Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 49 (2.12.1892)
- Date
- 1892-12-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Orstrrrrichifche Wochenfchrifi <^eite 895 u. A. schmeichelhkfte Anerkennung fand. In diesem Werkchen wird an der Hand wissenschaftlicher Thatsachen nachgewiesen, daß der traditionelle Synagogengesang eine, sowohl von der modernen, wie sämmtlichen, alten Tonleitern abweichende Jntervallenfolge besitzt, welche dem jeweiligen Tonstücke jene reiz, volle Signatur verleiht, die uns allen als „jüdischer Gesang" bekannt ist. Was hätte Richard Wagner dafür geboten, wenn es ihm gelungen wäre, für die deutsche Nation eine specielle Musikscala nachzuweisen und in welch' zielbewußter Weise haben die Ungarn ihre, übrigens von den Zigeunern erborgte „Zigeunerscala für die national-ungarische" Musik zu verwerthen verstanden! Und wir Juden, als eines der ältesten Culturvölker der Erde, welches schon in der jerusalemitischen Periode Musik und Gesang in solch eminenter Weise ausübte, daß von zwölf Stämmen ein ganzer Stamm ausschließlich für die Pflege der gottesdienstlichen Gesänge bestimmt wurde, demnach als ein im hohen Maßen Musik und Gesang pflegendes Volk anerkannt werden muß, sollten eine solche bedeutungsvolle Thatsache — den Besitz einer originellen Tonscala — so einfach perhorresciren? Sicherlich kann der Fachmann nicht von dem Wahngebilde geleitet sein, die Errungenschaften der heutigen Mnsikscala in Abrede zu stellen oder gar verwerfen zu wollen und sicherlich werden sich auch jüdische Cantoren, die nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen, finden, welche mit dem Muthe der Unwissenheit eine traditions-gesangliche Scala bekämpfen werden, doch die gebildeten Collegen so wie alle maßgebenden Factoren müssen diesemKampfe zielbewußt entgegegentreten. Seit dem Momente, wo Bischof Ambrosius (337—397 n. CH.) die vier authentischen Tonscalen ausstellte und die Verletzung der angegebenen Jntervallenfolge als ein Sacrilegium galt, bis zu dem Momente, wo Papst Gregor (380 n. CH.) die 4 plagalen Tonarten hinzusügte, bis zur Periode, da die moderne Tonleiter festgestellt wurde, gab es ja auch jahrhundertelange, erbitterte Kämpfe, nun so dürfen auch wir den Kampf nicht scheuen, müssen emsig bemüht sein, die Unwissenden aufzuklären und die Lässigen anzueifern, einzutreten in den heiligen Kampf, dessen rationelles Ende ein bedeutungsvoller Sieg sein muß, ein Sieg für die jüdisch-cantorale Wissenschaft. (Fortsetzung folgt.) Berthvld Auerbach über Shakespeares „Shylock". In seinen „dramaturgischen Aufzeichnungen", schreibt Auerbach über den „Kaufmann von Venedig" Folgendes: Ohne Datum. Aus 1856. (Dresden.) Die Freundschaft und Generosität verpfändet sich beim Haß und der Geldgier für die Liebe und die Liebe siegt. Das ist eigentlichdie Melodie des Kaufmanns von Venedig mit seinem leichtlebigen märchenhaften Spiel. Aber in der Instrumentation wurde der Baß, wie es scheint, zu stark und das lustige Piccolo dominirt nicht mehr ganz kenntlich. Es scheint, daß dem Dichter inmitten der Arbeit unter der Hand der Stoff über die eigentliche Intention hinauswuchs; Shylock wurde zu groß für das bloße Judenprellen im Carneval und das liegt nicht blos daran, weil diese Rolle stets von Matadoren gespielt wird. Vielleicht auch wird es einem Juden zu schwer, die freiheitliche Sympathie, die. in Shylock angeschlagen wird, als eigentliches Motiv herauszufühlen, und in der That erscheint Shylock größer als die ganze maskenspielende leichtfertige Christenheit. Dann aber wäre das Stück an sich verfehlt, nicht nur der letzte Act borg ä'oeuvrs — der doch so zauberisch schön und ganz correspondirend mit dem Eingang ist — sondern der Dichter hat Shylock offenbar komische Züge gegeben. Könnte er so gespielt werden, daß man über ihn lachte? Ich glaube nicht. Es ist und bleibt in dem Kalkül des Strickes ein Bruch, der nicht aufgeht. Die Forderung des Pfundes Fleisch ist gleich zu Anfang märchenhaft, sozusagen mythisch-typisch gefaßter Ausdruck für den Haß. Diese Forderung setzt uns nicht eigentlich in Furcht, weil sie realistisch nicht ausführbar ist, aber eigentlich ckomisch wirkt es auch wieder nicht, es wirkt nur wie bei jenem Spiele, wo man sich unterm Tisch allerlei ekelhast scheinende Sachen zureicht, einen mit Sand gefüllten Handschuh, der als Todtenhand sich anfühlt u. dgl. Der Name Schaie (eigentlich Jeschajah oder Jisc'i) ist wirklich hebräisch und die Endsilben vom Dichter angesügt; das ist typisch für das Ganze. Wollte der Dichter neben und in dem Uebermuth der karnevalistischen Lebenslust die unterlaufende Grausamkeit und Rohheit zeigen, die sich zuletzt noch darin gipfelt, daß Shylock seine Habe den Christen überliefern und selbst noch wie zum Spaß Christ werden und damit auch noch sein geistiges Besitzthum ausgeben mutz? Will er nur mit Allen spielen, wie mit der Justiz in der Verkleidung, wie mit 2iebe, Treue nnd Hatz! Ich mag es drehen und wenden, wie ich will; mir bleibt eine Jnkonvenienz übrig. (Später hinzugefügt.) Schließlich kommt es mir vor. als ob Shakespeare bei Behandlung dieses märchenspielenden Curnevalthums einer Jmproportionalität begegnet wäre, wie im Heinrich IV. bei Falstaff: Shylock und Falstaff haben Parallelen. Als sich diese Figuren dem Dichter ergaben, wuchsen sie aus der Episode heraus und wurden zu Mittel- und Hauptfiguren. Indem Shakespeare den Juden vorhatte, der zum Fuchspreller dienen sollte und dem er deshalb die entsprechenden Züge gab, wie z. B.: „Ich wollte, meine Tochter liege zu meinen Füßen tobt und hätte die Juwelen in den Ohreri" — Züge zum Lachen, und so noch viele andere — verlieh ihn: Shakespeare unwillkürlich die tragische Sympathie des Judenschmerzes. Das ist eine mit der ursprünglichen Anlage unvereinbare Zugabe und so bleibt dem Stück eine Jnkonvenienz. Literatur. Manzür al-Dhamäris Hebrew Arabic Philosophical Commentary on the Pentateuch, by Alexander Kohut, New-York City. Das Buch beginnt mit einer Aufzählung hebräisch-arabischer Handschriften aus 2)emen; darauf folgt eine Beschreibung des zu behandelnden Manuscriptes: die darin citirten Autoren; die erwähnten Autoren sind meist talmudische, von nichttalmudischen werden nur Saadja, Jbn Jeschaja und Maimon genannt; von letzterem: das Sefer Hemizwoth der Mischna-Commentar, Kit ab al-Sarag: Maimunis Einleitung zu 8e<ter Toharot, dessen Jad. Hachasakah und Dalalat alelsaivue, welchem Titel er stets sazal beifügt. Die hier vorkommenden Varianten sind bemerkenswerth. Die Citate sind allenthalben wissenschaftlich erörtert und die sachlichen und literarischen Resultate daraus gezogen. Bon karabischen Autoren citirt Manzur: Scheich Abulzalat, Maimun ibn Alexander, Abu Gesr, Musa al-Ardebili, Alchariri. Sehr interessant ist die Variante, welche unser Autor zur Mischnah in Aboth: Kal Jisroel jesch lohem chelek :e. an führt, nämlich: „vaafilu haresckaim“. Zu Deut. I, bemerkt unser Autor, das; Moses am 6 Sivan in den Nil ausgesetzt worden sei, welche Sage sonst nirgendwo überliefert ist. An merkwürdigen gänzlich unbekannten Midraschim fehlt es nicht. So zu "Deut. IV. 41.: Wundersam ist ein „al tikrah* zu Deut. VI, 7.; nämlich: Taskir für A s k i r. BemerkenSwerth ist die Notiz zu Deut. XXXII, 3 und Dent. IX, 19, woselbst von Rabbi E l i e s a r erzählt wird, das;, als er Rabbi Jsmaels Tochter heiratete, welche eine große Nase harte, er von demselben Tausend Goldgulden empfangen habe zur Besänftigung. «Auf Nase und Zorn, daher: Matou besesser jichpeh af.) Im Appendix sind hebräische Midraschim, zum Theile unbekannte, und arabische Theile aus dem 3iraj al-aknl wiedergegeben. Wir sind dem Autor für dieses neue Geschenk seines unermüdlichen Fleißes dankbar. Nikolsburg. Tr. Feuchtwong. wird zmn eventuell sofortigen Eintritte ■ ein Religionslehrer, tüchtiger Pädagoge, der auch an hohen Feiertagen religiöse Fnuetioneu verrichten kann. Jahresgehalt 800 fl. öst. Währ. Oesterreichische Staatsangehörigkeit, strenger Charakter, mackelloses Vorleben, sowie angenehmes Exterieur Haupterforderniss. Offerte mit Zeugnissabschritten (nicht Originale) und Photografie an Sigmund Abales, Innsbruck. 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