Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 9 Seite 163 Oesterreichifche Wochenschrift bruch in den hiesigen israelitischen Tempel verübt. Auf einem höchst complicirten, schwierigen Wege durch den Keller und von dort durch die Ventilations- und Heizräume gelang es den Räubern, durch Durchstemmung eines Heizgitters in den Tempel vorzudringen. Hier war es licht, denn das ewige Licht in der Altarlampe brannte. Die Räuber mußten sich sicher fühlen, denn sie nahmen sich dieses Licht weiter gegen die Mitte des Tempelraumes herab, sprengten die im Betraume befindliche Bundeslade auf und entnahmen einen der Thoravorhänge, eine in demselben befestigte goldene Krone und versicherten sich vorhandener silberner Tempelgeräthe. Während sie beschäftigt waren, noch mehr zu rauben, indem sie Schlösser sprengten — man fand bei Entdeckung des Tempelraubes Einbrecherwerkzeuge auf dem Altartische auf — mußte irgend ein Lärm auf der Straße vor dem Tempel die Einbrecher erschreckt haben, denn sie ließen ihre Einbrecherwerkzeuge im Stiche und verließen mit der gemachten Beute den Tempel, ohne daß man ihrer habhaft geworden wäre. Belovar, 27. Februar. Auf Veranlassung des zweiten Gemeindevorstehers Herrn Em. Ebenspanger, wurde am 7. ^.äar eine Trauerandacht für den seligen Herrn Leopold Fleischmann aus Damborcz abgehalten. In Berücksichtigung, daß der würdige Sohn des Verewigten, Herr Jaques Fleisch, mann, der Gründer und langjährige Leiter der hiesigen Bezirksgemeinde ist, nahmen alle Glieder derselben an der Trauerfeier Antheil. Herr Rabbiner Tauber hielt eine gelungene Gedenkrede, Obercantor Mirsky recitirte Eb mole rachmim. Prohnitz. (Israelitischer Franenw oh lthätigkeits- Verein.) Den Bemühungen der Vorsteherin des verdienstvollen israelitischen Frauenwohlthätigkeits-Vereines, Frau Johanna Lasus, ist es gelungen, einer Neuerung in der hiesigen Cultusgemeinde Eingang zu verschaffen, welche sich als vorteilhaft erweist und auch anderwärts Schule zu machen verdient. Es werden nämlich bei Leichenbegängnissen anstatt Trauerkränzen, die Zeichen der Pietät in Gestalt von Geldspenden dem genannten Vereine zugeführt und flössen demselben erst jüngst beim Leichenbegängnisse der Frau Johanna Zweig der namhafte Betrag von 75 Gulden zu. Da der israelitische Wohlthätigkeits - Verein eine segensreiche Wirksamkeit erfüllt, so 'wird mit dieser Pietät ein doppelter Zweck erfüllt. Der Blumencultus ist mit der althergebrachten demokratischen Einfachheit der Leichenbestatlung bei den Juden im krassen Widerspruch und so ist es für alle Fälle vorzuziehen, wenn anstatt desselben wahre Werke der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe, wie selbe von dem israelitischen Frauenwohlthätigkeits-Verein Tag für Tag vollzogen werden, eine Förderung erfahren. Lemberg. Donnerstag,, am 9. März a. c. findet im Musikvereinssaal eine Gedenkfeier zu Ehren des hebr. Dichters P. Smolenskin statt. Svetla. Während sich der Antisemitismus recht breitspurig ausdehnt und die Hetze desselben auch in unserem sonst hier so friedlichen Zusammenleben aller gesellschaftlichen Kreise Eingang zu verschaffen sucht, ist es als besonders erfreulich zu bezeichnen, daß bei der in der Vorwoche stattgefundenen Gemeindewahl, zwei unserer hier wohnenden und lebenden Mit- 'bürger u. zw. unser sehr geschätzter und geachteter Cultusvvrsteher Herr Ludwig Müller und als zweiter Herr Moritz Herrmann in den Ausschuß u. zw. schon in der zweiten Wahlperiode fast einstimmig als solche gewählt wurden. . Mähr.-Weißkirchen. Mittwoch den 15. Februar feierte der hiesige Chewra-Kadischaverein seine alljährliche Gründungsfeier, welche in einer Chewra-Drosche und einen Festabend bestand. Den Festvortrag hielt unser verehrter Rabbiner Dr. Leimdörfer, welcher die Hörer entzückte. Das Festmahl fand im Saale des Vereinshotel statt und verlief in solch' gehobener Stimmung, daß allgemein dem Vereinsvorstande für die gelungene Ausführung gedankt wird. Den 1. Toast brachte Herr Cultusvorstand Herr S. Ehrlich auf Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser. Herr Dr. Leimdörfer toastirte auf die Einigkeit; er hob hervor, daß nur durch ein einiges, geschlossenes Borgehen man zum Wohle der Gemeinde, zum Wohle des Judenthums wirken könne. Herr S. Ehrlich, Director des hiesigen Spar- und Vorschußvereines, der heute das erste Mal als Cultusvorsteher in der Mitte unserer Mitglieder erschienen ist, entwickelte humoristischer Weise sein Programm und schloß mit einem Hoch ans das Gedeihen der Cultusgemeinde. Herr Adler toastirte auf Herrn Dr. Leimdörfer, Herr Vereinsvorstand H. Wolf toastirte auf den Herrn Cultusvorsteher, Herr Schulleiter B. Thorz auf die Jugend und deren Eltern u. m. a. Bis nach Mitternacht währte diese gemächliche Feier. Teschen. Im Nachtrage zu dem Berichte in Nr. 7 der geschätzten Wochenschrift über das Leichenbegängnis des verstorbenen Kreisrabbiners Simon Friedmann, möge noch zu dessen ehrenden Andenken das Urtheil eines Priesters erwähnt werden, das insbesondere geeignet ist, den Character des Verblichenen glänzend zu illustrieren. Der allseits rühmlichst bekannte Priester und Religionsprofessor Pater Prutek widmete im Jahre 1873 dem nun verstorbenen Kreisrabbiner Friedmann, eine seinerzeit Aufsehen erregende Brochüre „Die rationelle Kirche". In der diesbezüglichen Widmung heißt es wörtlich: Hochwürdiger Herr Kreisrabbiner! Mit vorurtheilssreiem Geiste beobachtete ich Ew. Hochwürden vieljähriges Amtiren in Teschen und fand in Ihnen einen vernünftigen Geistlichen, ausgezeichnet durch moralischen Character, musterhaftes, wohlthätiges Handeln, verfassungstreues, patriotisches Wirken, kurz, einen Priester, wie er sein soll. In meinem günstigen Urtheile über Ew. Hochwürden wurde ich bestärkt durch die allgemeine Hochachtung, welche die Vernünftigen aller Confessionen Ihnen zollen. Ich will nicht sterben, ohne als Priester Ew. Hochwürden meine collegiale Hochachtung zu bezeugen, als deren schwaches Zeichen ich dieses mein Manuscript freundlich anzunehmen bitte, in der freudigen Erinnerung an meine philosophischen Studienjahre, da meine Collegen verschiedener Confessionen und ich uns darüber freuten, daß wir in den Angelegenheiten der Vernunft fast ganz harmonirten Religiöse Intoleranz ist nur die giftige Frucht einer vernunftfeindlichen Dressur, u. s. w., u. s. w. Gelegentlich möge noch berichtigend hinzugefügt werden, daß die Leiche des verklärten Kreisrabbiners Friedmann nicht vor dem Tempel, sondern im Tempel selbst aufgestellt wurde, und daß Ew. Herr Rabbiner Dr. Heinrich Berger seinen dießbezüglichen Nachruf, in den heiligen Räumen des Gotteshauses vor einem dichtgedrängten, distinguirten Auditorium in äußerst gelungener, oratorischer Darstellungsweise gehalten hat. Biftritz. Aus Siebenbürgen im Februar 1893. Oberrabbiner Hillel Pollak aus Szaßregen ist aus dem Leben geschieden. Mit ihm ging der letzte ungarische Rabbiner aus der Schule des weltberühmten Chaßam Sofer zu Grunde. Aus nahen und fernen Gegenden strömten Deputationen und Rabbiner herbei, um dem großen Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Die Nachbargemeinde Biftritz war auch deputativ unter Führung des Handelskammer-Mitgliedes Wolf H a i m a n n vertreten. Im Trauerhause sprachen zwei Schwiegersöhne des Verblichenen tiefempfundene Worte. Hierauf wurde die Leiche in die Synagoge überführt, wo die Rabbiner Glaserer Klausenburg, Horovicz Blstritz. Mandelbaum Basarhlly und noch Mehrere herzerschütternde Trauerreden hielten. Am Friedhofe sprach noch Rabbiner Kraus aus Debreczin einen herrlichen Nachruf, der alle Anwesenden zu Thränen rührte. Möge Gott der trauernden Gemeinde und den zahlreichen Hinterbliebenen himmlischen Trost spenden. W. H.' 1 Bleichrode, 19. Februar. Herr Fabrikant K. Helft ist einstimmig zum Vorsitzenden des Stadtverordneten- Collegiums gewählt worden. Münstereifel, 20. Februar. Ein schönes Zeichen echter Toleranz gab der Director des hiesigen Gymnasiums, indem er die für vergangenen Samstag anberaumte schriftliche Prüfung der Einjährigen auf die Bitte des Herrn Lehrers Mehrgut auf den folgenden Montag verlegte, da unter den 21 Prüfungs-' candidaten sich ein Israelit befand. Paris. Der einzige Sohn des Barons Gustav v. Rothschild, Baron Robert, feierte am vergangenen Samstag in Anwesenheit der ganzen Rothschild'schen Familie in der Synagoge rue de la Victoire seine Barmizwa. Derselbe trug seinen Thoraabschnitt untadelhaft vor und spendete 1000 Fr. für den Tempel, außer den vielen Spenden seiner Familie, die aus Veranlassung dieses Festes gegeben wurden. Einige Parallelen mit den deutschen Verhältnissen dürften nicht unangebracht sein. Ter junge Baron Rothschild liest seine Parscha, die Söhne Schwabach's in Berlin werden getauft. Herr von Bleichröder gibt Stöcker 10.000 Mark für conservative Wahlen und ebensoviel zum Bau einer Kirche, die Rothschild's in Paris stehen an der Spitze der Pariser Gemeinde, der revne dös etndes jnives, des jüdischen Seminars rc. In Frankreich werden die getauften