Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 9 Oestrrreirlrifche WoürensürrM Seite 161 vor und nach — ein Märchen. Allein während der letzten Tage hat sich im Gouvernement K ielce ein Ereignitz vollzogen, das denn doch dem hartgesottensten Thomas gegenüber, die muthvolle Energie der Inden ins rechte Licht zu rücken in der Lage ist. Juden haben eine ganze, wohlorganisirte Räuberbande, den langjährigen Schrecken der Gegend, mit den Waffen in der Hand, gefangen genommen und der Gerechtigkeit überliefert. Hier will ick aber sofort bemerken, daß diese Gefangennahme nicht im Verlaufe einer Bertheidigung gelegentlich eines Ueberfalles auf das Vermögen der Juden bewirkt wurde, sondern daß die Juden einen gutgeplanten Angriff auf die Räuberbande machten, während die Letzteren im Begriffe standen — einen Popen zu ermorden und ihm der bei ihm befindlichen Staatsgelder zu berauben. Die Bande, um die es sich hier handelt, ist die des berüchtigten Räuberhauptmanns Maljarski. Bei Nennung dieses Namens zitterte im ganzen Gouvernement Kielce Groß und Klein. Denn seit mehreren Jahren macht Maljarski mit seiner gefürchteten Bande die Gegend unsicher. Er ist der verwegenste und zugleich listigste Bursche, der je in unserem Lande sein Unwesen trieb. Seit seinem zwölften Jahre gehört er dem Verbrecherstande an. Ursprünglich war er Dieb, dann wurde er Räuber, im letzten Jahre ist er auch zum Mörder geworden. Dreimal hintereinander ist er den Gefängnissen entsprungen. Zuletzt führte ihn der Weg in das Gouvernement Kielce, wo er in den unzugänglichen Schluchten des Waldgebirges eine sichere Zuflucht fand. Alle Anstrengungen der Be- Hörden, des Räubers habhaft zu werden, blieben vergebens. Was jedoch Militär und Polizei nicht vermochten, das vollbrachte der Muth der Juden ... Es war am 11. d. gegen 7 Uhr Abends, als sich im Dorfe plötzlich die Schreckensnachricht verbreitete: „Maljarski ist da!" Die Einwohner wurden von einem panischen Schrecken ergriffen. Alles floh zu seinen Häusern, Thüren und Fenster verriegelnd und verrammelnd. Maljarski war in der Tyat im Dorfe, aber nur die Wenigsten wußten, wen er mit seinem Besuche bedachte. Ein in der Nähe des Pfarrhauses wahnhafter Jude erlangte als Erster Kenntniß davon, an welchem Orte der Räuberhauptmann seine furchtbare Thätigkeit ausübte. Der Bandit hatte sich mit seinen Complicen eingefunden und war eben im Begriffe das Haus zu umzingeln. Offenbar war er durch Helfershelfer davon unterrichtet worden, daß der Steuercommissäv dem Priester einen größeren Betrag aufzubewahreu gab, den er wegen Unfahrbarkeit des Weges sich nicht mitzunehmen traute. Der Jude — sein Name ist hier noch nicht bekannt — setzte sich sofort mit seinen Glaubensgenossen in Verbindung und ehe eine halbe Stunde vergieng, standen mehr' als Hundert mit Gewehren, Revolvern, Messern und Eisengabeln bewaffnete Juden vor dem Pfarrhause, welches nun ihrerseits von allen Seiten abgesperrt wurde. Es entspann sich ein wüthender Kampf. Während die Schüsse krachten, wurde anl Kirchthurme Sturm geläutet. Und nun eilten auch die christlichen Dorfbewohner zu Hilfe herbei. Nach Verlauf einer halben Stunde waren die Räuber besiegt. Zwei Räuber waren getödtet worden, die übrigen fünf, darunter der schwerverwundete Maljarski fielen den Siegern in die Hände. Der Pope und mit ihm die Staatsgelder waren gerettet. In dem Augenblicke, wo die unerschrockene Schaar der Befreier vor das Pfarramt kam, hatte ein Räuber dem Popen das Messer an die Brust gesetzt, um ihm zur Herausgabe des Geldes zu bewegen. . . . Die fünf Räuber wurden am nächsten Tage nach Kielce eingeliefert. Die Bewohner des Gouvernements athmen nun erleichtert auf, da sie von der gefürchtetsten Plage befreit worden, durch — den persönlichen Muth der Juden. (Diese Zuschrift ist uns von Herrn Loew, Chef-Redacteur der „Oestlichen Korrespondenz" in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt worden.) London. Die jüd. Bevölkerung von London ist bekanntlich noch nicht ziffermäßig genau festgestellt, weil die officiellen Volkszählungen in früherer Zeit keine Rubrik für Religion hatten, die Ergebnisse der letzten Volkszählungen aber, welche zum ersten Male diese Rubrik berücksichtigte, noch nicht bekannt sind. Die jüdische Gemeinde ist somit auf aproximative Schätzungen angewiesen. Eine Zuschrift von Mr. Samuel Montagu M. P. an die Times ist in dieser Richtung von Interesse, zumal da dieselbe mit Bezug auf die jüngste Einwanderungs-Debatte an die Times gerichtet wurde. Die Zuschrift lautet: „Die officiellen Ausweise der sechs jüdischen Begräbnisgesellschaften in London ergeben für das Jahr 1892 die ungewöhnlich hohe Totalsumme 1615 Begräbnisse, was nach dem Verhältnisse von 20 zu 1000, . eine Bevölkerung von englischen und fremden Juden — Männer, Frauen, Kinder, Reiche und Arme — von im Ganzen 80.750 Seelen ergibt. Unter den Begräbnissen betrafen 706 solche Fremde, welche weniger als 10 Jahre sich in London aufhielten Wenn wir für die Sterblichkeit dieser armen Leute nach der Berhältnisziffer für Whiteshapel (25 zu 1000) rechne >, so wären 28.240 Fremde jüdischen Glaubens in ärmlichen Verhältnissen. Das wäre das Maximum der Schätzung, weil dieselbe auch Kinder der Fremden umfaßt, welche in den letzten 10 Jahren in London geboren wurden, ebenso die Begräbnisse der in Spitälern Gestorbenen, von welchen viele aus der Provinz kamen, um sich in London behandeln zu lassen. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch Israelitische Union) Samstag, den 4. März 1893 findet um 7y2 Uhr Abends im Restaurant Khuner I., Schottenring 19 eine Vereins-Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Reichsraths-Abgeordneten Carl Wrabetz über die: „Reform der Gewerbe-Ordnung". 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Sonntag, den 5. März, 2 Uhr Nachmittags findet im ifrael. Tempel der Leopoldstadt die Trauung des Herrn Adolf Knvpsimacher, Sohn des Buchdruckereibesitzers Herrn M. Knöpflmacher, mit Frl. Camilla Weiner, Tochter des Herrn Alois Weiner, statt. Wien. Sonntag, den 26. d. M. verschied der hier II., Circnsgafse 10 wohnhaft gewesene ehemalige Cafetier Herr Jg. M. Pollatschet im Alter von 70 Jahren nach kurzem Leiden, derselbe wurde von aller: Bekannten als hochiutelligenter Mann geehrt und geschätzt. Im Frühjahr 1891 faßte er ans seltener väterlicher Liede den Entschluß, seine in Amerika rvohrrenden Kinder und Enkel zu besuchen und kehrte er voriges Jahr — von dem Wunsche beseelt „nicht auf fremdem Boden zu sterben" wieder gesund und wohlbehalten zu seinen in Wien wohnenden Kindern zurück, wo ihn der unerbittliche Tod nach 4tägigem Krankenlager erlöste: möge ihm die Erde leicht sein. „Friede feiner Asche". Wien, 28. Februar. (Todesfalls Gestern Nach mittags ist hier nach mehrwöchentlichem schweren Leiden Frau Marie Khuner, die Besitzerin der bekannten Reftanration M. und L. Khuner, Schottenring 19, im 66. Lebensjahre gestorben. Die alte Frau, die sich bis zu ihrer Erkrankung voller Rüstigkeit erfreute und die im Geschäfte rastlos thätig war, ist in ihrem ausgebreiteten Bekanntenkreise als das Muster einer fleißigen, bescheidenen Wirthin beliebt und geschätzt gewesen. Eine ihrer Töchter ist die Opernsängerin Henriette Khuner. Wien. (F a n n i B r ü ch.) Unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung fand am 20. d. M. d^e Bestattung der in allen Kreisen angesehenen Frau Fanni Brüch, der Mutter der beiden hiesigen Advokaten gleichen Namens statt. Die /,O österreichische Wochenschrift" zählt die Verblichene seit Bestehen dieses Blattes zu ihren treuesten Anhängern und der Herausgeber dieses Blattes erhielt noch zur Zeit seiner Wirksamkeit in Floridsdorf anläßlich der Rohlingcampagne von der nunmehr Entschlafenen wiederholte Zeichen der Anerkennung, ohne daß diese brave Frau sich jemals mit ihrem Namen vorgedrüngt hatte. Ebenso namenlos übte die Verstorbene zahllose Wohlthaten und wieder war es die Österreichische Wochenschrift, aus. der sie sich die Directiven für ihre gerne anonym und mit der Regelmäßigkeit einer Pension geschenkten Almosen holte. Es blieb nie ein in diesen Blättern Empfohlener unbeschenkt und unter den den trauerndHinterbliebenen zugckommenenBeileidsbezeugungen, die bald die Ziffer von 1000 erreichen, finden sich neben den Condolenzen hoher weltlicher und katholisch-geistlicher Würdenträger, auch solche militärischer Excellenzen und des hohen Adels, herzzerreißende Beileidsbezeugungen blinder und. erwerbsunfähiger, sogenannter Hausarmer, die seit Jahren monatliche Unterstützungen von der Verblichenen. bezogen. Das Bild der Verstorbenen erinnert an die Gestalten Oppenheims, des bekannten Malers jüdischen Familienlebens und ihr Character an Susanne Scherr, geb. Kubler, der ihr Gatte, Johannes Scherr, in der Gartenlaube seinerzeit ein unvergängliches Denkmal setzte. Sie entsproß der wohlhabenden mährischen Familie Frankl, deren letzte Ausläufer noch heute in ihrem Ge burtsorte Bisenz unter der Firma Jos. Frankl & Bruder existiren und war mit einem Sproß der ebenfalls seinerzeit sehr begüterten Familie Brüch vermählt, dessen Familie Aufzeichnungen