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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-25 · 34 (25.8.1893) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 34 Vekerreichische WochenschrM Seite 647 Der Kammerdiener schien in derlei Expeditionen nicht i unerfahren. Er hatte eine Diebslaterne bei sich, so daß der Zimmerraum mäßig beleuchtet tvurde und doch das Licht nicht nach außen dringen konnte. Der erste Raum, der ehedem als Flur oder Küche gedient haben mochte, führte in zwei Gelasse, von denen, wie der Kammerdiener richtig bemerkte, blos das in der Mitte gelegene zu den Besprechungen der Verschwörer benützt zu werden schien, weil die Fenster desselben nicht aus die Straße gingen. Diese Bermuthnng wurde durch den Umstand verstärkt, daß sich blos in diesen: Zimmer zwei Stühle und ein Tisch — auf welchem eine Lampe stand und Schreibmaterialien lagen — befanden, während die anderen Räume ganz leer waren und nach der dicken Staubschichte, welche den Fußboden bedeckte, zu urtheilen, derselbe schon lange von keinem Menschen betreten worden war. Der Kammerdiener verschloß sowohl jene Thüre, die in das mittlere Zimmer, als jene, die in den Flur führte. Levi glaubte zu bemerken, daß ein Zug von Mißtrauen Wertheime'rs Züge überflog und er sprach: „Herr Oberhoffaktor, Sie haben keinen ergebeneren, treueren Diener als mich, und auch diesem Manne da, der mit Innigkeit an mir hängt, können Sie unumschränktes Vertrauen schenken." „Herr Oberkriegsfaktor", sprach der Kammerdiener, „Herr Rafael.", er wollte offenbar zuerst einen andern Familiennamen nennen, aber er faßte sich noch rechtzeitig und ergänzte nach kurzer Pause, „Levi hat mir eine Wohlthat erwiesen, die man nie vergessen kann und die man auch mit Anspannung aller seiner Kräfte nie ganz zu vergelten vermag ..... Aber ich würde ergebenst bitten, nur das Allernothwendigste und auch dieses nur im Flüstertöne zu sprechen." In hochgradiger Spauuung, in einem abgelegenen Hause, in einem schlecht beleuchteten, dumpfen, modrigen Zimmer, ohne ein Wort zu sprechen, warten zu müssen, verlängert scheinbar die Zeit, und trotzdem man in der tiefen Stille der Nacht und des öden Ortes jede Viertelstunde von dem Thurme der nahegelegenenLeopoldskirche schlagen hörte, sah Wertheimer doch häufig auf seine Taschenuhr, und es schien ihm, als wenn sich die Zeiger viel zu langsam vorwärts bewegten. Endlich hörte man Schritte, das Hausthor wurde geöffnet und sofort wieder geschlossen; ein Mann trat in das Zimmer, welches an jenes stieß, in welchem sich die Horchenden befanden. Es ist eine bekannte Eigenthümlichkeit des Menschen, daß, wenn er sich allein im Dunkeln befindet, namentlich wenn er aufgeregt ist, er gern laut spricht und auch Nimptsch — daß er es war, erkannten Wertheimer und der Kammerdiener an der Stimme — sprach, den Lauschenden vernehmlich. „Der Abbate ist noch nicht da. Ich habe dem Kaiser versprochen, nun die faktischen Beweise für Eugens Verrath zu erbringen, und wenn er mir diese nicht verschafft, kann ich in die fatalste Lage gerathen. Vielleicht kommt er gar nicht und alle seine Versprechungen waren eitel Lug und Trug! Schuft ist er genug dazu! Wenn er nicht meine Briefe in Händen hätte — der Schurke verbrennt sie nie, um eine Waffe gegen mich in Händen zu haben — hätte ich das gefährliche Spiel, in das ich mich gestürzt, längst aufgegeben." Der Graf hatte, wie der Kammerdiener, der durch das Schlüsselloch lugte, im Flüsterton berichtete, die Lampe angezündet und sich an den Tisch gesetzt. Nach einer kurzen Weile trat der sehnlich Erwartete ein und nun entspann sich ein Gespräch, das abwechselnd in drei Idiomen: deutsch, italienisch, zuweilen französisch geführt wurde, so daß Wertheimer, um nicht ein Wort von dem mit großer Lebhaftigkeit geführten Dialoge zu verlieren, sein Ohr an die Thürspalte legte. Der Graf sprach meistens deutsch, der Abbate meistens italienisch, wenn Einer fürchtete, von dem Andern mißverstanden zu werden, bediente er sich des Französischen, das jedem von ihnen doch geläufiger als die Muttersprache des Andern war. „Wie stehen die Angelegenheiten bei Ihnen?" frug der Italiener. „Sie fragen mich?" erwiderte Nimptsch und aus dem Tone seiner Stimme klang leidenschaftliche Erbitterung. „Sie haben mich hierher berufen, um mir eine befriedigende Mittheilung zu machen, allein aus Ihren Zögern und aus Ihrer sonderbaren Frage erkenne ich, daß Sie mich auch heute, wie schon so oft, mit leeren Versprechungen Hinhalten wollen. Ich begreife in der That nicht, welchen Zweck Sie durch diese nutzlosen Zusammenkünfte erreichen wollen! Ungefährlich sind sie, weiß es Gott, nicht! Wenn wir hier durch einen unglücklichen Zufall entdeckt würden, dann wären tvir Beide einem traurigen Schicksale verfallen. Ich trete den Weg hierher immer mit Herzklopfen an, betrete mit Zagen diesen Raum und athme erst ruhig auf, wenn ich glücklich heimgekehrt bin. Wahrhaftig, es hat den Anschein, daß Sie, Abbate, nach Art der Rechtsanwälte, dem sardinischen Gesandten für jede Besprechung mit mir noch ein namhaftes Separathonorar aufrechnen! .... Aber meine Geduld ist zu Ende und was noch weit ärger ist, die Geduld des Kaisers ist a.n Reißen, und ich, der ich täglich mit ihm verkehre und die schwere Aufgabe habe, täglich frische Verleumdungen zu ersinnen und ihn bezüglich der Vorlage der Schuldbeweise zu vertrösten, kann sein beginnendes Mißtrauen leicht begreifen. Wenn ich ihn nicht so kunstreich zu behandeln und meine alleruuterthänigsten Vorträge nicht mit tausend Späßchen und Lazzis zu würzen wüßte, wäre unsere Sache schon längst verloren. Einen Andern an meiner Stelle hätte er schon längst mit Schand' und Spott aus der Hofburg, gejagt! .... Ich habe dem Interesse Ihres Auftraggebers, des Königs von Sardinien, der Grund hat, seinen Vetter stürzen zu wollen, nach bester Möglichkeit gedient!" ,,O, Carissime! Sie dienen hierbei in erster Linie dem Interesse Ihres Schwagers, des Grafen Althan, welcher nicht nur den Prinzen Eugen, sondern auch Sinzendorf und Gundacker Starhemberg stürzen will, um sich zum alleinige«, allmächtigen Günstling des Kaisers anfzuschwingen. die höchsten Staatsämter in seiner Person zu vereinigen, auch werden Ihnen Ihre Bemühungen zu Gunsten Sardiniens in munificenter Weise belohnt werden; — aber fahren Sie gefälligst fort, Ihre Leistungen für das Gelingen unseres gemeinschaftlichen Zweckes aufzuzählen!" Der Abbate lachte kurz, ironisch auf. „Ich habe genug gethan", erwiderte Nimptsch zornig, „und wenn die Angelegenheit nicht vorgeschritten ist, trage nicht ich, trägt die Nichterfüllung Ihrer Versprechungen daran schuld. Seit Wochen versuche ich es, den Kaiser mit Anwendung der verschiedensten Mittel, Haß und Mißtrauen gegen den Prinzen einzuflößen, täglich singe ich ihm in den verschiedensten Tonarten das Lied vor: daß Prinz Eugen sich höher als der Kaiser selbst stellt und lass' es in der allerehrerbietigsten Form, die man Kaiser Karl gegenüber nie verletzen darf, durchklingen, daß dies auch in der That der Fall ist — jeden Tag citire ich die angeblichen Aussprüche Anderer, welche behaupten, daß es für ein Staatsoberhaupt sehr gefährlich sei, in die Hand eines Unterthanen so viele wichtige Aemter zu legen; ich wiederhole es täglich, daß die Gesandten der fremden Mächte, oft die Potentaten selbst, wenn sie etwas zu erlangen wünschen, sich nicht an den Kaiser, sondern an den Prinzen wenden; — daß alle Welt behauptet, in Oesterreich sei nicht des Kaisers, sondern Eugens Wille entscheidend. Ja um ihn noch mehr auszustacheln und seinen Kaisersiolz empfindlich zu verletzen, erzählte ich ihm: Die Wiener sagen: Der Kaiser wird vom Prinzen, der Prinz von der »schönen Lorle" beherrscht, so daß eigentlich die Gräfin Batthiany- Strattmaun die oberste Herrscherin in Oesterreich ist. Ich ließ sogar ein Pasquill drucken, von dem ich behauptete, es wäre in Wien in vielen tausend Exemplaren verbreitet und wagte es, es dem Kaiser zu zeigen, es lautete: Bringt man etwas an Kaisers Ohr, Fragt er Prinz Eugen stets zuvor Der aber fragt die Eleonor' Drum ist's in aller Welt bekannt Es liegt in unserem Vaterland Die Macht in eines Weibes Hand. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Elul 5653. — August-September 1893. Freitag! 13; 25 E. d. N. 7'> 29 2°> Samstag 14; S 2t fl'3 26; Sonntag 151 27 Montag 161 23 Dienstag 17 j 29 Mittwoch 18 j 30 Donnerstag 19! 31 Freitag 20 1

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