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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-14 · 15 (14.4.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
15 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 Oxsterreichische Wochenfchriy Seite 375 besonders unterbreiten. Wir zweifeln auch nicht daran, daß unsere billigen Wünsche der huldvollen Unterstützung Ew. Excellenz werden theilhastig werden. Wir wollen, wie gesagt, aus diesem Anlasse blos . unseren Dank ansdrücken dafür, daß Ew. Excellenz für die Gleichberechtigung unserer Confession entschieden Stellung genommen haben. . -Wir beruhigen uns dabei, daß die Weisheit der hohen Regierung den geeigneten Zeitpunkt bestimmen wird, in welchem die auf religions-" politischem Gebiete in Aussicht gestellten Gesetzentwürfe werden eilige-'' reicht und verhandelt werden können. Wollen daher Ew. Excellenz es unserseits nicht als Ürgenz ansehen, wenn wir uns gleichwohl er- .r lauben, der Hoffnung Ausdruck zu geben, dag der Gesetzentwurf „über die-israelitische Religion" noch vor den Sommerferien °oem Abgeordnetenhaus vorgeleg; werden wird, da ja dieser unsere Confession interessirenhe Gesetzentwurf, wie verlautet, besonders und früher ver- : ■ handelt werden könnte, als jener, der die freie Religionsiibung . regeln soll.. V •. . ' . , . v Es erübrigt uns nur noch, die Vorsehung zu bitten, sie möge Ew. Excellenz. Kraft zur Verwirklichung Ihres religionspoliiischen Programmes leihen und sie lasse Ew. Excellenz nach der Schaffung dieser hochwichtigen Gesetze in Freude, ob der wvhlthätigen Folgest - derselben noch lange glücklich leben." ' Stürmische Eljenruse folgten dieser Rede,, welche Minister Graf Csäky folgendermaßen beantwortete: - ... . „Meine geehrten Herren! Empfangen Sie meinen wärmsten . Dank , für Ihr freundliches Erscheinen; sehe ich ja doch in demselben einen Beweis dessen, daß Sie Vertrauen hegen zu. meiner Person, beziehungsweise zu meinem Vorgehen. (Zustimmung.) Ich Höffe, daß - Sie-sich in diesem Vertrauen nicht getäuscht haben'werden, denn ' -meinerseits entschließe ich mich nicht leicht -zu einem wichtigen - .Schritte, doch habe ich mich dazu entschlossen, habe ich die Situation erkannt, habe ich mich von der Nothwendigkeit - einer Verfügung überzeugt, dann pflege ich nicht mehr zu wanken noch zu weichen. ' . (Eljenruse.) Ich weiß nicht, was die Zukunft in ihrem Schoße birgt; / .Keiner von uns kann bestimmen, wohin seine Contemplarionen, seine Entschlüsse, seine Ansichten führen werden, oder ob denselben ein ' Erfolg bevorsteht. Doch vertraue ich in die Gerechtigkeit meiner Sache, in die Reinheit meiner Ueberzeugung und in die Kraft meines Willens. (Eljenruse) Ich bin überzeugt, daß unser kirchenpolitisches Programm, was für Hindernisse bei der Durchführung desselben auch dazwischen kommen mögen, von der Tagesordnung nicht mehr verschwinden wird. , Was den speciellen concreten Fall anbelangt, nehme ich Ihre Erklärung mit. Dank an, daß Sie nicht drängend auftreten. Dies, beweist nur, duß Sie Vertrauen zur Regierung haben; die Regierung weiß auch am besten, wann sie mit diesen Vorlagen hervortreten kann. Jetzt kann ich nur noch hinzusiigen, daß all' das, was ick> über die Reception der jüdischen Religion im vorigen Jahre in der Gesetzgebung und anderswo gesagt habe, auch heute unverändert aufrechtsteht und daß keinerlei Abweichung von diesen meinen Erklärungen sich ergeben hat, doch ist auch gar keine Nothwendigkeit, von denselben abzuweichen, vorhanden. Ich hoffe daher, daß die Gesetzgebung sich nicht in ferner, sondern in naher Zukunft mit diesen Vorlagen beschäftigen wird. Behalten Sie mich auch bis dahin in freundlichem Angedenken. (Begeisterte Eljenruse.) Die Mitglieder der Deputation, mit denen der Minister freundliche Worte und Händedrücke gewechselt, entfernten sich hierauf in gehobener Stimmung. Dip Juden in Wiener-Neustadt. Soeben ist in ungarischer Sprache eine Schrift erschienen, welche in Form einer Monographie in höchst anziehender Darstellung und mit großer auf sorgfältiger Zusammentragung und Prüfung der Quellen beruhender Sachkenntniß die Schicksale der jüdischen Gemeinde von Wiener-Neustadt von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage pragmatisch erzählt. Der Autor, Dr. Max Pollak, hat sich mit dieser seiner Erstlingsarbeit ein bleibendes Verdienst um die Geschichtsforschung des österreichischen Kaiserstaates erworben und wollen wir seine treffliche Leistung auch von dieser Stelle herzlich begrüßen und den jugendlichen Verfasser zu fernerer Thätigkeir auf dem von ihm sicherlich auf inneres Drängen erwählten Gebiete aneifern. Der Werth der Arbeit wird erhöht durch fünf gelungene Facsimilia alter jüdischer Epitaphien und durch die wörtliche Veröffentlichung von neun bisher ungedruckten hebräischen und jüdisch-deutschen Urkunden zur Geschichte der Mischen Gemeinde von Wiener-Neustadt. Da die Geschichte eines Theiles der. vaterländischen Judenschaft auch weitere Kreise interessiren dürste, so laffen wir hier eine wörtliche Uebersetzung des fünften Abschnittes der Schrift folgen, natürlich mit Weglassung der literarischen Nachweise und sonstigen kritischen Apparats. / Die Schicksale der Juden 1496 bis 1890. Mft Bleigewicht lasteten die Steuern auf den Juden von Wiener-Neustadt; im Jahre 1446 hatte sie Friedrich IV. mit 6000 Pfund besteuert. Daß dies eine ungeheuere Summe ist, erhellt daraus, daß die Steuern der ganzen Stadt Wiener-Neustadt sich nur auf 200 Pfund beliefen. Friedrich brauchte das Geld wahrscheinlich zur Kriegführung; im genannten Jahre war nämlich Hunyadi in Oesterreich eingedrungen und es wurde bis Wiener-Neustadt Alles verheert, weil Friedrich den Ladislaus nicht ausliefern wollte. Auch mit seinem Bruder, Albert VI., führt er Krieg und läßt aus Vorsicht 1459 Wiener-Neustadt befestigen, wozu außer den Christlichen wieder nur die Juden herhalten mußten. Die Juden nehmen ihren Theil heraus in allen möglichen und unmöglichen Lasten, aber Rechte haben sie keme. Bei der Verteidigung der Festung kämpfen sie mit den Andern wacker mit. Aber das Alles nützt ihnen nichts. Im Jahre 1469 wird auf Friedrichs Befehl eine Hausdurchsuchung bei ihnen vorgenommen; sie sollen nämlich Gold und Silber zur Einschmelzung aufgekauft haben. Ihre Oefen werden demolirt, was an Gold und Silber bei ihnen vorhanden war, ihnen abgenommen. Friedrich brauchte eben sehr viel Geld, sein ganzes Leben hindurch kämpft er mit Geldcalamitäten. In der Art und Weise der Beschaffung ist er nicht eben wählerisch, besonders gegenüber den Juden nicht. Er ließ das denkbar schlechteste Geld prägen, welches vom Volke spöttisch „Schinderling" genannt wurde. „Noch vor 40 Jahren — sagt Jfferlein — war das Geld gut und man zahlte 4 Pfund gediegenes Silber für 6 Pfund Gold; jetzt aber hat das Geld keinen großen Werth." Daß die Juden die Kausleute und Geldvermittler xar excellence, viel darunter zu leiden hatten, müssen wir nicht be- . sonders hervorheben. In Folge des werthlofen Geldes nahm man in Wiener-Neustadt beim „Pidjon", wozu eigentlich nur 2 Gulden Rheinisch gehörten, 5 Gulden und dieses legte man noch obendrein auf eine silberne Tasse, damit wenigstens dies Alles zusanlmen den erforderlichen Werth repräsentire. Hieraus wurde das Ganze sammt der Tasse verabreicht. Die Existenz wird den Juden in Wiener-Neustadt immer lästiger. Als die Stadt im Jahre 1487 von Mathias erobert wurde, ließen die Bürger durch Mathias, der sonst gegen die Juden immer gerecht war, eine „Umgelt" genannte Verzehrungssteuer auf die Juden auswerfen. Diese Verzehrungssteuer ist eine entschiedene Gesetzwidrigkeit, da doch die Juden ohnedies reichliche Steuern an die Kammer abliefern nmßten. Außerdem verbietet ihnen Friedrich unter Strafe von 100 Gulden den Ankauf von Werthgegenständen, welche von Söldnern nach Wiener-Neustadt gebracht werden. Tagtäglich mehr Beschränkung. Als ob er sie planmäßig vernichten wollte. — Den österreichischen Ständen will es überhaupt nicht zusagen, daß die Juden in Oesterreich, besonders in Wiener-Neustadt, sich dem Handel ergeben. Unter den Postulaten des Landtages von Enzersdorf befindet sich auch die Beschränkung des Handels der Juden, ferner der Wunsch, die Schulden der Inden sollten nur dann anerkannt werden, wenn das Leihen vor dem Richter stattgefunden. Ja, es wurde herkömmlicher Brauch, daß eine weniger als 5 Gulden betragende Forderung eines Christen an einen Juden auf die einfache Aussage des Christen hin eingetrieben wurde, ohne im Falle eines Proceffes den Christen zu beeidigen. Immer mehr Beschränkung, immer mehr Leid. Die Erscheinung Kapistran's verursachte ihnen nicht wenig Furcht. Im Jahre 1451, als Friedrich und Ladislaus sich daselbst aufhielten, kam auch jener dahin. Am 11. Juni war sein feierlicher Einzug. Kaffer Friedrich empfing ihn in Audienz, bei welcher Gelegenheit auch von Juden und ihrem Wucher die Rede war. Kapistran vollsührte mehrere Wunder. Er heilte 64 Kranke (darunter auch Taubstumme und Blinde) und dergleichen Wunder mehr. Man traf Anstalten, die Juden von der Wahrheit seiner Lehre zu überzeugen und zwar vermittelst Wunder. Gs scheint, daß Jfferlein von der Sache verständigt wurde, worauf er erklärte, daß auch er bereit sei, ihm zu folgen, wenn der Geistliche ohne Trug und List durch's Feuer ginge und unversehrt bliebe; doch müsse der Kaiser dafür bürgen, drß Hinterlift und Gewalt ausgeschlossen würden. Doch ist — bemerkt die Quelle — aus der Sache nichts geworden, der Geistliche gieng seines Weges. Diesmal gingen die Juden frei aus. :— — — Mit der Thronbesteigung Maximilian» (1493—1519ändert sich die Lage. Des Kaisers Erzieher war Peter Engelbrecht, Bischof von Wiener-Neustadt.Im Jahre 1496 gab man den Juden von Wiener-Neustadt auf dem Wege des Landtages

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