Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1 (6.1.1893)
- Date
- 1893-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ar. 1 Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthums. Wir», 6. Aäimer I8S3 X. Iahrgaug Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthums msm -#- Eigentümer: Reichsralhs-Abgeor-nrter Dr. Kloch. -- C(£Tf Erscheint jeden Freitag. Inhalt: Leitartikel: Das Programm. — Der Drei-Gulden-Chrck. — Tlrische Wucherbuden. — Das argentinische Colonisationswerk. — Eine Frage. — Die Generalversammlung des israelitischen Tempelvereins fiir Mariahils und Neubau. — Eingesendet. — Synagogen chor und Orgel. — Correspondenzen: Wien, Lundenburg, Wodnian, Budapest, Berlin, München, Posen, Hannover, Leipzig, Hamburg,Magdeburg, Paris,London, Odessa. — Vermischtes:Wien,Floridsdorf,Brünn.Preßt»urg, Troppau, Czernowitz,Prerau, Chlumetz, Kolomea, Posen, Amsterdam, Pisa, Mailand, Paris, London, Petersburg, Odessa. — Feuilleton: Das Höchste. — Freiheit, Liebe, Menschlichkeit. — Alte Literatur im neuen Gewände. — Wochenkalende r. — Briefkasten. — Inserate. «= K. k. Postsxsrcassrnamt Clrsringvrrkrhr Nr. 810.976. Redsrtion und Administration: Wien I. Ar an; Jpfefs-Nuai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. - -=» Pvfisnfisttrn des In- und AuLlsndes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petttzeile 12 kr. Das Programm. Wir wiederholen unsere vorwöchentliche Mahnung an die liberale Partei, bei den Verhandlungen mit der- Regierung diese auf eine energische Abwehr der antisemitischen Hetze schriftlich zu verpflichten, von der Erfüllung dieser Forderung ihre künftige Haltung zur Regierung und den Parteien der Rechten abhängig zu machen. Wenn ihr die Regierung hier willig entgegenkommt und zu energischen Maßnahmen sich entschließt, mit dem antiseniitischen Hexensabbath aufzuräumen, kann die Partei eines hohen Erfolges sich rühmen und sie feiert einen großen Triumph. Uebernimmt die Regierung die Verpflichtung, die antisemitische Meute mit einem Kehrbesen auszusegen, so liegt darin ein höherer Gewinn als in der Ernennung dreierliberaler Parteiminister. Ja für diese Aufgabe sind conservative Minister wirksamer als liberale Parteimänner und anstatt vie Mitglieder des Hohenwart-Elub als ketzerisch abzuweisen, sollte man vielmehr trachten, für den Kampf gegen die antisemitische Seelenpest alle Parteien gleichmäßig zu verpflichten. Ja die Vereinigung auch der clericalen und konservativen Männer im Kampfe gegen die widerwärtige Schaar des Prinzen Liechtenstein wird kein geringer Triumph sein gerade für die „judenliberal" geschmähte Partei. Diesen Triumph um kleinlicher persönlicher Aspirationen willen zu gefährden wäre mehr als ein Verbrechen, wäre ein verhängnißvoller politischer Fehler, würde den Anfang vom Ende dieser Partei einleiten. Der Liberalismus ist ein Programmpunkt dieser Partei, hat ihr Jahrzehnte hindurch Glanz und Ruhm verliehen, auf dieses Programm hin wurde sie gewählt, haben die fortschrittlichen Wähler ihr die Mandate anvertraut. Sollen die Anklagen der Gegner, daß der Liberalismus ihr nur ein heuchlerisches Spiel war, nicht eine verhängnißvolle Rechtfertigung erfahren, so muß sie diese ihr sich darbietende Gelegenheit mit aller Energie ergreifen, um den gefährlichsten Gegner des Liberalismus, die Soldknechte jeglicher Reaction lahmzulegen. Das soll und muß ihr mehr werth sein, als drei Ministersitze! Wenn sie sträflicherweise diese günstige Gelegenheit verabsäumt, erachtet sie es nicht als ihre Aufgabe^ie^ Franktireurs im Kriege gegen die Staatsgrundgesetze^'^Mr: ,•; r,; Thätigkeit setzen zu Helsen, und sie lehnt einen solchen von der Regierung. ihr gebotenen Friedenspreis aus Angst vor dem „Bundesgenossen" Steinwender ab, so weiden die fortschrittlichen Wähler dies als ein Bekenntnis ansehen müssen, welches ihnen bei den Wahlen ein neues Verhalten dictirt. Vor allem die jüdischen Wähler in gemischtsprachlichen Bezirken werden die Frage ernstlich erwägen, ob es sich des Martyriums für eine Partei lohnt, für welche die Lebensinteressen und die heiligsten Principien dieser Wähler ein solch' geringes Gewicht besitzen. --- Wir Juden in Oesterreich haben einen Rechtsanspruch an die liberale Partei, über unsere Lebensinteressen nicht zur Tagesordnung überzugehen, wir waren die hauptsächlichsten Bundesgenossen in der Kriegszeit, haben den Kampf führen helfen nicht bloß mit unseren materiellen und geistigen Mitteln, sondern wir waren die vornehmste Zielscheibe für die vergifteten Pfeile der Gegner und ihr Stahl drang tief ein in unser Fleisch. Wir bluten aus tausend Wunden, und wenn die liberale Partei, für welche allein wir geblutet haben, es verschmäht, vor Allem auf Heilung dieser Wunden bedacht zu sein, wenn sie ein Eartell zur Ausmerzung „der confessionellen und Rassenhetzer" durch ihr Verhalten zum Scheitern bringt, — dann werden die Juden für die Zukunft von dem politischen Schlachtfelde sich zurückzuziehen haben. Allein auch die Selbsterhaltung der Partei diktirt ihr die Pflicht, die endliche Ausscheidung der antisemitischen Wühler aus dem öffentlichen Leben zu bewirken. Diese Hetzpartei ist nicht blos ihre erbittertste, sondern auch ihre gefährlichste Feindin, die ihr jederzeit in den Rücken fällt, bereit, zu jeder Stunde ihren slavischen Gegnern Bundesdienste zu leisten. Selbst Herr Steinwender mit seinen Genossen haben, sich nie abhalten lassen, mit den Gegnern der deutschen Linken gemeinsame Sache zu machen. Diese Nur- und Trotz-Deutschen hat man im Parlamente nie gegen die Slaven oder Clericalen, sondern immer nur gegen die Deutschen kämpfen gesehen und wenn die ^Parteien der Rechten diese Felonie oft mit Nutzen in ihr po- /i^ches Calcul einbeziehen, so haben sie doch häusig genug in : t' - /.