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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-17 · 7 (17.2.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 128 Orsterrerchifche Wochrnfchrist Nr. 7 Jokel kam zurück. Er hatte sich die Sache anders überlegt, er wollte früher erst den Rabbiner fragen, was er Ihnen solle. Ohnehin könnte er ja jetzt in der Nacht beim herrschaftlichen Verwalter nicht Vorkommen. Er würde aber sofort auf dem Rückweg zum Rabbiner gegangen fein, wenn ihm nicht eingefallen wäre, daß das Kind Hunger haben könnte. Er hatte von einem Nachbar ein Töpfchen geborgt und brachte jetzt etwas Milch und ein Weißbrödchen nach Hause. „Aber wie wirst Du das dem Kinde beibringen?" „Dafür laß nur mich sorgen; ich Hab'Dir hundertmal die Mutter gemacht." „Jokel Schuster tauchte die Krume in die Milch, ließ sie sich vollsaugen, schöpfte sie mit einem Caffeelöffel heraus, drückte den Brei an den Rändern fest und trat an das Kopfende des Bettchens. Koppele sperrte die Augen weit auf und kauerte auf der anderen Seite wieder nieder mit der Kerze in der Hand. Der Alte bückte sich und erhob die Arme über den Kopf des Kindes, näherte den Löffel leise, leise drückte er das Brod sanft mit seinem Zeigefinger, mit zusammengepreßten Lippen den Athem zurückhaltend. Seine Brillengläser leuchteten und blitzten im Schein der Kerze. Jetzt fielen zwei Tropfen Milch herab und glänzten wie Perlen auf dem Erdbeermündchen des Kindes, welches die frische Süße merkend, die Augen öffnete, die Lippen spitzte und zu saugen begann. „Es sangt! es s . . . ." Koppele, vor Freude außer sich, wollte einen Jubelschrei ausstoßen, aber ein majestälischer Blick des Alten über die Brillengläser hinweg, hielt ihn zurück. Das war keine Zeit, Lärm zu machen. Die Probe ward wiederholt, und es schien den beiden gutherzigen Menschen, daß der Kleine fast lächelte. Jokel blinzelte dem Sohne zu und Koppele sprang im Ergüße so großen Glückes in die Höhe. Zufrieden von diesem Nachtmahl, schloß das Kind die Augen und schlief ein. Seine Bäckchen rötheten sich, der Athem wurde hörbarer. Beide traten auf den Zehen vom Bettchen weg. Der Vater nahm wieder den Hut und ging aus dem Zimmer. Er mußte heute noch Gewißheit über das Schicksal des Kindes vom Rabbiner holen. Koppele versteckte das Licht hinter dem Ofen und setzte sich auf eine Kiste an der Wand, die Ellbogen auf den Knien, das Gesicht zwischen den Händen, seinen Gedanken freien Lauf lassend. Eine Stunde darauf war das Bet-din beim Rabbiner versammelt und berieth über den Fall. Man kam zu dem Beschlüsse, der Behörde keine Anzeige zu machen, weil es doch auf kein Bilbel abgesehen gewesen sein könne, denn in einem solchen Falle tödtcn die Reschoim das Kind zuerst, bevor sie es in ein Judenhaus werfen. Es k-nn nur eine bei den Gojim gewöhnliche Kindesweglegung sein, und wenn man den Fall zur behördlichen Anzeige brächte und die Behörde Nachforschungen halten würde, könnte daraus ein Scandal entstehen, von dem erst ein Racheact zu befürchten wäre. Jokel Schuster solle das Kind behalten und es auf Kosten der Gemeinde erziehen; er dürfe es aber nicht in den Bund Abrahams aufnehmen und ihm später auch keinen jüdischen Religionsunterricht geben lassen, bis der Knabe fünfzehn Jahre alt ist, ihm das Geheimniß seiner Geburt offenbart und die freie Religionswahl gelaffen wird. „Nimza" soll er heißen, um die Bereitschaft zu seiner Rückgabe auszudrücken, wenn sich inzwischen seine Angehörigen einstellen sollten. Jokel nahm den Bescheid des Bet-din wie einen Schicksalsspruch auf, kehrte aber doch nicht ohne ein Gefühl von Unruhe und Furcht heim. Koppele vernahm mit inniger Freude den Spruch des Bet-din. Vater und Sohn wetteiferten nun in Zärtlichkeiten gegen das Kind. Rachele wurde in das Geheimniß eingeweiht. Sie machte mehrere Mal des Tages einen „Sprung" zu dem Schuster und half hier in der Pflege des Kindes aus. Nach einigen Monaten ward sie die Frau Koppeles. Nimza gedieh. Er wurde ein prächtiger Junge und galt als Enkl Jokel Schusters. Am fünfzehnten Jahrestag seiner Auffindung wurde ihm das Geheimniß feiner Geburt mitgetheilt. Er wollte aber auch fernerhin kein anderer als der Sohn Koppeles sein, ließ sich in den Bund Abrahams aufnehmen, und begann jüdisch zu lernen, worin er solche riesige Fortschritte machte, daß er bereits zu zwanzig Jahren ein guter Bachor war. Er heirathete aus einer ansehnlichen Familie und Reb Nimza ward ein „schöner Balbos." Wochenkalender. Adar 5653. — Feber 1893. Freitag 1 Rosch chodesch 17 E. d. N. 6>> 2'3w Samstag 2 nenn 18 Therumah Sonntag 3 19 Montag 4 20 Dienstag 5 21 Mittwoch 6 22 Donnerstag 7 23 Freitag 8 24 Briefkasten. A. F. in Kl. Die Gutachten werden Ihnen von Berlin aus zugehen. Eine Deputation an den Ministerpräsidenten als Minister des Innern rst in dieser Angelegenbeit wohl am Plaste und dürfte sich empfehlen. " S. I. in Mtstelbach. Eilf Monate und einen Tag. - cm??*. A*"ob Spitzel in Rabka. Wir bestätigen Ihnen, daß Sie Mediziner und nicht Rabbiner sind, wie in Nr. 2 der „Oesterr Wochenschrift" irr 1 hümlich angegeben war. rw?* dendetz in Wittkowitz. Wir sind nicht informirt genug, Ihnen die gewünschten Auskünfte zu ertheilen. grmi Für Bräute! Als leistungsfähigste, altrenommirte, anerkannt solideste Firma für MÖBEL Wohnungs - 1.1. empfiehlt sich die Möbelfabrik Heinrich Bäck vormals A. BREZINA’S Nachfolger Wien, VII. Bezirk, Mariahilferstrasse Nr. 74a vis-a-vis Hotel Kammer und englischer Hof. Erlaube mir auf meine zur Besichtigung aufgestellten, praktisch eingerichteten Zimmer-Interieurs welche stets das Neueste im Barock- und Renaissancestyl enthalten besonders aufmerksam zu machen. Uebernahme sämmtlicher Tapezierer- und Decorationsarbeiten, sowie Vorzimmer und Küchenmöbel. Kostenvoranschläge gratis. Prima- Referenzen über bereits gelieferte Ausstattungen nach allen Theilen der Monarchie stehen zur Verfügung. Auf zum Glück! 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