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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-01-05 · 1 (5.1.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 1 Jahrgang XI t Wien, 5. Jänner 1894. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudrnthums. & R. h. pDjtfparca!ftn-3J«rt Clearingverkehr Nr. 610.976. ArLartion und Administration: Wien Franx Jopefs-Nuai Nr. 3. Telephon>Nr. 6535. EigrnLhümrr: Reichsraths-Abgrordneler Dr. Kloch Erscheint jeden Freitag. -.>»• -- Mait abonnirt bei allen Postanstalten des In- und Auslandes. %!j Vexugsxrris für Srstrrrrirk:! Halbjährig 4 fl. — 3 Kr.;j Einzelexemplare 25 kr. j Für'» Ausland: I halbjährig S fl. — IO Kr. I ganzjährig 10 „ 20 „ j Anzeigen: Die 4mal gespaltete! Petitzeile 12 kr. X=~-,-M Inhalt: Leitartikel: Adolph Jellinek. — Aufruf an unsere Glaubensgenossen. — Der Conferenzvorschlag. — Der „goldene Sonntag". — Die Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau. — Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines im IX. Bezirke. — Ist Goetze oder Goetz ein echt deutscher oder ein echt jüdischer Name? — Gesammt - Lehrplan für den Religionsunterricht der Pester israelitischen Cultusgemeinde. — Stimmen aus dem Publicum. — Correspondenzen: Wien, Berlin, Krefeld, Claro. — Vermischtes: Wien, Olmütz, Budapest, Hullein, Hamburg, Lauten, Aus Sachsen, Oldenburg, Berlin, Rom, .Mailand, Chicago, Algier. — Fürstengunst XL. — Wochenkalender. — Briefkasten. —Inserate. — Inhalt der Betlage: Dr. Adolph Jellinek. — Dr. Jellinek als Curator der Baron Hirsch-Stiftung. — Das Leichenbegängnlß. — Condolenzen. — Danksagung. I Hi Adolph Jellinek. Ein Leuchtthurm in der Wasser wilder Brandung - Auf mächtiges Urgestein hinaufgethürmt Wirft Ströme Lichtes aus und weist die Landung Wenn Welle tosend über Welle stürmt. Die Möven kreischen und die Wogen toben Und nagen gürig an des Felsen Fuß. Treu schickt der Hüter bei der Flamme droben Durch Nebelbrauen seinen lichten Gruß. Das Licht strahlt fort — der Wächter ist geschieden, Der von der höchsten Warte schaute aus, Er schlummert still in holdem Gottesfrieden Und hört nicht mehr den Sturm rings um sein Haus. Kein Knecht — ein Für st war uns'rer Leuchte Hüter Ein Fürst des Lichtes sinkt mit ihm zu Grab, Verschwenderisch gab er dahin die Güter Und immer reicher ward er, wie er gab. Ein Fürst des Lichtes und ein Fürst der Worte! In Purpur kleidend nur, was er gedacht — Ein Wink von ihm und er gebot dem Horte In mancher Sprache tiefstem, reichstem Schacht. Wer will die Zinne kühn.nach ihm ersteigen? Wer bietet für die Flamme uns Gewähr? Wer wird so segensreich sich zu uns neigen So weisheitsvoll und gütig, so wie er? Zerreißt ihr Kleider! Weht ihr Trauerflöre! Ein großes Herz hieß stille steh'n der Tod — Doch rauscht's wie Trost durch eure Klagechöre: „Mein Felsen st e h t und meine Flamme loht! Wien, am 29. December 1893. F. A. Aufruf an unsere Glaubensgenossen! Bukarest, Ende December 1893. Es ist Euch wohl bekannt, daß durch das neue Schulgesetz unsere Kmder von dem Besuche der öffentlichen Elementarschulen des Staates thatsächlich ausgeschlossen sind, theils weil sie zur Entrichtung einer bisher unbekannten Schulgebühr verpflichtet werden, vorzüglich aber weil sie nur insoweit zu den öffentlichen Lehranstalten Zutritt haben, als in denselben versügbare Plätze vorhanden sind. Von dem Augenblicke an, wo der Schulzwang bezüglich der Kinder der romanischen Bürger ernstlich in Anwendung kommen wird, kann es solche verfügbare Plätze für unsere Kinder nicht mehr geben, da, wie amtlich festgeftellt ist, fast 400.000 Kinder im schulpflichtigen Alter wegen Mangels an Elementarschulen bis jetzt keinen Unterricht genießen. Die unausbleibliche, wenn geradezu beabsichtigte Folge dieses Gesetzes kann keine and«e fein, als unsere Kinder in den Abgrund der Unwissenheit M,stürzen, sie zu ewigen Analphabeten zu verdammen. Angesichts dieser ernsten Gefahr glaubt Ihr etwa, daß wir unserer Pflicht Genüge gethan haben, wenn wir verzweifelnd die Hände ringen und im Namen der Gerechtigkeit, Civilisation und Humanität laut Verwahrung einlegen? Unsere Klagen, und wären sie noch so ergreifend, unsere Verwahrung, und wäre sie noch so nachdrücklich, wird Niemand rühren und mit nichten das böse Geschick, das uns droht, von uns abwenden. Rettung vermag uns nur die muthige und zielbewußte That zu bringen. Sind wir wirklich von dem Willen durchdrungen, unsere Kinder vor dem schrecklichen Lose der Verwilderung und Verrohung zu bewahren, so tritt an uns die unabweisbare Pflicht heran, uns eng aneinander zu schließen, uns Alle, ob Groß oder Klein, ob Jung oder Alt, ob Rcich oder Arm, aufzuraffen und der Gründung von Elementarschulen in allen Theilen des Landes unsere besten Kräfte zu widmen. Die Opfer, die ein solches Ziel eiheischt, können uns nicht zurückschrecken, uns, die wir unsere Kmder so heiß lieben, uns, die wir auch im Mittelaller, da Unwissenheit ihren Nebelschleier über einen großen Theil der christlichen Welt ausbreitete, Dichter und Philosophen wie G a b i r o l, Jehuda Halevy und Maimuni, Staatsmänner wie Chasdai ibn Schaprut und Samuel ibn Nagrela in unserer Mute hatten, uns, die wir wissen daß wir unsere ehrenvolle Stellung in der heutigen Welt nur unserem Bildungsdrange zu verdanken haben. Da wir uns mit Euch eines Sinnes und Gedankens wissen, da wir voraussetzten, Ihr wartet ungeduldig, daß von uns die erste Anregung ausgehe, haben wir den „Rumänisch-jüdischen Landes-Schulverem" gegründet und sind überzeugt, daß Alle, denen das Wohl unserer Jugend am Herzen liegt, demselben unverzüglich beitreten werden. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, etwaige Beitrittserklärungen entgegenzunehmen und Euch die provisorischen Statuten auf Wunsch^ einzuschicken.

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