Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 51 (16.12.1892)
- Date
- 1892-12-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Orsterreichischr Wochenschrift Seite 925 klingenden Namen Gill führen, Gitl Golus genannt zu werden Pflegt... Nun sind die Träger und die Leichengefolgschaft auf dem „guten Orte" angelangt. Vor der Pforte wird die Bahre hingestellt und sie sprechen das Gebet: „Der Fels, dessen Werk vollkommen ist und gerecht". Dann tragen sie, was sterblich ist an Mirjam, denn sie, auch Schön-Mirjam genannt, ist die Tobte, zum Grabe. Auch der Sohn ist unter den Trägern. Uno wie sie eingesenkt ist in die kühle Erde, und als die Schollen hernieder gekollert sind auf den Sarg, setzt er sich auf den grünen Rasen und gibt sich einen Riß in's Gewand, dann erhebt er sich, spricht das Gebet für der Mutter Seelenheil und verläßt den „Ort der Welt", indem er dahinschreitet durch die „Gasse", welche die Männer gebildet, die ihm zurufen: „Der Herr tröste Dich mit allen anderen, trauernden Zijons" .... Heiß scheint die Sonne vom Himmel hernieder, der in ewiger Bläue leuchtet, Stille herrscht wieder auf dem „guten Orte", nur hie und da' kaum gestört durch das Gesurre der Insekten, welche auch hier, an diesem Orte des Todes, an das Leben erinnern. Die Männer und Weiber aber, welche schön Mirjam auf dem letzten Gange geleiteten, haben sich verlaufen, um wieder des Lebens Sorge, Kummer und Arbeit nachzugehen. Wer war Mirjam? „Sie war schön, gut, ein wenig leichtsinnig, hat ihr Kind geliebt nnd viel Gutes gethan", so ungefähr hatte sie Gitl Golus gekennzeichnet. Und wahrlich nicht schlecht. Schön war sie, wie jene Lilien Sarons, von denen das herrliche, glühende Gedicht des Morgenlandes uns erzählt. Glutäugig, das Haupt von schwarzen Flechten umrahmt, so blühte sie empor, diese Blume des Ghettos. Ihre Zähne, wie eine Reihe glänzender Perlen leuchteten sie hervor aus dem feingeschnittenen Munde. Und sie war nicht, wie die anderen Mädchen der Gasse. An ihren unschuldigen Freuden nahm sie nicht theil. Schon in dem frühen Alter, da sich die Jungfrau gar prächtig entwickelte, nahm auch ihr Geist einen höheren Flug, der sie hinwegtrug, weit, weit über die grauen Mauern und uralten Thore, welche das Ghetto einengen und einzwängen .... (Schluß folgt.) Literatur. Soeben erschien im Verlag von A. W. Kafemann als Gesammt- Ausgabe der Antisemitenspiegel". Die Antisemiten im Lichte des Christenthums, des Rechtes und der Moral. (25 Bogen. Preis 1 Mark.) Von dieser Schrift waren bisher drei Lieferungen erschienen. Die anderen Lieferungen, Fortsetzung und Schluß, liegen in dem jetzt abgeschlossenen 25 Bogen starken Werke vor, in welchem auch die bisherigen Lieferungen in vollständiger Umarbeitung enthalten sind. Die Schrift bietet reiches Material über die antisemitische Bewegung und enthält zugleich umfassende Widerlegungen der Behauptungenund. Verdächtigungen der antisemitischen Agitatoren. Die Schrift ist ein unentbehrliches Handbuch für Jeden, der sich über diese wichtige Tagesfrage aufklären und die Jrrthümer der Antisemiten widerlegen will. Ein' vollständiges Sachregister erleichtert die Benutzung des Buches. Bon Dr. M. Braun ist eine „Geschichte der Juden und ihrer Literatur" (Theil I. von der babylonischen Gefangenschaft bis zum Abschluß des Talmuds, Breslau, Verlag von Wilh. Jacobsohn & Co. 1892) eben erschienen. Das Buch ist nicht nur, wie eine Menge anderer Schulbücher „für Haus und Schule" geschrieben, sondern ist auch, wie nur wenige jüdische Schulbücher in hohem Maße zum Unterricht geeignet. Es ist bekannt, wie Schulbücher zumeist verfertigt werden ... wie die Fabriks-Maaren, erzeugt von gewerbsmäßigen Buchmachern, denen bloß der große Absatz vorschwebt. Endlich haben wir eine jüdische Geschichte aus der Hand eines berufenen Gelehrten. Doch nein! Kein Gelehrter von gewöhnlichem Schlage! Denn nichts steht dem Verfasser so fern, wie die Trockenheit, ermüdende, allzugründliche mit Namen und Daten prunkende, gelehrt sein wollende Darstellungsweise. Er ist überall lebendig. Auch terrnini teebniei, alte Gebräuche, die unvermeidlich jedem Schüler beigebracht werden müssen, sind in aller Kürze wohl, aber doch klar und gemeinverständlich dargelegt. Eben in der Darstellungsweise liegt die Stärke des Verfassers. Im Ordnen und Sichten, im Verschweigen nnd Unterdrücken, in der Hervorhebung und Gruppirung läßt er seine Geschicklichkeit wahrhaft glänzen. Das Buch ist mit einer Wärme geschricben.die auf das jugendliche Gemüth ihre Wirkung nicht verfehlen kann. Die Gehobenheit der Sprache der edle Ton, die warme, begeisterte Vortragsweise erheben es zu einem vortrefflichen Schulbuche. Und das ist sein größtes Verdienst und zugleich Lob, ist doch „für die Jugend das B e st e gerade gut genug." Den Schulmännern, die den 2. Band ungeduldig zu erwarten guten Grund haben, sei das Buch, das auf selbständiger historischer Forschung basirt, auf's Wärmste empfohlen. Dr. Polonius. Löbliche Redaction! In der Besprechung einer von Alexander Kohut herausgegebenen Schrift in Nr. 49 Ihres geschätzten Blattes bemerkt Herr Dr. Feuchtwang, daß nirgendwo eine Sage überliefert ist, nach welcher Moses, wie der Autor zu Deut. I bemerkt, am 6. Siwan in den Nil ausgesetzt worden sei. Diese Bemerkung des Herrn Dr. Feuchtwang bedarf meines Erachtens einer Richtigstellung. Nach einer traditionellen Ueberlieferung Megilla 1-b ist nämlich Moses am 7. Adar geboren und gestorben. Der 7- Adar war eben auch , wie der Talmud (Rosch-hoschanah lia) auf Grund von Moses Worten: „Heute bin ich 120 Jahre alt" (Deut. II. 2.) behauptet, Moses Geburtstag. Da nun Moses nach Exod. Il, 2 bei seiner Aussetzung 3 Monate alt war, so ergibt sich ' daraus, daß er am 6. Siwan ausgesetzt worden ist. Sotha 12h. Prag, Kgl. Weinberge. Rabbiner Stark Wochenkalender. Kislev. 5653. — December 1892. 27 Freitag 16 j E. d. N. 4b 46 8-° 28 Samstag 17 Mikez «52 Sab. Chanuka 29 Sonntag 18 j 30 Montag 19! Rosch-Chod. 1 Dienstag 20 7 Chanuka 2 Mittwoch 21 | 8 „ 3 Donnerstag 22 | 4 Freitag 23 Briefkasten. A. B. (£., Hohenau. Wir haben für derlei Aufsätze leider keinen Raum. Zaghast. Für österreichische Berhültniffe ungeeignet und confiscabel. I. Lustig, Kopidlno. Der bewußte Lichtenstein ist ein Missionär, war einmal Rabbiner, hat sich aber nachher gelaust und arbeitet jetzt im Dienste der Missionsgesellschaft. Für Bräute! Als leistungsfähigste, altrenommirte, anerkannt solideste Firma für MÖBEL and Wohnungs-Einrichtungen empfiehlt sich die Möbelfabrik Heinrich Bäck vormals A. BREZINA’S Nachfolger Wien, VII. Bezirk, Mariahilferstrasse Nr. 74a vis-ä-vis Hotel Kammer and englischer Hof. 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