Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 556 Vesterreichische Wochenschrift Nr. 29 unterrichten, und das kluge, aber wilde Kind kann es vor Sehnsucht nicht erwarten, bis die Unterrichtsstunde beginnt, folgt Niemandem lieber als Eva, und wenn ihm diese eine schöne Geschichte zu erzählen verspricht, entschließt sich der kleine Wildfang zu dem größten Opfer, das es für ihn gibt, nämlich eine Stunde lang ruhig zu sitzen und die Mutter nicht zu stören. Auch wissen Mutter und Tochter für Brand- und Schnittwunden und noch viele andere Uebel vortreffliche rasch wirkende Mittel und hat sich namentlich Eva bei der Erkrankung der Verwalterin als ausgezeichnete Krankenpflegerin bewährt und macht in dem Dorfe den Arzt, der aus weiter Ferne zu holen und für dm Armen gar nicht zu bekommen ist, nahezu entbehrlich. Mutter und Tochter werden nicht nur im Branntweinhause, sie werden im ganzen Dorfe und der Umgebung geradezu vergöttert. Sie sind auch gegen die Hausleute und die Dorfbewohner sehr zutraulich; aber sobald ein Fremder, und sei es auch nur ein Bettler, sich nach Schönhof in das Branntweinhaus verirrt, da werden beide Frauen menschenscheu, verschließen sich in ihrem Stübchen und erscheinen auch nicht bei den Mittags¬ und Abendmahlzeiten, welche sie sonst gemeinschaftlich mit den Hausleuten einnehmen." „Dieses Benehmen ist in der That bis zur Unerklärlichkeit sonderbar", meinte Wertheimer nachdenklich, „doch Herr Perez Markbreiter, Sie wollten meine Ansicht in dieser Angelegenheit hören, dazu erscheint es nothwendig, daß Sie mir mittheilen, wie sich die Verhältnisse weiter entwickelt haben. Sind Sie überzeugt, daß Ihre Liebe zu diesem Mädchen eine dauernde, unverlöschliche ist? Sind Sie überzeugt, daß Eva Ihre Neigung erwidert? — Haben Sie dieser oder ihrer Mutter schon erklärt, daß Sie sie zur Gattin wollen? Haben Sie oder. Ihre Mutter es nicht ernstlich versucht, die Frauen zu veranlassen, den Schleier des Geheimnisses, der sie umhüllt, zu lüften?" „Herr Oberhoffactor, ich liebe Eva mit jener heißen Liebe, von welcher -er weiseste der Menschen sagt: Noch stärker als des Todes Kraft Ist echter Liebe Leidenschaft Und selbst die stärkste Wasserfluth Verlischt nicht ihre Feuergluth.*) Ich liebe Eva mit jener reinen, heiligen Liebe, um deren Willen nach dem Bibelworte der Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen soll — und meine Liebe zu Eva wird dadurch veredelt, daß ich sie noch selbstloser als leidenschaftlich liebe; ihr Glück zu befördern, würd' ich meinem entsagen. Müßt' ich, daß mich Eva nicht wieder liebt, ich würd's wahrhaftig leichter ertragen, ihr entsagen zu müssen, aber sie liebt mich so heiß, so treu, wie ich sie, und daß lnir Beide unglücklich werden, das schmerzt mich mehr um ihretals um meinetwillen!" ' „In welcher Weise erfuhren Sie, daß Eva Leidensdorf Sie wieder liebt und weshalb erscheint Ihnen eine Verbindung mit ihr unmöglich?" (Fortsetzung folgt.) Literatur. Kutna: „Die Schöpfungslehre der Mosaischen Urkunde innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft." (Przemysl, Selbstverlag 1892.) Einsast bis zum Äeberdruß oft behandeltes Thema wird hier recht geschmackvoll und mit gutem Takte behandelt. Berufene und Unberufene haben sich an die Frage herangedrängt, wie Bibel mit Wiffenschaft zu versöhnen sei. Von Vorneherein sei bemerkt, daß Res. kein Freund dieser Bersöhnungsversuche ist. Ich betrachte die fünf Bücher Mosis als Religionsbuch, als Erziehungslehre, sagen wir Ethik. Was Geschichte im weitesten Sinne des Wortes ist, also auch Naturwissenschaft ist nur Nebensache. Trotzdem liest man Kutna's Arbeit, die eine Frucht reifen Denkens ist, mit Interesse und Freude. Kutna steht auf rationellistischem, bibelkritischem Standpunkte, „die Schöpfungsgeschichte ist kein selbstständiges Ganzes für sich — sie bildet die Einleitung der Genesis, so wie die Genesis eine Einleitung des Pentateuch ist; sie ist nicht nur gaeocentrisch und änthropocentrisch, sondern auch judäocentrisch (!) Die Anfangsworte der Genesis bedeuten: „In der Urzeit erschuf die Gottheit den Kosmos." (Chaos.) „Da wird's Licht mit einemmale, Licht bedeutet auch' Feuer. Kutna siebt in O r den Blitz. Bei der Scheidung der Wassermassen ist ein post hoc ergo propter hoc zu beobachten. Ein Hauptstandpunkt des Verfassers ist: Die Thora spricht, wie wir Menschen "sprechen und denken. Aus den vorhandenen Thatsachen wurden Rückschlüsse gemacht; Der Mensch wird zu Staub, also ist er aus Staub gemacht, Gott wird in Menschengestalt gedacht, also schafft Gott den Menschen in seinem Ebenbilde. Die Schöpfung s w o ch e ist frei aufzufaffen. Die Mondphas en sind maßgebend für die Sieben zahl. Die Eintheilung der Schöpfungsgeschichte in eine Woche von 7 Tagen entspricht dem Gesetze der Arbeit und Ruhe. Bei der Erzählung von der Schaffung des Weibes ist Zweck die He iligung der Ehe. „So wie in der Schöpfungsgeschichte überhaupt die großen unergriindlichen Räthscl der Weltentstehung behandelt werden, also werden hier (Schaffung der Menschen, Sündenfall) jene Fragen erörtert, welche das menschliche Leben uns aufgibt." Man sieht, der Verfasser gibt reichlich Anlaß zum Nachdenken, vielleicht auch zu Widerspruch. Wie kommt es, daß der Verfasser kein einschlägiges Werk citirt? Auch nicht die vortreffliche Arbeit Prof. H e i n r i ch R e u s ch 's : „Die biblische Schöpfu n g s g ef ch i chte und ihr Verhältniß zu den Ergebnissen der Naturforschung", das ist der besten Arbeiten eine. Feuchtwang. „Die rationelle Schriftauslegung des Maimonides." Von Dr. Leo Bardowiez. (Gekrönte Preisschrift.) Berlin 1893. Eine leicht faßliche, in gutem Style geschriebene Arbeit, die durch die systematische Eintheilung des Stoffes recht durchsichtig und in ihren Resultaten klar ist; ob der Stoff erschöpft ist, lassen wir dahingestellt. Es ist immerhin sehr dankbar, sich mit den^laame hamizwoth“ des Maimonides zu beschäftigen, und fast eine Pflicht ist es, in unseren Tagen wieder auf Maimonides und dessen unsterbliche Werke hinzuweisen, denn Rambam wird allzusehr vernachlässigt. Wir sind überzeugt, würde mehr Gewicht auf Rambam und dessen Quellen: die Talmude (Bab. u. Jesur.) die halachischeu Midraschim und Tosefta gelegt, dann würde auch mit mehr Interesse Talmud studirt werden. Die Arbeit bietet aber im Grunde nichts Neues und wir möchten ihn auf Eisler's Werk über Philosophie des Mittelalters Hinweisen, in welchem (II. Th. Seite 106 ff.) in kurzen Worten so ziemlich dasselbe, vielleicht, tiefer gesagt wird, was der Verfasser ausführt; sollte der Verfasser diese von Ueberweg (Gesch. d. Philos.) öfter citirte Schrift Eisler's nicht kennen? Im Uebrigen sei Bardowicz's Arbeit allen Verehrern Maimonides bestens empfohlen. Zu kaufen ist das Merkchen auch bei L i p p e in Wien. Feuchtwang. Wochenkalender. Ab 5653. — Juli 1893. Freitag 8 21 E. d. N. 8>> 31 3°° Samstag 9 Fasten des 9. Ab. 22 Sonntag 10 23 Montag 11 24 Dienstag 12 25 Mittwoch 13 26 - Donnerstag 14 27 Freitag 15 28 Briefkasten. E. B. in P. Wir bedauern, auf die breilgetretene Angelegenheit nicht wieder zurückkommen zu wollen. M. N. Buezaez. Wir sind leider außer Stande, die gewünschte Auskunft zu ertheilen. E. R. Wien. Wir bedauern, Ihren Antrag vorläufig nicht in Betracht ziehen zu können. Gemeinderath Nikolsbnrg. Nur mit voller Namensfertigung. Abonnent Prerac. W:r konnten Näheres nicht erfahren. Lei der gefertigten neugegrüudeten Cultusgemeinde gelangt die Stelle eines geprüften Beligionslehrers, welcher zugleich Vorbeter, Koreh, Schächter u. Bodek sein muss, mit einem fixen Jahresgehalte von 600 fl. und 100 fl. Quartiergeldbeitrag zur Besetzung. Bewerber um diese provisorische, erst nach definitiver Constituirung fix zu besetzende Stelle, welche das 45. Jahr nicht -überschritten haben dürfen und den sonstigen gesetzlichen Vorschriften entsprechen müssen, haben beim Cultusvorstande bis längstens 10. August 1893 ihre mit den erforderlichen Zeugnissen versehenen Gesuche unter Beischluss ihrer Photographie einzubringen. Binnenderselben Frist wird die Stelle eines Gemeindedieners mit dem Jahresgehalte von 200 fl. provisorisisch besetzt. Freiwaldau, am 13. Juli 1893. Der Vorstand der provis. Cultusgemeinde: Dp. Glaser. *) Hohes Lied, Cap. 8, V. 6 und 7.