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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-19 · 20 (19.5.1893) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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■': Nr. 20 Orsterrrichrchfe Wochenschrift Seite 391 treuester, ergebenster Freund und er rief in dem Tone höchsten - Entzückens, der gegen sein sonstiges ruhiges,, majestätisches Wesen ' sonderbar abstach. , - . v •- ',Hrrnz,' Sie haben vollkommen recht — ich erkenne es, man künn.sprechen was man will. Sie . . .... . ", der Kaiser " hielt betreten inne, er hätte bald im überströmendeu Vatergefühle mehr gesagt als der Monarch sollte und er ergänzte rasch „Sie sind der klügste und der treueste meiner Räche. ...... Aber Prinz, Sie sprachen auch von andern, außerpolirischen Motiven. Wollen Sie mich nicht auch diese hören lassen?" - „Sire", erwiderte Eugen, „ich habe keinen Grund, sie zu verheimlichen. . Die Erzherzogin Maria Josefa, die sich schon als. kleines, herziges Prinzeßchen an mir angeschmeichelt und die ich, unverheirateter und von meinen Geschwistern von Jugend an getrennter Mann wie mein, eigen Kind liebe, hat sich mit der Bitte an mich gewendet, ich möge es von Ihnen, Sire, : als höchste Gnade erflehen, allerhöchst dieselbe mögen allergnädigst geruhen, die Werbung des Sardenprinzen um ihre Hand abzulehnen; sie könne sich nicht entschließen, seine Gemahlin zu werden." Des Kaisers Züge verdüsterten sich, von Neuem erwachte sein Argwohn; in seinem aufgeregten Geiste sah er, daß der weit ältere Prinz ihn überlebe, sich an die Spitze der ihm blindlings, gehorsamenden Armee stelle, um für Kaiser Josefs Tochter die Krone zu gewinnen. Was Wallenstein im 17. Jahrhunderte versuchte: die ganze Armee gegen seinen rechtmäßigen Monarchen zu führen, das konnte Eugen von Savoyen vielleicht vollführen. Graf Althan, des Kaisers Günstling, hatte diesem oft zugeflüstert, daß Eugen zu mächtig sei, daß er zu viele, wichtige Aemter in seiner Person vereinige daß er nicht weniger hoch als der Kaiser stehe, sich selbst noch höher dünke — und er hatte dem Kaiser auch zugeflüstert, daß Erzherzogin Maria Josefa dem Prinzen heimlich Besuche abstatte, daß Gräfin Eleonore Bathiany, die schöne und geistreiche Freundin des - Prinzen, oft mit der Erzherzogin zusammenkomme, daß es leicht zu erkennen sei, daß er zu Gunsten der Erzherzogiu ecmspirirs — und nun hatte es Eugen offen gestanden, daß er Maria . Josefa wie sein eigen Kind liebe. „Prinz", sprach der Kaiser, „der zweite Grund, den Sie für die.Zurückweisung, der Werbung auführen, hat bei mir eine Ihrer Absicht entgegengesetzte Wirkung hervorgerufen. Die Neigung oder Abneigung eines unreifen, unverständigen Mädchens, das schon als Kind so unlenksam war, daß sie mein Bruder Josef in nachsichtiger Milde, feine wilde Hummel nannte, sollte meine Entschließungen beeinflußen?. Vielleicht hat sie auch schon ihr Auge auf irgend einen Pinzen geworfen?" „Sire, allerhöchst .Dero Weisheit hat auch diesmal das Richtige getroffen. Erzherzogin Maria Josefa hat mir ihr junges Herz ausgeschüttet; sie liebt in der That einen jungen Prinzen, der ihre Neigung erwidert und mit ihrer Bewilligung bei allerhöchst Ihnen um Ihre Hand werben wird. — Als allerhöchst Sie dem überraschten, zu Tode erschreckten Kinde mittheilten, aller- . höchst Sie beabsichtigen, sie Carl Emanuel zu vermählen. . . ." „Maria Josefa benahm sich hierbei höchst unpassend", . ' unterbrach ihn der Kaiser „sie wagte es mir in heftigster Weise zu-widersprechen; es ist selbstverständlich, daß ich ihr kindisches . Geschwätz nicht beachtete! — Ein solches Benehmen ist gerade- - zu unerhört! . ... sich verlieben! Junge Leute untereinander Heirathsangelegenheiten besprechen!.... Das darf nicht einmal'in einer anständigen Bürgerfamilie Vorkommen!.... Und wer ist der Prinz? Vielleicht der nachgeborene Sohn der Seitenlinie eines Reichsgräfleins, der zweieinhalb Mann zum Reichscontigente stellen sollte und diese nicht aufzubringen vermag?" .und in seinem Eifer vergaß der Kaiser, daß ihm wenige Minuten zuvor, ein solcher' als der zweckmäßigste Gemahl für die -Erzherzogin erschienen war. „Nein Sire! Es ist Prinz August Friedrich, der Sohn August des Starken, Churfürsten von Sachsen und König von -Polen." •' .. , ' Der Kaiser war durch sein rasch wieder gewecktes Mißtrauen bis zur Urtheilsunfähigkeit aufgeregt worden und " sprach : . ,. „Euer Liebden! Gerade von Ihrem Standpunkte aus, . scheint mir der zukünftige Churfürst von Sachsen, der wohl auch König von Polen werden wird, weit gefährlicher als Carl Emanuel von Savoyen, jener wäre wohl nicht so bescheiden, / . sich mit den italienischen Provinzen zu begnügen, der würde mit beiden Händen zugreifen und meine arme Waise ihres ganzen Batererbes berauben wollen. Er besitzt eine kriegstüchtige Armee und könnte von zwei Seiten in unsere Erblande einfallen und die aufrührerischen Ungarn würden sich daran erinnern, daß sie einst gastliche Aufnahme in Polen fanden und würden sich dem Usurpator dankbar beweisen. Prinz, ich habe stets Ihre Rathschläge hochgeschätzt, aber ich bedauere in diesem Falle keinen Gebrauch von denselben machen zu können. — Die Wünsche eines halbreifen, unerfahrenen Mädchens dürfen meine Entschließungen nicht alteriren. Ich bin entschlossen, die Werbung Carl Emanuels anzunehmen; vor Gründen der hohen Politik, wo es das Staatswohl erheischt, muß das Interesse des Einzelnen zurücktreten." Es trat eine Pause der tiefsten Stille ein. -_ (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Sivan 5653. — Mai 1893. Freitag! 4! *1 51 19 E. d. N. 8*i 2l 5m Samstag 7 2 12 2 20 Sonntag öi 1. Psiilgstsest 21 Schabuoth Montag 7; 2. 22 Seelenfeier Dienstag 8* 23 Mittwoch 9! 24 Donnerstag 10'; 26 Freitag H1 26 Briefkasten. I A. Lustgarten. Csakathurn. Wir bedauern, die Berlagsbuchhandlnug, welche in Warschau ist, nicht mehr zu kennen. Oskar Erstling, Wien. Daß in der preußischen Provinz Posen ein Städtchen Ostrowo existirt, wissen wir recht gut. H. Waffertritting, Boskowitz. Nächstens Näheres. M. Spitzer, Siklos. Der Wiener Gemeinderath besteht aus 120 Mitgliedern, gewählt aus 3 verschiedenen Wahlkörpern. Die Höchstbesteuerten sind Mitglieder des 1. Wahlkörpers. Jin Gemeinderathe sitzen 9 Juden. Prediger Dr. Jestinek ist nicht unter denselben. I. F. Die Aufnahme erfolgt ohne jede Bedingung. Wir haben bereits an der zuständiger Stelle reclamirt. Stimmen aus dem Publikum. Svetla. O.-C. 15. Mai. Die Ber chtigung in Nr. 19 ihres geschätztes Blattes vom 5. Mai zu der O.-C. Svetla hat ihre Altraction nicht voll geübt, zumal man zwei unserer hiesigen Enltus-Mitglieder, u. zw. Herrn Filip Popper, eine ob seiner Charactersestigkeit und wegen seines freien und jederzeit mannhaften Auftretens allbekannten Persönlichkeit, ferner Herrn Ludwig Meißk, der wegen seines geraden und offenen Wesens und wegen seiner Jedermann die „Wahrheitinsgesichtsagen", als die Berichterstatter, mindestens dcr Correspondenz nahestehend — im offenen Verdachte hat! Ich erkläre hiemit u n a n f g e s o r d er t, um der Wahrheit die Gaffe zu ebnen, daß weder der eine noch der andere dieser beiden Herren von dieser meiner Correspondenz die leiseste Ahnung hatten! Ich finde mich zu dieser Erklärung um so freudiger veranlaßt, als ichdurch mein „Selbstvorgehen den Verdacht auf andere nicht belassen will. Die Lage, in der wir Juden uns befinden, ist darum keine auf Rosen gebettete. Bespricht man, von der äußersten Notb- Wendigkeit gedrängt, zur Bertheidigung und Abwehr, die Wahrheit, so wird man, um mit Wallenstein zn sprechen, „mit scheelen Augen giftiger Mißgunst" betrachtet; schweigt man zu nngerechlfertigten. maßlosen An- und Uebergnsfen, nun, so weiß die Geschichte, wie solch' Schweigen mißdeutet und nachher verwerthet wird. Wenn ich mir auch durch mein freies Hintreten vor die Oeffentlichkeit so manchen Gegner und sogar „im eigenen Lager" geschasst, so habe ich die Genngthuung, doch leidlichere Zustände, als sich solche in der letzten Zeit hier gezeigt, herbeigeführt zu haben, und Dank der Energie und besonnenen Ruhe unseres Bürgermeisters H. Jean Schindelar, so des Potize - Commissärs H. Fiala dürften dieselben dauernd erhalten bleiben. Ignaz Tschaßni, Religionslehrer. (Druckfehler-Berichtigung.) Löbliche Redaktion! In der in Nr. 19 enthaltenen Correspondenz aus Röyrenbach, haben sich während der Drucklegung folgende Fehler ergeben:

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