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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-11 · 32 (11.8.1893) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
32 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 3*. Wie«. 11. A«s«st 1893. Jahrgang X. Crntralorgan für die grsammten Intereflen des Iudenthums. b lannrnaii-alTmamt 1 MklN flÜUMtltirt h»f fll K. k. PoflfPruikissrnsmt Clesringverkrhr Die. 810.V76. Lrd artton und Administration: wir» Iran; Josefs-Nnai Ar. 8. Telephon*Nr. 6535. EigrnLhümer: Reichsralhs-Avgeordneter Dp. Kloch. Erscheint jeden Freitag. Man adonnirt bei allen Vvfianstallxn de« In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltet Petttzeile 12 kr. Inhalt! Leitartikel: Rumänen, Magyaren und Inden. — Schauerer und Stöcker. — Aus der antisemitischen Kloake. — Teutobold buntes Mancherlei. — Der „Colonist" in Palästina. — Lesefrüchte. — Correspondenzeu: Wien, Weidlingau, Pilsen, Eger, Zloczow, Berlin, Leipzig, Bern, Constantinopel, Jerusalem. — Vermischtes: Wien, Kolomea, Budapest, Stlaßilitz, Lomnitz, Breslau, Berlin, Hamburg, Dublin. — Der „ewige Jude" in moderner Beleuchtung. — Croceolo's Synagoge. — Fürstengunst XIX. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. Rumänen, Magyaren und Inden. Das Nationalitätsprincip hat, soweit es bisher in Europa zur Durchführung gelangte, nichts als schweres Unheil gebracht. Es hat zu blutigen Kriegen geführt; es vergiftet in Friedenszeiten das Leben der einzelnen Völker und hemmt auf Schritt und Tritt die ruhige Fortentwicklung der Cultur. So haben denn auch die Rumänen Ungarns wieder ihr rumänisches Herz entdeckt und neuerlich einen großen Feldzug gegen den ungarischen Staat eröffnet, der angeblich das Rumänenthum in grausamster Weise zu vernichten droht. Ganz Europa widerhallt von den vielen Schmerzensschreien der unterjochten ungarischen Rumänen. Aber all das, was die Rumänen über die ungarische Vergewaltigung in alle Welt hinausposaunen, ist eitel Lug und Trug. Die freiheitliche Constitution Ungarns gewährt allen Staatsangehörigen weiten Spielraum, ihre Nationalität nach Lust und. Laune zu hegen und zu Pflegen, und wenn wir selbst annehmen wollten, daß die kräftige Hand der ungarischen Regierung mitunter allzu kräftig die vordringlichen Führer der Rumänen zurückgestoßen hat, so ist das nur sehr erklärlich: der Selbsterhaltungstrieb des ungarischen Staates hat sich eben energisch kundgegeben. Bei allen Männern des Fortschrittes und der Freiheit genießen die Ungarn die höchste Anerkennung wegen ihres Freiheitsmuthes, ihrer niegetrübten Toleranz, während die Rumänen als Barbaren mit einer französischen Frisur überall erkannt sind. Die ganze rumänische Bewegung, wenn sie auch officiell als ein Protest gegen magyarische Unterdrückung auftritt, ist in ihrem wahren Wesen nichts Anderes, als ein Versuch, einen selbstständigen Staat, vorläufig innerhalb der Habsburgischen Monarchie, später einmal für höchst eigene Rechnung zu bilden. Wenn das Schicksal diese goldenen Träume der Rumänen verwirklichen wollte, es wäre traurig um den Südosteu Europas bestellt! Darum steht auch die gesummte gebildete, das ist culturfreundliche Welt in diesem Streite auf der magyarischen Seite. Wenn auch die Magyaren mit ihrem oft zu stark zu Tage tretenden Chauvinismus manchmal die Gefihle anderer Völker verletzen, so bleibt ihnen doch die Sympathie der civilisirten Welt treu, denn man vergißt nicht, daß die Magyaren todesmuthige Vorkämpfer der Freiheit waren und daß sie, seitdem sie sich freien Spielraum zu selbstständiger Entwicklung errungen, auch auf der Bahn des Fortschrittes wacker vorwärts streben. Der Magyare beurtheilt das Individuum nicht nach seiner mehr oder minder blutreinen Zugehörigkeit zu irgend einem Stamme, er kennt auch nicht kleinliche Confessionsunterschiede, ihm ist der Mensch das, was er thatsächlich ist und was er leistet. Wenn man aber sich ein Ungarn vorstellen wollte, indem Rumänen das große entscheidende Wort führen, dann erfaßt Einem ein Grauen. Darum, wenn Dr. Ratiu, einer der Führer der Rumänen Ungarns mit Emphase declamirt: „Lieber russisch, als ungarisch sein!" möchte man ihm znrnfen: „Ihr verdienet wohl einige Jahre Russenthum!" Die gebildete Welt aber sagt: „Lieber ungarisch als rumänisch!" An diesem Streite innerhalb Ungarns nehmen auch die Rumänen aus dem freien Königreiche lebhaften Antheil. Auch sie reclamiren für ihre „unterdrückten Brüder" Hilfe und Besserung. Die Rumänen aus dem Königreiche als Fürsprecher der Gleichberechtigung und Freiheit zu sehen — wahrlich, das ist ein hochkomisches Bild, das leider gleichzeitig auch sehr traurig ist. Diese Rumänen, die seit Jahrzehnten die arbeitsame, bescheidene, friedliebende Judenschaft, die in jeder Hinsicht hochwerthiger ist als das Rumänenthum, in erbärmlichster Weise mißhandeln, — dieselben Rumänen, welche seit Jahr und Tag ihre jüdischen Mitbürger zu allen Pflichten heranziehen, sie zum Militärdienst zwingen, ohne ihnen auch nur die allergeringfügigsten Rechte zu gewähren, auf welche die Juden nach völkerrechtlichen Begriffen vollen Anspruch haben — dafür sich das wortbrüchige, treulose Rumänien auf dem Berliner Congreß feierlich verpflichtet hat — diese Herren wagen es, über Vergewaltigung der Rumänen in Ungarn zu klagen!! Man sieht, die Herren Rumänen im Königreiche haben ebensowenig Gerechtigkeitsgefühl, als sie Bildung besitzen. Wie man sich elegant räuspert, wie man spuckt, auch wie man Schulden macht und nicht bezahlt — das haben die rumänischen Pionniere in Paris und anderen Culturcentren gelernt: aber tiefer, in Geist und Gemüth dieser Ostländer drang die Civilisation des Westens nicht ein, und so sehen wir sie heute voller Entrüstung die Magyaren des Despotismus beschuldigen und sie in heftigster Weise beschimpfen, während diese Apostel der Freiheit und Gerechtigkeit 350.000 Landsleute im eigenen Hause blos deshalb, weil sie Juden sind, in ihren heiligsten Rechten täglich mit Füßen treten, schamlos ausbeuten und sie mit den schwersten Pflichten belasten, ohne ihnen ein einziges Recht dafür zu bewilligen. Was diese unglücklichen Menschenkinder, die ein Unstern in den Machtbereich der Rumänen geführt hat, in den letzten Wochen allein anläßlich ihrer Vertreibung aus den Dörfern, wobei auch ausgediente jüdische Soldaten nicht verschont blieben, gelitten haben, könnte einem Kennan reichlichen Stoff zu einem interessanten, aber traurigen Buche geben. Bei ihnen draußen im Westen hört man nichts davon. . . Die brutalisirten rumänischen' Juden tragen stumm und still ihr Unglück, sie haben im Laufe der Jahre auch das Klagen verlernt. In einer „Politischer Schwindel" betitelten Broschüre bespricht der Klausenburger Universitätsprofessor Gregor Moldora n, ein Ru m ä n e, die nationale Bewegung und meint bezüglich der Einmischung der Rumänen aus dem Königreiche: „Die Rumänen sollten erst im eigenen Lande Ordnung schaffen und sich dann um andere Staaten kümmern. So lange in Rumänien eine halbe Million Juden (nach neuester Schätzung zählt

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