Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 17 (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 332 Oesterreichifche Wochenschrift Nr. 17 Meiner Relation über die Schlacht bei Belgrad und die Einnahme der Festung an den Kaiser, habe ich eine Liste aller jener Personen: Generäle, Obersten, Officiere und auch dem Civilstande Angehöriger, die ich zur Beförderung oder einer Auszeichnung Vorschläge, angefügt Ich habe für Sie, Oberkriegsfactor, den Adelstand beantragt. Daß Sie Jude sind, kann kein Hinderniß bilden. Wir besitzen in Oesterreich ein Präcedenz. Schon im vorigen Jahrhundert hat Kaiser Ferdinand II. den Prager Juden Bosevi .in den Adelstand, mit dem Prädicate Edler von Treuenfeld erhoben und besten Verdienste können sich ganz gewiß nicht mit den Ihrigen messen." „Durchlaucht, wodurch habe ich so große Huld verdient?" „Ich hatte hierbei nur ihre großen Verdienste um den Staat und die Armee im Auge; aber Herr Oberkriegsfactor, ich bin Ihnen auch persönlich zu großem Danke verpflichtet. Als ich vor fünf Jahren nach Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges nach Wien zurückkehrte, war des Kaisers Majestät meines Lobes übervoll und wollte mich in überströmendcr Dankbarkeit reich belohnen. Zuerst wollte er mich zu einem souveränen Fürsten machen und wollte allergnädigst die Königswahl in Polen auf mich lenken. Ich verzichtete auf diesen dornenvollen Thron und wollte es auch nicht verschulden, daß irgend Jemanden ein Fetzen Landes abgerissen würde, um ihn mir zu geben, ich wollte Niemanden berauben und zog es auch vor, der erste Diener des größten'Fürsten der Christenheit, als der Herrscher eines kleinen Ländchens zu sein. Nun wollte mir der Kaiser einige Herrschaften in Ungarn schenken und ertheilte der ungarischen Hofkammer den Befehl, daß von den confiscirten Gütern der Rebellen ein passender Grundbesitz für mich ausgemittelt würde, aber nach langer Zeit gelangte der unglaubliche Bericht an den Kaiser, man hätte trotz aller Mühe, die man sich genommen, keinen für mich passenden Grundbesitz aufzufinden vermocht, es blieb demnach dem Kaiser nichts anderes übrig, als ein Geldgeschenk von 300.000 Gulden, das mir schon lange zugesagt, aber noch nicht ausgezahlt worden war, aus 400.000 zu erhöhen und zu verordnen, daß dieser Betrag sofort für mich flüffig gemacht würde; aber dazu fand sich in den durch den Krieg völlig erschöpften Staatskassen auch nicht ein rother Heller und wenn Sie Herr Oberkriegsfactor sich nicht aus Mcksicht für mich, entschlossen hätten, noch diese weiteren 400.000 Gulden zu riskiren und dem Staate vorzustrecken, so gewiß als ich hier vor Gott stehe, ich wäre, so lange ich lebe, nicht in den Besitz dieser Dotation gelangt. Auf mein fürstlich Wort, ich habe Ihnen Herr Oberkriegsfactor für diese, ganz gewiß nicht weniger als dem Kaiser selbst zu danken." Der Prinz verabschiedete sich nun und der Oberhoffactor begleitete ihn bis zu seinem Wagen. Auf der Straße wurde Eugen von einer großen Menschenmenge, die seine Rückkunft aus Wertheimers Palais erwartet hatte, mit lauten Hochrufen empfangen. Wertheimer war dem Prinzen beim Einsteigen behilflich. Dieser reichte ihm aus dem Wagen die Hand und sprach so laut, daß es alle . Um steh enden vernehmen konnten. „Lieber Oberkriegsfaktor, nochmals ineinen herzlichsten Dank für die großen Dienste, die Sie dem Staate und der Armee erwiesen haben — ohne Sie wäre Ungarn heute eine türkische Provinz". Als nun der Pr«iz nach diesen Worten rasch seinem Palais zufuhr und der Oberhoffactor nun seinem zu schritt, entblößten sich alle Häupter ehrerbietig vor ihm. _ (Fcrlsetzung folgt.) Wochen Kalender. Jjar 5653. — April - Mai 1893. > i >! . Freitag 121 28 E. d. N. 7h 49'2m Samstag 13| . L'L'Nj) '“ns 29 Sonntag 141 30 Montag 15! 1 Dienstag - 16! 2 Mittwoch 17 i 3 Donnerstag 18j 4 Freitag 19 5 Briefkasten. K. in Wien. Die Enthüllung, daß für den MarquisPosa ein gewisser Markus Posener Modell gestanden hat und daß „Nathan der Weise" das wider besseres Wissen schonfärberisch gezeichnete Porträt eines sicheren. Nathan Weiß ist, dessen Wucherkniffen Lessing — auch über den Namen Ephraim ließen sich mancherlei Nebenbetrachtungcn anstellen — mit Haut und Haar verfallen war, wollen Sie dem Prager Mcineidkanonicus und Ritnalwart zur Verfügung stellen. R. Schaffa. Wir mochten diese Frage nicht neuerdings anfrollen I. E. Annagaste. Nichtzahlen ist das Hanptprinzip, der arischen Sozialreformer. Darauf läuft Alles hinaus. Ozydow. Philo. Concursr ' Bei dem »Israelitischen Bethaus-Verein Beth Israel nach polnisch-jüdischem Ritus« in Wien, ist für die neu erbaute Synagoge die Stelle eines Rabbiners zu besetzen. Bewerber, um diese Steile müssen besonders hervorragende Talmudisten, der deutschen Sprache in Wort und Schrift vollkommen mächtig sein und haben mit dem Nachweise ihrer rabbinisch-theolo-gischen Befähigung;i£$Tin rnnÜ versehene Offerte bis 15. Mai an den Vorstand des Vereines (II. Bezirk, Antonsgasse Nr. 3, I. Stock, einzusenden. Es werden nur die von demselben Berufenen zu einem Probevortrag zugelassen und nur dem Acceptirten die Reisespesen vergütet. lieber Gehalt und Nebeneinkommen ertheilt der Vorstand schriftlich Auskunft. , Der Vorstand i 4 4 4 ♦ 4 4 Die Wechselstube de3 Bankhauses WIEN, I., Graben Nr. 17. Telegramm-Adresse: Nagelwort, Wien. Privat-Telephon Nr. 362. Staats-Telephon Nr. 23. "WM empfiehlt sich zum coulantesten Ein- und Verkaufe aller in- und ausländischen Werthpapiere, Lose, Münzen und numismatischen Specialitäten; ertheilt gewissenhafte Rathschläge bei Käufen von Anlagewerthen und anderen finanziellen Transactionen; besorgt die Revision von Losen und verlosbaren Werthpapieren, Vinculirungen und Devinculirungen; verkauft Lose gegen Ratenzahlungen mit sofortigem Spielrecht zu den günstigsten Bedingungen; giebt Promessen zu jeder Ziehung aus; beantwortet bereitwilligst und franco alle einschlägigen Anfragen. ► ► ► ► t ► k r ►