Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 2 (12.1.1894)
- Date
- 1894-01-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Skr. 2 VLflLrrewrlfrtzL Vortzrnsrtzrtp Sette 37 Dr. Adolf IrllineK s. A Noch ein Wort pietätvoller Erinnerung von Rabbiner Dr. S chmiedl. Es sei mir hier gestattet, meinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß der Herr Stenograph meinem am Sarge des Verewigten gehaltenen Nachruf in das Prokrustesbett einer etwas gar zu unbarmherzigen Kürzung eingeengt hatte. Am Schlüsse nleiner Denkrede hatte ich an die eben in der Woche gelesene Perikope (Schemoth) angeknüpft, welche, beginnend mit dem Verse: „Dieses sind die Namen der Söhne Israels", die Zählung sämmtlicher zwölf Namen folgen läßt, und woran die alte Schriftauslegung eine triftige Bemerkung anlebnt: Die Träger .dieser Namen waren damals bereits sämmtlich aus dem Leben geschieden und es sei somit ein Zeichen ganz besonderer Ehrung und Werthanerkennung, daß sie auch nach ihrem Tode gezählt wurden, als wenn sie noch immer zu den Lebenden gehörten. Und so ist es thatsächlich ja noch immer ein untrügliches Zeichen wahrhaft bedeutender, über das Niveau des Alltäglichen weit hinausragender Menschen, daß sie gezählt werden auch nach ihrem Tode, als stünden sie noch immer unter den Lebenden. So zählt ja unser Stamm heute noch in das reiche Inventar seiner großen Männer, aus die er mit gehobenem Bewußtsein, ja mit gerechtem Stolze blickt, die Namen solcher, die schon seit Jahrhunderten die Erde deckt Saddia al Fajumi, Jehnda ha Levi, Mose den Maimun. Und so zählen und nennen wir noch immer mit Verehrung die großen Namen Salomon Löb Rappaport, Leopold Z u n z, Samuel David L u z a t t o, H. Gr ätz, und es ist uns, als wenn sie lebten und wirkten unter uns. Und so werden noch Kinder und Kindeskinder auch Deinen Namen Dr. Adolf Jellin e k nicht aufhören mitzuzählen und mit zu wägen auf der Wagschale der großen Namen, die der Verherrlichung und Verbreitung der großen jüdischen Wissenschaft ihre geistige Kraft geweiht. Nunmehr aber noch ein weiteres Wort. Gleich, auf den frischen Grabhügel hatte ich eine bescheidene Blume der Erinnerung niederzulegen versucht, indem ich die reiche und die mannigfachsten Gebiete umfassende literarische Thätigkeit des Heimgegangenen in flüchtigen Umrissen darzustellen und auf eine charakteristische Eigenart aller dieser Schöpfungen hinzuweisen unternahm. Denn überall zeigt sich neben der sondirenden Reflexion zugleich ein seinsinnger, mehr dem Gebiete der Phantasie verwandter Geist, der stets mit der kritischen Forschung gleichen Schritt hält. Zu den werthvollsten Arbeiten, die aus seiner fruchtbaren Feder kamen, gehören die auf Grund seiner großen Privatbibliotbek gearbeiteten, hebräisch abgefaßten und unter dem gemeinschaftlichen Titel „Kongos", während seiner Wiener Amtsthätigkeit erschienenen 10 bibliographischen Hefte. (Die zwei ersten Hefte erschienen 1877.) In ihrem Zusammenhänge bilden dieselben eine Schatzkammer der jüdischen Bibliographie, und wenn auch hie und da manche Lücke nachgewiesen ward, so wird doch kein Forscher auf dem Gebiete jüdischen Schriftthums diese lehrreichen Hefte entbehren können. — Aber scheinen dieselben auf den ersten Blick nur .eine sogenannte trockene Arbeit zu sein, die der Phantasie keinen Spielraum bietet, da sie doch nur eine lange Nomenclatur von alphabetisch geordneten Büchertiteln enthalten, so hat der gelehrte Recensent des 8. Heftes (Beth-ha-Talmud, I. Jahrgang, S. 352) zugleich auf die freisinnigen Bemerkun gen hingewiesen, die der Verfasser so nebenbei aus der genialen Feder fließen ließ. Hier nur ein einziges Beispiel. Unter Buchstabe M dieses Heftes erscheint auch der Buchtitel: Mell Zedakah — „Der Mantel der Wohllhätigkeit." — Aber da fügt der Verfasser die feine Bemerkung bei: „Welch' ein schönes und — mit Bezug auf 2 M., 28, 33 — echt priesterliches Kleid! nur sollen keine Glocken daran geheftet sein, die durch alle Gassen läuten." Der 5. Theil des „Beth-ha-Midrasoh" ist reich besäet mit lilerargeschichtlichen Forschungen, doch in gleichem Maße auch mit überaus freisinniqen Bemerkungen. Hier wiederum ein einziges Beispiel. Seite XXB bringt aus einem Münchener Codex einen Midrasch zu Ps 103, Vers 13. „Wie ein Vater seiner Kinder sich erbarmt, so erbarmt sich Gott derer, die ihn fürchten." Ueber diese Vergleichung habe der Davidische Feldherr I o a b sein Befremden geäußert, da doch die mütterliche Liebe noch größer als die väterliche sei, bis er später durch Erfahrung zur Erkenntniß gelangte, daß die Liebe des Vaters, kraftvoller und energischer, mit Recht bevorzugt werde. — Wie fein und poetisch ist nun hiezu die Bemerkung, daß hier der Name Jo ab — „Gott ist Vater" — nicht zufällig gewählt wurde und daß hier somit eine Controverse zwischen der Synagoge und der Kirche verhüllt liege, welch letztere die höchste Üiebe nur in der göttlichen Mutter repräsentirt glaubt. Kaum hatte Prof. August D i l l m a n n — der gründliche Kenner des Äthiopischen — das Buch der Jubiläen, ferner das Buch Henoch in die deutsche Gelehrtenwelt eingeführt, als sofort Dr. Jellinek in einer Reihe von kritischen Aufsätzen (v MG Bd. VII, 1835) pag. 249; Bet ha-Midr. II, 1U ui.d V und ebenso in der Monogr. „Ueber das Buch der Jubiläen und das Buch Henoch" (1855'» durch schlagende Nachweise und Belege das Heimatsiecht der Beiden auf jüdischen Boden verpflanzt. Frappant ist der Nachweis, daß Dillm a n n gewisse Ausdrücke gar nicht verstanden, weil er den hebräischen Ursprung nicht gekannt. Wir hoffen, daß ein Editor sich finden dürfte, um die verschiedenen Monographien und die in Zeitschriften — namentlich „Orient", „I/nnivers israelite", Frankl's Monatsschr., Szanto's Neuzeit — zerstreuten Aufsätze in ein Gesammtwerk zusammenzutragen und dem Verewigten auch dadurch ein wohlverdientes Ehrendenkmal zu setzen. Wahl des Präsidenten für das Cnratorium der israel.-theologischen Lehranstalt in Wien. Das Cu: n* torium für die israel.-theol. Lehranstalt in Wien hielt Sonm.-.g den 7. Jänner behufs Neuwahl eines Präsidenten an Stelle des verstorbenen Moriz Freiherrn von Königswarter eine Sitzung ab. Die Wahl fiel auf Herrn Wilhelm R. von Guttmann, welcher einstimmig gewählt wurde. Da Herr Wil Helm von Guttmann an der Sitzung theilzuuehmen verhindert war, so mußte ihm das Wahlresultat schriftlich mitgetheilt werden, und es steht außer Zweifel, daß der Gewählte das Ehrenamt übernehmen wird. Der Initiative des Herrn Wilhelm von Guttmann verdankt das Institut seine Existenz, welches nun auch seiner Leitung und Fürsorge anvertraut ist. Herr Wilhelm R. v. Guttmann hat nicht blos die erste bedeutende Spende für die Gründung des Institutes gewidmet, er hat auch das Interesse der leitenden Kreise für eine Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft geweckt und durch stete Bemühungen immer rege erhalten. Herr- Wilhelm von Guttmann hat, indem er dieses Institut ins Leben rief, sich um das österreichische Judenthum ein großes Verdienst erworben. Auf ihn richten sich nun die Blicke Aller, welche von Herzen wünschen, daß die israel.-theol. Lehranstalt die Hoffnungen erfüllen möge, welche von allen Seiten ihr entgegengebracht werden. Wird es ihm gelingen, begangene Fehler zu repariren, Mißgriffe zu corrigiren, vor Allem den Lehrkörper durch Männer von bewährter Tüchtigkeit und anerkanntem Rufe zu ergänzen, so wird er das Werk, welches er mit so vielem Glück begonnen, auch ruhmreich vollenden. Zehn Jahre des Kampfes. Beim Abschlüsse des zehnten Jahrganges der „Oesterr. Wochenschrift" sind uns von Nah und Fern Zeichen der Sympathie und wohlwollender Gesinnung in solch' großer Anzahl zugekommen, daß es für uns eine Unmöglichkeit ist, jedem Einzelnen brieflich zu antworten. Möge an dieser Stelle allen Freunden und Gönnern für die Beweise der Freundschaft herzlichst gedankt sein. Von den Zuschriften soll jene des wohlbekannten Theologen und Kanzelredners, Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Samuel Back in Prag-Smichow hier wörtlich eine Stelle finden: Prag-Smichov, 29. November 1893. Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. I. S. Bloch, Redaeteur der „O esterr eich isch en Wochenschrift", Wien. Gestatten Sie,, daß ich Ihnen anläßlich Ihrer zehnjährigen, für das Judenthum so erfolgreichen redaetionellen Thätigkeit meine herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck bringe. Sie können auf diese Thätigkeit stolz sein, und wir können stolz sein auf einen solch' unerschrockenen, mit den schärfsten Geisteswaffen ausgerüsteten Kämpfer Wenn man die Namen: Jechiel von Paris, Nachmanid *-'s, Josef Albo, Abraham