Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 51 (16.12.1892)
- Date
- 1892-12-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 932 Drsterreichifitzr Wochenfchrifi Nr. 51 kehre freundschaftlich entgegengehet und ihrem guten Willen, wo sie solchen bezeugen, behülslich seid, ein neues bürgerliches Leben zu beginnen. Was der verjährten Verfolgung und Verachtung nicht gelang, wird der Liebe gelingen; die Starrheit dieses Volkes in Sitten und Anschauungen wird sich lösen, seine Schwächen werden sich in nützliche Fähigkeiten, seine mannigfaltigen Begabungen in Tugenden verwandeln, und Ihr werdet eines Tages das Land bereichert haben, anstatt es zu schädigen, wie blinder Berfolgungsgeist es wähnt." Auch in der Schweiz wird gegenwärtig der Versuch gemacht, den „blinden Verfolgungsgeist" zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem verbohrten Fanatismus schrecken die Thierschutz-Vereine nicht davor zurück, sogar dem plumpsten Antisemitismus das Wort zu reden, um auf diese Weise ein Verbot des jüdisch-rituellen Schächtens zu erwirken. Haag. Hier starb der berühmte jüdische Arzt, Dr. H, Van Praag Hejmanns nach einer segensreichen 33jährigen Praxis. Verschiedene Male wurde ihm ein Lehrstuhl an einer der holländischen Universitäten angctragen; er zog es jedoch vor, seinem Berufe zu leben. Eine große Anzahl Mediciner unter Führung des Herrn Professor Rosen st ein von der Leydener Universität und mehrere Mitglieder beider Kammern begleiteten den hochverdienten Mann zur letzten Ruhestätte. London, 29. November. Das Comite zur Unterstützung russischer Juden hielt vorgestern mit zwei anderen jüdischen Comite's unter dem Vorsitze des Abgeordneten Sir Julian Goldsmid eine Conferenz ab, in welcher der Rechenschaftsbericht für das vorige Jahr verlesen wurde. Danach sind in dein erwähnten Zeitraum mehr als 30.000 £ ausgegeben worden. Die Zeitschrift „varkesl Bussia”, welche die russischen Scheußlichkeiten gegen alle Nicht-Orthodoxen aufdeckt, ist in 30.000 Exemplaren monatlich in Europa, Indien und den englischen Colonien vertheilt worden. Sir Julian wies insbesondere auf den (von uns seinerzeit bereits inhaltlich mitgetheilten) Bericht der nach Rußland gesandten amerikanischen Commissionäre hin, tvelche alles das, was über die Verfolgung der Juden in Rußland erzählt worden ist, bestätigt haben. Newenftle, 16. December. In einem jüngst am hiesigen Gerichtshöfe verhandelten Proceß, in welchem ein Jude Kläger war, erlaubte sich der Vertheidiger des Angeklagten, einige etwas ehrenrührige Ausdrücke über die Juden fallen zu lassen. Ihm dieses verweisend äußerte sich der ehrwürdige Recorder (höchster Richter in Criminalsachen) wie folgt: „Siemachen einen sehr unchristlichen Angriff auf Leute, für welche ich die höchste Achtung empfinde. In meiner Berührung mit jüdischen Landsleuten habe ich dieselben stets höchst ehrenwerth und hochherzig gefunden. Sie mögen vielleicht einem begegnet sein, der nicht allzu gewiffenhast in seiner.Handlungsweise ist; das finden wir aber in allen Elasten. Ihre lieblosen Bemerkungen sollen aber bei Beurtheilung des vorliegenden Falles keinen Einfluß auf mich üben." Mailand. Die Zahl der jüdischen Mitglieder der Deputirtenkammer beträgt gegenwärtig 15, gegen 9 in der vorigen Wahlperiode. Fast alle früheren jüdischen Abgeordneten wurden wieder gewählt. Couftantiuopel. 18. November. Nach einer glaubwürdigen Mittheilung an das „Odeski Listock" sind gegenwärtig über 10.000 russisch-jüdische Flüchtlinge in unserer Metropole, deren größter Theil sich in der bittersten Noth befindet. Es sind dieses nämlich solche Juden, die während ihres Aufenthaltes in Rußland türkische Unterthanen wurden und deshalb als Fremdlinge ausgewiesen wurden. Die türkischen Behörden hatten ihre Landung in unserem Hafen nicht beanstandet, haben aber jetzt die Weisung erhalten, ihnen in gewissen Gegenden Kleinasiens Wohnplätze anzuweisen. Unter diesen beklagenswerthen Berhältniffen sind viele dieser Unglücklichen gezwungen, ihren Glauben zu wechseln und haben auch in den letzten Tagen nicht weniger als 65 in der lutherischen Kirche ihr Heil gesucht. * Vmmjsälteb. Wie«. (Personal-Nachrichten.) Der Bice-Consul in Budapest, Herr Dr. Ignaz Brüll, wurde in Anerkennung seiner bisherigen Wirksamkeit zum englischen Consul ernannt. — Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Ludwig Landau, Vorsteher des Tempel-Vereines für Mariahilf und Neubau, hat sich mit Fräul. Emma v. Portheim, der Tochter des Herrn Gustav v. Portheim in Prag verlobt. Frl. Amelie Rauch aus Wien hat sich mit Herrn Oscar Kühnreich aus Olmütz verlobt. — Sonntag, am 25. December, um 2 Uhr Nachmittags, findet im israel. Tempel in Währing die Trauung von Frl. Flora Ho ff mann, Tochter des Cultusvorstehers, Herrn Emanuel Hoffmann, mit Herrn Med. Dr. MichaelAlt statt.— Samstag starb Frau Malviue K a l l m u s, Gemalin des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Philipp Kallmus. DieVerstorbene entstammte einer in Croatien sehr angesehenen Familie und war durch ihre große Wohlthätigkeit und Herzensgüte in weiten Kreisen bekannt. (Dr. Adolph F i s ch h o f.) Aus Klagenfurt wird geschrieben: „Herr Dr. Adolph Fischhof beging am 8.. b. in voller geistiger und körperlicher Frische in seiner Zurückgezogenheit in Emmersdorf seinen 76. Geburtstag. Von Nah und Fern waren ihm briefliche und telegraphische Glückwünsche in großer Menge zugekommen und einige Klagenfurter und Wiener Freunde waren persönlich erschienen um ihn zu begrüßen. Eme besondere Ehrung wurde dem Gefeierten zumal in dankbarer Anerkennung seines ebenso menschenfreundlichen wie uneigennützigen Wirkens als Arzt von Seite der Bevölkerung des Wölfnitzthales wie der Bewohner der Ortschaft Emmersdorf zu Theil. Äm Mittwoch Abends brachte die freiwillige Feuerwehr des Wölfnitzthales, gefolgt von zahlreichen Insassen der Ortschaften desselben, ihrem Vereinsarzte und Ehrenmitgliede einen solennen Fackelzug mit Ständchen und Ansprachen, welche von der herzlichsten Dankbarkeit erfüllt waren und Donnerstag Abends erschienen die Emmersdorfer in gleich festlichem Aufzuge." Wien. Oesterreichisch-israelitische Union. Samstag, den 17. December 1892. halb 8 Uhr abends, findet im großen Saale der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer, 1., Wivplingerstraße 34 eine Vereins-Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Universitäts-Professors Dr. Armin Neumann, Reichstags-Abgeordneter in Budapest: „Moritz Wahrmann und seine öffentliche Wirksamkeit." Wien. (Talmud-Thora-Verein) Das Chanukafest verbunden mit der Bekleidung armer Schüler wird Sonntag, den 18. d. M. 4 Uhr Nachmittags in der Vereinssynagoge, 11., Malzgasse 16 stattfinden. Wien. Freitag den 16. d. M. 4 Uhr Abends findet anläßlich des Chanukafestes im isr. Tempel, IX., Müllnergasse 21 ein Festgottesdienst statt. Die Predigt hält Dr. Heinrich Pollak. Die Chanukafeier für die Zöglinge des Blindeninstitutes in Wien, Döbling, Hohe Warte, findet Sonntag den 18. Dez. 4 Uhr Abends statt. Wien, Simmering, 8. Dezember. Im Sitzungssaale des Magistratsgebäudes fand heute die erste ordentliche Generalversammlung des Tempelvereines Wien-Simmering statt. Kaiserlicher Rath Herr v. Vogel leitete die Versammlung, welche ein Vertrauensvotum für den zurückgetretenen Präses- Stellvertreter Herrn Sigmund Kanders votirte, dessen eifriges Bemühen seit Jahren für das Gedeihen des Cnltnswesens allgemeine Anerkennung gezollt wird, dessen Ausscheiden aus der Verwaltung der Vorsitzende als einen unersetzlichen Verlust bezeichnet. Das Referat über die weiteren zur Tagesordnung gelangenden Agenden erledigte Herr Leopold Weiß als Cassier mit besten Erfolge. Bei der Ergänzungswahl erscheinen ^die Herren Sigmund Kauders, Dr. Jacob Ornstein und Sal. Grünwald als wiedergewählt. Wien. Im Prager deutschen Landestheater hat kürzlich Fräulein Irma Golz, Tochter des bekannten Wiener Obercantors Gold-stein, als Lucia von Lammermoor mit vollständigem Erfolge debutirt. Das „Prager Abendbl." berichtet über den Wiener Gast: „Das kleine, jugendlich anmuthige Persönchen hat eine Helle, für den colorirten Gesang wie geschaffene, weich und wohlig klingende Stimme, für die Natur und Schule in gleicher Weise sich wohlthätig erwiesen haben. Was die Kritik vorzubringen hätte, wird Jenen, die für die weitere Ausbildung dieses überaus gewinnenden Talentes den Stützpunkt bilden, klar vor Augen stehen. Solcher begabten Anfängerschaft gegenüber pflegt die Kritik gewöhnlich daneben zu hauen, oder offene Thüren einzurennen. Was bei dieser jugendlichen Sängerin, die zum ersten Male auf den Brettern stand, einnehmend wirkte, war nicht blos ihr liebliches und kindliches Singen, sondern auch das abgerundete Spiel und daS sichere Eingehen auf das Situationsgemäße der Handlung