Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 25 (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 482 Oellerreirtzische Mochenfrtzrtst Vtr. 25 darauf, es hier öffentlich auszusprechen, daß die Israeliten in Toulouse sowie diejenigen anderswo durchaus nicht die Anfeindungen und Aufreizungen zum Rassenhaffe verdienen, denen sie in einem Lande ausgesetzt sind, welches eine Revolution gemacht, um allen Kämpfen der Raffen und Classen ein Ende zu machen. Auch der Präfect, Herr Leon Cohn, ein Sohn des unvergeßlichen Albert Cohn, richtete im Namen der Provinz einige Begrüßungsworte an den Minister, welche dieser huldvoll erwiderte. Bei dem Bankett brachte der Präfect den Toast auf den Präsidenten der Republikaus, von dem er in seiner Rede rühmte, daß deffen Popularität keine vorübergehende sei, denn, sie beruhe auf Ehrlichkeit, Ehre und Vaterlandsliebe. London. Oberstlieutenant Goldsmid, welcher im Frühling vorigen Jahres nach Argentinien geschickt worden war, um dort die von Baron Hirsch gegründeten Colonien russischer Juden zu organisiren, hat dieser Tage dahier in einer Versammlung des Macabaeus-Clubs über den Zustand dieser Colonien Folgendes berichtet: Bezeichnend für die Lebenskraft der Juden unter günstigen Bedingungen fei der Umstand, daß in der Colonie San Antonio mit 100 Familien in 15 Monaten nicht ein einziger Todesfall und in der Colonie Clara mit 300 Familien in 9 Monaten kein Todesfall vorgekommen sei. Im Ganzen seien 4 Colonien vorhanden und man gebe bereits allgeniein zu, daß es in Argentinien keine ländliche Niederlassung gebe, welche derjenigen von Mauricio gleich fei. Was die Zukunst anbetrifft, so gab Oberst Goldsmid der Hoffnung Ausdruck, daß das Colonisations-Experiment ein erfolgreiches sein werde. Nach Goldsmid sprach Dr. Klempster, welcher vor zwei Jahren als Commiffär der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Rußland bereiste, um die Auswanderungsstage zu studircn. Ihm sei, so sagte Dr. Klempster, infolge seines Berichtes über die grausame Behandlung der Juden in Rußland für die Zukunft der Eintritt in Czarenreich verboten worden. Es würden jetzt noch mehr Grausamkeiten verübt, als vor 2 Jahren, und wie er von autoritativer Seite gehört habe, sei es die bestimmte Absicht der Behörden, das Volk auszurotten, welches die Russen Industrie gelehrt und das sich im Lande auf Ersuchen der Herrscher desselben niedergelassen hat. Alexandrien, 24. Mai. Hier treffen noch immer zahlreiche russische Juden mit.ihren Frauen und Kindern ein, um sich theils in Egypten oder in anderen Hafenstädten des nördlichen Afrika und Syriens anzusiedeln, theils wieder, um von hier nach Marseille zu gelangen, und sich dort wieder nach Südamerika einzuschiffen. Unsere Gemeinde leistet selbstverständlich ihr Möglichstes, uni diesen armeu unglücklichen Glaubensbrüdern zu Hilfe zu kommen; leider find auch ihre Mittel beschränkt,, da sie genug mit ihren einheimischen Armem und Bedürftigen zu thun hat, die gleichfalls ihre Hand ausstrecken. Viele dieser russischen Emigranten siedeln sich Jetzt auch in den neugegründeten Städten längs des Suezkanals, in Port-Said und Jsmailia und dann auch in Suez, selbst an, da in allen diesen Städten große europäische Colonien existiren, unter denen sich diese Fremdlinge leichter fortzubringen hoffen, als in einer Stadt mit gänzlich arabischer Bevölkerung. VermiMes. Wie». /Trauungen). Sonntag,den 18. Juni 1893 wurden getraut: Herr Leib Schneider mit Frl. Matjem Hudes; Herr Dr. Nathan Weinstein mit Frl. Rebekka Rittecmann. Herr Jakob Pollak mir Frl. Josefine Schlesinger; Herr Alexander Wen graf mit Frl. Rosa Schnabel. — Dienstag, den 20. Juni 1893: Herr Ludwig Sqal mit Fr'. Emy Speier. Wien. Sonntag, den 11. Juni wurde in Hietzing Herr Dr. Jakob Nirenstein mit Frl. Clara Engel von Herrn Ober- Rabbiner Dr. Güdemann getrarst. Der Bräutigam ist der Sohn des Herrn Heinrich Nirenstein, dessen Gattin eine geborene Kallier ist.' Herr Heinrich Nirenstein ist Curator und Schatzmeister-Stellvertreter der Baron Hirsch-Stiftung, hoch geachtet wegen seines humanitären Wirkens und seiner Wohlthätigkeit. Nach guter alter Sitte wurde er am Sabbath vor der Trauung seines Sohnes zur Thora gerufen und spendete 4M fl für wohlthätige Zwecke. Der Brautvater ist der Chef einer großen typographischen Anstalt. Wien. (Auszeichnung.) Wie die „Wiener Zeitung" meldet, hat der K a i s e r dem Herrn Albert Saborsky in Paris, Mitchef der bekannten Vieh-Commissions-Firma „Joseph Saborsky und Söhne" in Wien und Bice-Präsidenten der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Paris, das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. — In der am 19. d. M. stattqesundenen Vollversammlung des Wiener medicinischen Professoren-Collegiums wurde Professor Dr. Adam Politzer zum fachmännischen Delegirten der medicinischhygienischen Ausstellung in Chicago ernannt. Die Akademie der Wissenschaften in Krakau hat den Professor Dr. L. S t e r n b a ch daselbst zum Mitglied ernannt. Wien. (Rabbinerseminar in Wien.) Wie wir vernehmen ist für die Stelle eines Professors für jüdische Geschichte nnd Exegese an der ^jüdisch-theologischen Lehranstalt, Herr Dr. Adolf Büchler berufen worden. Der junge Gelehrte, ein Neffe des berühmten Neubauer in Oxford, hat seine Studien im Vorjahre an der Landesrabbinerschule in Budapest vollendet und seine bisherigen wissenschaftlichen Leistungen — seine Dissertation zum Beispiel wurde von der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien herausgegeben — bürgen dafür, daß die neue jüdische Hochschule in Dr. Büchler eine tüchtige Kraft gewonnen hat. Ami™™ Wien. (H oher Besuch.) Anläßlich einer Jnspectionsreise wird der Handelsminister Marquis v. Bacquehem auch die Spiritusraffinerie des bekannten Großindustriellen Herrn Ignaz Lederer in Jungbunzlau einer Besichtigung unterziehen. Wien. Das Bankhaus S. M. von Rothschild hat dem Ministerpräsidenten den Betrag von fl. 5000 für die durch die jüngsten Ueberschwemmungen betroffenen Bewohner des Herzvgthums Bukowina' übergeben, und ist diese Spende ihrer Bestimmung bereits zugeführt worden. Wien. Am 18. April hielt Theodor Ritter von Gold" schmidt, k. k. Baurath und Gemeinderath der Stadt Wien, gelegentlich der 13. Generalversammlung des Donau-Vereines einen Vortrag über den 5. internationalen Binnenschifffahrts-Congreß, an welchem Herr v. Goldschmidt als Delegirter der Stadt Wien fungirte, nachdem ihm schon beim Wiener und Frankfurter Schifffahrts-Congreß die gleiche Ehre zu Theil geworden. Großer Beifall lohnte den Redner für seine interessanten und bemerkenswerthen Ausführungen. Wien. Die kürzlich in Dresden verstorbene Frau Schie hat ihr ganzes Vermögen testamentarisch für die hiesige jüdische Gemeinde bestimmt, und zwar 600.000 Mark zu wohlthätigen Zwecken und 240.000 Mark zum Neubau einer Synagoge. Wien, 19. Juni. Gestern ist hier Frau Salomea Kohn, eine durch Wohlthätigkeitssinn bekannte Dame, Mutter des Landesschulraths Advocaten Dr. Gustav Kohn, nach langem schweren Leiden gestorben. Die Heimgegangene war eine durch Frömmigkeit, Herzensgüte und wohlthätigen Sinn ausgezeichnete Frau. Der bekannte pädagogische Schriftsteller Herr Philipp Sun, ein Mann von vielen Kenntnissen und großem Fleiße, ist Freitag am 16. d. M. in seinem 50. Lebensjahre verschieden. Der Heimgegangene, welcher unseren Lesern durch eine Reihe pädagogischer Artikel und den Vereinsmitgliedern der „Oesterr.-Jsrael.. Union" durch einen geistreichen Vortrag in Erinnerung bleiben wird, hinterläßt eine Witwe und eine Tochter. Wien. (Eingesendet.) Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, daß ich Sie im Interesse einer edlen Sache,, der Sie jamie Ihre Mithilfe versagt haben, in Anspruch nehme. II/5, Webergasse 25, 1. Stock wohntdie aus Rußland unschuldig vertriebene österreichische Judenfamilie Rosenbaum, bestehend aus Mutter mit 6 Kindern, welche buchstäblich am Hungertuche nagen, die meisten von ihnen sind Mangels der nöthigen Nahrung erkrankt. Der Ernährer ist nach Hamburg um Verdienst gereist, in der Meinung dort Connexionen zu finden. Die Familie ist hilflos und verlassen, kennt sich in Wien gar nicht aus. Nachdem sie bereits einen Monat den Zins schuldet, droht ihr noch dazu das fürchterlichste, die Delogirung, Alles was dieselbe an Kleidern und Wäsche hatte, ist ins Pfandhaus gewandert. Die zwei größeren Mädchen möchten gerne, wenn es ihre Kräfte wieder erlauben, Arbeit übernehmen. Sie können sehr hübsch sticken. Vielleicht finden sich durch Veröffentlichung dieser Zeilen in Ihrer sehr geschätzten Wochenschrift im Kreise unserer Glaubens-