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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-12-02 · 49 (2.12.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
49 (2.12.1892)
Date
1892-12-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 888 Orsterreichifche Wochenschrift Nr. 49 gewählt wurde. Montefiore ist der Senior der belgischen Delegirten, er ist Civil-Jngenieur, vertritt als Senator die Stadt Lüttich in der zweiten Kammer und ist eine der geachtetsten Persönlichkeiten der politischen Kreise. Der zweite Jude unter den Delegirten ist M. Alfred Rothschild, Bruder des Lord Rothschild und dessen Associe; derselbe ist als Director der Bank von England einer der competentesten Mitglieder der Conferenz. Der dritte Jude ist Herr Arthur Baffalowitsch, ein bekannter Nationaloekonom und Autor vieler Schriften über die Währungsfrage. Das Eigenthümlichste ist, daß Baffalowitsch als Delegirter Rußlands erscheint, derselbe ist ständiger Agent des russischen Finanzministeriums in Paris und deshalb hat die russische Regierung wohl in Betreff seiner Confession beide Augen zugedrückt. — Es hieß eine Zeit lang, daß noch ein Jude an der Conferenz theilnehmen werde: es hätte nämlich Sig. Luzzatti die italienische Regierung vertreten sollen: derselbe lehnte jedoch die Berufung mit der Motivirung ab, daß die der Conferenz zu unterbreitenden Vorschläge der erforderlichen Präcision entbehren. Wirrschau. Während der letzten drei Monate hat die Cholera in den Gouvernements Lublin, Sedlec und Radom geherrscht und viele Opfer namentlich auch unter den Juden hingerafft. Lublin eine Stadt mit 40.000 Einwohnern hatte 800 Todesfälle zu verzeichnen; darunter waren 90 Procent Juden, da diese das ungesündeste Viertel bewohnen. Miedcyczec, eine Stadt mit 8000 Einwohnern hat 300 Todesfälle und die 2000 Bewohner von Mrechow haben gar 350 Todesfälle aufzuweisen. Jetzt, nachdem die Epidemie vorüber ist, leiden die armen Juden große Roth, da sie infolge der Stockung des Handels während der Epidemiezeit aller Unterhaltsmittel entblößt sind. Paris. Die kürzlich auch nach Wien telegraphirte „Neuigkeit" von dem Uebertritte der Baronin Rothschild zum Katholicismus hat in Paris auch nicht einen Moment Glauben gefunden, trotz des pikanten Zusatzes, der. Bischof von Beauvais, bekanntlich das einzige geistliche Mitglied der französischen Akademie, habe das Verdienst der Bekehrung zu beanspruchen. Das auf dem absolutesten Nichts beruhende Gerücht erschien in demselben Blatte, welches fiir§ vorher auch eine andere Convertirung von eben solcher Stichhältigkeit verkündet hatte, nämlich die des ur-uralten Heine Cumpanen und Kirchenhassers Alexander Weil. Alexander Weil ist nämlich mit jedem seiner 85 Jahre aggressiver in seiner jüdischen „Verstocktheit" geworden, und weit davon, mit seinem geliebten Heine die jüdische Religion überhaupt als keine Religion, sondern als „ein Unglück" zu erklären, predigt er alljährlich in einem seiner dicken Bücher, die (trotz Selbstverlages) eine beängstigend große Zahl erreicht haben, den „alleinseligmachenden Mosaismus". Er hat sich deßhalb auch die Mißbilligung des Pariser israelitischen Consistoriums zugezogen und lebt mit dem „officiellen" Judenthum, welches die fortwährenden Angriffe Weil's gegen den "Katholicismus als höchst überffüssigen Eifer verurtheilt, auf dem Kriegsfuß. Bei Tortoni, woselbst Aurelien Scholl jetzt der journalistischen Tafelrunde in den Absynthstunden präsidirt, gab es ein Höllengelächter, als man daselbst die Notiz las: Weil, der sich an jenem Tische gar oft als „einen persönlichen Feind des Christenthums" declarirt hatte, sei katholisch getauft worden. Und als einige Tage später die Nachricht von der Taufe der Baronin Rothschild zu lesen war, sagte Scholl, diese Nachricht sei wahrscheinlich von Weil anonym jenem Journal eingesendet worden als eine der zahlreichen kleinen und größeren Bosheiten, die Weil im ausschließlichen Umgänge mit seinem einzigen Wohnungsgenossen, einem Papagei zu ersinnen weiß. Da erinnerten sich denn die Stammgäste der Tortoni-Terrasse, daß gerade vor wenigen Wochen Baronin Rothschild, am Arme ihres Gatten und von dem jungen Baron begleitet, in den Abendstunden über den Boulevard promenirend gesehen wurde. Die ganze Familie Rothschild kam damals, es war am Vorabend des Bersöhnungstages, aus dem Tempel der Lue äe la Victoire und legte den weiten Weg nach der Lue äe Laiut- Florentin in der sich ihr Palais befindet, stricte nach der israelitischen Festtags-Observanz zu Fuß zurück. Und man weiß es. die Baronin ist eine eifrige Besucherin jenes Tempels und specielle Verehrerin der Kanzelberedtsamkeit des Grand Rabbin Zodoc-Kahn. Maroeco. Jewish Chronicle berichtet unter dem 20. October von einem Acte brutaler Grausamkeit, welcher auf Befehl des Gouverneurs an einem jüdischen Weib vollzogen wurde. Ein maurisches Weib belangte eine jüdische Näherin vor dem Gouverneur, weil diese ein bestelltes Kleid nicht fertiggestellt hatte. Die Geklagte entschuldigte sich damit, daß sie während der Feiertage nicht habe arbeiten können und daß sie später durch Krankheit ihres Sohnes am Arbeiten verhindert worden sei. Der Gouverneur befahl ihr, das Kleid bis zum nächsten Tag fertig zu stellen. Als die Näherin e.hrerbietigst bemerkte, daß ihr das ganz unmöglich sei, da ihr Sohn krank sei und sie Niemandeu zur Wartung habe, wurde der Gouverneur zornig und verurtheilte sie lediglich dafür, daß sie gewagt hatte auf seinen Befehl etwas zu erwidern, zur Strafe der Stäupung. Die Näherin wurde hierauf in das Frauengefängnis geschleppt, aus welchen man bald darauf herzzerreißendes Wehklagen vernahm. Nach Vollzug der Strafe wurde sie im Gefängnis zurückbehalten, wo ihr schwere Eisenketten an die Füße und den Hals gelegt wurden. Diese beglaubigte Thatsache beweist neuerlich, daß für die Juden in der Stadt Marocco schwere Zeiten angebrochen sind. Melbourne. Herr Nathaniel Levi, welcher unlängst zum Mitgliede in den gesetzgebenden Rath für Victoria gewählt wurde, hat in der Person des Herrn Emanuel Steinseld, welcher gleichzeitig in derselben Eigenschaft für die Provinz Wellington gewählt wurde, einen ausgezeichneten Collegen erhalten. Herr Steinfeld, ein geborener Deutscher, ist ein Cousin des verstorbenen Emanuel Deutsch und ein Verwandter des Emin Pascha. Ein hier erscheinendes Blatt schildert ihn als einen mit Scharfsinn und eiserner Willenskraft begabten Mann, dessen bisherige Thätigkeit Zeugniß gibt von dem Gemeinsinn und Interesse für das öffentliche Wohl, durch welches die Juden sich stets auszeichnen, wenn sie in hervorragender Stellung sich befinden. Mehrere der segensreichsten Institutionen in Ballarat verdanken ihnen ihr Entstehen und Gedeihen. Als Präsident der Handelskammer von Victoria hat er der Industrie, dem Handel, den technischen Fortschritten und dem internationalen Freihandel außerordentliche- Dienste geleistet. — Herrn Levi's Verdienste um das Aufblühen der Colonien werden in demselben Maße anerkannt. Er war der erste Jude, welcher in Victoria ins Parlament gewählt wurde und in beiden Kammern Sitz und Stimme hatte. VernWüe!;. Wien. (Trauungen). Sonntag den 27. November 1892 wurden getraut: Herr Dr. Carl Hamburger mit Frl. Helene Stern; Herr Gustav Adler mit Frl. Anna Bauer; Herr Moriz L e h n er und Frl. Victoria Stengel; Herr Carl David Schwarz mit Frl. Henriette F a n t o; Herr Robert Weiß mit Frl. Bertha König Herr Dr. Julius G e r st m a n n mit Frl. Rosa H a m m erschlag Wien-Mariahilf. Donnerstag den 8. December findetum 5 Uhr Abends im Mariahilfer Tempel, Schmalzhofgasse, anläßlich der alljährlich von dem Humanitäts-Vereine im Vereine mit dem Frauen-Wohltigkeits-Vereine veranstalteten Kinderbekleidung ein Festgottesdienst statt, bei welchem Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl die Festrede^ halten wird. Es werden 53 Mädchen und 50 Knaben mit vollständigen Winteranzügen bekleidet. Wien. Am 27. November starb nach langem Leiden im 57. Lebensjahre Frau Anna Freifrau von Waldberg geb. Kahane. Die Hingeschiedene war die Tochter einer alten jüd. Patricierfamilie, bte Schwester des bekannten Componisten Kahane und die Gattin des Baron Moses von Waldberg, dessen zahlreiche Verdienste um Oesterreich Se. Majestät der Kaiser wiederholt anerkannt hat und der iu der talmudischen Literatur gerade so bewandert, wie in der profanen. Von ihren Söhnen ist der eine ein berühmter Professor an einer deutschen Universität, die beiden Anderen haben sich in der Literatur geachtete Namen erworben. Wien. (Sectio nsra th Dr. Camill Kuranda). Die Wiener-Zeitung brachte am 29. November die Verleihung des Titels und Characters eines k. k. Sectionsrathes für den verdienstvollen Referenten im Handelsministerium Herrn Dr. Camill Kuranda. Diese allerhöchste Auszeichnung hat nicht nur im Kreise der Bekannten und Freunde desselben, sondern auch in der ganzen Gemeinde die höchste Befriedigung hervorgerufen. Wien. Im Bethause „Liwias Oben", 2. Bezirk, obere Donaustraße 89, nächst der Stesaniebnicke findet ans Anlaß des Jahres-

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