Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 11 (17.3.1893)
- Date
- 1893-03-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 204 Orsterreichifchr Wochenschrift in Ismail (an der Donau). Sie hat nur noch das Geburtsattest ihres Vaters unir ihres Onkels beizubringen. Diese Geburtsatteste sind, wie es heißt, sehr leicht in Fürth in Baiern zu beschaffen. Frau Finkelstein steht im mittleren Alter und ist kinderlos. Vmnijscktes. Wien. (Oeffentliche Sitzung des Vorstandes der israel. Cultusgemeinde.) Sonutag, den 19. März 1893 um 10 Uhr Vormittag im Sitznngssaale der Cultusgemeinde 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock. Programm: Rechnungsabschluß pro 1892. Dw Zutritt ist, soweit es der Raum znläßt. Jedermann gestattet. Wien. Der israelitische Wähler-Verein in Wien hält Samstag, den 18. März d. I., präcise halb 8 Uhr abends, in Kuhner's Restaurant, I. Bezirk, Schotteuring 19, eine Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung': 1. Bericht des Vorstandes; 2. Bortrag des Herrn Dr. Sigismund Feßler, Hof- und Gerichtsadvocaten: „Abseits von der Heerstraße"; 3. Discussion über den Religionsunterricht, eingeleitet von dem Bereinsmitgliede Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Theodor Gutmann jr.- Damen und Gäste herzlich willkommen. Arnold Marek, Präsident. M. Baum, Schriftführer. — Wien. (Trauungen). Sonntag, den 12. März 1893 wurden getraut: Herr Hugo Möller mit Frl. Alice Wertheimer; Herr Dr. Hugo Redlich mit Frl. Anno Donath; Herr Dr. Josef Kall mit Frl. B. Ch. Schönfeld; Herr Arthur Kvwanitz mit Frl. Rosa Bing; Herr Michael Chamaidesmit Frl. Charlotte Bach; Herr Dr. Adol» Mahler mit Frl. Josefine Horner. Donnerstag, den 16. März 1893 wurden getraut: Herr Sigmund Schubert mit Frl. Melanie Gollmann. Wien. (Personalna ch rich tett.) Frl. Minna Großm ann hat sich mit Herrn Carl Brandl verlobt. — Sonntag, am 26. März findet in Lemberg die Trauung des Frl. Anna Bach, einer Tochter des Herrn David Bach, mit Herrn Ri ch ar d R o s e nt ha l statt. — Sonntag, 26 März, findet im isr. Tempel in Carlsbad die Trauung des Frl. Flora Löwy, der Tochter des Zahnarzt.s Löwy in Carlsbad, mit Herrn J.-U. Dr. Leop. Herschmann, Advocaten in Saaz, statt. Wien. Sonntag, am 19. März, Nachmittags 2 Uhr, findet im isr. Tempel der Leopoldstadt, die Trauung von Frl. Hermine Weiß. Tochter des bestbekannten Mohel Elias Weiß, mit dem Med. Dr. Herrn Max Sch öufeld statt. Herr Dr. Schönfeld soll die Praxis des Herrn Elias Weiß übernehmen. Wien. (Israel. Feriencolvnie.) Das Damencomite der isr. Feriencolonie, welches in diesem Jahre vor einer viel größeren Aufgabe steht und nahezu die. dreifache Anzahl armer Kinder in die Feriencolonie sendet als im Vorjahr, hat sich durch einige Damen ergänzt. In das Comite wurden cooptirt: Frau Dr. Antonie Passauer. Frau Antoinette Schwarzmann und FrauJenniSchur, Tochter des Herrn Ignaz Mauthner. Das Damencomite wünscht eine männliche und weibliche Lehrkraft zur Begleitung der Feriencolonie zu gewinne«. Gesuche nimmt die Redaction dieses Blattes entgegen. Wie«, ^od es fall.) Am 10. d. M. verschied nach vielwöchentlicher Krankheit Frau Rosa Schmiedl, geb. Bloch, Gattin des Wiener Communallehrers Herrn Georg Sch mied l, im Alter von 29 Jahren. Die Verewigte war eine durch hervorragende Geistesgaben ausgezeichnete Dame, und hinterläßt bei Allen, welche mit derselben zu verkehren Gelegenheit hatten, das beste Andenken. Das am Sonntag d. W. stattgefundene Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer bedeutsamen ehrenden Kundgebung für die Dahingeschiedene und die trauernden Hinterbliebenen. Am Sarge hielt der greise Oheim, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmied!, aus Fünfhaus, einen tiefempfundenen, warmen Nachruf, welcher bei den zahlreichen Anwesenden einen mächtigen Eindruck zurückließ. Wie«. (Exequatur.) Der Kaiser hat dem österreichischen Staatsangehörigen Adolf Bachstez in Wien die Annahme des ihm verliehenen Postens eines Consuls der Republik Ecuador in dieser Stadt bewilligt und dem bezüglichen Bestallungsdiplome desselben das allerhöchste Exequatur ertheilt. Wie«. Von der Privat-Tanzlehranstalt des Herrn I. Heimann (Mitgliedes der k. k. Hofoper) wird Samstag, den 24. März 1893 eine Schlußfeier des Kinder-Tanzcurses im Nr. 11 großen Saale des „Hotel Central" II., Taborstraße 8 veranstaltet. Wien. Der in weiteren Kreisen bekannte und beliebte Obercantor der türkischen Jsraeliten-Gemeinde in Wien, Herr Jacob Bauer, Begründer der „Oesterreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung" und Vicepräsident des österreichisch-üngarischen Cantoren-Bereines begeht am 15. April d. I. sein 25jährigcs Cantorenjubiläum. In Anbetracht seiner hervorragenden Amtswirksamkeit und der besonderen Verdienste, die sich Obercantor Bauer, um die Förderung des Cantorenstandes erworben hat, sind für^den Jubilar aus nah- und fernstehenden Collegen- und Freundeskreisen, sowie Genieinden mannigfache Ovationen geplant. Wien. Sonntag, den. 12. d. M. fand der programmäßige festgesetzte literarische Nachmittag des „literarischen Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen Moria" statt. In kurzen, kernigen Worten setzte zuerst. Präsidentin Frl. Bertha Schali 1 den zahlreich erschienenen Gästen die Aufgabe des Vereines auseinander, worauf Frl. Rabinowitz in ausführlicher, fesselnder Rede das Thema „Wie müssen jüdische Frauen sein, um eine Stütze ihres Volkes zu sein" besprach. Mit ebenso gespannter Aufmerksamkeit folgte das Publikum dem zweiten Vortrage „Moses Mendelssohn, ein Erzieher seines Volkes" von Frl. Sabine Gruber. Sichtlich zufrieden schieden die Gäste von einander, ein erfreuliches Zeichen von stetigem Aufblühen des literarischen Mädchenvereines Moria. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag, den 29. d. M. statt. D a m e n sind herzlich willkommen. Saal: Schottenring 23. Wien. Der Realitätenbesitzer und Chef des Weingroßhaudlungshauses Duschinsky, Herr Moriz Weiß in Rudolfsheim, wurde vom Magistrate zum Bezirks-Waisenvater für den XIV. Wienerbezirk (Rudolfsheim) ernannt. — (Ottakring.) Anläßlich des Sterbetages des verewigten Herrn Ignatz Edler von Kuffner findet Sonntag, den 19. März 1893, 6 Uhr abends, im Tempel der israelitischen Cultusgeineinde Wien, 16. Bez., Hubergasse 8, ein feierliches Requiem statt. — Wien. („D ie Premiere in Rudolfshei m.") Dienstag den 7. März fand im Rudolssheimer Volkstheater die Premiere eines Schauspieles statt, dessen Autor schon einige Zeit vorher durch einen literarischen Proceß die Aufmerksamkeit jenes Publikums auf; sich gelenkt batte, welches in Wien noch immer die Theaterstadt par excellence erblickt und allen Vorgängen auf und hinter der Bühne, mit größter Spannung folgt. Ein noch gänzlich unbekannter junger Mann, hatte gegen den Schriftsteller Dr. Ludwig Ganghofer die Beschuldigung erhoben, jener hrbe sein Schauspiel „Auf der Höhe", welches gegen Ende vorigen Jahres im Deutschen Volkstheater in Scene' gieng, einem Schauspiele nachgebildct, das der erwähnte junge Mann Herrn Ganghofer zur Beurtheilung übergeben und erst nach 10.Monaten zurückerhalten hätte. Obgleich der Proceß 3 Monate währt, hat eine definitive Entscheidung noch nicht stattgefunden, weshalb sich eine Erörterung desselben unserer Feder entzieht. Dagegen erfahren wir aus gut unterrichteter Quelle, daß Herr Siegmund Sanbermann, ein 2Ijähriger junger Mann, nach Einleitung des Processes in 14 Nächten — tagsüber war er als Auslagearrangeur beschäftigt — zur schleunigen Rettung seiner literarischen Ehre, jenes Werk niedergeschrieben habe, welches unter dem Titel „Schrankenlos", Schauspiel in 4 Aufzügen, am Dienstag verflossener Woche zur Aufführung gelangte. Das Rudolssheimer Volkstheater erfreute sich eines Besuches, wie es wohl noch selten einen gesehen haben dürfte. Sämmtliche Kritiker der ganzen Wiener Presse, waren persönlich im Parket erschienen, weil sie wohl glauben mochten, der Premiere jenes Stückes beizuwohnen, das den Rechtsstreit zwischen Ganghofer und Saubermann verursacht hat. Und da wohl in keinem der Anwesenden auch nur der geringste Zweifel auftauchte, man habe es mit einem etwas verworrenen Jünglinge zu thun, dessen Werk sich als dramatische Unmöglichkeit erweisen werde, so erwartete nahezu, alles ein kleines Theaterscandälchen, daß sich vielleicht zu einer „großen Gaude" gestalten dürfte. Allein es kam völlig anders. Der junge Autor verstand es schon im 1. Acte die allgemeine Blutgier in ein unangenehmes Erstaunen zu verwandeln, daß sich schon am Schluffe desselben zu Gunsten der Novität aussprach. Die folgenden Acte brachten einen ganzen Umschwung in der Stimmung des Hanfes hervor und ernteten sowohl die Darsteller, als auch der jugendliche. Dichter die wohlverdienten Hervorrufe. Die Hauptheldin des Stückes ist „das Grctchen von heute" ein emancipiertes Mädchen, welches sich schrankenlos über die Gebote der Gesellschaft hinwegsetzt, von einem vornehmen Verführer verleitet, nächtlicherweise einen Spielclub besucht, das nöthige Geld aus der Casse ihres Vaters stiehlt, und dadurch den Cassier ihres Vaters in den Verdacht der Thätersihaft bringt, obgleich sie denselben liebt und von ihm wiedergeliebt wird. Die Handlung baut sich mittelst origineller Scenen und packender Actschlüffe bis zum Ende äußerst spannend auf. Die Darstellung war eine verhältnismäßig gute, besonders zeichnete sich ein Herr Reinhardt aus. Wir hatten nach Schluß der Vorstellung nnr den einen 'Wunsch, daß das Stück unter Mitwirkung hervorragender Kräfte an einem großen Theater aufgeführt werde.