Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 52 (29.12.1893)
- Date
- 1893-12-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 52 Vestrrrrichifchr Wochenfchrifl Sette 1023 wurden, mit diesen zu ringen schienen, schließlich überwunden, von den Wogen und dem anprallenden Eisgeröll fortgeschleudert wurden. Es war für mich der grauenvollste Anblick, denn es nur geben konnte! . . . Wenn sich meine Lieben in dem Momente noch auf dem Stromesrücken befanden, dann waren sie rettungslos verloren — dann hätte sie nur ein Wunder retten können und mit meinem gebrochenen Muthe und meinem zerrissenen Herzen war ich nicht in der Stimmung, zu glauben, daß der unerforschliche Gott uns dieses Wunder erwiese! . , . Ich war in meinem wilden Laufe endlich auf der Heerstraße angelangt, als ich den Hufschlag rasch gallopirender Pferde vernahm. Ich warf mich in ein Gehölz und ließ die Reiter an mir vorbeijagen. Es waren Ansbach'sche Dragoner, ich wußte nicht, woher sie kamen, wohin sie ritten, möglich war's, daß sie meinen Vater verfolgten, gewiß, daß er verloren wäre, wenn sie ihn begegneten. Erst, nachdem sich die Reiter entfernt hatten, trat ich aus dem Gebüsche. Kurze Zeit hatte ich alle Fassung verloren, wilde Verzweiflung, wie sie nur die vollste Ruchlosigkeit hervorzurufen vermag, bemächtigte sich meiner, wohin ich meinen Blick wenden mochte, starrte mir überall Verderben, Unheil, Graus entgegen! ... Einen Augenblick hatte ich die Absicht, ein Dasein, das mir unertragbar geworden, abzuwerfen und hätte ich sicher gewußt, daß alle meine Familienmitglieder iodt sind, ich hätte dem Entschlüsse sofort die That folgen lassen; aber der Gedanke, daß sie sich doch am Leben befinden könnten und ich die Pflicht habe, mich um ihretwillen zu erhalten, hielt mich davon ab . . . Vor Allem wollte ich mir Gewißheit darüber verschaffen, ob Gott die Meinen durch ein Wunder gerettet hatte. Es war bestimmt worden, daß wir in Cham, einer kleinen jüdischenGemeinde, unsere erste Reisepause machen wollten,ich lenkte daher nach dieser Richtung meine Schritte; — aber ich war kaum eine Stunde gegangen, als ich alle Straßen, die nach Cham führten durch Ueberschwemmungen unter Wasser gesetzt, die Brücken abgerissen fand und es für mich kein Mittel. gab, hin zu gelangen. Es blieb mir nichts Anderes übrig, als plan- und ziellos vorwärts zu schreiten. Ich Hütte es nicht für möglich gehalten, daß in meiner entsetzlich verzweifelten Lage irgend ein Begehren, ein erfüllbarer Wunsch in mir entstehen könnte; aber so lange der Mensch lebt, so lange seine Seele und sei's auch nur mit einer zarten Faser mit seinem Körper zusammenhängt, bleibt er auch stets dem Irdisch-Sinnlichen unterworfen.—Ich empfand plötzlich eine so furchtbare Erschöpfung, daß ich die Vorboten einer herannahenden Krankheit zu erkennen glaubte und ein unabweisliches Bedürfniß nach kurzer Ruhe, nach einem erfrischenden Tropfen Wasser empfand. Ich befand mich in der Nähe von Jchenburg. Dort wohnte Bunim Eschwege, der meiner Mutter und Schlvester schon einmal ein Asyl gewährte, ich hoffte, er lvürde den Verschmachtenden nicht erbarmungslos von seiner Schwelle stoßen, ich schleppte mich mühselig bis in das Dorf, bis in fein Haus, aber das, was ich in den letzten Stunden erlebt hatte, überstieg bei Weitem jede Menschenkraft und als ich in sein Zimmer trat, ihn mit seiner Frau und seinem Sohne am Tische sitzend fand und den Mund zum Sprechen öffnen wollte, fiel ich bewußtlos zu Boden!" „Entsetzlich!" rief Markbreiter, aber Wertheimer fügte hinzu : „Es war bei dem schweren Unglück, das Sie betroffen, noch eine besondere Huld Gottes, daß Sie das Haus eines befreundeten Glaubensgenossen erreichten, — aber weiter, wenns gefällig ist!" „Als ich nach langer Zeit wieder zum Bewußtsein erwachte, befand ich mich in der peinlichsten, sonderbarsten Lage, die je ein Mensch kennen gelernt hatte. Es war total finster um mich her und ich hatte keine Ahnung, wo ich war.Als ich mich von meinem Lager erheben wollte, stieß ich mit dem Kopfe an die Decke des Raumes, der, wie ich mich nun durch vorsichtiges Umhertasten überzeugte, ziemlich eng war. Im ersten Momente meines wieder erwachten Bewußtseins, waren meine Gedanken verworren, unklar, unsicher, schwankend .... Ich war gegen die Erinnerungen, die in meiner Seele auftauchten, mißtrauisch .... hatte ich das, was mir als Erinnerung vorschwebte, wirklich erlebt? oder waren dies nur Hallucinationen meiner kranken Seele? — hatte ich wirklich meinen Vater von einer Thurmspitze glücklich heruntergetragen — und dann, nachdem ich Gott aus tiefster Seele für seine wunderbare Huld gedankt, war plötzlich die Eisdecke eines Stromes geborsten und hatte vier bewunderungswürdig edle Menschen verschlungen? . . . Das schien mir doch gar zu unwahrscheinlich, — das von Gott denken zu sollen, schien mir armen, unglücklichen Menschen doch ein gar zu großes Verbrechen! . . . Das mochte wohl nur ein gräßlich böser Traum gewesen sein. Vielleicht war auch alles Andere, von dem ich glaubte, daß es sich zugetragen, nichts als ein Traum, — vielleicht war mein Vater gar nie auf dem Mauerthurm an der Kerkerwand angekettet gelegen, vielleicht hatte man gar nicht Mutter und Schwester — als wären sie liederliche Dirnen — aus dem Lande gejagt, vielleicht war alles das nur ein langer, böser Traum .... mein Vater war noch immer der geliebte, allverehrte Oberrabbiner von Fürth, der Liebling des Fürsten! . . . . aber, mußte ich mich dann selbst verwundert fragen, wo bin ich denn jetzt? ... In einem engen finsteren Raum? .... wie kam ich denn hierher? . . . „Ah," rief ich. „das ist nichts als ein Traum, aus dem Du Dich nicht selbst zu erwecken vermagst und den Du, so sehr er Dich auch quält, fortträumen mußt, bis er von selbst in Nichts zerfließt. Warte nur ruhig ab, Du mußt ja bald erwachen und wirst Dich im Bette, in Deinem Zimmer, in Onkel Elkans Palais, in Ansbach befinden und Dich darüber erstaunen, was für närrische Bilder dem Menschen im Traume vorschweben können;" aber nach und nach brach sich die allmächtige, göttliche Wahrheit in meinem armen schmerzenden Kopfe Bahn; das waren keine Wahnbilder, das war traurige entsetzliche Wahrheit gewesen. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Tebeth 6654. — December-Jänner 1894. Freitag > 20! 28 E. d. N. 4'' 54.7® Samstag 21! 71 1 12 29 Sonntag 22! 30 Montag 23 1 31 Dienstag 24> 1 Mittwoch 25! 2 Donnerstag 26 i 3 Freitag 27> 1 4 Briefkasten. I. G., Pistyn b. Kolomea. Mit Ihrer Anfrage wollen Sie sich an das zuständige Rabbinat wenden. Zur Entscheidung von rituellen Fragen ist eine Redaction als solche nicht berechtigt/ I. H., Hörer des Abiturienteneurses der Wr. Handelsakademie. Es hat nicht blos zahlreiche hervorragende Mathematiker jüdischer Eonfession gegeben in der Neuzeit, sondern auch im Mittelalter. lieber die Mathematik des Talmud existirt eine ganze Literatur. Josef Maunaberg, Gr.-Kowalow. In unserem Inserat soll es statt Nr. 84 richtig Nr. 48 heißen. I. B.. Lemberg. Daß der Temprlbesuch in Lemberg derart abnimmt, daß wegen Mangels einer entsprechenden Zahl von Zuhörern die Predigt aussällt, kann in der „Oesterr. Wochenschrift" nicht einer ausführlichen Besprechung unterzogen werden. D. B. 8-l. Die Bestellung des provisorischen Vorstandes gilt bis zu der aus Grund genehmigter neuer Statuten erfolgten Neuwahl des Vorstandes. Ihre Angelegenheit müssen Sie einem Rechtsanwalt übertragen, da Sie allein in diesem Streite stets den Kiirzeren ziehen werden. Versicherung gegen Verlosungsverlust. Die Central- Depositeneasse und Wechselstube des Wiener Bank-Verein, Wien, I., Herrengasse 8, hat den Prämien-Tarif für die Versicherung von Werthpapieren gegen Berlosungsverlust für das ganze Jahr 1694 veröffentlicht. Die Festsetzung des Tarifes für den Zeitraum eines ganzen Jahres hat sich als wichtige Neuerung sehr bewährt. Die Besitzer verlosnnasbedürftiger Werthpapiere haben von demselben in runsassender Weise Gebrauch gemacht, weil ihnen durch die Versicherung für ein ganzes Jahr eine bedeutende Ersparnis'an Mühe, Zeit, Porto und Stempel ermöglicht wurde. Der für die Ziehungen am 2. Jänner giltige Abschnitt dieses Tarifes ist im Jnseratentheile unseres Blattes enthalten. Aus demselben ist ersichtlich, daß die Besitzer von 1854er Credit-, Wiener Communal- und Donau-Regulirungs-Losen und Anlehen:c. sich vor empfindlichen Verlusten, welche durch die Verlosung mit dem kleinsten Treffer, beziehungsweise Nominalbetrags entstehen, gegen Entrichtung geringer Gebühren schützen können. Die Entschädigung erfolgt nach Wahl der anmeldenden Partei, entweder durch Umtausch der verlosten Stücke gegen unverloste oder durch Barzahlung der Verlustdifferenz. Die Anmeldung zur Bersichernng erfolgt