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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-10-06 · 40 (6.10.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
40 (6.10.1893)
Date
1893-10-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Veüerreichiphe WochenschrM SeÜe 795 raschten Kammerdiener einen Beutel Ducaten vor die Füße, mit der Rechten schob er ihn, als wäre er ein leichtes, lebloses Object, von der Thür weg, durcheilte rasch das Zimmer, welches die Anticamera von dem Kabinet des Fürsten trennte und trat unerschrocken in dasselbe." Rafael Fränkl unterbrach sich. „Ich stelle Ihre Geduld durch meine schleppende Erzählungsweise auf eine Harte Probe; ich bitte hierfür tausendmal um Entschuldigung, ich will mich von nun an kürzer fassen." „Ich bitte das nicht zu thun," rief Wertbeimer eifrig „namentlich und ganz besonders nicht, bei der Schilderung der Audienz, die wir jetzt erwarten; durch diese hatte sich wie allgemein erzählt wird, Ihr Vater die höchste Gunst des Markgrafen errungen, die sich allerdings später, leider in glühenden Haß verwandelte. Ich bitte Sie daher, in ganz unveränderter Weise wie bisher fortzufahren." „Der Markgraf war von dem unerwarteten Ueberfall überrascht, aber bevor noch der wild auffahrende, vor Zorn einige Secunden sprachlose Mann zu Worte gelangen konnte, hatte mein Vater begonnen. „Hochfürstliche -Durchlaucht! Die Pflicht der Unterthanentreue, der heiße Wunsch . allerhöchst Ihnen in ersprießlichster Weise zu dienen und die von Gott dem höchsten Herrn der Welt gebotenen Pflicht der Menschenliebe zwingen mich, zu allerhöchst Ihnen vorzudringen. Bon allerhöchst Dero Weisheit erwarte ich, nachdem allerhöchst Sie mich gnädigst angehört haben, nicht nur gnädigste Vergebung »keiner Kühnheit, sondern gnädigste Anerkennung. — Ich habe es schon gesagt, mein Vater ist eine impon.*r«!.ke Erscheinung, die auch dem wilden Markgrafen Ehrfurcht einflößte und seine wohlgesetzten, die Neugierde Friedrich Wilhelm's erweckenden Worte hatten auf diesen einen günstigen Eindruck hervorgerufen, er blickte verdutzt auf und sprach wohl ärgerlich aber nicht zornig." . . „Sie sind der Fürther Oberrabbiner, der Bruder meines juik de Com') Elkan Fränkl, n'est-ce-pas? * 2) . . . Was sprechen Sie?.. Ihre Handlungen stimmen nicht mit Ihren Worten überein! Em Unterthan hat dem Willen seines Fürsten zu gehorsamen, das aber haben Sie nicht gethan! Sie sind gegen mein ausdrückliches Verbot hier erschienen!" „Vor der wichtigeren, muß die minder wichtige Pflicht zurücktreten" erwiderte mein Vater. „Euer hochfürstliche Durchlaucht können mir in hoch Dero Huld verzechen, einen Moment scheinbar die pflichtschuldige Ehrfurcht außer gelassen zu haben; aber ich würde uuvtrzeihlich handeln und allerhöchst Dero Ungnade verdienen, wenn ich es durch eine Unterlassung geschehen ließe, daß mein allergnädigster Fürst von einem Nichtswürdigen betrogen würde!" Der Markgraf zuckte von seinem Lehnstuhle empor, er ließ meinen Vater nicht zu Ende sprechen. „Wer will mich betrügen? Do am parlez vous?3 4) Sprechen Sie doch deutlicher!" ' „Der Stadtvogt Brandlin will Euer Durchlaucht in unerhörtester Weise betrügen, will allerhöchst Sie irre führen, er tom emen ehrlichen Mann, für dessen Redlichkeit und Unschuld ich mit meinem Kopfe bürge, als Dieb des vermißten Schmuck- ^ett ®ö*9en bringen. Ich habe es nicht nöthig, vor allerhöchst Dero hohen Einsicht die Folgen seiner Gräuelthat zu entrollen. Dadurch würde der Verbrecher, der die That begangen, der gerechten Strafe entgehen und würde jene, die er betrogen, noch verspotten." „C'eat vraic! je ne penr le nier! '*) murmelte der Markgraf und mein Vater, der erkannte, daß er schon halb das Spiel gewonnen habe, fuhr, als hätte er den leisen Ausruf überhört, ruhig fort: „Wenn, was kaum zu vermeiden wäre, dieser Borruchbar würde, müßte dies den gerechten Tadel des Jn- und Auslandes Hervorrufen, dadurch müßte die Liebe der Unter- AE" Zu Ihrem Landesfürsten erlöschen, dadurch würde allerr.ero Nmlcontenten Ständen Veranlassung gegeben werden, sich bei dem obersten Schutzherrn des deutschen Reiches, bei <?-•!*£* Mstolischen Majestät, dem römischen Kaiser, über Allerhochst Sie zu beschweren, Gebrauch zu machen, aber weit mehr als Alles das — wenn allerhöchst Sie zu spät inne würde, « rÄfl.n*)^n' gedeckt durch allerhöchst Ihre Vollmacht, einen Uiischuldigen zu Tode gebracht, die Witwe und die Waisen des schuldlos Gemordeten ihres Habes und Gutes beraubt hätte, um ') Hofjuden. 2) Nicht wahr? 3) Von was sprechen Sie? 4) Das ist wahr, ich kann's nicht leugnen. den Werth des Geschmeides, das ein anderer gestohlen, an Allerhöchst Dero Casse abzuführen, so würde dies allerhöchst Ihrem Gerechtigkeitssinne endloses Weh bereiten, denn so wahr Gottes Vaterauge über die ganze Welt, vom Kaiser bis zu dem armen gefesselten Juden, der heute ohne Recht und Grund aus die Folterbank gestreckt werden soll, herabblickt, so gewiß bin ich, allergnädigster Herr Markgraf, davon überzeugt, daß allerhöchst Sie nicht gesagt: Stadtvogt, Ihr müßt mir einen Menschen zur Stelle schaffen, gleichviel ob er die That verübt hat oder nicht, den ich tödten und dessen Hinterlassenschaft ich confisciren lassen kann, sondern: verschafft mir den Thäter!" „Ich bewundere die salomonische Weisheit Ihres Vaters, mit welcher er seine Worte wählte", meinte Markbreiter, als Fränkel einen Moment inne hielt, „und fast nicht weniger Ihr ausgezeichnetes Gedächtniß, denn ich bin überzeugt, daß Sie weder ein Wort dieses merkwürdigen Gespräches ausgelassen, noch eines hinzugefügt haben." „Das habe ich auch in der That nicht gethan. Als mein Vater bei seiner Heimkunft dieses Begebniß ausführlich erzählte, hatte es auf mich, dem damals siebzehnjährigen Jüngling, einen so tiefen Eindruck gemacht, daß sich mir jedes Wort unverlöschlich eingeprägt; auch hatte mein Vater später in meiner Gegenwart Anderen seine erste Audienz bei dem Markgrafen mehrmals erzählt." (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Tischri-Cheschwan 5654. — Oktober 1893. Freitag 26 6 E. d. N. 6* in® Samstag 27 7 Sonntag 28 8 Montag 29 9 Dienstag 30 1. Rosch-Chodesch 10 Mittwoch li 2. 11 Donnerstag 2 12 Freitag 3 13 Briefkasten. Herr Professor Kaufmann ersucht uns zu eonstatiren, daß in der Kremsierer Wölbungsinschrift deutlich VDK zu lesen steht, das er für einen doppelten Fehler, d. h. einen gegen Sprache und Rechtschreibung für TnriX anffrßt. Hiernach hat ein böhmischer oder mährischer Bruder, über deren letzte Ausläufer die Uebersetzung seines Bruders Ignatz Kaufmann in Brann's „Volks- und Hauskalender" für 1893, pag. 69 bis 78 aus Rezek's Geschichte der Religionsbewegungen in Böhmen zu vergleichen ist, in seinem armseligen Hebräisch seinen stillen Protest gegen die trinitarische Lehre vielleicht in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, da die Kohle noch absärbte, mit ungelenker Hand in schwerfälligen Hieroglyphen an die Wölbung des innersten Gemaches seiner Wohnung hingeschrieben, auch einer von den Fürchtenden, die rnentnentes, wie im alten Rom sich die jüdischen Proselyten zu nennen pflegten. CONCURS. Bei der gefertigten neugegriindeten Cultnsgemeinde gelangt die Stelle eines geprüften Religionslahrers, welcher zugleich Vorbeter, Koreh, Schächter und Bodek sein muss, mit einem fixen Jahresgehalte von 1200 Kronen und 200 Kronen Quartiergeldbeitrag zur Besetzung. Bewerber um diese provisorische, erst nach definitiver Constituirung und nach landesbehördlicher - Genehmigung fix zu besetzende Stelle, welche das 45. Jahr nicht überschritten haben dürfen und den sonstigen diesfalls bestehenden gesetzlichen Vorschriften entsprechen müssen, haben beim Cultusvorstand bis längstens 20. October 1893 ihre mit den erforderlichen Zeugnissen versehenen Gesuche unter Beischluss ihrer Photographie einzubringen. Binnen derselben Frist wird die Stelle eines Gemeindedieners, welcher Schächter und Vorbeter zu sein hat, mit einem Jahresgehalte von 400 Kronen und Nebenemolnmenten von gleicher Höhe provisorisch besetzt. Freiwaldau, am 30. September 1893. Der Vorstand der pro«. Cultusgemeinde. GLASER.

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