Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 18 (5.5.1893)
- Date
- 1893-05-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Vesterreichiptze Wochenschrift Seite 347 Nr. 18 Schwester des gewesenen Präsidenten der Preßburger israelitischen Cultusgemeinde, Rabbi Kalman Pappenheim, deren Haus ein offenes' für alle Dürftige und Arme war. Der Schmerz und die allgemeine Theilnahmc, die in allen hiesigen Bekannten-Kreisen, besonders aber in Pceßburg über den unersetzlichen Verlust sich fühlbar machte, kam ganz und voll durch den imposanten Leichenzug, an dem sich alle Notabilitäten der Preßburger Gemeinde beteiligten, zum Ansdrucke. Der ergreifende Nachruf, der vom Vereins-Rabbiner der Chewra Kadischa, Herrn Donath und Rabbinats-Affessor Friedmann und einem Sohne der Verblichenen gehalten wurde, waren von hoher Wirkung. Wir schließen mit dem Wunsche, daß das Beispiel dieser frommen Frau der jüdischen Frauenwelt zur Nachahmung dienen und sie zu edlen und menschenfreundlichem Wirken entflammen möge. Wien. Donnerstag am 4. Mai l. I. 7. Uhr Abends fand im israel. Tempel 6. Bez. Schmalzhofgasse 2 ein Trauergottesdienst für Herrn Michael Winkler statt. Die Gedenkrede hielt Se. Ehrwürden Herr Rabb. Dr. Adolf Schmiedel. Wien. (Berichtigung.) Löbliche Redaction! Ihrem Berichte über die General-Versammlung der „Oesterr. israel. Union" bitte ich, der Wahrheit entsprechend, gütigst nachzutragen: Als der Vereins-Präsident sein Bedauern über die Demission des langjährigen Vorstands-Mitgliedes des Herrn Wilh. Freyberg aussprach, mit der Motivirung, es fehle demselben die Zeit, habe ich im Sinne mehrerer Parteigenossen gegen die Logik Stellung genommen, daß Herr Freyberg, der im Vereine seit Jahren die Stelle eines Bice-Präsidcnten in Ehren be-. kleidet hat und uns nun verspricht, nach wie vor bei Berathungen des Vorstandes in jeder Sitzung auf Verlangen zu erscheinen, besser sein Mandat behalten möge, welchem Anträge die Vollversammlung beistimmte. Mit größter Hochachtung S. Brod. Wien. Zu Juroren auf der internationalen Weltausstellung in Chicago wurden vom Handelsminister ernannt die Herren: Eduard Budie, Julius Löwenstein, Alois Pollak und Alfred Taussig. Wien, am 1. Mai 1893. (Seltenes Lehrerjubiläum.) An der deutsch-isr. Hauptschule zu Tarnopol, feiert Herr Jones Rintel am 3. Mai sein 58jähriges Lehrer- ,juhilauMj und. zugleich ,seinen 78. Geburtstag. Der verdiente Schulmann ist trotz seines hohen Alters geistig und p lysisch gesund und unterrichtet heute noch seine Schule mit derselben belebenden Frische, wie vor Jahren. Ischl. (E i n g e s e n d e t.) An diejenigen edlen, jüdischen Frauen, die ihren Svmmeraufenthalt in dem herrlichen Ischl nehmen, und welche sich ein mitfühlendes Herz für den, leider heutzutage so schweren Existenzkampf ihrer Glaubensgenossen bewahrt, ergeht als ernstliche Mahnung die innige Bitte, ihre Einkäufe bei Herrn H. Wohlberger, Erzherzog Franz Carl-Platz Nr. 5 zu besorgen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, daß man daselbst nicht nur sämmtliche Artikel für Küche und Hans, sondern auch Mode- und Wirkwaaren und besonders auch sehr schöne Handarbeiten ebenso wohlfeil, nls reell erhält, und daß Herr Wohlberger nach allen Richtungen hin, mit jedem andern Jschler Geschäftsmann concurriren kann. Nachdem es heutzutage durch den uns aufgezwungenen Kampf leider so weit gekommen, daß wir im Menschen nicht nur den Menschen, sondern auch den Glaubensgenossen sehen müssen, bedarf es gewiß nur dieser Bitte an unsere, sich selbst achtenden edlen, jüdischen Frauen die jüdischen Kaufleute nicht nur vor dem materiellen Schaden durch Entziehung ihrer Kundschaft zu bewahren, sondern auch vor der Krän- . kung, mitansehen zu müssen, daß jüdische Frauen vielleicht bei ausgesprochenen Judenfeinden einkaufen, während sie bei der Thür des jüdischen Kaufmannes, der sie gewiß nicht minder reell bedienen würde, theilnahmslos vorübergehen. L. B. Neudek, 28. April. Ihrer letzten Nummer entnehme ich die traurigen Verhältnisse bezüglich des Religionsunterrichtes in den Landgemeinden Eggenburg. L'ider steht dieser Fall nicht vereinzelt und mit dem hiesigen Religionsunterricht ist es nicht anders bestellt. Wir sind der Gemeinde Lichtenstadt in Böhmen zugetheilt und wiewohl hier (früher blos 6—7) jetzt 10 steuerzahlende Mitglieder sind, genießen unsere Kinder keinerlei Religionsunterricht. Auf unser wiederholtes Urgiren wird uns geantwortet, unsere Kinder sollen nach Lichtenstadt kommen, was bei einer Wegstrecke von drei Stunden weder im Sommer noch im Winter möglich ist. Es bleiben somit die Kinder ohne jeglichen Religionsunterricht. Sache der Landesjudenschaft und des Landesrabbinates wäre es/ hier einzugreifen und im allgemeinen Interesse die Uebelstände zu saniren. Carl Pollak. Buezaez. Mittwoch am. 3. Mai fand die Trauung des Frl. Amalie Stern, Tochter des Brauhausbesitzers I. F. Stern, der jüngsten Schwester des Herrn Bernhard Stern, Bürgermeister in Buczacz, mit Herrn -.Arnold Ringel, Sohn des Gutsbesitzers Herrn E. H. Ringel in Siemiginow statt. Raudnitz a. d. Elbe, den 1. Mai. Unsere CultusGemeinde hat soeben einen großen Verlust erlitten. Samstag Morgens durchlief die Stadt die Trauerbotschaft, Herr Wilhelm Pollak, Ledersabrikant, wäre einem Schlagflusse erlegen. Die Nachricht wirkte erschütternd, man sah sich fragend an, ohne die Worte über die Lippen zu bringen. Bald bestätigren die vom Trauerhause, den Gebäuden der Cultusgemeinde, der Sparrasse und der Beseda wehenden schwarzen Fahnen die Wahrheit des Gerüchtes. Herr Wilhelm Pollak stand durch Jahrzehnte an der Spitze unserer Cultusgemeinde und des Bickur-Cholim-Bereines. Er hatte mit der Leitung der Cultusgemeinde eine aus dem Baue des Tempels herrührende Schuldenlast übernommen und übergab sie consolidirt in die Hände seines Nachfolgers. Er behielt sich blos die Leitung der Chewra-Kadischa vor, die er mit außerordentlicher Liebe, höchster Selbstlosigkeit aus frommer Gottes- und Nächstenliebe verwaltete. Eine gleiche Liebe widmete er der Schule, deren Ortsschulinspector er durch Jahre war. Lehrer und Jugend hatten an ihm einen treuen Freund und Berather. Ebenso war er durch Jahrzehnte als Stadtverordneter und durch mehrere Wahlperioden als Stavtrath eifrigst thätig. Als Mitglied der Landesrepräseotanz nahm er an den Berathungen derselben regen Antheil. Herr Pollak war auch ein wahrer Vater der Waisen. Von vielen Beispielen sei nur eines erwähnt. Als hier eine kinderreiche, mittellose Familie beider Eltern beraubt wurde, war er die ganze Stütze der Verwaisten. Er sorgte für die Heranbildung derselben. so dciß sie den Studien obliegen konnten und eilten die Kinder mit gleicher Liebe zu ihm, wie in ein Vaterhaus. Die heute stattgefundene Leichenfeier zeigte von der allgemeinen Ber.chrung, die der leider zu früh Verblichene in den weitesten Kreisen genoß. Von Nah und Fern strömte eine nach Hunderten zählende Menschenmenge herbei. Den Leichenzug eröffnete die Feuerwehr, dann folgte der Beteranenverein, der Schifferverein Poluban und die Fabriksarbeiter. Unter den Trauergästen saben wir den Herrn k. k. Bezirkshauptmann mit sämmtlichen k. k. Beamten, den Bürgermeister, Reichs- und Landtagsabgeordneten, Herrn Erwin Spindler mit dem Stadtrathe, die Directoren und Leiter der Schulen, die Cultusgemeinde und sämmtliche Cultusvereine rc. Die Leiche wurde in den schwarz d'apirten Tempel getragen, woselbst der Rabbiner, Herr Dr. Moritz Klotz, die Verdienste des Verewigten auf Len verschiedenen Gebieten in gelungener Rede feierte. Am offenen Grabe sprach der Advocat und Cnltusrepräsentant, Herr Dr. Adolf Stein, in tiefempfundener czechischer Rede vom Herzen zum Herzen. E.B. Bukarest. (Todesfall.) In der zweiten Monats- Hälfte starb hier plötzlich der bekannte Großindustrielle Herr M. Feinmann, welcher auch in Wien eine Filiale besitzt, im rüstigsten Mannesalter, betrauert von seiner gramgebeugten Gattin und schwer heimgesuchten Kindern. Der Verblichene hat es von kleinen Anfängen durch Fleiß und Ehrenhaftigkeit zu einer angesehenen Stellung in der kaufmännischen Welt gebracht und die Armen, denen er ein warmfühlendes Herz und eine stets offene Hand entgegenbrachte, verlieren in ihm einen Wohltäter. Kairo. Der ägyptische Premierminister Riaz Pascha ist ein Jude, der erste seit Joseph und noch viel mächtiger als dieser, da er nicht wie dieser unter, sondern infolge des englischen Einflusses über dem Pharao steht. Eine Emigration. Erzählung aus der jüngsten Vergangenheit von Leo Hrrzbrrg-Fränkrl. (Fortsetzung.) Während hier die Polizei in stiller Ruhe über die Mittel brütete, den entführten Knaben aufzufinden, jammerte dort in der Judengasse die Familie Eisenstock ob des geraubten Kindes. Zahlreiche Verwandte und Bekannte waren trotz später Nachtstunde herbeigeeilt, an dem Schmerze theilzunehmen, der die unglückliche Familie betroffen und sie mit ihren Rathschlägen zu unterstützen; da wurden tausend Vermuthungen laut und tausend Mittel angerathen, Jeder und Jede der vielen Anwesenden woute einen unfehlbaren Weg gehen, so daß Stunde um Stunde verrann, ohne daß etwas unternommen wurde, und die nächsten Angehörigen des Kindes aus ihrem unthätigen Jammer und Wehklagen herauskämen. Endlich fiel das Wort „Rabbi!" wie ein zündender Funke in die rath- und trostlose Versammlung. Der Gedanke lag so nahe, daß Jeder sich wunderte, nicht schon früher auf ihn verfallen zu sein. Im Orte, ganz in der Nähe der Judengaffe, in einem stattlichen, stillgelegenen, von einem Garten umgebenen Hause, lebte der viel umworbene und viel gesuchte Wundermann, deffen Name und Thaten das Land erfüllten und Schaaren von Gläubigen anlockten; der vermöge seines Gebetes und der ihm stets nahen göttlichen Gnade, Stumme