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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-17 · 11 (17.3.1893) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
11 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Ar. 11 Vejlerreich! sch e Wochenschrift Seite 205 Wagstadt, 9. März. (Orig.Corr.) Bei der am 28. v. M. im Rathhaussaale in Wagstadt unter Vorsitz des Herrn Doctor Angel, Ädvocat in Wägstadt, stattgefundenen Wahl in den provisorischen Ausschuß der neu zu creirenden israelitischen Cultusgemeinde in Wagstadt, woran sich 54 Wähler betheiligten, wurden die Herren Dr. Bernhard Frank, Advocat in Königsberg, Sigmund Markus. Realitätenbesitzer in Wagstadt, Doctor Josef Angel, Advocat ebenda, Salomon Fried, Brauereibesitzer in Odrau, Jacques Rosenfeld, Kaufmann in Wigstadtl, Emanuel Knöpfelmacher, Kaufmann in Wagstadt und Simon Heller, Gastwirth in Königsberg in diesen Ausschuß berufen. In der heute nach Rechtskraft des Wahlactes stattgehabten constituirenden Ausschußsitzung wurden in den Cultusgemeindevorstand die Herren Sigmund Markus als Cultusgemeindevorsteher, Dr. Josef Angel, als Cultusgemeindevorstand-Stellvertreter und Dr. B. Frank als Beigeordneter gewählt. Tetschen a/E., den 9. März 1893. Bei der am 8. März d. I. stattgefundenen Wahl des Jsräelit. Cultus-Bereines für Bodenbach, Tetschen und Umgebung wurden folgende Herren als Functionäre gewählt: Als Präsident Adolf Pächter; als Bice- Präsident Sigmund Brauner; als Ausschußmitglieder Friedrich Flaschner, Carl Heller, Gottfried Pick. Heinrich Schwarz, I. H. Sonntag; als Armenväter für Tetschen S. L. Jung, für Bodenbach I. Herschmann; als Revisoren N. Löwy, D. Taussig; als Vertrauensmänner Gottlieb Pick und Sigmund Beit. Kaschau. Der hiesige israel. Frauen-Berein, an dessen Spitze Frau Antonie Brody, die Gattin des hiesigen sehr geachteten Großhändlers, Philipp Brody steht, hielt im Prunksaale des Hotel Schalkhäz am 5. d. M. einen Ball ab, dessen Reinerträgniß zu wohlthätigen Zwecken verwendet wurde. . Außer den Vornehmsten der hiesigen Stadt sah man als Gäste den Bürgermeister Münster sammt Gemalin, die Richter der königl. Tafel, den Corpscommandanten Grafen Uexküll, den Commandanten der Honveds FML. Pükay, den Generalstabschef Oberst Canic, StaatsanwaltPaksy sammt Frau und Tochter und viele Andere. Ein Beweis, daß das Einvernehmen zwischen der hiesigen israel. und christlichen Bevölkerung das beste ist. Libochowitz. Am 2. März wurde im Gemeindehause von unserem von uns hochgeschätzten Herrn Oberlehrer Max Freund ein Purimabend arrangirt, der in jeder Art als ein äußerst gelungener bezeichnet werden kann. Der erste Programmspunkt „Die lebende Megilla" süt.rte nach einem von zwei Kindern gut vorgetragenen Prolog, die ganze im Buche Esther erzählte Handlung in wahrhalt künstlerischer Ausstattung den Zuschauern vor. Eine natürlich „schöne" Esther, ein ehrwürdiger Mordechai, ein herziger humorvoller Ahascheveros, ein rother Judenfresser, seine Zeresch, die ehrlichen Hegai und Charbona, zwei allerliebste Hofdamen, zwei flinke Tänzerinnen und zwei Mohren bildeten die Personen des Purimspieles, das durch bekannte liturgische Melodien geschmückt war. Effectvolle Scenen und lebende Bilder, unter Anderem die Huldigung unseres allgeliebten Monarchen bleiben uns unvergeßlich. Der zweite ProgrammpuNkt „Rattengift", dargestellt von einer drallen Schusterin und einem naschhaften. Lehrjungen machte sich auch sehr gut. Die nun in folgender Piece ein „Kaffeeklatsch" anftretenden zwei alten Jungfern „Grethe", Fr!. Camilla Taubeles, „Tante Julie" Frl. Jeanette Lederer, erregten durch ihren Anzug rnrd ihr Spiel die Lachlust des Publikums. Auch die declamatorischen und musikalischen Leistungen d:s Frl. Emilie Getreuer und Frl. Selma Lederer fanden reichen Beifall. Libochowitz, den 8 März 1893. Adolf Getreuer Cultusvorsteher. Berlin. Mit Ausschreitungen von Studenten auf den Straßen Berlins haben sich die Uebertretungsabtheilungen des Berliner Schöffengerichtes jetzt häufig zu befassen. Gegen die Studenten Krombach und Burggraf war, weil sie in der Friedrichstraße zwei jüdische Handlungsbeflissene angerempelt und auf deren Intervention unter dem Ausruf des Krombach: „Haut doch den Judenjungen eine runter" wiederholt gestoßen haben, Anklage erhoben worden. Der Amtsanwalt beantragte je eine Woche Haft. Das Schöffengericht nahm aber auf die Angetrunkenheit der Angeklagten Rücksicht und belegte dieselben mit 15 bezw. 10 Mark Geldstrafe, eventuell mit 3 resp. 2 Tagen Haft. Amsterdam. -Der hier jüngst verstorbene Herr Jacques Elion, ein vorzüglicher Graveur, erfreute sich einer ganz besonderen Achtung beim Könige Wilbelm III , welcher ihn sogar einige Male als Gast auf sein Schloß lud. Viele von Herrn Elion ausgeführte Medaillen legen Zeugniß ab von seinem Fleiße und seinem künstlerischen Geschmack. Auch bei nationalen Festlichkeiten verfertigte Elion Medaillen infolge höheren Auftrages. — _ Feuilleton. Das Juden schloff. Ich war Lehrer in der jungen Gemeinde zu N . . . , einer kleinen Stadt, welche erst, seit sie Juden ausgenommen, zu einem bedemenden Platze des ungarischen Fruchthandels geworden. Zugleich war ich aber auch Hauptmitarbeiter eines jüdischen Wochenblattes, das in der Hauptstadt erschien. Ich zeichnete meine Artikel mit vollem Namen, weil es zumeist Kampsartikel in Schul- und Synagogenfragen waren, die in meiner Gemeinde durch Parteiungen auf der Tagesordnung standen. Eines Tages im März erhielt ich einen Brief mit dem Poststempel Cs . . . einer etwa zwei Stunden entfernten Bahnstatton. Ich wußte dort keinen Bekannten. Neugierig erbrach ich das Schreiben, welches eine mir unbekannte schleuderische Handschrift trug. Es lautete: „Euer Wohlgeboren! In dem K. . . , dessen Abonnent ich bin, lese ich so oft Ihren Namen, der zugleich der Name eines mir theuren Jugendfreundes ist. Ich erkundigte mich brieflich in der Redaction um ihre Adresse. Sollten Sie zufälligerweise nur der Namensbruder meines Freundes sein, so bitte ich diese Zeiteir einem Fremden zu entschuldigen. Sind Sie aber der, den ich meine, dann mein Lieber — eile, so wie Du kannst, nach dem unten bezeichnten Gute. Du reisest per Bahn bis nach Cs ... , wo Dich mein Wagen erwartet und in meine „Einschichte" bringen wird, um über die nahen Feiertage mein Gast zu sein. Du bist hoffentlich noch so glücklich allein im Leben zu stehen und es muß Dir einige Freude bereiten, einen treuen Freund umarmen zu können. Mir aber erweisest Du damit eine große Wohlthat, denn Du findest keinen Glücklichen. Schreibe jedoch, ehe Du kommst. .... Hof bei Cs .. . Dein alter treuer Joses". Natürlich war ich es, den er vermuthete. Mit diesen Zeilen stand meine ganze Jugend, vom zwölften Lebensjahre an vor meiner Seele. Josef war der Sohn eines reichen Mannes in K... im ... Comitate. Er kam, wie ich, auf die Preßburger Jeschiwah und wurde mit mir „zusammengespannt", wie der technische Ausdruck damals lautete. Ich, der Arme, aber fleißige und „gute Kopf", sollte ihn anspornen und vorwärts bringen. So waren wir mehrere Jahre in einem und demselben Quartier, schliefen in einem Bette und ich lebte fast von ihm, obwohl ichauch einige „Kosttage" in der Woche hatte. Zu allen Feiertagen mußte ich mit ihm Heimreisen und seine Mutter — der Vater war ihm früh gestorben — behandelte mich, wie ihr eigenes Kind. Es waren dies die freundlichsten, glücklichsten Tage meines Lebens. Als ich aus der Jeschiwah trat und mich profanem Wissen zuwandte, machte er mit mir denselben Schritt, um nur mit mir beisammen bleiben zu können. Wir besuchten mehrere Jahre das Lyceum. Aber in mir erwachte ein Selbstständigkeitsgefühl. Ich ging nach Pest, srequentirte die Präparandie und wurde Lehrer; er ging später von Preßburg nach Wien, ließ sich aber nicht au der Universität inscribiren, sondern trat durch Verbindungen, die er hatte, in ein Bankhaus ein. Wir standen lange im innigsten Briefwechsel mit einander, bis ein P r i n z i p i e n st r e i t denselben vor etwa zehn Jahren abbrach. Seitdem habe ich nur mittelbar über ihn erfahren, daß er ein sehr reicher Monn sei und seine Mutter zu sich nach Wien genommen habe. Das letzte Mal hörte ich von ihm vor vier Jahren und zwar, daß er sich in ein armes Christenmädchen verliebte und dasselbe, nachdem sie zum Judenthum übergetreten, auch geheiratet habe. Das er sich vor einem Jahre in Ungarn angekauft und ein Gutsherr in der Nähe meiner gegenwärtigen Station sei, wußte ich nicht. Und jetzt kam dieser Brief. Natürlich mußte ich ihm Folge leisten. Aber zuvor schreiben wollte ich nicht. Ich wollte als Ueberraschung kommen. Die Ferien an meiner Schule begannen -erst am Rüsttage zu Pessach. Ich mußte mir vom Schulvorstande die Erlaubniß erbitten, schon am vorhergehenden Nachmittage abreisen zu dürfen. Ich eilte auf den Bahnhof und gegen vier Uhr war ich in Es . . . dem Bahnhof eines kleinen Fleckchens. Bon da wollte ich zu Fuß bis . . . Hof, um' mir das seltene Vergnügen, das mich dort erwartete, so recht zu verdienen. Es

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