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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-13 · 2 (13.1.1893) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
2 (13.1.1893)
Date
1893-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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X. IaHrgülttg. W. 2 Wien, 13. Jänner l833. Crntralorgan für die grsammten Interessen des Iudenthums. A. k. Postsxarcastrnamr Llraringvrrkrhr Nr. 810.976. Ledsrtion und Administration: Wirn I. Frsrix Jofrfs-Nusi Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. *- ~ * ---- -#-:- Eigenthürner: Rerchsrnths-Avgeordnrter Dr. Kloch. -- Erscheint jeden Freitag. Man avonnirt bei allen Postanfialten des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. §Anzeig:n: Die 4mal gespaltete Petitzeile 13 kr. Inhalt: Leitartikel: Zur Krise im Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung. — Pan Berganim und Genossen über die „Lesterreichische Wochenschrift." — Seine und Spree. — „Mitlheilungen" des Abwehr-Vereines in Berlin. — Auch Einer. — Corresp ondenzen: Wien, Lundenburg, Krakau, Brünn, Lomnitz, Ung.-Brod, Berlin, Darmstadt, Straßburg, Glogau, Hannover, Moskau, Alexandrien. — Vermischtes: Wien, Wien-Mariahilf, Budapest, Tarnopol, kanten, Rom, Bukarest, Jerusalem. — Feililleton: Die Wienerin.— Freiheit, Liebe und Menschlichkeit. — Literatur. — Woi^enkalender. — Briefkasten. — Inserate. Zur Krise im Curatorium der Baron Hirsch-Stiflung. : Lemberg, 9. Jänner 1893. ' „Hände weg, Ihr Wiener Börsenjobber!", so kreischte die talmipolnische Meute der seither von der Bildfläche verschwundenen ^8uäas-I.lrum-Jungen vor einigen Jahren, als die Baron Hirsch-Stiftung in Sicht kam. „Hände weg, Ihr Wiener Börsenjobber, in deren unfeinen Händen die Millionenstiftung zu einem verhängnißvollen j trojanischen Pferde werden wird, welches Messer und Schwert - in seinen Eingeweiden für da-Z—arrnc gcrlizische Land birgt" - -so und in ähnlichen Variationen denuncirten seinerzeit in den polnischen Blättern die dünnen und dicken ^AnäLs-^ünm-Helden jene „jüdischen Polen", die es stets verstanden haben, das Klappern der eigenen Mühle für die Harmonie der Sphären auszugeben, und die dem scharfblickenden Baron Hirsch nicht verzeihen konnten, daß er die Verwaltung seiner hochherzigen galizischen Stiftung einem Curatorium in Wien übertragen. Der Verlockung, die Geschichte der Stiftung seit dem Erscheinen jener Zeitungsartikel bis auf den jetzigen Moment, da sie sich wieder in voller Krisis zu befinden scheint näher zu geigeit, sei für diesmal ausgewichen, nur die Thatsache muß constatirt werden, daß die Besorgnisse dieses geheuchelten Chauvinismus leider als grundlos sich erwiesen. Das Curatorium schien nur dem Namen nach zu existiren, seine galizischen Organe, im Grunde blos blinde Werkzeuge jener terroristischen Hetzer, hatten freiesten Spielraum und wirthschafteten so trefflich, daß die allgemeine Entrüstung, welche durch die galizische Judenschaft zieht, bereits zu einer verhängnißvollen Krisis in der obersten Leitung geführt hat. Das Geschick hat sich rascher erfüllt als der verbissenste Pessimist gedacht. Ja „die Todten reiten schnell"! Es konnte nicht anders kommen! Die offenen Renegaten, die jeder nur Halbwegs volkstreüe Jude aus tiefster Seele verachtete, wurden mit der Mission betraut, das festgewurzelte Mißtrauen einer orthodoxen, schulfeindlichen Bevölkerung zu überwinden! Ja die in fremdem, nichtjüdischem Dienste stehenden ^Auäas-^Lum-Söldlinge, welche in ihrem jämmerlichen, bereits untergegangenen Organe das Judenthum schmachvoll mißhandelten, weil es von nichtjüdischer Seite für ihre judenfeindlichen Expectorationen subventionirt wurde, diese Söldlinge sollten geeignete Pionnire zur Verbreitung der Cultur unter den Massen der orthodoxen Juden in Galizien abgeben können! Das könnte — so dachte man hier allenthalben — nicht einmal das dem Getriebe des galizischen Parteilebens fern stehende Curatorium glauben und um so weniger als Sie selbst, Herr Redacteur, vom ersten Augenblick an in diesen Blättern, mannhaft für die Sache der Stiftung eintretend, die laute Stimme bei Bildung des Executiv-Comites und der Bureaux erhoben! Die' „Oesterr. Wochenschrift" hat von Anfang an alle Fehler, welche man in Galizien zu machen im Begriffe war, zur - Kenntniß des Curatoriums gebracht, hier wurden die dann wirklich eingetretenen Consequeuzen vorausgesagt; aber es hals nichts. In diesem Blatte wurde mit eindringlichster Ueberzeugung wochenlang gewarnt vor dem Znlassen der Agitatoren der zertrümmerten ^Amlas-^ünm-Partei zu dem heiligen Dienste der Stiftung; unablässig gewarnt vor jener, von der allgemeinen Entrüstung weggesegten Clique, deren Apostel das Judenthum insolange nur versteckt verraten, als sie noch an der jüdischen Krippe fressen, es aber offen verleumden, sobald diese Krippe ihnen versagt; jener Partei, deren einstiger Präsident ein Mann wie Leopold Caro war, der Renegat, dessen giftige Begeiferung des Judenthums in allen antisemitischen Blättern Österreichs und Deutschlands nicht blos, sondern sogar in russischen Organen dieser Sorte zu lesen sind; die Warnung hals nichts. In der „Oesterr. Wochenschrift" wurden die verkehrten, für die künftige Existenz der Stiftung geradezu verhängnisvollen und dabei so fadenscheinigen Anträge der Executiv-Comites auf jener famosen Wiener Conserenz vom Februar v. I. zerfasert und deren Absurdität nachgewiesen; es nützte nichts. In diesem Blatte wurde an der Hand nackter Thatsachen gezeigt, wie der Chauvinismus — in unserem Falle eitle Mache — darauf ausgehe, alle gemäßigten Männer ans der Organisation der Stiftung gewaltsam hinauszudrängen und sie durch extreme, in dem verflossenen Agudas-Akum-Berein erzogene, von den Conservativen grimmig gehaßte Renegaten zu ersetzen; wurde der Vernichtungskampf aufgedeckt, den die Agudas-Akum-Helden unter dem Scheine des Patriotismus, der allen Denunciationen als Deckniantel dienen muß, gegen den hebräischen Unterricht und gegen die besten Lehrer dieses Faches zu führen begonnen, wurden aus alle Fehler, die man hinsichtlich der Schule oder des im kläglichsten Zustande befindlichen Kindergartens in Stryj zu machen im Begriffe war, aufmerksam gemacht; umsonst, es half nichts. Wenn man die angeführten Aufsätze der „Oesterr. Wochenschrift" aufschlägt, findet man, daß alle Ankündigungen dieses Blattes buchstäblich sich erfüllt haben. Wir haben uns gewundert, daß man auf diese wiederholten eindringlichen Warnungen so geringes Gewicht gelegt. Die „Oesterr. Wochenschrift" hat, als es sich um die Bildung des Executiv-Comite's handelte, gegen die Wahl von nur durch agitatorische Thätigkeit zur Geltung gelaugten Personen entschieden Stellung genommen, im vollsten Einklänge mit den Wünschen des Landes, welches Politik und Politiker von der Stiftung ferngehalten wissen will, aber auch hier geschah leider das Gegentheil: Die Hauptmacher der Stiftung sind hier die Politiker, oder praktischer gesagt, die politischen Agitatoren! Heute stehen wir bereits vor einer schweren Krisir, die durch den Conflict zwischen den beiden Präfidialmitgliedern, Arnold von Rap o Port und Sectionschef von Gniewosz eingeleitet, von Tag zu Tag immer weitere Dimensionen anzunehmen droht. An Dr. Rapoport, dem überragende Welt-, Menschen- und Sachkenntniß nicht abzustreiten ist, rächt sich seine Bertrauensseeligkeit, er

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