Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 4 (26.1.1894)
- Date
- 1894-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 4 Vesterrrirhiptze Wochenfchrtfl Seite 67 Die religiösen Ansichten, die er hatte, neigten stark zur Reform hin und auf seinen Einfluß sind auch die meisten in der Wiener Gemeinde eingeführten Verbesserungen zurückzuführen. Er konnte von keiner Partei als ausschließliches Eigenthum angesprochen werden; dazu war seine Seele zu groß, die überall und stets etwas zu bewundern und hochzuschätzen dürstete, unbekümmert, wo immer es zu finden wäre, auf dem alten oder auf dem neuen Pfade. Oft konnte er über den Begriff „streng conservativ mit Zulassung aller modernen Fortschritte", jene Richtung, die sich rühmt, die goldene Mittelstraße zwischen Religion und Politik gefunden zu haben, herzlich lachen, aber er vermied es, sich in eine Polemik dagegen einzulassen. Einige seiner Werke sind sogar Führern eben dieser letzteren Partei gewidmet, die durch Gelehrsamkeit oder sonst welche Verdienste sich hervorthaten. Was ihm verhaßt war, war nur die Unwissenheit, die der Theologen nicht minder wie der Nichttheologen. Die Plattheiten der Reform und der Orthodoxie waren ihm im gleichen Grade ein Greuel. Und doch waren im Allgemeinen Haß und Verachtung seinem Wesen fremd, ein unwesentlicher Bestandtheil desselben. In der That, der Hauptzug seiner Natur könnte nicht besser definirt werden als unendliche Liebe für den Geist des Judenthums und seiner großen Literatur oder wie wir es hebräisch ausdrücken würden ri-nn mnxi bü^' nn.ia. Sein Büchlein: „Der jüdische Stamm" ist allgemein wohl bekannt; wahrscheinlich ebenso seine Brochure „Im Vaterhaus Lord Beaconfield's". Aber wichtiger sind seine zahlreichen Reden in dieser Richtung, (wie z. B. „Der Kampf Israels in der Geschichte") wo der Begriff der Kenesseth Israel bei ihm fast eine übersinnliche Realität wird. Diese Liebe und Bewunderung für den Geist Israels hatten keine Grenze, sie überstiegen alle Scheidemauern, die zwischen den Ländern und Anschauungen der Parteien unter uns sich aufthürmen. In einer seiner hebräischen Studien macht er irgendwo die Bemerkung (mit offenbarem Stolz und Selbstgenügen) „Die Gelehrten und Forscher nahezu aller Länder, Polens, Rußlands und des heiligen Landes mit inbegriffen, hatten jederzeit für mich Liebe und Anerkennung, weil sie, wußten, daß ich jederzeit meine Gesundheit und mein Vermögen zur Ehre der Thora und der jüdischen Wissenschaft zum Ruhme. Israels einsetzte." Diese Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit. Er bewunderte die gelehrte Familie der Falagis in Smyrna, mit der er Jahre lang im Verkehr stand. Er stattete der Erinnerung an Firkovit einen warmen Tribut ab, jenen Führer der karaitischen Gemeinden in der Krim, der trotz seiner Fehler gewisse literarische Verdienste besaß. Er liebte und bewunderte viele der russischen Rabbiner (insbesondere solche aus der Schule des Wilnaer Gaons) die er als Meister der Halachah verehrte, während ihn zugleich die stärksten Sympathien mit deren Gegnern verbanden, den Chassidim, die er als eine Art stummer Poeten betrachtete. In einem seiner letzten Werke gab er eine lange Correspondenz des R. Senior Salman, eines berühmten Führers der Chassidim, heraus. Das Beth-Hamidrasch in Wien, wo er selbst, Weiß, F r i e d m a n u, S z a n t o Unterricht über verschiedene Zweige der jüdischen Literatur zu ertheilen pflegten, war seine Schöpfung und bildet ein weiteres Denkmal seiner Liebe zur Thora. Ich könnte viel von seiner Güte und Liebenswürdigkeit erzählen, die er zur Zeit, da ich an diesem Institute studirte, gegen mich übte. Das aber sind private Dinge, die das Publicum nichts weiter angehen. Einst als ich mit ihm die Ringstraße entlang ging, erinnere ich mich, daß er mir eine Anekdote über R. Bezalel Aschkenazi erzählte (den Autor der „Shita Mekubezet"), die dahin ging, daß dieser Rabbi einen besonderen Diener unterhielt, der die Aufgabe hatte, ihn zu wecken. So oft der Rabbi über seinen Büchern einschlief, war es die Pflicht des Dieners, ihn zu berühren und ihm zu sagen: „Das Leben ist kurz, die Lehre lang; setze fort Deine Arbeit!" Als er diese Geschichte geendigt hattet wandte er sich plötzlich gegen mich um und sagte: „Sind wir auch wach?" Verblüfft hielt ich inne und schwieg. Würde aber eine solche Frage jetzt an mich gestellt werden, ich würde sicherlich antworten: „Nein, Doctor, wir schlafen tief." Wir gehen in der That, wie es scheint, einer absoluten Erstarrung entgegen, wo so erweckende und belebende Einflüsse von uns genommen werden, wie sie aus dem Genie Adolf Jellinek's hervorgingen (Jew. Chronicle.) Vir Hygiene der alten Inden. Vertrag, gehalten im Vereine „Oesterreichisch-israelitische Union" am 13. Jänner 1894. Bon Dr. Jos. M. L o e b l in Wim. (Fortsetzung und Schluß.) Für ein heißes Klima, wo das Blut, wie schon bemeikt, sich in sehr kurzer Zeit zersetzt, Ptomame sich mithin rasch bilden, muß das Verbot dasselbe zu genießen, als ein weises betrachtet werden. „Und Fleisch von im Fe ld e zerrissene m Thiere sollt ihr nicht essen, sondern vor die Hunde werfen." (2. P., M. 22, 30.) Nach Prof. Jäger soll sich im Körper eines gehetzten, gereizten, gepeinigten und schließlich getödteten Thieres eine Substanz ausscheiden, welche der Gesundheit schädlich ist. Soll ja sogar der Speichel eines in Zorn und Wuth gerathenen Menschen giftige Eigenschaften besitzen. In H. H a e s e r's Geschichte der Medicin habe ich gelesen, daß Maimonides in seinem Werke: „Gifte und ihre Heilung" den Biß des nüchternen Menschen für sehr gefährlich hält. Was hier unter „n ü ch t e ru" zu verstehen ist, weiß ich nicht. Andere Ausleger suchen die Ursache dieses Gesetzes darin, weil es in Palästina viele tolle Wölfe und Füchse gebe und ein auf dem Felde zerbissen gefundenes Thier vielleicht von einem tollen Thiere gebissen worden sei und nun der Genuß dieses Fleisches auf den Menschen die Wuth übertragen könne. Man findet diese mosaische Verordnung auch bei anderen Völkern. Pythagoras lehrte, um sich rein zu erhalten, dürfe man kein Fleisch von zerrissenen Thieren genießen. Was den Genuß des Schweinefleisches anbelangt, so sei bemerkt, daß bei vielen Völkern des Alterthums das Schwein selbst, als wie sein Fleisch verachtet ist. Unter den Türken war es eine allgemeine Sage, daß durch ihren Propheten selbst das ganze Thierreich bekehrt worden sei, mit Ausnahme des Schweines. Die Araber enthielten sich schon in alten Zeiten des Schweinefleisches, ebenso die Phönicier, Aethiopier, Indier. Kein Indianer — sagt Pfefferkorn — läßt sich dazu bereden, den Schweinehirten zu machen aus unversöhnlichem Hasse gegen das Schwein, welches sie so verabscheuen, daß sie lieber den bittersten Hunger leiden, als ein Stück Schweinefleisch genießen würden. Plutarch und Aurelian bemerken aus Manetho, daß wer Schweinefleisch ißt, unfehlbar mit Räude und Aussatz behaftet werde. Daß der Genuß des Schweinefleisches unter Umständen auch bei uns zu einer Massenerkrankung Veranlassung geben kann, brauche ich vor so einem gebildeten Publicum nicht erst zu erörtern, es genügt, die Trichinose in Erinnerung zu bringen. Der Curiosität halber will ich erwähnen, daß ein französischer medicinischer Schriftsteller erst jüngst die Behauptung aufgestellt hat, der häufige Genuß des Schweinefleisches verleihe dem Körper eine Disposition für die Krebskrankheit. Er begründet seine Ansicht mit der Behauptung, die Krankheit käme bei den Juden seltener vor. Woher der französische College diese Daten hat, weiß ich nicht, in Frankreich dürfte er sie nicht gesammelt haben, denn ich glaube kaum, daß die französischen Juden dem Schweinefleisch gegenüber sich sehr schüchtern verhalten. In den Wiener Spitälern hat man Gelegenheit, zu beobachten, daß viele Juden, von denen man annehmen kann, daß sie nie in ihrem Leben Schweinefleisch gegessen haben, an Magen- und Leberkrebs leiden. „Alles Unschlitt von Ochsen, Schafen Z i e g e n s o l l t ih r n i ch t essen. Unschlitt von gefallenem und von zerrissenem Vieh kann zu j e g l i ch e r A r b e i t q e b r a u ch t w e r d e n, aber essen sollt ihr e s n i ch t" In heißen Klimaten soll der häufige Genuß des Fettes die Entstehung von Hautkrankheiten begünstigen. In neuerer Zeit hat man aus dem chemisch gereinigten Unschlitt eine Kunstbutter hergeftellt, von der es aber nicht bekannt ist, daß sie der Gesundheit schädlich wäre. Für die Bestimmung, daß nur Wiederkäuer mit vollständig gespaltenen Hufen, von Fischen nur jene, die Flossen