Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 21 (26.5.1893)
- Date
- 1893-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Men. 26. Mm 1893. Ur.21 X. Jahrgang. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Eigenthümrr: Rerchsraths-Avgeordneter Dr. Bloch. -- R. ft.- popfprarfllfEnamt Dlrsringvrrftrhr Jüc. 81Ü.Ü76. Dedsrkion und A^niinistraNon: Franx Josess-Nnsi Nr. 8. Telephon-Nr. 6535. Man adonnirt bri allen Postanfiallen dr» In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 ft. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete I Petttzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Ein edles Brüderpaar. III. Bloch und kein Ende. Entgegnungen. — Dr. David Rosin. — Brauchen die Inden Ehristenblur? — Stöcker, Ahlwardt & Eie. — Die rumänische Judenfrage in ihrem heutigen Stande. — Eorrespondenzen: Wien, Prag, Wieliczka, Landskron, Berlin, Kiel, Breslau, Marocco. — Vermischtes: Wien, Prag, Jungbunzlau, Berlin. Chicago. — Feuilleton: Fürstengunst. VIII. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. Ern edles Vrttderpaar. III. Ein katholischer Geistlicher hat den Abg. Dr. Bloch mit einem herzlichen Schreiben erfreut, dessen erster Theil wörtlich lautet: „Gestatten Sie einem Leser des „Vaterland" Ihnen für die würdige Art, in welcher Sie Ihre Polemik gegen Pfarrer Deckert im „Vaterland" bis nun geführt haben, die aufrichtige Anerkennung auszusprechen. Es ist mir ein ' Bedürfniß, Ihnen zu bekennen, daß ich aus Ihren publicirten „Berichtigungen" mancherlei erfahren habe, was mir -»««'rchovll bleiben wird. In gleicher Weise aber, wie ich Ihre in den Zuschriften an den Tag gelegte Litterätur- und Sachkenntniß bewundere, habe ich als katholischer Priester nur mit Bedauern und Beschämung wahrgenommen, daß Ihr Gegner blos durch eine dreiste Ableugnung aller ihm vorgehaltenen präcis belegten Thatsachen, und durch ein unwürdiges wüstes Schimpfen verbunden mit einer lächerlichen und ekelhaften Prahlerei, den gänzlichen Mangel eines fachlichen Wissens, und die noch schlimmeren moralischen Blößen verhüllen zu können glaubt. Ich bitte Sie von diesem Menschen nicht auf andere katholische Geistliche zu schließen. Sinnloses Schimpfen und blödes Prahlen erachten auch wir wie jeder Culturmensch als Merkmale geistiger und ethischer Inferiorität und finden es traur' wenn ein Geistlicher sich nicht anders als durch solche niedrigung zu helfen weiß . . " Den bei ' seitem interessanteren zweiten Theil des Schreibens, welcher aber den Einsender sofort errathen ließe, müssen wir darum zu unserem Bedauern den Lesern vorenthalten; wir citiren dieses Schreiben als Antwort auf eine merkwürdige Zuschrift des Deckert im „Vaterland" vom 21. Mai, können uns aber nicht entschließen, den Mann dem Geschicke des armen Prof. Bickell auszuliefern. Gegen diesen, den katholischen Theologen, ist eigentlich die famose Einsendung gerichtet, gegen ihn wird meuchlings ein vergifteter Pfeil abgedrückt, die Überschrift — „Bloch und kein Ende" — soll blos die Niedertracht maskiren, daß es dießmal einen Amtsbruder moralisch zu meucheln gilt. Es wird die Lüge erdichtet, daß Professor Bickell, „der einzige Zeuge des Vertrages, den man vertrauensseelig als katholischen Priester in die Sache einweihte" das große Geheimniß — dem Rabbi Bloch verrathen! Kein Zweifel, dieser katholische Priester hat den Berräther gespielt um des schnöden Mammons willen! So rund heraus und unverschteiert wird das freilich nicht gesagt, sondern nach der Gewohnheit einer verächtlichen Feigheit in eine zweideutige aber durchsichtige Drohung gekleidet: „Ich werde mir seinerzeit erlauben, daran meine Schlußfolgerungen zu knüpfen", Nun denn! Auch wir werden aus dem geschäftlichen und geselligen Verkehr des „hochwürdigsten" Pfarrers mancherlei, und zwar nicht Erlogenes und Erdichtetes, zu erzählen haben und „werden uns sodann erlauben, daran unsere Schlußfolgerungen zu knüpfen;" wir werden vor Allem constatiren, daß Paulus Mayer,—dem der Pastor v.Bodelschwingh in Bielefeld öffentlich das gewiß nicht alltägliche Zeugniß ausstellt, er „habe in seinem ganzen Leben von tiefer Gesunkenheit, Bosheit, Lügenhaftigkeit — überhaupt von bodenloser Gemeinheit kein solches Beispiel kennen gelernt", als diesen Paulus Meyer — mit dem „hochwürdigen" Pfarrer Deckert in eine innige geschäftliche, geistig; und freundschaftliche Genossenschaft treten konnte, und werden „uns sodann erlauben, daran unsere Schlußfolgerungen zu knüpfen" — die Schlußfolgerung nämlich, daß die beiden Biedermänner einander gewiß nichts — vorzuwerfen haben! Was sagen Sie zu dieser logischen „Schlußfolgerung" Herr Deckert? Sie werden es selber ratificiren müssen, nachdem Sie die Glaubwürdigkeit Ihres biederen Bundesgenossen Paulus Meyer höher taxiren, als das öffentliche Zeugniß eines Professors Bickell! Dabei ist dieser Herr Deckert nicht wenig neugierig. Im Fragen ist er sogar unermüdlich. Er wünscht die behördliche Persönlichkeit aus St. Petersburg, welche der „Oesterr. Wochenschrift" telegraphische Information liefert, mit Namen zu wissen; er wünscht auch zu erfahren, woher die „Oesterr. Wochenschrift" von seinem am 1. April abgeschlossenen vertraulichen „Geschäftsvertrag" mit seinem ebenbürtigen Genossen Paulus Meyer so frühzeitig Kunde erhielt; er wird gewiß auch den Einsender des Eingangs dieser Zeilen citirten Schreibens eines katholischen Geistlichen wissen wollen. Selbstverständlich kann diese possirliche Neugierde keine volle Befriedigung finden! Allein auch das „Doctordiplom" des Rabbi Bloch macht ihm peinliche Sorge. Wenn sich Herr Deckert dafür so sehr interessirt, so wollen wir das Originaldiplom nebst der wissenschaftlichen Dissertation vorlegen. Es wird ihm vielleicht zur Beruhigung dienen, zu erfahren, daß das Rabbinats-Diplom des Rabbi Bloch sogar den Namen eines österr. Reichsrathsabgeordneten, den des verstorbenen Krakauer Rabbiners Schreiber, trögt. Ueber die wissenschaftliche Qualität unseres Herausgebers, von dessen Schriften einzelne als Lehrbücher verwendet werden, hat der geheime Kirchenrath Prof. Dr. Delitzsch in Leipzig in einem Gutachten am Schluffe sich dahin ausgesprochen: „daß Dr. I. S. Bloch, derzeit Bezirks-Rabbiner in Wien — Florid sd orf, in dem Fache der hebräischen und talmudischen Literatur eine mit al lg e me in er classischer Bildung vereinigte hervorragende Gelehrsamkeit besitzt. Leipzig, Oster-Borwoche 1884. Professor Dr. Franz Delitzsch."