Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 5 Oesterreichisüzr Wochenschrift Seite 9 t Schläfen, die vorgeschrieben waren, und er strich sie hinter die Ohren. Mit dieser Metamorphose noch nicht genug, saß er einmal die ganze Nacht hindurch und hantirte mit Nadel und Scheere, um seinen Rock und seine Hose zu kürzen und zu verengen. Er wurde allerdings, als er am anderen Tage so stutzermäßig zum Schiur kam, ausgelacht, aber er hatte die innere Befriedigung, sich .jetzt sogar im Aupark sehen lassen zu fi'men, was kein anderer Bacher wagen durfte. Und auch diese Veränderungen an fe! rem Aeußerm genügten ihm noch nicht, wie mit dem Essin erst der Appetit wächst. Er nähte sich auch lederne Struppen an die Unaussprech lichen, damit sie strammer saßen und steckte den Hals in hohe Vatermörder, die damals Mode waren. So weit ging jedoch die Toleranz nicht mehr. Haschel wurde aus der Jeschiwah ausgestoßen. Er wurde nun ein vollendeter Geck und ging aus Eroberungen unter den Töchtern der Gasse aus, denen damals wie heute ein dummer Modejunge besser als der größte Denker gefiel, der sich nicht zu kleiden versteht. Und er machte in der That eine solche Eroberung, bei einem Mädchen, das nicht nur schön war, sondern auch die charmante Eigenschaft besaß, reich zu sein. Für Haschel hing der Himmel voller Geige", als er diese Entdeckung machte, und weil er wu>,1e, daß er diese Eroberung nur seinem Genie, sich zu kleiden, zu verdanken habe, verwen dete er jetzt nur noch mehr Sorgfalt auf sein Aerrßeres, besonde ' a!'s seine Vatermörder, die immer tadellos sein mußten. Er hat e seine Stube zu einem förmlichen Kleider-Reinigungs-Atelier gemacht, wo er die ganze Nacht bürstete, wusch und plättete. Als jedoch der Vater des Mädchens, ein ernster practischer Mann, von der Neigung seiner Tochter zu Haschel erfuhr, erklärte er ihr kurz und bündig, daß er einen solchen Gecken niemals zu seinem Schwiegersöhne machen werde. Wer so viel auf sein Aeußeres gebe, tauge zu gar nichts. Das Mädchen ging zwar nicht sofort iu die väterliche Erklärung ein und setzte noch eine zeitlang die Liebschaft mit Haschel heimlich fort. Viele, die ihr die Elt'.rn vorstellten, wurden von ihr abgewiesen, bis endlich ein schöner ernster Mann erschien, der ihr begreiflich machte, daß der männliche Charakter nicht im geckeuhasten Auftreten liege. Sie verachtete nun Haschel und brach mit ihm. Und von da an datirt seine Narrheit. Um die Verlorene wieder zurückzuerobern, oder eine andere zu kapern, verfiel er in seiner Geckenhaftigkeit in lächerliche Exzentrizitäten, bis er eines Tages in einem Aufzuge in der Gasse erschien, daß ihm alle Kinder nachliefen und das erste Mal das schicksalsschwere Wort: „Meschuge Haschel!" johlten. Wehe, wem einmal in der Gasse dieses Prädikat offen beigelegt wird! Nun löste man jede gesellschaftliche Verbindung mit ihm. Vereinsamt und verlassen lebte er sich in seinen Wahn hinein, wie er geht, müsse zur Mode werden, bis er ganz stumpfsinnig gegen die Außenwelt wurde. Zwischen Haschel und Hendele bestand eine gewisse Theilnahme. Wenn sie sich in der Gasse begegneten, blieben sie stehen; er gab ihr einige bunte Lappen, die ihr Lieblingsgegenstand waren und von denen sie immer einen vollen Bündel mit sich schleppte, und sie gab ihm wieder einige alte Halskragen, die si im Kehricht aufgelesen hatte. Hendele war religiös. Man sah sie niemals an Sabbat¬ oder Feiertagen mit ihrem Fetzenbündel durch die Gasse streifen; Haschel war es nicht; selbst vom Jom-Kippur wußte er nichts mehr und man mußte ihn an diesem Tage einsperren, daß er ihn nicht öffentlich verletze. Hendele war viel älter als Haschel und er überlebte sie lange Jahre. Haschel war der letzte Narr der Preßburger Gasse. Die freiere Bewegung in derselben in der Neuzeit gibt den weitesten Spielraum für die verschiedensten Narretheien, daß nicht gleich zum vollendeten Narren werden muß, wer von der Schablone abweicht. Wenn der Geist Meschuge Haschel's heute auf die Preßburger Gaffe herab sähe, er würde staunen, wie viele jetzt dort herumgehen und als Cavaliere gelten, die weiter sind, als er damals war, da man ihm das erste Mal zugerufen: „Meschuge Haschel!" Ein Gebet Ivfef's II. Graf Carl Zay, der ehemalige General-Jnspectvr der evangelischen Kirche Augsburger Consession in Ungarn, stellt der „päpstlichen Eucyklica" ein Gebet des „Elsers" Josef II. entgegen, in welchem es unter Andern heißt. „Ewiges unbegreifliches Wesen! Du bist nur Geduld und Liebe, Deine Souue wirst ihre Strahlen auf den Christen, wie ar.f den Gottesleugner: der befruchtende Regen näßt die Felder der Verirrten, wie der Gläubigen und der Keim jeder Tugend ist auch in dem Herzen der Heiden und Ketzer. Du lehrst auch mich, daß die Verschiedenheit der Meinungen Dich nicht abhalten kann, der wohlthätige Vater aller Menschen zu sein. Und ich, Dein Geschöpf, sollte weniger duldsam sein, sollte nicht gestatten, daß jeder meiner Unterthanen Dich nach feimr Art an bete? Ich sollte Diejenigen verfolgen und mit dem Schwerte bekehren, die anders denken als ich? Nein! Ich will duldsam sein gegen Alle. Jeder bete Dich, ewiges Wesen, an in seiner Art, die er für die beste hält. — Ich weiß es, daß ich großen Widerstand finden wer!'?, und daß dieser zumeist von Jenen ausgehen wird, welche die Verkünder Deines heiligen Wortes sind. Verlasse mich nicht mit Deiner Macht, stärke mich mit Deiner Liebe, Du ewiges, unnahbares Wesen, damit ich diesen Widerstand glücklich überwinden und das Gesetz meines göttlichen Lehrers befolgen könne, welches nichts Anderes gebietet, als: Duldsamkeit und Liebe." Definition. Ein Scheusal, das dem Höllengeist gedieh' Im tollsten Wuthausbruch der Phantasie; Ein Ding, das unerschöpflich Haß und Neid, Gestank und Dreck dem Tag in's Antlitz speit — Halb Kannibale und halb Jesuit — Die Mißgeburt, sie heißt: Antisemit! Heinrich Swoboda, Reichsraths-Abgeordneter. Wochenkalender. Schewat 5653. — Feber 1893. Freitag i 17! Samstag 18| 'W ji 4 II r> Sonntag 19! Montag 2°; 6 Dienstag 21 j [! 7 ii 4 Mittwoch 22! i 8 Donnerstag 23! 9 Freitag 24 1 10 1 il 1 Briefkasten. A. B. in L. Wir haben leider keinen Raum. Josef Feldstein. Jicin. 1. Die Ziehung hat am 28. December v I. stattgefunden. Die Ziehungslisten wurden um den Preis von 10 kr beim Comite, Wien, II., Antonsgasse 3, aus Verlangen ausgegeoen. 2. „Josefs bedeutet „Mehrer". 3. Das Zuschlägen eines Gefäßes soll dem Uebermatz der Freude eine Grenze setzen und an die Zerstörung Jerusalems erinnern. F. Rindl in M.-Weißkirche». Von Nummer 3, Jahrgang 1892 besitzen wir leider kein anderes Exemplar. Adolf Roth in M.-Ostrau. Loos Nr. 10.149 wurde nicht gezogen. Wien, 29. Jänner 1883. Hochgeehrter Redacteur! In meinem Aufsatze „Ein judenfreundliches Drama" haben sich einige sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen, welche ich in der nächsten Stummer gefälligst zu berichtigen bitte: Statt corrigirt (Seite 60, Spalte 1, Zeile 17 von unten) lies: karrikirt; statt Verhältnisse (Seite 60, Spalte 1, Zeile 14 von unten) lies' Vortheile; statt 40 (Seite 59, Spalte 1. Zeile 31 von unten) lies: 4°. Hochachtungsvoll M. L.