Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 46 (17.11.1893)
- Date
- 1893-11-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Vesterreichtsche Wochenschrift Seite 907 toren, der jüdischen sowohl als der christlichen, muß ich es sagen, nicht einer machte sich unsere unglückliche Lage zu Nutze. Alle erklärten, die schuldigen Beträge bezahlen zu wollen, nur stellten sie Bedingungen: Alle, daß ich persönlich an Ort und Stelle unser Guthaben erheben und quittiren solle, die meisten erbaten sich Fristen, wollten dasselbe in mehreren Raten abstatten." „Ein Jahr nach unserer Ausweisung befanden wir uns in dem vollen Besitze unserer ausländischen Forderungen, welche ein sehr großes Vermögen repräsentirten. Während der ganzen Zeit beschäftigte mich unaufhörlich der Gedanke, eine Möglichkeit zur Erlösung meines Vaters zu ersinnen, er lastete mit zermalmender Wucht auf meiner Seele; das fortwährende vergebliche Jagen nach rettenden Ideen wirkte nervenzerrüttend auf mich — und als ich jetzt wenigstens über große Geldmittel zu verfügen hatte, erwachte plötzlich der Gedanke in mir, daß es nur dann denkbar wäre, etwas zur Rettung meines Vaters zu unternehmen, wenn ich den Kerker, in welchem mein Vater lag, die Personen, die ihn bewachten, alle Umstände, welche seine Flucht begünstigen könnten, aus eigener - Anschauung kennen lernte. Ich beschloß, mich verkleidet ins Ansbachsche einzuschleichen." „Die Rückkehr in Ihre Heimat war Ihnen ja bei Todesstrafe untersagt," meinte Markbreiter, „da werden Ihre Mutter und Ihre Schwester bis zu Ihrer Rückkehr furchtbare Angst gelitten haben!" „Ich hatte Ihnen das Ziel meiner Reise verheimlicht. Ich gebrauchte für diese den Borwand, eine längst für verloren gehaltene Schuldforderung hereinzubringen; allein während sie mich in Heidelberg, wo unser Debitor wohnte, glaubten, befand ich mich in der Verkleidung eines polnischen, hausirenden Juden in Ansbach." „Hatten Sie, als Sie die Reise antraten, einen bestimmten Plan?" frug Markbreiter. „Nein! Ich hoffte im Vertrauen zu Gott, er würde mich gnadenreich den richtigen Weg führen. So weit menschliche Voraussicht reichte, bedurfte es zur Ausführung eines jeden Planes, der mich an mein ersehntes Ziel führen konnte, eines oder mehrerer Genossen. Es hatte zur Zeit unseres Glanzes viele Personen in Ansbach gegeben, die sich unsere Freunde nannten, aber nach den entsetzlichen Erfahrungen, die ich an Christhold- Fränkl gemacht, den ich trotz seines unregelmäßigen Lebenswandels doch für einen uns treuergebenen Menschen gehalten hatte, war ich gegen Jedermann mißtrauisch. Ich irrte zwei Tage lang plan- und ziellos durch die Straßen der Residenz, endlich erblickte ich einen Mann, der mich und den ich von meiner frühesten Jugend an gekannt hatte, es war dies Josel Deidelsheimer, der bis zu dem Ausbruche der traurigen Katastrophe in unserem Hause bedienstet gewesen. Schon sein Großvater und sein Vater waren im Dienste unserer Familie gestanden. Josel Deidelsheimer selbst war im Hause meines Vaters geboren und erzogen worden. Er war um vierzehn Jahre älter als ich, hatte mich, als ich zwei, drei Jahre alt war, am Arm herumgetragen, mir Blumen in unserem Hausgarten gepflückt und Kränze gewunden, mich Lieder gelehrt, mich auf seinen Knieen reiten lassen, war mit einem Worte in meinen ersten Kinderjahren mein liebster Spielgenosse, mein bester Kamerad gewesen." „Als er achtzehn Jahre geworden, hatte ihn der Vater nach Ansbach zu Onkel Elkan geschickt, der ihn in unserem Geschäfte als Diener aufnahm. Als ich dreizehn Jahre später nach Ansbach in unser Geschäft kam, erbat er es sich vom Onkel und von mir als Gunst, um stets in meiner Nähe bleiben zu können mir zur Hilfeleistung beigegebeU' zu werden und hatte stets mir und den Meinen Treue und Anhänglichkeit bewiesen. Meine alte Zuneigung kämpfte mit dem Mißtrauen, das sich in meine Seele gefressen, ich wollte rasch an ihm vorüberhuschen; aber er hatte mich trotz meiner Verkleidung erkannt, blieb einen Moment überrascht, erbleichend und erröthend stehen, trat dann an mich heran und sprach auf das Packet, das ich in meiner Rolle als polnischer Hausirer am Arme trug, deutend: Pollak, ich benöthige etwas von Eurer Waare, kommt mit mir nach Hause, wir werden ein Geschäft mit einander machen. — Ich folgte^ ihm nach seiner Wohnung, die in der Nähe der Synagoge lag. Er hatte sich, wie er mir später erzählte, nachdem er durch die Katastrophe unseres Hauses seine Stelle verloren, ein kleines Geschäft eingerichtet, dem zumeist seine Frau in einem Laden Vorstand, der an seine bescheidene Wohnung stieß. Als wir diese betraten, waren wir, da seine beiden Kiyder bei der Mutter im Laden waren, ganz allein. - (Fortsetzung folgt.) Wochenkalrnder. Kislew 5664. — November 1893. Freitag! 6 I | 17 E. b. N. 4>' 5 6"» Samstag 9! SSM 18 Sonntag 10 19 Montag 11 20 Dienstag 12- 21 Mittwoch 13 22 Donnerstag 14 23 . Freitag 15 24 Kundmachung. Vom Magistrate der k. k. Beichsbaupt- und Besidenzstadt Wien wird hiemit bekannt gemacht, dass am 6. Februar 1894 die fälligen Interessen der Adolf Ignaz Mautner Bitter von Markhof sehen Stiftung für Wiener Waisenknaben und der Julie Marcelline Mautner von Markhof’schen Stiftung für Wiener Waisenmädchen im Betrage von 2520 fl. für jede Stiftung, nach Abrechnung der Insertions- und Druckkosten zur Vertheilang gelangen werden. Laut des Stiftbriefes der Adolf Ignaz Mautner Bitter von Markhof’schen Stiftung für die Wiener Waisenknaben sind zur Bewerbung um diese Stiftung alle jene armen Waisenknaben berufen, welche in Wien heimatsberechtigt sind, ob selbe in oder ausser Waisenanstalten sich befinden und in dem Alter von 12 bis 16 Jahren stehen. Zur Bewerbung um die Julie Marcelline Mautnerv. Markhof sehen Waisenstiftung zur Ausstattung von Wiener Waisenmädchen sind laut des Stiftbriefes alle jene armen Waisenmädchen berufen, welche in Wien heimatberechtigt sind, ob selbe in oder ausser Waisenanstalten sich befinden und in dem Alter von 10 bis 14 Jahren stehen. Nach den stiftbrieflichen Bestimmungen sind die Stiftungsinteressen zu gleichen Theilen, und zwar mit je 310 fl. an acht, die obigen Eigenschaften besitzenden Waisenknaben und an acht stiftbrieflich geeignete Waisenmädchep zu verleihen, von denen vier Waisenknaben und vier Waisenmächen der katholischen Beligion, zwei Waisenknaben und zwei Waisenmädchen der evangelischen Beligion A. C. oder H. C. und zwei Waisenknaben und zwei Waisenmädchen der israelitischen Beligion anzugehören haben. Die Bestimmung jener 8 Waisenknaben und j-ner 8 Waisen-, mädchen, welchen ein Stiftungsbetrag zuzuwenden ist, erfolgt durch das Los in der durch die Stiftbriefe für die Verlosung festgesetzten Weise. Den Waisenknaben oder Waisenmädchen, welchen ein Stiftungsbetrag zufällt, wird dieser Betrag nicht sofort ausbezahlt, sondern es wird derselbe fructificirt und nach Massgabe der diesfälligen Bestimmungen der Stiftbriefe znm Beginne eines Gewerbes, Fortsetzung der Studien (als Stipendium), bei Mädchen bei der Verehelichung nach vollendetem 18. Lebensjahre, ausgefolgt. Mütter, Vormünder oder Pflegeparteien, welche für die in ihrer Obsorge befindlichen Waisen um einen Stiftungsbetrag aus einer dieser beiden Stiftungen bittlich werden wollen, haben ihre Gesuche mit dem Tauf-(Geburts-)scheine, Impfzettel der Waisen, einem Nachweise über deren Heimatsberechtigung in Wien, dem Todtenscheine der Eltern oder des Vaters der Waisen und endlich mit den Schulfortgangszeugnissen (Jahreszeugnissen oder Schulnachrichten) oder den Zeugnissen über deren Fortgang in einer Berufsbildung zu belegen und bis längstens 20. November 1893 im Einreichungsprotokolle des Wiener Magistrates zu überreichen. Auf verspätet überreichte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Vom Wiener Magistrate* Wien, am 28. October 1893. CONCURS. Die fir. Cultusgemein&e zu Vinkovce (Slaoonten) wünscht mit {. Jänner 1894 einen isr. dixlornirkrn Lehrer zu acceptiren» welcher die isr. Ainder, dir die allge» meine Volksschule besuchen, außer den Schulstunden in der deutschen und hebräischen Spruche zu unterrichten hat. Der Unterricht wird durch höchstens 15 bis 20 Stunden per Mache zu erlheilen sein, und kann infolge dessen der zu acceptirende Lehrer durch Prioat-Unterricht auch auf ein Nebeneineinkommen rechnen. Derselbe muß auch die Agenden eines Notars der hiesigen isr. Lultusgemeinde besorgen. Der fixe Gehalt beträgt fl, 600 per anno. Die auf diesen Posten Reflectirenden haben ihre Gesuche nebst legalisirte Abschriften ihrer Zeugnisse, bisheriges wirken, Alter und Familienstand, bis längstens 10. December l. I. an den gefertigten Vorstand einzusenden. Vinkovce, am sZ. November 1893. Der Präses der isr. Bez.»L»ltusgemeinde Vinkovce. Prof. E. GLÜCK’s kaufm. Unterrichts-Curse. rieflicher Unterricht einf., dopp. u. amerikan. Buchhaltung, Correspondenz und Bechnen. Theoretische u. praktische Ausführung. Schneller sicherer Erfolg garantirt Probel}riefe gratis. Wien, Il/3, Ob. Donaustrasse Kr. 89.