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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-26 · 4 (26.1.1894) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 74 Vekerreirtzische WochenfchrM Nr. 4 ndem sie, durch wilde Thiere und Schlangen sich bahnbrechend, das Gift, das ihr im Wege liegt, vernichtet, und dem Fortschritte und dem Frieden, nach welchen sie ihre Sehnsucht richtet, zustrebt. Eng schließen sich an den Fortschritt und an den Frieden die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Brüderlichkeit. Wir zweifeln nicht daran, daß das sensationelle Gemälde eine bedeutende Anziehungskraft aus unsere Glaubensgenossen ausüben wird. Wien. Sonntag den 14. Jänner fand im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines ein großes Wohlthätigkeits-Concert zu Gunsten der unter dem Protectorate des Erzherzogs Carl Ludwig stehenden Versorgungs- und Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde statt, welches von dem bekannten Violinlehrer Max Adler trefflich arrangirt wurde. Das reichhaltige Programm wies abwechslungsvolle Piecen auf und bot dem Publicum viel Genuß Wir heben aus demselben insbesonders den wirksamen Bortrag des Herrn Martinelli — er erzielte mit Anzengruber's „Märchen des Steinklopserhans" und Schlögl's „Die Unangenehmen" reichen Beifall — hervor. Fräulein Louise Köhler von der Hofoper trug Brahm's „Sapphische Ode" und eine Arie aus dem „Prophet" mit Empfindung vor. Bemerkenswerth war der Opernsänger Gustav Friedrich, der den Prolog aus den „Pagliacci" mit verblüffender Virtuosität sang. Der junge Mann berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Ebenso verdient das bestgeschulte Ensemble für zwanzig Violinen, das vom Concertgeber arrangirt wurde, Erwähnung; der Violinvortrag des Herrn Adler fand den wärmsten Applaus, als gewandter Cellist erwies sich Herr Arthur Specht. Das zahlreich erschienene Publicum zollte jeder einzelnen Leistung Anerkennung. Wien. (Kinderbekleidung.) Seitens des humanitären Geselligkeits-Vereines „Walzerfreunde" wurden am 20. d. M. im Prachtsaale des Hotels Stephanie in der Taborstraße 16 arme israelitische Schulkinder mit vollständigen Winterkleidern betheilt. Bei dem mir dieser Kinderbekleidung verbundenen Feste hielt der Ehren-Präsident des Vereines Herr stuck. meä. vet. und Lieut. i. d. R. Jacob Wohlmuth eine Ansprache an die sehr zahlreich erschienenen Gäste, welche er in eindrucksvollen Worten bat, den Boden der werkrhätigen Nächstenliebe, welche insbesondere bei unseren Glaubeusbrüdern bei jedem sich darbietenden Anlasse im wahrsten Sinne unserer Religion in eclarauter Weise zum Durchbruche gelangt, nie zu verlassen und den Armen und Hilflosen nach Kräfteil beizustehen. An hie betheilten Schulkinder aber richtete Herr Jacob Wohlmuth die eindringliche Aufforderung, sich schon jetzt durch Ehrfurcht, Liebe und Gehorsam gegenüber Eltern und Lehrern, sowie durch religiöse Gottesfurcht. Strebsamkeit und Fleiß, eine Grundlage für ihr ganzes Leben zu schaffen, damit sie einstens wahrhaft nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden können. Mit der Absingung des Kaiserliedes endete dieser Theil des schönen Festes. Prag. Der Prager Börsenrath hat Herrn 'Siegmund Schlesinger zum Präsidenten wiedergewählt. Prag. (8ub ausxiciis imxerador i8) wurde am 22. v. M. Herr Karl Sohr an der deutschen Karl-Ferdinands- Universität zum Dr. der Rechte promovirt. Proßnitz, 22. Jänner. Gestern fand zu Ehren des verklärten Herrn Oberrabbiners und Predigers Dr. I e l l i n e k im hiesigen, zu diesem Zwecke schwarz drapirtev und ganz beleuchteten Tempel eine Trauerseierlichkeit statt. Zahlreiche Verehrer des hochbv ühmten Verewigten, unter denen wir unseren allgemein beliebteil Bürgermeister Dr. Tri e sch et und unfern eifrigen Cu ltus v v rst an d sahen, versammelten sich zu dieser Feier, die mit einem passenden Trauer- Psalm begann. Hierauf beleuchtete unser verehrter Rabbiner Dr. Hofs, mit seiner ihm eigenen, zu Herzen dringenden Vortragsweise in einer geistreichen Rede das langjährige, heilvolle Wirken des verewigten, unübertroffenen Kanzelredners und unerschrockenen Kämpfers für Licht, Wahrheit und Freiheit. Einen nachhaltigen Eindruck erzielte Dr. Hoff mit seinem Hinweise, daß der verklärte Doctvr Jellinek schon in seiner Jugend als hochbegabter Knabe die damals berühmte Talmudschule des Rabbi Moses Katz Wanefried s. A. besuchte und hier den Grundstein zu seinem bleibenden Ruhme gelegt hat. Auf die begeisternde Rede, in welcher auch des verstorbenen Nestors der mährischen Rabbiner, des sehr frommen, großen Talmudisten Samson Kulka pietätsvoll gedacht wurde, folgte das „EI mole ßachmim“ und das Kadisch-Gebet für die beiden verklärten Lehrer Israels. Mit dem Abendgebete schloß diese Trauerfeier, durch die unsere Gemeinde sich selbst ehrte. E.L. Proßuitz. Eine Trauerandacht für weiland Dr. Adolf Jellinek, welche am 21. d. M. im hiesigen Tempel stattgefunden, versammelte die ganze israelitische Gemeinde, welche durch die Gedächtnißrede unseres beliebten Rabbiners Dr. Hoff in erbauende Stimmung versetzt worden war. Karlsbad. Dem hiesigen Brunnenarzt Herrn Sanitätsrath Dr. Emerich Hertzka wurde vom Deutschen Kaiser der Rothe Adler-Orden verliehen. Holleschau, 21. Jänner. In der hiesigen Synagoge hielt Herr Rabbiner Dr. Freimann eine treffliche Gedenkrede auf den unvergeßlichen Oberrabbiner und Prediger Herrn Dr. Jellinek. In beredten Worten schilderte er die Bedeutung Jellinek's als hervorragenden Forscher, als sprachgewaltigen, geistsprühenden Kanzelredner und als vielseitigen Journalisten von eminenter Begabung. Lemberg, 21. Jänner 1894. Wie alljährlich werden auch heuer in der hiesigen israelitischen Czackischule an den Wintertagen, an denen die Kälte größer ist, 120 Portionen Thee an die Schulkinder auf Kosten des edlen Philantropen Landesadvocaten Dr. Wilhelm Holzer vertheilt. Derselbe läßt den Armen die größte Hilfe angedeihen und findet dieser edle Act auch in den polnischen Tagesblättern besondere Anerkennung. Lipto - Szt. - Miklos, 15. Jänner. (Vorstand sw a h l.) In der gestern stattgehabten Generalversammlung der hiesigen israelitischen Cultusgemernde wurde zum Präsidenten Josef Kohn mit Acclamation wiedergewählt. Bicepräsident wurde Dr. Hermann Mayer, Cassier Ignaz Hahn. Der. Antrag des Dr. Mayer, daß in Zukunft im Tempel auch ungarische Predigten gehalten werden sollen, wurde mit Begeisterung acceptirt. Berlin, 21 Jänner. Unter den beim heutigen Ordensfeste durch Orden Ausgezeichneten erhielt den Rothen Adler- Orden dritter Claffe der berühmte Botaniker Professor Pringsheim in Berlin; den Rothen Adler-Orden vierter Claffe erhielten: Professor Dr. Cohen in Marburg, bekann als ausgezeichneter Kantianer, Augenarzt Professor Dr. Cohn in Breslau, Professor Dr. Hirschfeld in Königsberg, geschätzter Archäologe. Paris. Der berühmte Astronom und Subdirector der Pariser Sternwarte M. Maurice Löwy wurde zum Präsidenten der ^cackemie des Sciences für das Jahr 1894 gewählt. M. Löwy hat das Präsidium am 8. Jänner übernommen. Da dieses Jahr die Präsidentschaft des Central-Comites aller fünf Akademien (die berühmte 4eadewie Fraugaise inbegriffen) welche das Institut de France bilden, dem Präsidenten der Kcaäewie des Sciences zufällt, so wird M. Löwy auch gleichzeitig Präsident des Institut de France fein, eine Ehre, welche bisher noch keinem Juden zu Theil wurde. Genf. Am 24. d. M. hat die Universität in Genf das fünfzigjährige Doctvr - Jubiläum des Professors der Physiologie, Dr. Schiff, eines geborenen Oesterreichers, in feierlicher Weise begangen. London. Bei der jüngst erfolgten Constituirung der österreichisch-ungarischen Handelskammer wurden in das Comite gewählt, zum Präsidenten Herr A. Biedermann, zu Bicepräsidenten die Herren A. G Schiff und S. Weiß; als Comite - Mitglieder: S. Politzer, Louis Roth, Dr. S ch i d r o w i tz und G. Sommer. Baron Alfred Rothschild wurde zum ständigen Ehrenpräsidenten ernannt. Alexander Seligmann. Erlebnisse eines Straßburger Juden während der Schreckensherrschaft der französischen Revolution. Vortrag des Dr. Wilhelm Gabler, Directors der böhm. höheren Töchterschule in Prag, gehalten im historischen Vereine daselbst. Mit specieller Bewilligung des Herrn Verfassers ins Deutsche übertragen von A. Stein, Rabbiner in Sobieslau. (Fortsetzung und Schluß.) Dieser stand die französische Partei gegenüber, die selbstverständlich centralistisch war, da sie nur von einer centralistischen Regierung in Paris Unterstützung und Hilse erwarten konnte. Die deutschen Soldaten kämpften 1793 mit besonderem Erfolge gegen die schlecht organisirten Regimenter der französischen Republik, es war also vorauszusehen, daß das deutsche Elsaß eine willkommene Beute eines glücklichen Siegers werden könnte. Dieses zu verhindern und Elsaß zu einer französischen Provinz zu machen, d. h. die deutsche Partei mit allen Mitteln zu unterdrücken, war die Aufgabe zweier Proconsuln. Saint-Just und Lebas brachten ein eigenes, aus 60 rein französischen jungen Revolutionären bestehendes Corps mit, das in Straßburg als Verein der Propaganda auftrat. Es war dies eine ausschließlich national-französische Propaganda, ausgestattet mit allen Vorrechten unter dem besonderen Schutze der Pariser Proconsuln. Die Mitglieder dieses Vereines trugen eine eigene Kleidung, die rothe Jacobmermütze mit der dreifarbigen Eocarde ans dem Kopfe, langes Haar, bloßen Hals,

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