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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 24 OeÜerrrichMtze WochrnschrW Seite 467 Residenz dulde und hatte versichert, daß mit der Austreibung'' derselben sich Gottes Zorn von der kaiserlichen Familie abwenden und dessen reichster Segen über sie herabströmen werde. Allem die Borhersagungen des Bischofs trafen nicht ein, im G e gen t heil, die Kaiserin wurde in der Blüthe ihres Lebens weggerafft, ihre beiden Knaben starben im zartesten Alter und der fromme herzensgute Kaiser mochte darin einen deutlichen Wink des allmächtigen und allgerechten Gottes, eine gerechte Strafe für die Vertreibung unschuldiger, unglücklicher Menschen erkennen. Kaiser Leopold gestattete nicht nur die Rückkehr der vertriebenen Juden, sondern er that noch weit mehr; zwei Juden, Finanz-Genies, Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer, die früher nicht in Wien, sonderin in Worms gewohnt hatten, durften sich in seiner Residenz niederlaffen und wurden ihnen Privilegien aller Art zugestanden, ihnen hohe Ehren erwiesen, einflußreiche Stellen eingeräumt, die höchste kaiserliche Huld in Wort und Schrift ausgesprochen, die glänzendsten Auszeichnungen verliehen. Allein die rückkehrenden Juden (blos die beiden vorgenannten Neueingewanderten waren als Hofbeamte von allen Giebigkeiten befreit) mußten so hohe-Stenern zahlen,'daß es den Unbemittelten nicht möglich war, von dieser Vergünstigung Gebrauch zu machen. Es ist daher erklärlich, daß es unter den Mitgliedern der damaligen neugebildeten Wiener Judengemeinde keine Armen gab. Dagegen strömten alle armen Juden aus Böhmen, Mähren, Ungarn, Polen, ja sogar aus der Türkei und Palästina nach Wien, wo es nur reiche Inden gab und bildete namentlich Samson Wertheimers — auch von zeitgenössischen christlichen Schriftstellern, ja sogar von dem berüchtigten Judenhasser Schudt anerkannte — weltberühmte Wohlthütig-eit einen mächtigen Magnet für alle Hilfsbedürftigen. Wertheimer benahm sich gegen Jedermann, ohne Unterschied der Confession mit herzgewinnender Milde und wußte seinen Wohlthaten jeden Beigeschmack von Demüthigung fernzuhalten. In seinem Hause bestanden eigenthümliche, merkwürdige Einrichtungen. Jeder fremde Jude, der nach Wien kam, durfte unangemeldet zum Mi.tagmahl in seinem Palais erscheinen, sich an die reichbesetzte Tafel, die in einem ebenerdigen Saale bereit stand, setzen, nach Belieben essen und trinken und sich dann, ohne, irgend Jemanden einen Dank auszusprechen, entfernen. Die Lakaien, die bei dieser Tafel aufwarteten, hatten den strengsten Befehl, diese seine Gäste genau mit demselben Eifer und derselben Höflichkeit zu bedienen, als Jene, welche mck ihm selbst an einem Tische aus dem Gold- und Silberservice speisten, das ihm Kaiser Leopold „in Gnaden und zum Gedächtniß" zur Schmückung seiner Tafel verehrt ' hatte. Allein die Zahl der armen Juden, die nach Wien strömten, war eine so große, daß selbst der fürstliche Reichthum und die königliche Großmuth Wertheimers allein es nicht vermochte, Allen zu helfen und es mußten sich auch die anderen reichen Juden an diesem Liebeswerke betheiligen und sie thaten dies auch willig und nach besten Kräften. Da es den christlichen Gasthofbesitzern untersagt war, Juden zu beherbergen, hatten die jüdischen Vorsteher bei dem Gemeindediener Koppel Kanitz eine Herberge für zugereiste Glaubensgenossen errichtet. Hier standen in einigen geräumigen, luftigen Zimmern einige Reihen sauberer Betten und Koppel Kanitz verabreichte Jedem, der es verlangte, auf Gemeindekosten Frühstück und Nachtmahl. Für den Mittagtisch war, wie schon erwähnt, in dem Wertheimer'schen Palais ausreichend gesorgt. (Fortsetzung folgt). Wochenkalender. Thamus 5653. — Juni 1893. Freitag o 1 „v,! II lls! 16 E. d. N. 8>> 48 9°> Samstag 3 1 i 17 Sonntag 4 18 Montag 5 19 Dienstag 6 20 Mittwoch 7 21 Donnerstag 8 22 Freitag 9 23 Briefkasten. Salomon F.: Mit Ihrer Anfrage wollen Sie sich an einen Pfarrer, nicht an Rabbi Bloch wenden. -4 Obergymnasiast, Przrmysl: Der Cnrfns dauert 6 Jahre. Stettkowitz: Besten Dank. Rabbiner in P.: Wir bedauern, Ihre Auffassung in Bezug auf das Gesetz nicht theilen zu können. Die Schrift von Professor Chwolson: „Das letzte Passamahl Christi" ist in der Verlagsbuchhandlung Boß in St. Petersburg und Leipzig erschienen. Coueurs. In der israel. Cultusgemeinde B u d y n a. il. E g e r ist die Stelle eines geprüften Lehrers, der zugleieh Chasen, Koreh und Scho- Chet sein muss, vom 1. September dieses Jahres zu besetzen. Gehalt 650 fl., freie schöne Wohnung, Einnahmen der Schita und übliche Emolumente, wer ausser dem deutschen Unterricht auch den böhmischen ertheilen kann, erhält 50 fl mehr. Befähigungsnachweis eines Rabbiners erwünscht. Bewerber haben ihr Alter und Familienstand anzugeben, falls verheiratet, kann die Frau als Industriallehrerin gute Einkünfte haben. Gesuche mit Zeugnisabschriften, welche nicht retournirt werden, sind an den Cultusvorstand bis längstens 25. Juni dieses Jahres einzusenden. Reisespesen weiden dem Acceptirten vergütet. Der Cultusvorsteher 1 Josef Berman. Concurs. In endesgefertigter Gemeinde ist die Stelle eines tüchtigen, musikalisch gebildeten Cantors, der die Tempelvorträge in Begleitung eines Quartetts (Tenorist, Bassist und zwei Knaben) abzuhalten hat, zu besetzen. Jahresgehalt inclusive Sängerpersonale 1500 fl., nebst den üblichen Emolumenten. Bewerber mögen ihre, mit authentischen Belegen über musikalische Bildung, bisheriges Wirken, religiös moralischem Lebenswandel, Alter und Familienstand versehenen Gesuche bis Ende Juni an den gefertigten Vorstand einsenden. Es wird besonders bemerkt, dass zu Probevorträgen nur die vom Vorstande Berufenen zugelassen und die Reisekosten nur dem Acceptirten vergütet werden. Klausenburg, am 23. Mai 1893. Der Vorstand der aut. orth. isr. Cultusgemeinde: Ignatz Strauss, Secretär. David Smiel, Präses. Concurs. Bei der israelitischen Cultusgemeinde in ButSChowitZ gelangt mit 1. August d. J. ab, die Stelle etnes Cantors zur Besetzung. Derselbe muss Koreh, Schochet und Bodek sein, sowie den Nachweis der Qualification zur Ertheilung des hebräischen und Religionsunterrichtes liefern. Der Gehalt beträgt jährlich 1600 Kronen nebst freier Wohnung und üblichen Nebenemolumenten. Derselbe muss österreichischer Staatsbürger sein und hat die Offerte mit abschriftlichen Beilagen, sowie mit genauer Nationalangabe an den gefertigten Cultusvorsteher bis längstens 15. Juli einzusenden. Zu Probevorträgen werden nur die Berufenen zugelassen und die Reisespesen nur dem Acceptirten vergütet. Butschowitz (Mähren), 1. Juni 1893. Fritz Stiasni, Cultusvorsteher. Concuis. Bei der israelitischen Cultusgemeinde Brood an der Save gelangt mit 1. August 1. J. die mit 360 fl. Fixum, ferner mit Naturalquartier und Nebenemolumenten, welche inclusive Schechitah circa 300 fl. betragen, dotirte Stelle eines zeitgemäss gebildeten Cantor, (Koreh, Schochet, Bodek und Mohel) zur Besetzung. Hierauf Competirende haben ihre mit Originalzeugnissen oder deren Abschriften, ferner mit Hathoras anerkannter Autoritäten instruirten Offerte unter Bekanntgabe des Alters und Familienstandes bis längstens Ende Juni 1. J. an den gefertigten Vorstand zu richten. Zum Probevortrage werden nur Berufene zugelassen, und nur ausschlieslich dem Acceptirten ein Reisepauschale von 30 Gulden zugesichert. BROOD, 25. Mai 1393. Jacob Kobn Präses

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