Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 980 Oeüerredhilrtze WochenfrtzrM ttr. 50 sind die andern in der höchsten Besorgniß. Man wendet sich sofort an den Arzt, hält sich mit ängstlicher Genauigkeit an alle seine Anordnungen, um ja nicht den erkrankten Liebling irgend welcher Gefahr durch Vernachlässigung auszusetzen. Ist der Kranke genesen, dann beweist die Familie dem Arzt die größte Dankbarkeit. Das Familienleben der Juden ist geradezu classisch, eine solche Anhänglichkeit der Eltern an die Kinder und umgekehrt findet man gar nicht bei den Christen. Diese guten Seiten der Juden werden jetzt bei den antisemitischen Tiraden ganz übersehen. Der Antisemitismus ist eine geistige Epidemie und wird mit der Zeit wieder verschwinden, wenigstens wird der Kampf der Antisemiten, der eigentlich gegen das jüdische Capital gerichtet ist, in der Form, wie er jetzt geführt wird, aufhören und es werden Juden und Junker zugleich bekämpft werden, wie es jetzt schon in Ostpreußen der Fall ist. Riga, 22. November. Zur Judenfrage liegen folgende Mittheilungen vor: Der dirigirende Senat wird, wie dem „R. W." aus St. Petersburg geschrieben wird, demnächst die wichtige Frage zu entscheiden haben, ob die Kinder der hebräischen Untermilitärs, die aus Grund der Regeln vom 25. Juni 1867 über die verabschiedeten und beschränkt beurlaubten Untcrmilitärs zu Städten außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons angeschrieben sind, ein selbstständiges Recht zum Erwerb von Immobilien im ganzen Reiche haben. Bezüglich des Besuches höherer Lehranstalten ist in den „Circulären für den Odessaer Lehrbezirk" eine ministerielle Verfügung veröffentlicht, welche Ebräern verbietet, nach St. Petersburg zu reisen, um persönlich um die Aufnahme in höheren Lehranstalten nachzusuchen. Der Minister der Volksaufklärung schreibt darnach allen Leitern der Gymnasien und Realschulen des Odeffaer Lehrbezirks vor, bei dem Ausfolgen der Zeugnisse den ebräischen Abiturienten, sowie denjenigen ebräischen Schülern, die aus den oberen Classen vor Beendigung des Curscs austreten, zu eröffnen, daß sie nicht nach St. Petersburg reisen sollen, um persönlich ihre Gesuche um Aufnahme in Universitäten, Veterinär- Institute, pharmaceutische Abtheilungen und höhere technische Schulen cinzureichen. Alle solche Personen haben entsprechende schriftliche Gesuche mit ihren Papieren dem Leiter der betreffenden Lehranstalt einzusenden, ohne dessen Gutachten das Ministerium der Volksaufklärung die Gesuche nicht durchsehen werde. Von der Verwaltung des betreffenden Lehrbezirkes werde überdies die Vorstellung derjenigen Gesuche abhängen, deren Entscheidung dem Ministerium obliegt. Alle die Ebräer, die persönlich in die Residenz kommen, würden dort nicht das Recht zum Aufenthalt erhalten '; eine Ausnahme werde nur mit denjenigen gemacht werden, denen bereits eröffnet worden ist, daß sie in die Zahl Studirenden der St. Petersburger Universität ausgenommen sind oder die zum Aufnahme-Examen im Techno-. logischen Institut erscheinen. Wien. (Tr a u u n g e n.) Sonntag, den 10. December 1893 wurden getraut: Herr Samuel Blum mit Frl. Pauline Kraus; Herr Alfred Kohn mit Frl. Hermine Schwarz; Herr Moriz A l m a s i mit Frl. Jeanette Kosel; Herr Hermann Donath mit Frl. Hermine Graf. Wien. (Trauung.) Montag den 25. December, 1 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Frl. Emmy Rosenthal, Tochter des Fabrikanten Herrn Julius Rosenthal, mit Herrn Dr. Benno Karpeles statt. Der Bräutigam ist der Sohn des hiesigen Cultusvertreters Herrn Moritz Karpeles. EB. Wien. (Tod esfall.) Am 9. d. M. verschied hier die zu Besuch bei Verwandten weilende Frau Anna Loebel nach kurzer Krankheit im Alter von 56 Jahren. Die Verblichene, eine durch Wohlthätigkeitssinn ausgezeichnete Dame, war die Tante des berühmten Professors Dr. David Kaufmann in Budapest, deren sterbliche Ueberreste nach Eiwänowitz in Mähren überführt und daselbst unter großer Theilnahme bestattet wurden. Wien, 5. December. Samstag den 2. d. M. fand im israelitischen Cultus-Tempel, Fünfhaus, Turnergasse, ein Gottesdienst mit Predigt um 5 Uhr Abends statt. Anlaß zu diesem war der Jahrestag der Thronbesteigung Sr. Majestät unseres geliebten Kaisers. Dieses patriotische Fest wurde von dem bestandenen Cultus- Vorstande unserer Gemeinde bei der Feier des 40jährigen Regierungs-Jubiläumsfestes beschlossen, daß jährlich an diesem hohen Festtage ein Gottesdienst abgehalten werde und außerdem sind alle bedürftigen Schulkinder mit vollständigen Kleidern und Schuhen, sowie die israelitischen Armen unseres Bezirkes mit größeren Unterstützungen zu bedenken. Diesem haben sich auch die Chewra-Kadischa Sechshaus, der Frauen-Verein, der Armen-Unterstützungsverein „Ng8lrN al Dolu angeschlossen, und durch Zusammenwirken dieser Vereine nnd edlen Spender wurden am 2. d. M. 118 Kinder mit kostbaren und vollständigen Kleidern und 212 Arme reichlich betheilt. Wien. Fräulein Wilma Sor hat sich mit Herrn Sandor Weiß aus Losoncz verlobt. Die Brautisteine Tochter des Rabbiners Sor, Mitglied des Vorstandscomites im literarischen Gefelligkeitsvereine „Moria“, und durch ihre interessanten Vorträge unseren Lesern gut bekannt. Wien. (Ferienheim.) Montag den 11. December d. I. fand die Cvnstituirung des „Ferienheims, Verein für israelitische Feriencolonien", in der im Bureau der Oesterr.-Israel. Union abgehaltenen Generalversammlung statt. Die Vorsitzende Frau Sofie Grünfeld theilte mit, daß das Damen-Comite, welches durch Privatsammlungen im Sommer 1892 45 Kinder und im Sommer 1893 nahe an 200 Kinder in Ferien-Colonien zum Landaufenthalt entsenden konnte, Vereinsstatuten verfassen ließ, welche nunmehr die Genehmigung der Behörde erlangten. Die Leitung des Vereines übernehmen Damen, unterstützt von einem aus einigen Herren bestehenden Beirath. Die Versammlung genehmigte die vorgelegten Statuten und wählte folgende Damen einstimmig in den Vorstand: Präsidentin: Frau Sofie Grünfeld; Vicepräsidentinnön: Frau Clara Berger, Frau Dr. Fialla; Schriftführerin: Frau Antonie Graf; Cassierin: Frau Antoinette Schwarzmann; Verwalterinnen: Frau Dr. Gelb haus und Frau Caroline Rosen bäum; Leiterin des Jncasso: Frau Eleonore Pechkranz. Als Vorstandsdamen: Frau Rosa Freyberg, Frau Dr. Pass au er, Frau Lea Jaiteles, Frau Dr. Schneid, Frau Regine Heit, Frau Hermine Fleisch mann, Frau Dr. Fried mann. Als Beiräthe fungiren die Herren: Dr. Berger und Dr. Fialla (jurid. Beirath), Dr. Otto Pollak, Dr. Js. Schnabel und Dr. Grün selb (ärztl. Beirath), Moriz Graf, Buchführer, Abgeordneter Dr. Bloch, Wilh. Freyberg und S. Heit (Revisoren). Es steht zu erwarten, daß die Energie und Schaffensfreude der Damen vielen armen und schwächlichen Kindern zu Gute kommen wird, zumal wenn der Plan, ein eigenes Heim zu erbauen, zur Ausführung gelangt, wodurch das Sommerheim gleichzeitig als Reconvalescentenheim dienen kann. Wien—Simmering. (Chanuckafeier.) Der israelitische Betverein in Simmering bekleidete Freitag den 8. l. M. in dem von k. Rath Friedrich"B o g e l zur Verfügung gestellten Salon eine Anzahl arme jüdische Schulkinder mit completen Winteranzügen. Bei dieser Gelegenheit hielten Fräulein Vogel und der Religionslehrer Herr Brüll würdevolle Ansprachen und wurde das von Fräulein Vogel vorgetragene'Uoaus-Eur beifällig ausgenommen. Mit besonderer Liebenswürdigkeit vertheilte die Frau Räthin an die Kinder Bäckereien. Jedes Mitglied hat nach Kräften zu diesem Wohlthätigkeitsacte beigetragen, insbesondere widmeten die Herren k. Rath F. Vogel, Kauders, Wolf u. A. m. namhafte Beiträge hiezu. Um die Förderung und Zustandekommen dieses humanen Actes hat sich der Bereinscassier Herr Leopold Weiß besonders verdient gemacht. Wien. Die Hörer der israelitisch-theologischen Lehranstalt hielten Samstag den 9. d. M. eine überaus gelungene Chanuckafeier ab. Der Präsident des theologischen Vereines, Drd. Alois Freund, sprach einen Prolog, Herr Moritz Bauer hielt die deutsche, Herr G u t m a n n die hebräische Festrede und die Herren Fuchs und S ch o r trugen deutsche und hebräische Gedichte vor. Allen Vorträgen folgte stürmischer Beifall des zahlreichen distiuguirten Auditoriums. Prof. Dr. D. H. Müller dankte im Namen des Professorencollegiums für die herrliche Feier und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die junge erst seit wenigen Wochen bestehende Anstalt schon so viele tüchtige Kräfte aufzuweisen vermag, die hoffentlich Alle noch der israelitisch-theologischen Lehranstalt zur Zierde und zum Stolze gereichen werden. An die officielle Feier schloß sich eine animirte Kneipe, an der auch zahlreiche Mitglieder der Vereine „Kadimah" und „Morgenröthe", sowie Hörer aus dem Breslauer Seminar ' und zahlreiche Gäste theilnahmen. *