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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-30 · 53 (30.12.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
53 (30.12.1892)
Date
1892-12-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 53 Vrsterreichifche Wochrnfchrifi Seite 963 Sympathien zu erringen wußte, die schmerzlichste Theilnahme hervorzurufen. An ihrem Sarge trauern neben ihrem Bruder, Herrn Leopold Eisenschitz, sämmtliche von ihr erzogenen Nichten und Neffen, die in geachteter socialer Stellung leben und von denen der jüngste, Dr. Guido Adler, Professor an der deutschen Universität in Prag ist. Ihr Andenken sei gesegnet! Dr. Unger. Randnitz. (Verlobung.) Frl. Bertha Weinberg, Tochter des Herrn Dr. H- Weinberg, hat sich mit Herrn Heinrich M e st i t z, Gesellschafter der Firma I. Mestitz u. Sohn, verlobt. Görz. (Jüdische Wohlthätigkeit.) Der bekannte Wohlthäter Girolamo Prister in Agram hat seiner Vaterstadt Gradiska fl. 1000 und der katholischen Gemeinde in Brabce den gleichen Betrag überwiesen. Aus den Zinsen sollen sechs arme Kinder alljährlich bekleidet werden. Her Ed. Priester, ein Schwager des genannten Wohlthäters. hat der katholischen Gemeinde in Fiomicello zur Renovirung der Kirche 10.000 fl. ohne Zinsen vorgestreckt. Stanislau. Frl. Clara Wittels, Tochter des Herrn Alexander Wittels, hat sich mit dem Arzt, Herrn Dr. Arnold Landau in Podhajce verlobt. Csakathurn. (G o l d e n e H o ch z e i t.) Am 25. d. Mfeiert Herr Moritz Neuwirth, 80 Jahre alt, mit seiner Gattin Lotty Neuwirth, 72 Jahre, das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise der sehr zahlreichen Anverwandten, Enkel und Urenkel, die von Nah und Fern herbeigeeilt waren, zu diesem Tage. Herr Moritz Neuwirth, zu Csakathurn geboren, und Frau Lotty Neuwirth erfreuen sich einer seltenen Rüstigkeit, so daß Herr Neuwirth in seinem schönen Alter sein Ehrenamt in der Sparkasse pflichttreu ausübt. An der Tafel nahmen nebst der zahlreichen Verwandten und Ortsfreunde, das Oberhaupt der Gemeinde Csakathurn, Herr Benedikt und Herr Lazar Pollak von der Gemeinde Alzo-Lendva theil. Brünn. (Wohlthätigkeitsact.) Die renommirte Großindustriellen-Firma Aron und Jacob Löw Beers Söhne hier, hat anläßlich des Hinscheidens ihres Gesellschafters Herrn Leopold Löw Beer, den Armen der Stadt Brünn den Betrag von 200 Gulden gewidmet. Brünn. (Ernennungen.) Der mährische Landesausschuß hat den Med. Dr. Herrn Friedrich Ter sch zum Districtsarzte in Klein-Mohrau und den Med. Dr. Heinrich Graf zum Districtsarzte in Paskau ernannt. Beide Aerzte, denen ein guter Ruf als Mediziner vorangeht, haben ihre Functionen bereits angetreten. Prag. Der isr. Krankenpflege-Verein (vereeb lesebara und Maskil el dol) beging gestern den hundertsten Jahrestag seiner Gründung. Aus diesem Anlasse wurde ein Jubiläumsbericht herausgegeben, dem Folgendes zu entnehmen ist: Der Verein trat im Jahre 1791 ins Leben und wirkte bis zum Jahre 1821 im Stillen. Im letzteren Jahre wurden seine Statuten behördlich bestätigt. Dieselben hatten der Gründer des Vereines Herr I. M. Moscheles mit dem damaligen Oberrabbiner Ezechiel Landau ausgearbeitet. Die Mitglieder des Vereines wollten sich nach den Bestimmungen der Statuten durch Einlagen und jährliche Leistungen sicherstellen, um in Krankheitsfällen ärztliche Hilfe und religiösen Beistand unentgeltlich zu erhalten, nicht als „Wohlthat, sondern als bedungenes Recht". Was die ärztliche Hilfe anbelangt, haben alle Chirurgen der israelitischen Gemeinde erklärt, dem Institute unentgeltlich dienen zu wollen. Für den religiösen Beistand diente als Jnstitutsbethaus die noch heute sogenannte Moscheles-Synagoge, deren Erhaltung und Verwaltung seit der Gründung bis auf den heutigen Tag in den Händen des Vorstandes des Vereines vereeb Jeschara war und blieb. In Erkrankungsfällen mußten die Mitglieder vor Allem den Chirurgen beiziehen, der zu bestimmen hatte, ob der Fall auch ärztlicher Hilfe bedarf oder blos chirurgisch zu behandeln sei; der herbeigerufene Arzt mußte aber vor Allem dein Vorstände berichten, ob die Krankheit heilbar oder unheilbar sei, in letzterem Falle bestimmt § 19 jener ältesten Statuten: „hören die Wohlthaten des Institutes gänzlich auf, da der Zweck des Institutes Kranke zu heilen ist." Der Kranke erhielt nebst der ärztlichen und wundärztlichen Behandlung alle Arznei und Heilmittel unentgeltlich und vom Tage seiner Anmeldung täglich 20 kr. WW. oder 8 kr. CM. „auf eine stärkende Suppe" und am ersten Tage seines Ausgehens 2 fl. WW. oder 48 kr. CM. zur Anschaffung einer stärkenden Speise. Auch der Gebrauch „einheimischer oderLandes- Curbäder" konnte von der Verwaltung dem Kranken bewilligt werden, in einer Ausdehnung über vier Wochen, wo ihm jeden Tag 30 kr. WW. oder 12 kr. CM. zu verabfolgen waren. Im Jahre 1884 wurden die heute noch geltenden, mit Erlaß der hohen k. k. Statthalterei vom 5. Juli 1884, Z. 46.184 genchmigten Statuten geändert. Besondere Anerkennung wurde der Thätigkeit des Vereines zutheil durch einen unvergeßlichen und in ewig dankbarer Erinnerung bleibenden Act edler Gesinnung Seiner Eminenz des Herrn Friedrich Fürsten Schwarzenberg, Cardinal-Erzbischofs zu Prag, der vom Jahre 1857 bis zum Jahre 1874 an der Spitze der Ausweise alljährlich mit der namhaften Spende von je hundert Gulden steht. Der Verein hat vom Jahre 1860 bis zum Jahre 1892 den bedeutenden Bettag von 54.979 fl. 13 kr. für die Mitglieder verwendet. Vom Jahre 1860 bis 1892 betrugen die Einnahmen 62.440 fl. 25 kr. Zum Schluffe des Berwaltungsjahres 1890 zählte der Verein 87 wirkliche und 255 Ehrenmitglieder, zusammen daher 342 Mitglieder. Im Laufe des Berwaltungsjahres 1891 verlor der Verein 6 Ehrenmitglieder in Folge Austrittes, 7 Ehrenmitglieder und 2 wirkliche Mitglieder in Folge Ablebens, 15 Mitglieder zusammen. Dagegen sind im Berwaltungsjahre 1891 neu beigetreten 2 wirkliche Mitglieder und 54 Ehrenmitglieder, zusammen daher 56 Mitglieder. Mit Schluß des Jahres 1891 zählte somit der Verein 296 Ehrenmitglieder und 87 wirkliche Mitglieder, zusammen daher 383 Mitglieder. In dem Zeiträume vom 1. Jänner bis 31. December 1891 wurden 12 Mitglieder in Krankheitsfällen einschließlich ärztlichen Honorars, Medicamenten, Mineralwässer und Bäder, mit einem Kostenbeträge von 589 fl. 9‘/2 kr. und der Dauer von 243 Tagen verpflegt, so daß der Kostenaufwand per Kopf und Tag den Betrag von 2,25A9/36o kr. ergibt. An 5 curbedürftige Mitglieder wurde für die Dauer von 150 Tagen der Betrag von 105 fl. verabreicht. Gegenwärtig gehören dem Vorstände an die Herren: Hermann Jnwald (Präses), JUDr. Sigmund Schneider (Präses- Stellvertreter), Med. Dr. I. Goldschmidt, Leopold Kühe, Sigmund B. Neustadtl, JUDr. Isidor Petschek, Alfred Bondy, Prof. Wilhelm Wertheimer (Schriftführer), Wilhelm Heller (Cassier), E. I. Wahle (Rechnungsführer). — Um halb 4 Uhr Nachmittags fand gestern aus Anlaß des Jubiläums m der festlich geschmückten und prächtig erleuchteten Klaussynagoge ein Festgottesdienst statt, welchem der Bicepräfident der israel. Cultusgemeinde-Repräsentanz Herr Dr. Bendiener mit mehreren Mitgliedern derselben, der Obmann des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, Herr Sigmund Mauthner, Abordnungen der Cultusgemeinden von Karolinenthal, Smichow und der Weinberge, Vertreter der hiesigen Synagogengemeinden und isr. Vereine, Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, dessen Stellvertteter Herr Dr. Tauber, die Rabbiner der einzelnen Synagogen und viele andere Gäste beiwohnten. Die Synagoge war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Der Festgottesdienst wurde mit einem Eingangsgebete eingeleitet, worauf der Shnagogenchor den Choral „Ehre Gottes" von Beethoven wirttingsvoll vortrug. Die Festrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, der in tiefempfundenen Worten das wohlthätige Wirken des Vereines schilderte und dessen segensreiche Thätigkeit pries. Nachdenl der Chor den 5. Psalm vorgettagen hatte, verrichtete der Herr Oberrabbiner ein Gebet für den Kaiser und das Herrscherhaus. Zum Schluffe wurde die Bolkshymne gesungen. — Aus Anlaß der Feier wurde der Betrag von 200 fl. unter zehn würdige unbemittelte Vereinsmitglieder vertheilt. Lemberg. Die Lemberger Cultusgemeinde ist um eine neue Stiftung bereichert worden. Vorige Woche übergab Herr Jacob Stroh der Cultusgemeinde ein Grundcapital von 40.000 Gulden mit der Bestimmung, daß selbes den Namen „Clara Stroh-Sttftung für arme Bräute" führe und daß alljährlich am Todestage Clara Sttohs am 1. November von den Zinsen zwei unterstützungswürdige Mädchen eine Mitgift von je 1000 Gulden erhalten sollen. Kolomea. 11. December. Die orthodoxen Juden unseres Landes haben einen schweren Verlust erlitten. Rabbi Baruch Hager aus Wiznitz ist am 20. Kislew im Alter von 48 Jahre» gestorben. Bei seiner überzeugungsvollen Frömmigkeü besaß der Verblichene ein echt gutes Herz. Sein Edelsinn, seine humanen Handlungen waren so bedeutend uno erstreckten sich so weit, daß mit seinem Hintritt sehr viele Familien ihrer Existenz sich beraubt sehen. Heute betrauerte der hiesige Bicerabbiner den seligen Rabbi Hager in der hiesigen großen Synagoge, welche von Leuten überfüllt war. Die Tranerfeier machte auf die Anwesenden den l tiefsten Eindruck.

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