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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-16 · 51 (16.12.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
51 (16.12.1892)
Date
1892-12-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 924 Orstrrreichifihr Wochrrrschrist Nr. 51 Wien. (Eine neue Stiftung des Baron Hirsch. Aus Budavest wird vom Correspondenzbureau gemeldet: Baron Hirsch machte eine Stiftung von drei Millionen Gulden, deren jährliche Zinsen (120.000 fl.) unter ungarische Arme ohne Unterschied der Constision vertheilt werden sollen. Frau David Bischitz wurde mit der Bertheilung der Zinsen betraut. Dieselbe organisirte ein Biererconme zur Durchführung der Stiftung. Graz. Der Profeffor des österreichischen Civilrechtes an der hiesigen Universität, Dr. Emil Strohal, wurde von der preußischen Unterrichtsverwaltung als Nachfolger Rudolf von Jherings nach Göttingen berufen. Jhering selbst hatte den Wunsch geäußert, daß Strohal sein Nachfolger in Göttingen werde. Profeffor Strohal hat die Berufung bereits angenommen, obwohl das österreichische Unterrichtsministerium bemüht gewesen war, ihn festzuhalten. Profeffor Strohal war ein Schüler Jherings in Wien; um die Mitte der Siebziger Jahre habilitirie er stch als Privatdocent in Graz und wurde zu Ende der Siebziger-Jahre zum Profeffor ernannt. E. B. Brürm. (Humanitäre Legate). Der jüngst verstorbene hiesige Großindustrielle, Herr M. E. S ch w a r z hat nachstehende humanitäre Legate tcstirt: 2000 st. für eine Schulstiftung an der Staatsgewerbeschule in Brünn; 500 fl. der „Chewra Kadischa" und „Bikur Cholim" in Brünn; 2000 fl. zu gleichen Theilen für Schulstipendien an der israelitischen und christlichen Bolksschulgemeinde seiner Heimatsgemeinde Boskowitz. Berlin. Bon den jüngeren Geigern ragt jetzt der Violin- Virtuose Herr Jaques Weintraub besonders hervor. Geboren im Jahre 1868 in Brodh als Sohn eines Musikers genoß er im elterlichen Hause den ersten Unterricht, absolvirte 1884 das Conservatorium in Lemberg und nach Beendigung der Wiener Schule 1887 begab er sich nach Berlin, wo er durch Meister Joachim seine letzte Ausbildung erhalten. Bor Kurzem trat er nun in einem eigenen Concerte in der Singacademie mit Unterstützung des von Capellmeister Herfurth geleiteten philharmonischen Orchesters zum ersten Male vor das Publikum. Sowohl in Mendelssohn's Biolinconcert als in Bach's Craconna lernten wir ihn als einen Spieler kennen, der in der Tongebung Kraft und Zartheit vereinigt, in allem Technischen sich der größten Sauberkeit und Correctheit befleißigt und ein warmes, lebendiges Bortragsvermögen hat. Im Bouclo oaxrioeioso von St. Soens zeigte sich der junge Künstler als vollendeter Meister. Er erntete mit allen seinen Vorträgen lauteste und schmeichelhafteste Anerkennung und dürste sein Name bald zu den gefeiertesten gehören. Hg. Keankfurt a. M., 2. December. Der hiesige englische Generalconsul Sir Charles Oppenheimer, welcher vorgestern von der Königin Victoria in Windsor empfangen wurde und bei dieser Gelegenheit die Ritterwürde erhalten hat, ist nun auch zum englischen Generalconsul für das Großherzogthum Hessen und die Provinz Heffen-Nasiau ernannt worden. Darmftadt, 2. December. (Eig. Mitth,) Das großh. Ministerium des Innern beabsichtigt, die Gemeinde-Verhältnisse der Israeliten im Großherzogthum neu zu regeln, und hat zu diesem Behufe eine Anzahl Rabbiner, Vorsteher und Privatpersonen zu einer Conferenz auf den 10. d. M. hierher in das Ministerialgebäude berufen. Magdeburg, 30. November. Das Mitglied der Handelskammer für den Regierungsbezirk Magdeburg, Herr Benjamin Hirsch in Halberstadt, Chef des Metall-Welthauses Aron Hirsch und Sohn, hat sich nach Vernehmen mit dem Reichskanzler zur Münzconferenz nach Brüffel begeben. Paris. Lebhaftes Bedauern in weiten Kreisen erregte die Nachricht von dem plötzlichen Ableben des Hauptmannes Lichtestem, welcher wegen feiner Güte, seines Taktgefühles und seiner hervorragenden Kenntnisse der stanz, und ausländischen Militärgeschichte sehr geschätzt war. Lichtenstein war im Jahre 1801 in Nogent (Loiret) geboren, trat frühzeitig als Volontär in die Armee ein und wurde auf dem Schlachtfeld befördert. Für seine Bravour in der Schlacht von Renzonville erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Auf besondere Empfehlung Gambetta's wurde Lichtenstein von M. Grevy nach seiner Wahl zum Präsidenten der Republik, unter die Officiere des Hausstaates ausgenommen, in welcher Eigenschaft er auch unter dem Präsidenten Carnot in Elsee verblieb, bis er im vorigen Jahre pensionirt wurde. Aus diesem Anlässe wurde er zum Commandeur der Ehrenlegion ernannt. Wenige Tagt vor seinem Ableben schcukte Hauptmann LichHnstein seine reichhaltige WaffensamMlung dem Artillerie-Museum. London. 10. December. Der „Morning Post" zufolge ging in London die Meldung ein, Emin Pascha fei im März mit seinem ganzen Gefolge von den Manyemas, die er geworben, um seine Effecten via Congo uach der Küste zu befördern, am Sturifluffe ermordet worden. London. Nach Mittheilung des „Buenos Ayres Standard" Vom 8. November ist Colonel Goldschmid von der Visitation der Colonien zurückgekehrt und mit dem Stande derselben ganz zufrieden. Am meisten prosperirt die Colonie Satre Rios; viele Colonisten, welche in Sante Fe sich nicht fortbringen konnten, prosperirep in Satre Rios ganz erfreulich. Das Gerücht von der Mckkehr des Colonel Goldschmid nach England bestätigt sich nicht. Petersburg. Die von dem Petersburger Thierschutz- Vereine eingesetzte Commission zur Prüfung der verschiedenen Schlachtmerhoden hat am 4. bis 16. November ihre zweite Sitzung abgehalten. Hiebei kam die jüdische Schlachtmethode zur Besprechung. Die Mehrheit der Commission approbirte die jüdische Schlachtmethode, verurtheilte jedoch die Vorbereitung des Schlachtens, das sogenannte „Werfen". Prof. Pavloff sagte, daß nach seinen Erfahrungen, das Durchschneiden der Blutgefäße (die jüdische Schlachtung) die beste Methodesei, da die Thiere in 3—5 Secunden das Bewußtsein verlieren und der Tod rasch eintritt. Da unter den Commissionsmitgliedern sich kleine Meinungsverschiedenheiten zeigten, schlug der Obmann vor, die beiden Schlachtmethoden — die russische und jüdische — im Schlachthaus zn erproben. (Jewish Chronicle). Zante. Der orthodoxe Erzbischof von Zante, Dionicos Latter, ein eminenter Kanzelredner, hat der Geistlichkeit ein edles Beispiel gegeben, indem er während der letzten Wochen jeden Sonntag gegen die antisemitische Bewegung predigte („Times"). Feuilleton. Sehoen-Mirjam. Eine einfache Geschichte aus dem Leben des mährischen Ghettos. Von Dr. Max,Grünfeld. Durch die lang sich hinziehende Gaffe bewegt sich ein Leichenzug. Sechs Männer tragen eine Bahre; und auf dieser liegt ein Sarg, roh gezimmert, mit einem schwarzen Tuche bedeckt. Die sie da hinausgetragen auf den „guten Ort", war ein lebensmüdes Weib, satt an Jahren, welche des Lebens Last nun von sich abgeschüttelt hat. Wenige Männer folgen dem Sarge.' Knapp hinter demselben geht ein schlichter Mann, dem die Thränen schier unaufhaltsam in den Bart rinnen. Seine Mutter ist es, welche er zur ewigen Ruhe nun geleitet . . . Größer schon ist die Zahl der Weiber in dieser letzten Gefolgschaft. Auch Gitl ist unter ihnen, das Orakel des weiblichen Theiles der Gemeinde . . . Gitls Weltanschauung ist eine dem modernen Pessimismus zuneigende. Ihr geflügeltes Wort ist: „Wozu hast Du, Hergott, diese Welt geschaffen, hättest sie Dir halten mögen, diese Welt!" So neigt sich Gitl ganz entschieden mehr Schopenhauer als Leibnitz zu. . . Auch jetzt lauscht das weibliche Publikum auf die Worte der Weisheit, welche dem Munde Gitls entströmen. Hat sie doch die Verstorbene gekannt von Kindesbeinen; denn wenn die Todte des heiligen Sängers Wort „unsere Lebensjahre sind siebzig" zur Wahrheit gemacht, so konnte Gitl darauf Hinweisen, daß sich auch manchmal der Schlußsatz des Verses bewährt „und wenn's hoch kommt achtzig." „Hat nicht viel Gutes gehabt aus der sündigen Welt, die Verstorbene", so tönt es nun aus Gitl's schlaffem Munde, „nicht's Gutes; ist gewesen eine schöne Person, eine gute Person, ein bissel leichtsinnig; aber wie hat sie ihr Kind geliebt und wie viel Wohlthätigkeit ausgeübt; Gott, vor dem sie jetzt steht, soll es ihr gedenken zum Guten ..." Ein vorlauter Junge unterbricht Gitl's Rede durch eine etwas abfällige Bemerkung über den Gestus des alten Judenweides, was dieses zu dem geflügelten Worte veranlaßt: „Im Golus (Exil) sind wir, im Golus." Dieses Wort, von Gitl bei ähnlichen Anlässen häufig gebraucht, ist Veranlassung geworden, daß man in der Gaffe Gitl das schmückende Beiwort gegeben „Golus", so daß sie zur Unterscheidung von anderen Weibspersonen, welche den wohl-

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