Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 25 (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 484 OrsterrekMchr Wochenschrift Nr. 25 vollster Ausstattung überreichte Ehrenbürger-Diplom vor. Nun trat Herr Rabbiner Dr. Feijchtwang vor . und erörterte unter Zugrundelegung des Textes: „Eu hanewuoh schaureh elo al chochom, oschir wegibaur“, wie der Jubilar diese drei Eigenschaften in geftliger Beziehung in sich vereinige und endigte damit, daß der Ortsschulrath beschlossen habe, die Züge des geliebten Lehrers für die Schule;u verewigen; zur Ueberraschung aller Anwesenden enthüllte jetzt ein Ortsschulrath das gelungene Öelgemälde des Jubilars, das in der Directionskanzlei unter die Bilder der Schulgründer ausgenommen wird. Herr Lehrer Deutsch sprach im Namen des Lehrkörpers den Dank für die wohlwollende und umsichtige Leitung aus. - Nachdem noch Gymnasial- und Volksschüler die Nachsicht und die Verdienste des Jubilars um die Schüler gepriesen, ergriff der Reichsraths-Abgeordnete und Bürgermeister der Stadtgemeinde das Wort und feierte den Jubilar als vorurtheilsfreien Lehrer, dessen Schule ein starkes Contingent katholischer Schüler umfaßt, der aber keineit Unterschied in der Religion kennt. Er hob auch die Bürgertugenden und beutsche Treue des Jubilars hervor. Herr Direktor Prinz, der Obmann des B'czirks-Lehrervereines, brachte dessen Gratulation, betonte die Eollegialität des Jubilars und ersuchte, Um dessen weiteres Mitwirken. Den Reigen der Gratulanten schloß Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Feßler, der in meisterhafter Rede den Jubilar als Menschen lobte, der seinen unzähligen Schülern das Muster eines liebevollen, gütigen und nachsichtigen Lehrers und eines väterlichen Berathers bleiben wird. Der Jubilar dankte nun mit herzlichen Worten für die ihm zutheil gewordene Ehre und schloß seine Rede, die auf alle Festtheilnehmer tiefen Eindruck machte, mit einem Hoch auf Seine Majestät, den Kaiser, worauf alle Anwesenden unter Begleitung des Harmoniums die Volkshymne sangen. Nachdem noch die Vorstände der Corporationen den Jubilar beglückwünscht hatten, wurde er in seine Wohnung geleitet, wo ihm eine Deputation seiner ehemaligen Schüler das Ehrengeschenk und ein Schüleralbum überreichte, worin sich die Photographien von Rabbincn und Predigern, Advocaten und Medicinern, Professoren und Lehrern, sowie hervorragender Kaufleute befinden. So feierlich sich der Vormittag gestaltete, so gesellig wurde der Nachmittag beim Commers verbracht. Nachdem viele officielle Toaste gehalten waren, wurden Telegramme von Nah und Fern verlesen, und bis zum späten Abend blieb die Gesellschaft animirt. Ein seltenes Freudenfest war's, das Nikolsburg zu feiern Gelegenheit hatte. Perchtoldsdorf. Die im Hause Nr. 76 der Hochstraße in Perchtoldsdorf wohnhaft gewesene Sommerpartei mußte am Montag den 5. Juni 1893 plötzlich die Wohnung verlassen, weil der Hausherr sich tagsvorher äußerte, er werde den beiden Knaben der Partei die „Haxen" abschlagcn. Eiwanowitz. Dienstag, am 13. d. M. besuchte Fürstbischof Dr. Theodor Kohn unsere Stadt. Eine Deputation der hiesigen israel. Cultusgemeinde, bestehend aus dem Rabbiner Eisler, dem Cultusvorsteher M. L ö b l und den Herren A. Löbl und Max Spitz begrüßte den Fürstbischof. Auf die Ansprache des Rabbiners erwiderte der Fürstbischof: „Es gehört mit zu dem Grundsätze unserer Religion, alle unsere Mitmenschen gleich zu lieben und diesem Grundsätze werde ich treu bleiben und sind Sie, meine Herren, meiner Gewogenheit versichert." Die Deputation wurde auf das huldvollste empfangen und der Herr Cultusvorsteher sprach in kurzen Worten den Dank für.den huldvollen Empfang aus. Bisenz. (Antisemitische G eschästsreclame.) Die antisemitische Firma Johann Koluch L Sohn in Bisenz versendet ein Circulär, in welchem sie „vor der hiesigen jüdischen Concurrenz warnt". Wir wollen hiemit diese geehrte Firma unseren Lesern eindringlichst empfehlen. Broos (Siebenbürgen.) In der hiesigen Synagoge prangt ein vierundzwanzigflammiger Candelaber im maurischen Style und prachtvoller Ausführung aus der Fabrik des Herrn I. A.Heymann, Wien, vii., Seidengasse 26. Der Candelaber wie die Ampel machen großen Effect und werden allgeniein bewundert. Herr I. A. H e y m a n n, der überall bei Synagogenbauten, so jetzt auch bei denjenigen in Brstritz a. H. in erster Reihe zu Rathe gezogen und um Zeichnungen und Kostenvoranschläge gebeten wird, hat sich mit seinen Leistungen auf diesem Gebiete bereits einen hervorragenden Namen erworbem Es ist erfreulich zu sehen, daß selbst kleine Gemeinden auf eine würdige Ausstattung des Gotteshauses bedacht sind, was in gewissem Sinne auch zur Hebung des ethischen Gefühls und zur Erhöhung der Andacht beiträgt. Stanislau. In Bezug auf die Correspondenz Stanislau in der letzten Numnnr unseres Blattes, betreffend die Verhaftung zweier Geschwornen bei einer hiesigen Schwurgerichtsverhandlung, ersucht uns Herr Advocat Dr. S i g m u n d Z i n s zu constatiren, daß die irrige Bezeichnung der verhafteten Geschworenen als „Juden" in „Kurjer Stanislawowski" lediglich auf einen bedauerlichen Druckfehler zurückzusühren ist, welcher im Manuscripte nicht war und am folgenden Tage von dem Blatte selber loyal und freiwillig richtig gestellt worden ist. Der „Kurjer Stanislawowski" ist nicht nur kein antisemitisches Blatt, sondern befleißigt sich stets einer loyalen Haltung und wird gerade darum von.einem zweiten Localblatt heftig bekämpft. Bayreuth, 14. Juni. Aus eine traurige Weise wurde heute Mittag hier eine israelitische Hochzeit gestört. Bier Hochzeitsgäste unternahmen in einem Zweispänner einen Ausflug nach dem Wagnertheater. Auf dem Rückwege riß an einer stark abschüssigen Stelle die Bremsvorrichtung, die Pferde fielen und der Kutscher stürzte kopfüber vom Bock. Er brach beide Beine und erlitt auch schwere innerliche Verletzungen, während zwei Insassen schwer, die übrigen leicht verletzt wurden. Der Kutscher, ein äußerst nüchterner Mann, wurde sterbend in das Krankenhaus gebracht, während die vier Insassen in das Hotel „Reichsadler", dem Hochzeitslocal, transportirt wurden. Godesberg, 28. Mai. Herr Dr. Simonson hat der hiesigen Stadtgemeinde 60.000 Mark zu wohlthätigen Zwecken gespendet. Paris, 22. Mai. Der Bey von Tunis hat für die Alliance-Schulen eine Subvention von 6000 Francs bewilligt. Bukarest. „Vasile Alecsandri ein Jude!" Alecsandri, der vor kurzem gestorben ist, war ein bedeutender Dichter und Politiker— zuletzt bevollmächtige Minister Rumäniens in Paris, dessen Judenhaß keine Grenzen kannte; aus ProceßacteN wird nun dargethan, daß er der Sohn eines getauften Juden gewesen sei. (Schwarzfeld, M. Anuar pentru Israelin, CU un supliment calendaristic pe anul 5653 (1892—1893.) Sophia. (Die bulgarischen Juden beim Fürsten Ferdinand.) Gestern empfingen Fürst Ferdinand von Bulgarien und die Fürstin Marie Louise in Gegenwart des gesammten Hofes die Deputation der Juden Bulgariens, unter Führung des Großrabbiners Dr. Moriz Grünwald. Auf dessen Glückwunsch und Willkommgruß in Sofia beehrte der Fürst den Großrabbiner mit folgender, in französischer Sprache gehaltenen Anrede: „Herr Großrabbiner! Wollen Sie der israelitischen Bevölkerung, deren trefflicher Dolmetsch Sie gewesen, meinen Dank übermitteln. Ich bin von der Treue und dem Patriotismus der Israeliten meines Fürstenthums überzeugt. Ich war und werde stets ein Beschützer der Israeliten meines Landes sein. Ich danke Ihnen nochmals. Herr Großrabbiner." Fürstengunst. Roman von S). Kohn. Verfasser von „Gabriel". (Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. 12) rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Uebersctzungs- Es war ein Freitag Nachmittag, als Lea Arnstein in gewohnter Weise be.i Koppel Kanitz Nachfragen wollte, ob wieder Hilfsbedürftige angekommen waren. Den Diener, der sie begleitete, ließ sie vor dem Hause warten. - Als sie den Flur betrat, erkannte sie aus den Worten, die aus der halb offenen Zimmerthüre drangen, daß sich Jemand schon vor ihr, in gleicher Absicht wie sie, bei dem Gemeindediener eingefunden haben mußte, denn dieser berichtete: „Es sind seit gestern Mittag nur sieben Personen angelangt: ein polnischer Rabbiner, dessen Gemeinde abgebrannt ist und der hier eine Sammlung veranstalten will und beim Oberrabbiner und Oberhoffactor wohnt. ..." „Weiter, weiter!" hörte Lea eine Stimme, in welcher sie jene ihres Retters erkannte. Ihr Herz begann zu klopfen und sie zitterte so heftig, daß sie wie angewurzelt stehen bleiben mußte und hierdurch unwillkürlich Ohrenzeuge des weiteren Gespräches wurde. „Dann eine Frau," fuhr Kanitz fort. „Woher kam sie?" fiel ihm Rafael Levi hastig in's Wort. — „Eine Witwe aus Schlackenwörth in Böhmen", sprach Kanitz weiter. „Ihre christliche Nachbarin hat deren einziges Kind getauft, ihr dasselbe entrissen und in ein Kloster gebracht. Der vierjährige Knabe ist vor Angst, vor Leid, vor Sehnsucht nach seiner Mutter erkrankt; die arme, fromme Frau ist dem Wahnsinn nahe. Sie hat das Letzte, was sie besaß verkauft, um nach Prag zum Oberstburggrafen zu fahren, es war vergebens! Sie ist zu Fuß von Prag nach Wien gegangen, sie hat