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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-14 · 15 (14.4.1893) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
15 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 Vesterreichifche Wochenschrift Seüe 373 wie keine Krankheit zu widerlegen ist. Man muß geduldig warten bis die im Grunde doch gesunde Natur des Volkes sich von selber aufrafft und den faulen Stoff auswirst. Freilich kann man die Gesundung vielleicht beschleunigen und fördern, wenn man ihr die Unterstützung moralischer Kräfte gewährt. Und da habe ich lang« schon einen Gedanken, der mir wirksamer als Ihre Enquete erscheint. ÄSn3 soll man Ihnen Neues gegen den Antisemitismus sagen? Und wenn man etwas fände, was würde es nützen? Alle Mittel der Vernunft wirken da nichts, aber das Gewicht großer Namen, die Autorität würde vielleicht wirken. Den Einzelnen hört man gar nicht an, aber eine internationale Erklärung könnte sich doch Achtung erzwingen. Wenn man einen kurzen Protest gegen den Antisemitismus verfassen würde, der in ein paar Sätzen die bekannten Gründe wiederholte und von allen irgendwie bedeutenden Männern Europas unterschrieben wäre, ob sie nun zur Wissenschaft oder Kunst oder Politik gehören, von den geistigen Eoelleuten aller Länder und Völker — das. denke ich, könnte seine Wirkung nicht verfehlen. Da wäre ich mit voller Begeisterung dabei. Gerade Sie, als Oesterreicher, könnten es mit Erfolg beginnen: Sie haben ja das Glück, eine unverdorbene, an Gesinnung und Sitten vornehme Aristokratie zu besitzen, welche ihren Namen verdient und ihre Traditionen ehrt und allen Versuchungen des Antisemitismus tapfer widerstanden, ja nicht gezögert hat, sich in das erste Treffen des großen Kampfes für die Freiheit zu stellen. Sie könnten so für diesen Protest manchen stolzen Namen gewinnen, von dem niemals seit Jahrhunderten der Ruhm gewichen ist. Das brächte am Ende vielleicht doch einen od:r den anderen zur Besinnung, und wenigstens wäre unsere Ehre vor den Enkeln gerettet, wenn wir ihnen ein Dokument lassen könnten, das alle Guten aller Völker im Bund-e gegen die schimpfliche Krankheit der Zeit zeigt". - Arische Moral. Die Art, wie die gepriesene abendländische Moral gegen schwache und wehrlose Rassen vorzugehen pflegt, manifestirt sich namentlich in den Colonien und das Berliner Abwehrorgan hat vollständig Recht, wenn es die Colonialmänner sür diejenigen Rechtsverletzungen verantwortlich macht, welche in den Colonien regelmäßig zu geschehen pflegen. Eine Colonie kann überhaupt nicht ohne Rechtsverletzung gegründet werden. Der Starke gründet sie im Lande des Schwächeren. Zum Schein wird allerdings meistens ein Vertrag geschlossen, diese Verträge sind aber entweder eine Folge des Zwanges (z. B. Flottendemonstration in Zanzibar) oder wucherischer Ausbeutung. Denn um Ausbeutung handelt es sich in der That. Dafür liefert uns der bekannte Reisende Hugo Zoller in seinen dem Fürsten Bismarck gewidmeten „Forschungsreisen" den schlagendsten Beweis. Er schreibt daselbst (Bd. III. S. 145): „Ich lasse es dahingestellt, ob der Leichtsinn, mit welchem die Eingeborenen ihren Grund und Boden verkaufen, etwa in dem Sinne ausgenutzt werden könnte, daß später, wenn sie, wie wahrscheinlich ist, suchen werden einen Theil des Landes zurückzuverlangen, der Grundbesitzer zu ihnen sagt: „Ja wohl, mit Vergnügen, aber dann müßt ihr auch entweder einen Theil eures Grundstückes mit der und der Culturpflanze bestellen, oder ihr müßt uns allmonatlich so und so viel Tage Frohndienste leisten". Ferner lasse ich es dahingestellt, ob sobald einmal an die Befreiung jener Sklaven gedacht werden sollte ... ob man dann diese Sklaven etwa durch ein Stadium der Hörigkeit hindurchgehen lassen sollte. In diesem Stadium könnte ein Theil ihrer Arbeitskraft nutzbringend zum allgemeinen Besten verwandt werden . . . Man könnte den Sklaven von Kamerun, falls sie einmal befreit werden sollten, und alsdann, wie wahrscheinlich ist, um Grundstücke bitten, sagen: „Da habt ihr sie, aber dafür müßt ihr arbeiten und Frohndienste leisten. Wenn ihr nicht arbeiten und keine Frohndienste leisten wollt, so bekommt ihr keine Grundstücke und müßt darben". Wir sehen also hier, wie Arier den Leichtsinn der Eingeborenen offen ausbeuten, einfach nach dem Gesetz, das den wirthschaftlich Schwächeren zur Unterwerfung zwingt. Die Neger haben keine Ahnung davon, was die Europäer mit einer Eigenthumsäußerung meinen. Sie glauben nur auf eine Verpachtung einzugehen, weil bei ihnen, wie die „Franks. Ztg." richtig bemerkt, Grund und Boden Stammeseigenthum und unveräußerlich ist. _ Jahresbericht der Pester israel. Rrligionsgemeinde. Budapest, 9. April 1893. Heute fand unter reger Theilnahme der Mitglieder die Generalversammlung der Pester israel. Religionsgemeinde statt. Den Vorsitz führte der erst vor Kurzem neugewählte Gemeindepräses Herr Sigmund Kohner, an dessen begeisterte und begeisternde Führung des ersten und größten jüdischen Gemeindewesens in Ungarn sich die weitgehendsten Hoffnungen knüpfen. In seiner Eröffnungsansprache machte der Präsidmt den Anwesenden die wichtige und erfreuliche Mittheilung, daß der bekannte Philantrop, Herr Sigmund Brödy (Herausgeber des Neuen Pester Journals, der erst neulich eine wohlthätige Stiftung von 150.000 fl. machte), nun abermals eine Bier telmilli on zur Errichtung eines interconfessionellen Kinderspitals spendete, welches unter dem Patronate der israel. Religionsgemeinde zu stehen habe. Brausende Lljeo-Rufe folgten diesen Worten. Die Versammlung nahm die vom Vorstande vorgelegten drei stattlichen Hefte: Bericht. Budgetvoranschlag und Spendenausweis einstimmig zur erfreulichen Kenntniß und ercheilte der Gemeindeleitung das Absolutorium. Für die Leser dieses Blattes kann es gewiß nicht unerwünscht sein, in das großartige und ersprießliche Gebühren einer der ersten jüdischen Gemeinden Europas einen Einblick zu thun, weshalb ich auch den Inhalt der zwei ersterwähnten Hefte in exeepto hier vorführen will. Der Bericht beginnt mit einem warmempfundenen und schwungvollen Nachruf für weiland Moriz Wahr mann, den unvergeßlichen, langjährigen Gemeindepräses, „deffen eifervolles, selbstloses und begeisterndes Wirken" — wie der Bericht hervorhebt — „in der Geschichte unserer Gemeinde epochemachend ist, deffen Verdienste um die Gemeinde- Institutionen, deren Entwicklung und Aufblühen seinem Namen ein unvergeßliches Andenken sichern." Hieran schließt die Versicherung, daß der Vorstand auch unter seinem neuen Führer in den Fußstapfen Wahrmanns vorwärtsschreiten will und das geistige und materielle Aufblühen der Gemeinde, die Pflege und Befestigung des religiösen Geistes in Gemeinde und Schule sich als höchstes Ziel seines Wirkens aussteckt. Als hervorragendes Monrent des Gemeindttebens im abgelaufeneu Jahre wird dann im Detailberichte hervorgehoben, daß das am 8. Juni v. I. abgehaltene Krönungsjubilänm in allen Gotteshäusern der Gemeinde in feierlicher und freudenvoller Weise gefeiert wurde, daß die Gemeinde das Andenken dieses Tages auch für die späteren Generationen verewigte, indem sie zum Andenken an das Krönungsjubiläum eine Stipendium-Stiftung schuf. Zum Wirken der einzelnen Fachsectionen übergehend, erwähnt das Referat, daß der vor zwei Jahren eingeführte Norinal-Religionsplan durch seine praktische und ersprießliche Anwendung es glänzender als alle Theorie beweist, daß die in demseloen ausgeorückte Auffassung und Methode berufen ist, in unserer Jugend für die heiligen Documente unserer Religion Jntereffe und Begeisterung zu erwecken. Auf Grund dieses Lehrplanes und im Anschlüsse daran ist bisher bereits eine ansehnliche Literatur jüdischer Religionsbücher auf Initiative und theilweise auch im Verlage der Gemeinde erschienen und die Ergänzung dieser Literatur schreitet von Jahr zu Jahr fort. Mit feiner Thätigkeit auf diesem Gebiete wirkt der Vorstand nicht blos im Dienste der Gemeinde, sondern erstreckt seine Thätigkeit auch auf das Judenthum des ganzen Landes, da von den verschiedensten Theilen des Landes, wo Juden wohnen, Anfragen betreffs der Lehrbücher und Organisation des Religionsunterrichtes einlausen. Die angeführten Thatsachen gestatten den erfreulichen Schluß, daß das Aufblühen des Religionsunterrichtes sich in immer weiteren Kreisen des gebildeten ungarischen Judenthums zeigen wird, und daß die wichtigste gemeinsame Angelegenheit des Judenthums, der religiöse Unterricht der Jugend auf einheitlicher, systematischer und zielbewußter Grundlage sich überall verbreiten und kräftigen wird. In administrativer Hinsicht wurde beim Religionsunterricht die wichtige Reform eingeführt, daß die Religionsunterrichts-Gebühr nunmehr zumeist durch die betreffenden Schuldirectoren mit den übrigen Schulgeldern eincassirt wird. Es folgen einige statistische Daten über Schulen: a) Ist. Knabenschule. Zahl der Gesammtschüler im abgelaufenen Jahr. . 685 darunter gratis.393 b) ‘ Ist. Mädchenschule. Zahl der Gesammtschülerinnen.366 darunter gratis.238 c) Religionsunterricht. Zahl der Schüler an Volks-, Bürger- und Mittelschulen . 12203 ck) Talmud Thora. Zahl der Schüler.82 e) Hebräischer Lehrkurs (erweiterter Religionsunterricht für Volksschüler). Zahl der Schüler. 145 Mit Gratisbüchern wurden 968 Schulen versehen. Auf dem gesammten Unterrichtsgebiet der Gemeinde wirken 51 Lehrer und Professoren, die unter specieller Leitung des Gemeinde- Schulinspectors stehen. In der Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes wird dieser von Bezirks-Schulstühlen unterstützt, an deren Spitze Universitätsprosefforen, hervorragende Advocaten und Aerzte stehen.

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