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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-05 · 18 (5.5.1893) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 18 Veprrreichiptze WochrnptzrM «Seite 351 schein zurück, über welchen allerdings zwei dicke Tintenstr-che diagonal gezogen waren; allein die junge Frau erkannte, daß diese soeben der Feder entflossen waren. „Herr Oberkriegsfactor", ergriff nun wieder der Oberst das Wort. „Wir wollen Sie heute nicht länger belästigen; aber ich bitte Sie, diese Angelegenheit nicht als abgeschlossen zu betrachten. Ich befinde mich in einer peinlichen Lage. Wir dürfen Ihr großmütiges Geschenk nicht annehmen und ich bin dermalen nicht im Stande die Schuldsumme zu bezahlen; aber Herr Oberkriegsfactor, Sie sollen Oberst Baron Rombach als ehrlichen Mann kennen lernen." Wertheimer hatte schon früher, während des Sprechens mehrmals aufgezuckt; er war von heftigen Gichtschmerzen lesallen worden, aber er hatte diese bisher niedergekämp-t; allein nachdem ihn der Oberst und seine Tochter verlassen, waren die Anfälle , so heftig geworden, daß er gezwungen war die Audienzen abzubrechen, in seine Wohnung hinüber zu gehen und sich in's Bette zu legen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Moderne Keeensenken. Von Rabbiner W. Reich in Baden. Bei einer Vorlesung im Gotteshause frug ein Tempelnachbar den andern, was das Wörtchen „Tinschometh" bedeute. „Es ist ein meschuggener ltoller) Fisch" lautete die Antwort. „Das kann nicht sein". — erwiderte hierauf Jener — „er wird ja den unreinen Vögeln zugezählt!" „Das ist ja eben sein Wahn", — erklärte ihm gemüthlich der Gefragte — „daß er als Fisch sich einbildet ein Vogel zu sein!" Diese charakteristische Erzählung kam mir in den Sinn, als ich in der wissenschaftlichen Beilage zu Nr. 34 des „Israelit" in Mainz eine Recension zu Gesicht bekam, mit der hochtrabenden Ueberschrift: „Moderne Exegeten" von H. E. Kaufmann cand. Phil. München. Scheinbar soll dieß ein wissenschaftlicher Artikel sein, der sich kritisch mit einem besonderen Zweige der modernen Literatur beschäftigt; in Wirklichkeit entpuppt sich derselbe als eine Recension über ein einzelnes Buch: '„Das prophetische Schriftthum I. B. Jesaias", welches vorrmehr als-einem Jahre von-mir veröffentlicht wurde. Der Recensent ist auch so ein „meschuggener Fisch", der sich einbildet, als ein seltener Vogel angestaunt zu werden, wenn er irgendwo in einem Blatte Jemandem (!) zu Gefallen schreibt. In seiner literarischen Mache liegt aber Wahnsinn mit Methode, nämlich die Methode der Begeiferung, die heutzutage Mode ist. Die Kritik, der sich der Recensent befleißigt, ist so bar jeder Sachlichkeit und strotzt von solcher Bosheit, daß ich es unter meiner Würde halten würde, zu entgegnen, wenn es mir nicht darum zu thun wäre, bei jenen Lesern des Mainzer „Israelit", die mein Buch nicht aus eigenem Augenschein kennen, eine Irreführung hintanzuhalten. Denn nur um eine solche handelt es sich diesem Recensenten, da er sich nicht einmal scheur, eine Lüge ungeschminkt hinzuschreiben. Er sagt: „Die von Graetz ausgesprochene Behauptung, als hätten die Römer Revisoren angestellt, das heilige Schriftlhum zu bewachen, setzt unser Verfasser als ewige Wahrheit voraus, ohne jedoch Graetz zu nennen." Der Recensent unterschlägt da die Anm. 1) z. S. VIII, dort citire ich Graetz ausdrücklich, obwohl ich ihn auch gleichzeitig annoncire. Daß die Revisoren „nicht viel hebräisch gekannt haben", das kann sich Jeder aus den betreffenden Stellen herauslesen, und muß nur geistig Blinden erst „bewiesen" werden. Ebenso verfährt Recensent mit dem, was ich von dem „Orakel" des Jesaias ausführlich sage. Er führt dies so an, als würde ich das Orakel im Gegensätze zu „görtlichen Weissagungen" aufstellen, was doch Jeder, der die Stelle in meinem Buche auch nur flüchtig liest, sofort als eine berechnete Täuschung des Lesers erkennt. In diesem Genre ist auch das „historisch" Zusammengetragene über Jannaeus gehalten und trägt die ganze Recension den Stempel der Böswilligkeit an der Stirne. Der Recensent möge aber bedenken, daß man in dieser Weise nicht Carriere macht; es ist sein erster Schritt auf diesem Gebiete, da mag die Mahnung noch vielleicht den wohlthätigen Nutzen haben, daß sie ihn von dieser schiefen Bahn der Kritik auf die gerade des ernsten Studiums zurückführt, daß er erst lerne und dann — recensire. Schreiber dieser Zeilen hat wohl nicht zu fürchten, daß ihm in seiner literarischen Thätigkeit Niemand „begleite", denn es ist nicht das erste Buch, das er mit Erfolg publicirte; auch wird, so Gott will, noch ut diesem Jahre eine Fortsetzung zu seinem „prophetischen Schriftthum" erscheinen, zu welcher er von hervorragenden Professoren der Theologie an Universitäten — deren Urtheil wohl mehr wiegt, als das eines unreifen cand. Phil. — brieflich angeeifert wurde, welches wohl auch Zeugnis dafür ablegt, daß dieses Buch, gleich den früheren von ihm veröffentlichten, seine Abnehmer, und folglich auch Anklang in der wissenschaftlichen Welt gefunden hat. Wochrnkalrndrr. Jjar 5663. — Mai 1893. Freitag 19 5 E. d. N. ZK 0-3» Samstag 20 "1108. . 6 Sonntag 21 7 Montag 22 8 Dienstag 23 9 Mittwoch 24 10 Donnerstag 25 11 Freitag 26 12 Briefkasten. Herrn Adolf R . . . . m, Brünn. Die antisemitische Presse in Deutschland ist genau so corrupt, wie jene in Oesterreich, als Beweis diene Ihnen Folgendes: In dem Stöcker'schen Blatte „Volk" war am 22. April das Ostseebad Lubmin besonders warm anempfohlen. Tags darauf erschien eine Briefkasten-Nonz folgenden Inhalts: „Mit dem Ostseebad war Lubmin gemeint. Wollen Sie, daß wir auch auf P. im Briefkasten aufmerksam machen, so kann dies nur geschehen, luenn w ir gleichzeitig ein Inserat erhalten." Samnel Neumann, Buezacz. Wir sind im Börsenfach selber so unwissend, daß wir nicht in der Lage sind, Ihnen Rathschläge zu erth eilen. Herrn Friedrich St . . r, Prag. Es scheint allerdings, als ob der Polyp in der Nase Ahlwardts noch immer vorhanden wäre. Seine Bertheidigungsrede vom 25. April ist das Kläglichste, was wir gesehen haben. Die hageldicht auf ihn niedersausenden Zurufe: Schuft, Lügner, Verläumder, Schurke beantwortete er mit weinerlichen Tiraden über Vergewaltigung. Der ultramontane Abgeordnete Lieber rief ihm zu: „Häufen Sie alles Maß ihrer Berläumdungen, Sie werd en nie das Maß unserer Verachtung verringern." Ri chter und Miquel sprachen von dem m o r a l ischen Ekel, den dieser Mensch einflöße, und in der Commissionssitzung sagte Lieber, dieser moralische Ekel habe sich .zum ph^ßi sch en Ekel verstärkt.-- ' Herrn Leop. Gl... g, Wien. Es ist richtig,, daß die Antisemiten den Kaiser Friedrich während seiner Regierungszeit „Co hn l." nannten. Die „Kreuzzeitung" hat es geleugnet, daß Kaiser Friedrich als Kronprinz den Antisemitismus eine „Schmach des Jahrhunderts" genannt hat. Mittlerweile ist dieser Ausspruch aus Briefen des Ministers v. S t o s ch, des Dr. G. v. B unsen und Anderer bestätigt worden. Die „Kreuzzeitung" aber hat keinen dieser Briefe public-rt. Sie hält also mit vollem Bewußtsein ihre Lüge aufrecht. „Gisela-Verein" .zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen in Wien. Dem Geschäftsberichte dieser Versicherungsgesellschaft, welche am 30. April 1893 ihre 12. ordentliche Generalversammlung abhielt, entnehmen wir, daß in dem abgelaufenem Bilanzjahre 1892, nach jeder Richtung hin besonders ausgezeichnete Resultate erzielt wurden. Der Versicherungsstock ist von 13'9 Millionen Gulden auf 19'3 Millionen Gulden angewachsen. Die Prämieneinnahme erhöhte sich von 630.000 fl. im Jahre 1891 auf 843.000 fl. im Berichtsjahre; in gleicher Weise stiegen die sonstigen Einnahmetitel. Die Prämienreserven wuchsen von 2,184.000 fl. auf 2,891.000 fl. an und sind zum weitaus größten Theile in Prioritäten und Pfandbriefen erster Bonität investiert. Der Reingewinn beträgt 87.700 fl. Er gestaltet nicht nur die Dotierung verschiedener Fonde, sondern auch die Bertheilung einer l6"/„igen Dividende an alle jene Parteien, welche am 31. December 1892—3 volle Jahresprämien entrichtet hatten. Dem Fonde zur Ausstattung armer Mädchen, der im Jahre 1892; 86 armen Bräuten Ausstattungsbeiträge zugewendet hat, wurden 17.400 fl. überwiesen, so daß dieser Fond pro 1893 über ein Vermögen von 37.500 verfügt. Die Generalversammlung nahm den Rechenschaftsbericht beifälligst entgegen und sprach der Verwaltung stimmeneinhellig die Anerkennung für deren erfolgreiche Thätigkeit aus. Die zur Ausscheidung gelangenden Ausschußmitglieder wurden wiedergewählt, die Herren Commercialrath Albert Ludewig und Reichstagsabgcordneten Dr. Aurel Münnich neu in die Verwaltung berufen. Der Antrag des Ausschusses, betreffend die Ausdehnung der Vereinsthätigkeit auf das Königreich Bayern, wurde stimmeneinhellig genehmigt. Der Rechenschaftsbericht constatirt, daß im 1. Quartal 1893 5170 Anträge über fl. 3,357.300'— Versicherungscapital Vorlagen und ist der Giselaverein mit diesen Prodiiclionsziffern an die Spitze sämmtlicher wechselseitiger Versicherungsanstalten getreten.

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