Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 3 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Wien, 20. Kanner L8S3. ♦ fl * 1 Jahrgang. ♦ Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. K. k. PostsPsrrsstrnsmt ■; Clraringvrrkrhr Nr. 810.976. Redartion und Administration: > W i r n I. Fr an; Jvsrss-Duai Nr. 3.! Telephon-Nr. 6535. ji -#- Eigrnthümrr: Reichsralhs-Adgeordneter Dr. KLoch. -- Erscheint jeden Freitag. Man adonnirt bei allen Postanfialtrn des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petttzeile 12 kr. «l r-m— -—j Inhalt: Leitarti kel: Daran das Deutschlhum und. hinten die Unzucht. — Antisemitische Moral. — Arischer und semitischer Geist. — Ein christlicher Staatsmann in China über den Antisemitismus. — Lesefrüchte. — Correspondenzen: Wien, Budapest, Nikolsburg, Graz, Holleschau, Stanislau, Breslau, Dels i. Schl, Main;, Paris, Jerusalem. — Vermischtes: Wien Reichenberg, Lundenburg, Trebitsch, Czernowitz, Podgorze, Verona. Tcnger. — Feuilleton: Die narrische Jüdin. — Der Spiegel der Zeit. —'Wochenkalender. —. Briefkasten. — Inserate. „Voran das Deulschthum und hinten die Anzucht". „Vaterland" vom 2. Mai 1886. Bei einigem Nachdenken kann man zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Landschaften Steiermarks und Kärntens ihren vollen Reiz ausüben würden, die Berge genau so hoch, die Thäler genau so grün wären, Lodenrock, rothe Weste, grüne Hosenträger denselben kleidsamen Eindruck machen müßten, auch wenn man es nicht versucht hätte, den Antisemitismus in die einsamsten Thäler zu tragen, auch wenn man den Bewohnern des Hochgebirges, bei denen der Gedanke eng, der Glaube weit ist, die Conflicte erspart hätte, welche das deutschnationale Programm in Bezug auf Vaterlandsliebe und dynastische Treue zu erzeugen geeignet ist. Die Deutschnationalen dachten, daß der Steirer nicht nur beim Züherschlagen (Zither ist leider ein Wort hebräischen Ursprungs: Kiner, Kither) und beim Raufen (Raufen klingt auch in's Hebräische: Rif, Rasah: Streit, streiten) seinen Mann stellen müsse, sondern daß es sein Beruf sei, auch den journalistischen Kampspreis zu erringen. Der Rede H osmannv von Wellenhof — der große Mann ist noch lange nicht genug gewürdigt — ist es zu danken, daß neben Gemsbart, Auerhahnfeder und Edelweiß, auch die Embleme der Journalistik auf dem steirischen Hut Platz gesunden haben. Zur Beschämung der „Times" und der großen Journale in den Hauptstädten beider Continente, wurde das „ Ärazer Tagblatt" geschaffen, welches namentlich in der Schächtersrage schon Erhebliches geleistet hat. Mit Dr. Steinwender, Bareuther, Hosmann von Wellenhofen u. s. w. stimmen wir darin überein, daß die antisemitischen Zeitungsproducte, namentlich aus dem Wiener Boden, bisher nicht allen Erwartungen entsprochen haben. Es ist ihnen noch nicht gelungen, einen Scandal mit der gehörigen Wirkung in Scene zu setzen. Daher haben Steinwender, Bareuther und die anderen Deutschnationalen derselben Couleur einen Verein unter dem Namen „Deutsche Presse" gegründet und während „Volksblatt'- und „Vaterland" in Wien sich um die Abonnenten streiten, hat der genannte Verein beschlossen, nach dem Muster des „Grazer Tagblatt" zum Schrecken der Wiener Kaffehäuser eine neue Zeitung in Wien ins Leben zu rufen. Der Geier von den Ufern der Mur wird die Geier an den Ufern der Donau und Wien in ihrem Mahle stören, das „Deutsche Volksblatt" zittert, wie der Schmutzgeier, wenn der Habichtsgeier oder der Gänsegeier aus der Höhe sich niederläßt. Jedenfalls ist es höchste Zeit, daß Steinwender, Bareuther, Hofmann von Wellenhof u. s. w. diesen wackeren Entschluß gefaßt haben. Erst dachten wir, daß es Ausgabe des neuen Journals sein werde, einen Ausgleich zwischen Dr. Steinwender einerseits und Dr. Lueger, Fürst Liechtenstein und Schneider andererseits herbeizuführen. Die christlich-socialen Antisemiten trennen sich von der österreichischen Cocarde, die sie äußerlich tragen und die Deutschnationalen geben die Fortschritts- und Freiheitswürde preis, die sie auch nur äußerlich tragen und der Ausgleich zwischen beiden Parteien wäre gemacht, wenn eben nicht jeder Löwe das Kameel ganz für sich allein haben wollte. Aber man muß auch höhere Gesichtspunkte ins Auge saffen. Ist denn der Eriola D.nmonts.nicht geeignet, dr-t zu wecken? Sollen solche Winke der Zeit'in Oesterreich ganz unveistanden bleiben? Was legt ihr die Hände feig in den Schoß? Habt ihr nicht den Herkules, der den Jnseratenstall ausmistet, habt ihr nicht den Hofmann von Wellenhof? Und also that er den Mund auf und sprach zu den biedern Genossen: „In der Schlacht eilt ihr voran, ich werde den Nachtrab bekämpfen. Dort wo die Nahrung liegt für das Heer und Speise für die hungrigen Krieger, dort ist mein Platz sittliche Pflichten zu üben. Aus dem Troß scheuche ich die Dirnen und die habsüchtigen Marketender, welche mit jüdischem Trug das Geld aus der Tasche mir locken. In den Inseraten bin ich Herr und Keiner verficht sie zu lesen, wie ich, mit solchem Geiste und Scharfsinn." Der Grazer „Volksvertreter" gab nun jene seine Gelehrsamkeit auf dem Gebiete des Jnseratenwesens zum Besten, mit welcher er bereits einmal im österreichischen Parlament glänzte, er durchmusterte alle „Judenblätter" von Wien und der Provinz und gelangte zu dem Re, ultat, daß ihr „Hintertheil" nicht säuberlich sei. Er erinnerte sich wohl auch an das Spielzeug der Nähmaschine, das er einstens um fünf Gulden erworben habe, des Glaubens, daß er um diesen Preis eine ernste Nähmaschine erhalten. „Das sind doch leere Versprechungen, da regiert der Betrug. Wie ganz Anders, unsere deutschnationalen christlichgermanischen Inserate. Das ist Alles echt und treu, was verheißen wird, erfährt Erfüllung!" So sprach Herr Wellenhof zum Preise seines ureigensten Leibjournals, des „Grazer Tagblattes," dessen „Ankündigung" der Volksmann von Cilli durchmusterte. „Das lasse ich mir gefallen", rief Dr. Steinwender, „das ist doch ein Inserat; in allen Ehren Herr Hoffman von Wellenhos". Die ganze Brüderschaft der „Deutschen Presse" steckte neugierig die Köpfe zusammen. Die ganze deutschnationale Mission war für einige Minuten verabschiedet; man dachte nur c.n das Carnevalsabenteuer. Im Organ des Herrn Hoffmann v. Wellenhof, im Musterblatt der deutschen Presse, im „Grazer Tagblatt" war am Freitag unter der Rubrik „Correspondenz" die folgende „Einladung" zu lesen: