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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5. Wien» 2. Februar 1894. Jahrgang XI Centralorgsn für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. -^- Eigenthüiner: Keichsraths-Abgror-neter vr. Koch. -- - Erscheint jeden Freitag. Man abonnirt bei allen Postsnfialkrn des In- und.Auslandes. Inhalt: Leitartikel: „Das galizische Falliment." — Pan Berganew gegen die „Oesterr. Wochenschrift." — Zur Schächtsrage. — Die jüdischen Kolonien in Argentinien. — Ein jüdischer Präsident der Handelskammer sür Slavonien. — Dr. Heinrich Jaques. — Heinrich Gomperz. — Dr. Israel Bak. — Gesammt-Lehrplan für den Religionsunterricht der Pester israelitischen Cultusgemeinde. — Korrespondenzen: Wien, Lemberg, Brünn, Troppau, Berlin, Dresden, München, London, Indien, New- Hork. — Vermischtes: Wien, Brünn, Prag, Kzernowitz, Eibenschutz, Kremsier, Pollerskirchen, Raudnitz, Jägerndorf, Berlin, London. — Fürstengunst XLIV. — Literatur. — Wochenkalender. Briefkasten. — Inserate. *= »rrogSPrri« für Srstrrrrtrk»: Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare 15 kr. Für'» Ausland: halbjährig s fl. —! 0 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 M Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petttzeile 12 kr. K. k. Poysparcalstn-Amt Clraringv erkrhr Nr. 810.976. Srdartion und Administration: Wien Franx Iosrfs-Anai Nr. 3. Telephon - Nr. 6535. „Das galisische Falliment". Ein merkwürdiges Zusammentreffen! Am letzten Montag brachte die „Extrapost" einen Leitartikel „über das Streberthum unter unseren Advocaten", welcher in Anlehnung an das bekannte Gutachten des Landesgenchts - Präsidenten Grafen Lamezan der Mehrzahl unserer jüngeren Advocaten Arroganz, Reclame- und Gewinnsucht vorwirft. Gleichzeitig erschien in der „Sonn- und Montagszeitung" ein Artikel aus der Feder des Wiener Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Friedrich Elbog e n, welcher, von einem einzelnen Fall aus der Praxis des Verfassers ausgehend, den allgemeinen Satz aufstellt: „Es gibt ein galt zisches Falliment. Es ist eine specifische Erscheinung, die vorzugsweise in jenem Kronlande gedeiht. Nicht in dem Sinne, als ob nicht auch anderwärts anläßlich vorkommender Zahlungseinstellungen Unregelmäßigkeiten zu Tage treten würden, die die strafrechtliche Behandlung herausfordern. Allein Galizien ist der classische Boden des Falliments, es ist dort ein sch wung.hafter Industriezweig geworden." Das „galizische Falliment" ist ihm ein Gattungsbegriff. Der galizische Handelsmann mache aus demselben rin Geschäft, er denke daran schon bei seiner Etablirung, er vererbe die Praxis der Crida auf Frau und Kinder und mache bei Allem straflos seine Beute, denn die Geschwornen sprechen jeden Cridatar frei, Gericht und Staatsanwalt vermögen nichts auszurichten. Dr. Friedrich Elb o gen hat sich „das galizische Falliment" zu seinem Speeial-Steckenpferd erwählt. Nachdem er als socialdemokratischer Anwalt, als naturalistisch-pornographischer Novellist, als collectivistischer Gesellschaftsreformer und als dämmerungssüchtiger Dramatiker sich vergeblich bemüht hat, die Höhen der Reclame zu erklimmen, offerirt er sich nun der privatcapitalistischen Großindustrie als juristischer Nothhelfer gegen die kleinen galizischen Händler. Er hat schon einmal eine Reihe von Artikeln über die sogenannte „Tarnopoler Moral" veröffentlicht, in welchen er über die Corruption der galizischen Geschäftswelt wetterte und die Fabrikanten vor allzu nachsichtiger Creditgewährung warnte. Zunächst eine Frage an Herrn Dr. E l b o g e n: Was würde er dazu sagen, 'wenn es Jemandem einfiele, die allgemeinen Anwürfe der „Extrapost" über die Frechheit, das Streberthnm, die Reclame- und Gewinnsucht der Advocaten auf Alle persönlich zu beziehen? Er hätte vollkommen Recht, sich darüber zu entrüsten. Er würde sagen, die Behauptungen der „Extrapost" mögen bei dem einen oder anderen seiner College» zutreffen, aber in solcher Allgemeinheit seien sie eine ungerechtfertigte Herabwürdigung des ganzen Standes und seine Person vor Allem müsse entschieden ausgenommen werden. Nun denn, was Herr Dr. Elbogen über die galizischen Fallimente sagt, ist genau so verdammenswerth, wie die Aeußerungen der „Extrapost". Auch er verallgemeinert, auch er leitet aus einem vereinzelten Falle, in welchem er J>ie Ansprüche seines Clienten nicht durchzusetzen vermochte, die Berechtigung ab, die ganze jüdisch-galizische Geschäftswelt über Einen Kamm zu scheeren. Dr. Elb o gen will an die Spitze der Organisation der Fabrikanten treten, durch welche ein solidarisches Borgehen bei der Creditgewährung ermöglicht würde. Er, der Collectivist, der Proletarierfreund, der Gegner der privatcapitalistischen Wirthschaftsordnung, der Anwalt der Ausgebeuteten und Enterbten plaidirt für ein Cartell der reichen Fabrikanten gegenüber den armen Händlern, für eine Ringbildung, die wie ein gutgeölter Mechanismus den kleinen galizischen Geschäftsleuten den Credit „drosseln" oder wieder freigeben kann. Ja, aber ist denn all' das auch wahr, was der menschenfreundliche Socialreformer Dr. Elbogen von den galizischen Handelsleuten behauptet? Zur Beurtyeilung der Creditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit der galizischen Kaufmannschaft im Allgemeinen ist nach unserem Dafürhalten der Advocat in allerletzter Linie berufen, denn es ist klar, daß ihm nicht die leicht eindringlichen Forderungen zur Eintreibung übergeben werden, sondern daß man sich erst in den allerschwierigsten Fällen an ihn wendet. Ein richtiges Urtheil gewinnt nur der Kaufmann selbst, der mit Galizien arbeitet, weil er im Stande ist, einen Durchschnittsmaßstab anzulegen. Wo der Kaufmann nur einigermaßen in der Lage ist, sich selbst zu helfen und dem Schuldner auf gütlichem Wege zur Zahlung zu vermögen, vermeidet er den Weg zum Advocaten, und das ist die Mehrzahl der Fälle. Herr Dr. Elbogen hätte als Advocat und Socialpolitiker, bevor er seine furchtbaren Anklagen gegen das Land Galizien erhebt, wenigstens die vom k. k. Justizministerium bearbeiteten Ergebnisse des Concursverfahrens der k. u. k. statistischen Centratcommission zu Rathe ziehen sollen. Band XkX., 2. Heft der Oesterr. Statistik: „Die Ergebnisse des Concursverfahrens im Jahre 1885" constatirt, daß in diesem Jahre Concurse eröffnet worden find: in Niederösterreich ein Concurs auf 9241 Einwohner; in Böhmen auf 20.148 Einwohner; in Mähren auf 16.823 Einwohner; in Galizien dagegen auf 44.804 Einwohner. Ein Kridafall entfiel im Jahre 1885 durchschnittlich auf Einwohner : In Niederösterreich ans 5208; in Steiermark 20.569; in Kärnten 18.354; in Böhmen 12.725; in Mähren 12.030; in Galizien hingegen erst auf 30553. Band XXIV, 2. Heft der Oesterreichischen Statistik: „Die Ergebnisse des Concur-verfahrens im Jahre 1886" constatirt: In Riede..ösierreich ein Concurs auf 10.498 Einwohner, in Salzburg auf 16.357 Einwohner, in Böhmen auf 18.113 Einwohner, in Galizien dagegen auf 79.552 Einwohner. Ein Cridafall entfiel

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