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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 8 Deprrretchifthr Wochenschrift Seitc 157 „Ich bin jung, kräftig, habe Vieles gelernt, — ich werde es, wenn wir in die nächste jüdische Gemeinde kommen, versuchen, mich als Magd, als Köchin, als Krankenwärterin, zu welch' Dienstleistung immer zu verdingen; ich werde mich mit geringem Lohn begnügen, ich bin zufrieden, wenn man uns blsS die Kost und etwas abgelegte Kleider gibt." „Eva, mein Kind", hatte Dina ausgerufen, „waS sprichst Du?" „Nichts Unvernünftiges, wie ich glaube", hatte Eva mir zuckender Lippe, wehmüthig lächelnd geantwortet. „Wenn Du Dich auch so tief erniedrigen wolltest, es würde nichts nützen, wer würde zwei arme, zerlumpt gekleidete Frauenzimmer, die keine Reisepapiere besitzen und nichts Näheres. über sich geben wollen, ausnehmen? . . . Solchen schenkt man im besten Falle einen Kreuzer, ein Stück Brot, einen Teller Suppe, läßt sie, um ihre erstarrten Glieder zu wärmen, am Ofen in der Küche sitzen, dann schickt man sie, nachdem man ihre Taschen untersucht hat, ob sie nichts gestohlen, weiter." Dann waren sie wieder einige Stunden, ohne ein Wort zu sprechen, gegangen. „Da wohnen Juden!" rief Eva, als sie in das nächste Dorf kamen, „es ist eine Mesuse*) an der Thüre, ich werde ansragen, ob die Frau eine Magd braucht." „Thue es nicht!" rief Dina. „Was kann daraus für ein Nachtheil entstehen?" hatte Eva geantwortet, „wenigstens werden wir uns kurze Zeit in einem geheizten Raume erwärmen können, und . . war Eva zögernd förtgefahren, „es tst gerade Effenszeit, die Landjuden sind gastfreundlich, vielleicht fordern sie uns auf, an ihrem Mahle theilzunehmen. Ein Löffel warmer Suppe würde uns wohl thun!" Die beiden Frauen traten in das Häuschen; schon auf dem Flur hörten sie ein häßliches Gezänke zwischen einem Manne und einer Frau; Dina und Eva waren eben im Begriffe, sich scheu zurückzuziehen, als sich die Zimmerthüre öffnete und ein älteres, häßliches Weib, dem ein jüngerer Mann folgte, herausträt, die beiden Frauen heftig anfnhr und kreffchend frug: wer sie wären und was sie hier zu suchen hätten. Eva sah es wohl ein, wie unpassend es unter solchen Umständen sei, die Frage an die Frau zu richten, ob sie. etwa eine Magd aufnehmen wolle; allein dem Drucke der äußersten Noth nachgebend, begann sie erröthend und erblassend die Anfrage. Die häßliche Frau blickte verwundert auf , das schöne Mädchen schien einen günstigen Eindruck auf sie zu machen und Eva hoffte schon, gegen ihre ursprüngliche Erwartung, auf eine günstige Erledigung, allein nun sprach der Mann und zwar in einem schmeichlerischen Tone, der mit seinem frühern lauten Geschrei im sonderbarsten Gegensätze stand: „Meine liebe, goldene Jochebed, Du könntest wirklich ein tüchtiges, braves, rechtschaffenes Mädchen als Magd aufnehmen, Du hättest dann nicht nöthig, selbst so viel zu arbeiten" und dabei glitt sein Blick begehrlich über die hohe Gestalt des Mädchens^ aber die Frau fuhr in wildem Zorne auf und schrie: „Du nichtsnutziger Lump! Das hübsche Mädchen gefällt Dir vielleicht noch besser, als die Bauernmägde, denen Du nachlaufst? Wieso weißt Du, daß die wildfremde Person, tüchtig, brav und rechtschaffen ist? — Oder kennst Du sie, hast Du sie in Proßnitz am Markte gesehen und mit ihr verabredet, daß sie sich mir als Magd anträgt und sich in meinem Hause einnistet? Daraus wird nichts! Vergiß es nie, daß Du em armer Lump warst, als ich unglückliche Frau Dich zum Gatten nahm", dann hatte sie sich in höchstem Zorne zu Eva und ihrer Mutter gewendet und wie eine Furie geschrieen: „Marsch hinaus, Ihr nichtsnutziges Gesindel, sonst jag' ich Euch mit dem Besen mit blutigen Köpfen zur Thüre hinaus!" und endlos tief beschämt, wankten Mutter und Tochter aus dem Hause. „Ich hatte Dich gewarnt", sprach Dina unter strömenden Thränen» „Du hättest mir folgen sollen, es wäre uns dann wenigstens diese unverdiente Schmach erspart geblieben." „Ich folge Dir gerne, liebe Mutter", hatte Eva geantwortet, „aber ist Dir ein anderes Mittel, unser Leben zu erhalten, bekannt?" Darauf waren die beiden Frauen wieder im starken Froste, stundenlang ohne ein Wort zu sprechen, ziellos in fieberhafter Hast vorwärts geschritten, endlich war die Nacht her eingebrochen. *} Eine mit Bibelsprüchen beschriebene Pergamenlrolle. „Wo werden wir übernachten?" hatte endlich Dina verzweifelnd das lange Schweigen gebrochen. „Wie Du sagst, besitzen wir nichts, um eine Herberge zu bezahlen — und im Freien können wir doch nicht bleiben!" „Es wird nicht so schlimm werden", versuchte Eva zn rösten, aber das Zittern ihrer Stimme bewies, daß sie das, was fie sprach, selbst nicht glaubte, „wir werden an einen- Bauernhause anklopfeu; man wird uns gestatten, in dem Winkt ', einer Scheuer, vor Schnee und Sturm geschützt, die Nacht z:: verbringen . . . Gott wird uns ja nicht ganz verlassen", fügt. Eva unwillkürlich hinzu. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Adar 5654. — Februar-März 1894. Freitag!! 17 ,i!! " Ij23 : E. d. ')l. 6 tl*4m Samstag 18 ii Ü24 Sonntag 19; ii 25 ■ Montag 20 j ii 26; Dienstag 21,' ii 27 : Mittwoch 22 ij 28 ' Donnerstag 23!! i:| Freitag 24!i 0 Ü II Ii Briefkasten. „ConfessiousloS . Wir können uns nicht entschließu, diese traurigen Vorgänge, die beiden Theilen nicht zur Ehre gereicht, öffentlich zu besprechen. P. K> Wenden Sie sich an den k. k. Landesschulrats) Dr. G. Kohn, I., Salzgries 9, welcher in der Angelegenheit das entscheidende Wort hat. Sosie Ast, Distriktsarztens-Gattin. Ihr Bericht kam zu spät, nachdem ein anderer bereits gesetzt war. Verehrer der Wochenschrift in Pilsen: Wollen Sie mit Ihrer Anfrage direct an den Herrn Rabbiner wenden. Ei »gesendet aus der Geschäftswelt. Das in den weitesten Kreisen auf dem Gebiete der Möbelindustrie best eingeführte Etablissement für Möbel und Wohnungseinrichtungen Heinrich Bäck, Wien, 7. Bez., Mariahilserstraße 74a hat, dem Wunsche der mährischen Bevölkerung Rechnung tragend, in der Landeshauptstadt Brünn eine Niederlage ihrer Erzeugnisse am 1. Jänner eröffnet, ein Etablissement einzig in seiner Art und dieser Stadt zur Zierde gereichend. Der Zuspruch, dessen sich das neue Unternehmen schon jetzt zu erfreuen hat, beweist die besondere Leistungsfähigkeit dieser rührigen Firma, welcher wir den besten Erfolg wünschen. Allgemeine Drpvstten-Bank. Der Verwaltungsrath beehrt sich hiemit die stimmberechtigten Herren Actionäre der Allgemeinen Depositen-Bank zur zweinnd zwanziasten ordentlichen Generalveriammlnng. welche Samnag. den 3. März 1894» Vormittags 10 Uhr im Sitzungssaale des Anstaltsgebäudes (I. Be. Schottengasse I) stattfinden wird, ei:iznladen. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1893. 2. Bericht der Revisoren. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahl eines Mitgliedes des Berwaltnngsrathes. 5. Wahl des RevisionsansschuffcS, bestehend aus drei Mitgliedern und einem Ersatzmanne. Die Herren Actionäre, welche ihr Stimmrecht auszuüben wünschen, werden eingeladeu, nach 8 18*) der Gesellschaftsstatnten ihre Actien mindestens 8 Tage früher, d. i. bis 23. Februar 1894 bei der Allgemeine» Depositen-Bank in Wien (I., Schottengnsse l) zu hinterlegen. Der Rechnungsabschluß pro 1593. wird den zur Generalvcr sammlung legitimirten Herren rechtzeitig zugeseudct werden. Wien, den 17. Februar 189*. Der Verwaltungsrath *) § 18. Jeder Aktionär ist in der Generalversammlung zu so diel Stimmen berechtigt, so viel Mal er 10 Actien besitzt. Actie-, auf Grund deren in einer Generalversammlung ein Stimmrecht «ungeübt werden soll, müssen sammt den noch nicht fälligen Coupons mindestens 8 Tage vor dem Tage der Bersammlnng an einem vom Berwaltungsrathc kundgemachten Orte deponirt werve».

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