k. k. Polizei-Assistenzarzt in der Leopoldstadt, hat sich mit Frl. Louise Reich, Tochter des in weiten Kreisen bekannten und geachteten pensionirten Oberlehrers Herrn Lazar Reich in Raudnitz, verlobt. Auszeichnung. Der hiesigen renommirten Selchfleischw aaren-Fabrik D. Löwy ist von der Jury der Brüsseler Nahrungsmittel-Ausstellung die große silberne Medaille mit Diplom zuerkannt worden. Es ist dies eine Anerkennung, welche der genannten Firma mit vollem Rechte zu Theil wird. Der außerordentliche Aufschwung, welchen die Selchfleisch- Waaren-Production seit einer Reihe von Jahren in Wien genommen, ist zum größten Theil das Verdienst der rührigen Firma D. Löwy, welche ihre Fabrikate zu einer auch außerhalb Oesterreichs geschätzten Specialität zu gestalten wußte. Dieselben sind zu einem Consumartikel geworden, welcher nicht blos als Nahrungsmittel für die minder bemittelten Clasien von Bedeutung ist, sondern sich durch seine Schmackhaftigkeit und seinem Nährwerth auch in den besseren Kreisen eingebürgert hat. Wien, den 27. Februar 1894. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Dieser Verein hält am Samstag den 3. März l. I. um ll& Uhr Abends in Khuner's Restaurant eine Plenar-Versammlnng ab. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag des Gemeinderathes Herrn Dr. Heinrich Friedjung: „Ueber das Gewerbe und seine Gegner". 3. Vortrag des Landtagsabgeordneten. Stadt- und Gemeinderathes Herrn Constantin Noske: „Ueber die Organisation der Arbeitsvermittlung und das Dienstbotenwesen". 4. Interpellationen. Damen und Gäste willkommen. Wien. Donnerstag den 22. Februar 1894 fand im türkisch-israelitischen Tempel ein feierlicher Gottesdienst anläßlich des Geburtsfestes des Sultans statt. Es erschienen außer dem