Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 21 (26.5.1893)
- Date
- 1893-05-26
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 21 Oesterreichische Wochenschrifl Seite 411 jüngeren, kräftigen Mann überleben sollte — so werde ich, so lange ein Athemzug meine Brust bewegt, der zukünftigen Kaiserin ein.ebenso treuer Diener sein, als ich es ihrem durchlauchtigsten .Vater, Wem Oheim und ihren Großvater gewesen!" Eugen von Savoyen war nicht nur der größte Feldherr und Diplomat, er war auch einer der bedeutendsten Redner seiner Zeit, er sprach logisch, klar,; mit überzeugender Wärme und wurde hierbei von einem wohlklingenden Organe trefflich unterstützt. Der Kaiser ward tief erschüttert, in dem Momente erkannte er von Neuem, zu wie endlos großem Danke er dem Prinzen verpflichtet, wie schweres Unrecht er ihm durch seinen Argwobn zugefügt; er fühlte die heilige Pflicht, die Bitte des altbewährten Freundes, den Wunsch seiner anmuthigen Nichte zu erfüllen, er konnte es vor drängender Ungeduld kaum erwartenseine Genehmigung hervorzusprudeln; aber trotzdem ließ es sein unbeugsamer Stolz nicht zu, dies sofort unumwunden anzukündigen und er erwiderte in seiner gewohnten, gemessenen Sprechweise, aber mit ungewohnter Herzlichkeit: „Verzeihen Sie mir Prinz, auch ein Kaiser ist nicht frei von menschlichen Schwächen, auch ein Kaiser kann eine kurze Zeit irre geführt werden. Was mir— gewiß in gutem Glauben an die Wahrheit—über Sie mitgetheilt wurde, ließ mich die Triebfedern Ihrer Handlungsweise verkennen. Es freut mich herzlich, daß ich Ihnen Gelegenheit geboten, sich offen und freimüthig auszusprechen. Ich hoffe unsere heutige Unterredung wird alle Mißverständnisse, die zwischen uns schwebten, für immer beseitigt haben. Ich wäre in der That ein Undankbarer, wenn ich je die hohen Verdienste, die Sie sich um mich und mein Haus erworben, vergessen könnte. Prinz, Sie können versichert sein, daß ich Ihren Wünschen und Nathschlägen, wie bisher, Beachtung und Würdigung schenken werde. ... Euer Liebden, ich weiß, .daß Sie der beschäftigst Mann in meinem weiten Reiche sind und Ihre Thätigkeit diesem zum höchsten Nutzen gereicht. Jetzt, wo so viele hochwichtige Angelegenheiten ihrer Erledigung durch Sie harren, darf ich nicht so egoistisch sein, Ihre Gesellschaft noch länger genießen zu wollen. Au revoir, mon eher prince!" Der Kaiser reichte dem Prinzen wieder die Hand, dieser verabschiedete sich mit einer tiefen Verbeugung. '" Einige Minuten später klopfte es leise an der Thüre und eine Stimme ftmg schüchtern. „Sire, ist es mir gestattet einzutreten?" „Nur herein!" rief der Kaiser, und als der Graf Althan, der neue Oberstallmeister, der als solcher sich stets in der Nähe des Monarchen hielt, die Schwelle überschritt, fuhr dieser lebhaft fort. „Es ist mir lieb daß Sie kommen, ich hätte Sie sonst rufen lassen .... Lieber Althan, ich verkenne Ihre Treue und Anhänglichkeit nicht und bin von Ihrem guten Willen mir bestens zu dienen, vollkommen überzeugt — a&er errare hnmannm est! Sie haben sich geirrt, Sie haben zweifellos in gutem Glauben, von übereifrigen Gegnern des Prinzen unrichtige Berichte über ihn entgegMtzenommen. Ich habe soeben mit dem Prinzen eine längcM Unterredung gehabt und glaube wieder fest an seine unverbrüchliche Treue. Leere Bermuthungen, wesenlose Combinationen, welche jeder Grundlage entbehren, will ich nickt mehr hören. Meine neu gefestete Ueberzeugung an Eugen's Treue könnte nur durch thatsächliche Betveise hochverräterischer Handlungen erschüttert werden, diese aber werden hoffentlich von Niemanden erbracht werden können." Sofort nach seiner Heimkunft sandte Prinz Eugen durch einen bewährten Diener ein Billet an die Erzherzogin Maria Josefa, dasselbe lautete: Euere kaiserliche Hoheit! Durchlauchtigste Frau Erzherzogin! Ich hatte eine lange Unterredung mit dem Kaiser. Es waren .politische Gründe, die ihn veranlaßten, höchst Sie zu einer Ehe mit Karl Emanuel zu drängen. Der Kaiser ist gütig und edel und will sich, wenn ihn nicht die Staatsraison dazu zwingt, nicht höchst Ihrem Glücke entgegenstellen. Mit einer sich der Gewißheit eng anschmiegenden Wahrscheinlichkett, würde die Werbung Seiner Majestät des Königs von Polen, für höchstdeffen Sohn die erwünschte Aufnahme finden. Da wir Beide von Spionen umgeben sind, die wir gar nicht kennen, rathe ich, auch dieses harmlose, unschuldige Schreiben sofort unbemerkt zu vernichten und dagegen, beiliegendes Billet, in welchem ich höchst Ihnen zu Ihrem Gebursfeste meine herzlichsten Wünsche ausspreche, auf dem Schreibtische liegen zu lassen. Genehmigen höchst Sie den Ausdruck meiner höchsten Verehrung mit der. ich zeichne Euer kaiserlichen Hoheit aufrichtigst ergebener; Eugenio von Savoyen. Zu derselben Stunde sandte Graf Althan an den sardinischen Gesandten Marquis von St.Thomas, folgendes Schreiben: Euer Excellenz! Der Prinz von Austurien, ein Pferdeiiebhaber war heute zur Besichtigung der kaiserlichen Marställe, eine Stunde in diesen, er wurde wie gewöhnlich beim Kaiser zur Hoftasel geladen und war früher in Audienz bei Ihrer Majestät der Kaiserin. Der Kaiser findet an dem Prinzen Gefallen ist für ihn günstig gestimmt und sehr für ihn eingenommen. Der Prinz gefällt hier allgemein er will, wie seine Freunde mit Bestimmtheit behaupten keinenEinflüsterungen seiner Schmeichler und Lobredner Gehör geben, nur reine Wahrheit hören, selbst thatsächlicheBeweise kaiserlicher Gunst, die ihm zu Theil werden machen ihn nicht eitel und scheinen i h n nicht zu veranlassen sich in den Strudel des Hoflebens zu stürzen. Der Kaiser will ihn unterhalten wissen und unsere Aufgabe, der wir eifrig Nachkommen wollen muß es sein, Amüsements für ihn zu finden oder solche zu schafsen. Ich halte es aus dem Grunde für meine Pflicht, Euer Exzellenz von der Sachlage sofort in Kenntniß zu setzen, wei die Angelegenheit drängt. Eu. Excellenz würden nämlich feilt Majestät den Kaiser verbinden, wenn sie seinem illustren Gast eine Einladung zu Ihrem übermorgen stattfindenden Ballfest zusenden würden. e Mit vorzüglichster Hochachtung Eurer Excellenz ganz ergebener Gras Michael Althan kaiserlicher Oberstallmeister. Dieser zwar nicht glänzend stylisirte, dagegen aber ganz harmlos erscheinende Brief war so geschrieben, daß der letzte Absatz die zweite Seite einnahm. Allein Marquis St. Thomas wußte, daß in Althan's Briefen nur das erste Wort oder die ersten Worte, jeder Zeile des ersten Blattes die eigentlichen Mittheilungen enthielten, die andern aber nur bezweckten den Inhalt einem Uneingeweihten unerkennbar zu machen.. Das erste Wort oder die ersten Worte jeder Zeile des ersten Blattes, mit Auslassung der Zwischenworte, lauteten, wie sich der geehrte Leser leicht selbst zusammenstellen kann im Zusammenhänge folgendermaffen. Der Prinz war heute eine Stunde lang beim Kaiser in Audienz. DerKaiser istfü^ ihn eingenommen, er will keinen Einflüsterungen Gehör geben. Nur thatsächliche Beweise werden ihn stürzen. Unsere Aufgabe muß es sein, solche zu schaffen. (Fortsetzung folgt.) Wochenlralender. Sivau 5653. — Mai-Juni 1833. Freitag 11 XVI 1 26 E. d. N. 8>' 30 7'" Samstag 12 27 Sonntag 13 28 Montag 14 29 Dienstag 15 30 Mittwoch 16 3l Donnerstag 17 1 Freitag 18 2 Briefkasten. Jacob Freund, Prag: Herzlichen Dank für die freundliche Zuschrift. Dr. K., Wien: Ihre Bermuthung, daß die edeln Brüder Deckert und P. Mayer as „fatale" Schreiben nach dem „Manz'fchen Conversations-Lexikon" mit seiner Eintheilung der russischen Gouvernements vor dem Jahre 1840 fabricirt haben, dürste den Nagel auf den Kopf treffen. H. Linde, Preuß. Lieutenant Königswinter a. R.. A, B., Czernowitz; Ostrom in der Nähe von Lent'chna gehört zum Gouvernement Lomsha.