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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-22 · 38 (22.9.1893) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 38. Wien, 22. September"1893. Jahrgang X. Centralorgan für die gesannnten Interessen des Iudenthums. %- 5. ft. Pvflspmiklssrnsmt Clrsringvrrftrhr Mc. 810.976. Lrdsrkion und AdniintstraUon: Wien Franr Josefs-Nnai Nr. 8. Telephon-Nr. 6535. =*■ Eigrnkhümer: Reichsraths-Avgeordneter Dr. Kloch. -- Erfcheint jeden Freitag. Z Man adomrirt bei allrn poganfiLtterr des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Luzeigrn: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Epilog zum Processe contra Deckert und Paulus Meyer. — Ein Altenheim in Preßburg. — Teutvbold über die . 6au3a Paulus Meyer und Genossen. — Aus unserer Feriencolonie. — Unsere Glaubensgenossen in Palästina. — CorresPondenzen: Wien, Prag, Budapest. Karlsbad, Kolomea, Lemberg, Nürnberg, Petersburg, Chicago. — Vermischtes: Wien, Nikolsburg, Przemysl, Mähr-Schönberg, Ung.-Hradisch, Buczacz, Kojetein, Proßniß, Brünn, Krakau, Kandreny, Frankrurt a. M. — Feuilleton: Fürstengunst XXV. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. — Das Ritual-Blutmärchen von Ostrowo. Für die anlässlich des beendeten Processes contra Deckert und Paulus Meyer an mich gelangten zahlreichen telegraphischen und schriftlichen Glückwünsche sage ich an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank. Dr. BLOCH Reichsraths-Abgeordneter. Epilog zum Proretz contra Drckert und Paulus Meyer. Das Ergebniß des Processes contra Deckert und Paulus Meyer, in welchem Freitag am 15. d.M. dasUrtheil gesprochen worden, an dieser Stelle eingehend zu würdigen, erachten wir für nicht geziemend. Wir waren in diesem Processe selber viel zu viel Partei, wir haben die angeschuldigten russischen Juden berathen und ihre Sache in Wien vertreten und müssen aus diesem Grunde davon absehen, das Resultat des Processes eingehend zu beleuchten. Ueberdies hat die gesammte öffentliche Presse über die Tragicomödie, welche sich vor den Wiener Geschwornen abspielte, sich derart einstimmig ausgesprochen, daß es auch aus diesem Grunde nicht nöthig ist, daß Ergebniß neuerdings zu recapituliren. Nur einige historische Momente mögen nachgetragen werden. Zur Beeinflussung der Geschwornen brachte das „Deutsche Volksblatt" schon Donnerstag, am 14. September, im Abendblatt einen Artikel „Zur Ritualmordfrage", in welchem dem Herrn Pfarrer Dr. D e ck ert ausgiebig Weihrauch gestreut worden wegen seiner „wissenschaftlichen Forschungen" „auf Grund amtlicher Feststellungen" über die „Opfer des jüdischen Fanatismus", an welche die Erinnerung in Tirol „noch lebendig ist". Herr Pfarrer De ckert hat darüber eigens eine Broschüre geschrieben, die unmittelbar vor dem Proceßtage zur Ausgabe gelangt ist. Freitag, am 15. September, im Morgenblatte desProceßtages, brachte das „Deutsche Volksblatt" einen neuen Artikel „Zum Xantener Knabenmord" — hilf, was helfen kann! — den Geschwornen zum Frühstück. Gegen Mittag aber meldete sich der Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" selber, der polnisch-itÄienische Urgermane aus Sollenz in Galizien, zur Zeugenaussage zu Gunsten seines Freundes Deckert und die „zaubergewaltige Erscheinung" präsentirte ~ sich im Gerichtssaal. Allein auch dieser Zaubertrank verfehlte seine Wirkung. Endlich enthüllte Pan Verganew ein großes Geheimniß: Der „Ex-Rabbi Bloch" war es, welcher diesen ganzen „verhängnißvollen" Proceß verschuldet hat, der' ihn arrangirt und hinter den Coulissen dicigirt und leitet, „Dr. Bloch bemühte sich die beschuldigten Personen ausfindig zu machen und als dieses ihm auch —obgleich er ursprünglich leugnete, daß es einen Ort Ostrowo in Rußland gebe — gelang, d i eselben zu bewegen, gegen die Verbreiter der wider sie erhobenen Beschuldigung die Ehrenbeleidigungsklage zu überreichen," erzählte Herr V er g an i Freitag, am Verhandlungstag. Auch die Vertheidiger Dr. P o rz e rund Dr. P a t t a i ließen es an Seitenhiebe für den Abg. Dr. Bloch nicht fehlen, der das traurige Schauspiel inscenirt hat. In der Sonntagsnummer vom 17. September spottet gar das „Vaterland", daß der „Ex-Rabbi B l o *" „die in ihrer Ehre gekränkten russischen Juden mit vieler M e und noch größeren Kosten entdecken mußte"; daß er „eine Aktion aus Sübscription eingeleitet", — „um einen Hauptschlag gegen den Antisemitismus in Wien zu führen." Allerdings die reichen Mittel, über welche die Antisemitenbande verfügt, stehen der „Oest. Wochenschrift" nicht zur Verfügung. Indessen wenn das „Vaterland" über die eingeleitete „Subscription" so genau informirt ist, warum unterläßt es, das Ergebniß derselben in Ziffern ausgedrückt mitzutheilen? Der Abgeordnete Dr. Bloch hat diese Action auf eigene Gefahr übernommen und fanb Unterstützung bei zwei Freunden in W a r s ch a u, den Herren N. S o k o l o w und P. Slonimski, den beiden Redacteuren des in Warschau erscheinenden Tagblattes „Hazfirali“ bie drei Männer haben das überaus schwierige Werk, die Beschaffung der Acten in nach der österr. Proceßordnung brauchbaren Form, auf sich genommen und sogar amtliche Documente sowohl der Localbehörden als auch der höchsten Instanzen beigebracht— sämmtliche Akten mit der Unterschrift des Generalgouverneurs und des k. k. österr.-ung. Consuls in Warschau— um eventuell, wenn es nöthig sein sollte, den negativen Beweis zu führen — den gerichtlichen Nachweis, daß die von Herrn Deckert im Namen von Paulus Meyer erzählte Schauergeschichte einfach erlogen ist. Das „Vaterland" spottet mit einem Anflug von Galgenhumor darüber, daß diese Documente überflüssig geworden sind. Es schreibt: „Man nahm an, daß der Augenzeuge bei seiner früheren Behauptung verharre, daß Dr. Deckert ihn durch gelehrtes Materielle aus seiner Specialstudie unterstützen werde und daß man durch einen glänzenden Sieg diese beiden Männer und zugleich den noch vielfach verbreiteten Glauben an den Ritualmord vernichten werde. Aber es trat eine Wendung ein, auf welche man auf keiner Seite gefaßt war. Paulus Meyer hatte gar nichts gesehen, gar nichts gesprochen, gar nichts geschrieben ... Er hatte mit der ganzen Sache gar nichts zu thun ..." Glaubt man beim „Vaterland" ernstlich, daß wir Herrn Deckert das prächtige Conterfei neiden, welches der geniale Dr. G ri ezd e Ronzevon ihm den Geschwornen yorgezaubert hat.

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