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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-11 · 46 (11.11.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
46 (11.11.1892)
Date
1892-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mr. 40 H Iahrgattg Wien- 11. Novemder 1892. '9 Centralorgan fiir die gesammten Interessen des Iudrnthums. A. Ir. Postsparcassrn-imt Elraringvrrkrhr Nr. 810.976. Redartion und Administration: Dirn I. Frank Josefs-Quai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. —.— =m -^- Eigenlhümer: Reichsraths-Avgeordrreter Dp. KLoch. -ES- Erscheint jeden Freitag. Man adomnrt brr allen PoganstalLr» des In- und Aoslandrs. Bezugspreis: Halbjährig 4 Einzelexemplare 2L kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petttzeile 12 kr. fl. Inhalt: Leitartikel: Fürsterzbischof Kohn. — Ein Nachspiel zum Xantener Knabenmordproceß. — Tie Schächtfrcige in der Schweiz. — Geschichte der Juden in Wien. — Aus dem Antisemitenlager. — Saul Jsaae Kämpf. — Synagogenchor und Orgel. — Correspondenzen: Wien, Salzburg, Budapest, Cöln, Paris, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Prag, Berlin, Paris, London, Rom, Mailand, Genua, Petersburg, Marocco, Congo. —Feuilleton: Ascetik und Liebe. — Gottesdienst im israel. Tempel in der Roßau. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. — Inhalt der Beilage: Russische Finanznöthen. — Chewra Kadischa. — Inserate. Die Redaction und Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift“ befindet sich Mss- Wien,!., Franz Josefs-Quai 3.-ML Telephon Nr. 6535. FüiArrMschos Nohn. In unseren Augen ist es weniger ein Unrecht, als vielmehr eine Unvorsichtigkeit, „Kohn" zu heißen; einem echten Arier aber gilt es als eine freche Provocation. „Kohn" wirkt auf unsere sonst so gutmüthig veranlagten Antisemiten verschiedenster Observanz wie das rothe Tuch, er treibt sie zur Raserei. „Warum heißt der verdammte Bub nur Kohn?" fragte der Präsident des „katholischen Schulvereines", als er seine erste Bereinsschule zum ersten Male inspicirte. Der „katholische Schulverein" hatte nämlich eine Privatschule erworben und in dieser befand sich unglücklicher Weise ein Schulknabe mit dem aufreizenden Namen „K o h n", und es war kein anständiger Anlaß, dieses unwillkommenen Buben sich zu entledigen. „Warum muß der Bub gerade „Kohn" heißen?" Der Bub war daran ganz unschuldig, aber sein verhängnisvoller Name hatte innerhalb des „katholischen Schulvereines" und der antisemitischen Parteileitung einen Streit entzündet, der nahezu zwei Jahre hindurch andauerte. Dr. Psenner in seinem Schmierblatt ließ einen „katholischen Priester" aufmarschiren und dieser erzählte: „Wir bemerkten wohl schon, daß der gewisse Herr Doctor Caspar Schwarz (I., Stefansplatz 6), Obmann des „Katholischen Schulverein" für Niederösterreich, eine gebogene Nase habe, die in das gelobte Land hinüberreicht. Was kann der Mann dafür? „Wir erkundigten uns, und siehe, der Vater des Herrn Doctor war talmudfrommer Jude und ließ sich taufen; er benahm sich dann auch als ein eifriger Katholik; auch Doctor Caspar Schwarz wird von Vielen als sehr frommer Katholik gehalten. Aber, wie wir schon so oft gesagt, das Taufwasser wäscht den Juden nicht ab. Bei Doctor Schwarz regt sich das semitische Blut. — Was kann er dafür. „Es ist eben der Nachkomme des Wolfes ein Wolf, des Fuchses ein Fuchs, und des Schafes ein Schaf, des Ariers ein Arier, des Juden ein Jude. „Da nun diese Cur dem „Katholischen Schulvereine" nicht gut anschlägt und wir Christen mit derselben durchaus nicht zufrieden sind, so rathen wir dem berühmten Arzte, derselbe wolle künftig den Christen das bessere Dies- und Jenseits wenigstens nicht mehr durch seine öffentliche Wirksamkeit zu verschaffen suchen, sondern sich hiebei auf seine private Thätigkeit beschränken." Mechanikus Schneider erklärte vom Präsidenten des „katholischen Schulvereines" in den Spalten genannten Blattes: ..Wer, so wie er, bewiesen, mit welchem teuflischen Hasse die Talmudjuden ihre Nachkommen gegen alles Richtjüdische erfüllen, wer, so wie er, so schlagend bewiesen, daß die Juden sich nur zum Scheine taufen lassen und doch, nichts anders als Juden bleiben (weil sie eben vermöge ihrer Raffen-Eigenschaften nichts anderes werden können), der hätte erkennen müssen, daß die Christen unter sich noch so einig sein könnten, ja daß alle Religionen der Welt der römisch-katholischen weichen könnten, die Talmudjuden würden dennoch Talmudjuden bleiben." Solch triftigen Argumenten gegenüber konnte auch die Gesinnungstüchtigkeit des Herrn Dr. Caspar Schwarz nicht standhalten und der unglückliche Schulknabe mit dem anrüchigen Namen wurde beseitigt. Eines Tages hatte diese katholische Vereinsschule die Auszeichnung, von einigen antisemitischen Celebritäten besucht zu werden. Was den „Hohen Gästen" schon beim Eintritte in das Schullocale unangenehm auffiel, war die vordringliche Nase eines Schulknaben in der ersten Reihe. Diese Nase war allerdings keine Kunstleistung und entsprach kaum dem Ideal eines griechischen Profils. „Was will der Judeyo»:b in der katholischen Volksschule?" fragten die Antisemiten den Schulleiter. Dieser entschuldigte sich: Der Bub heißt nicht„Kohn",sondern „Schwarz", ist der Sohn des Vereinspräsidenten Herrn Dr. Caspar Schwarz! In diesem Falle war freilich nichts zu machen, allein man hatte wenigstens erreicht, daß der Name Kohn in den heiligen Hallen des „katholischen Schulvereines" nicht mehr genannt wurde. Und nun besteigt ein Mann mit dem Namen Kohn den fürsterzbischöflichen Thron von Olmütz. Kaum eine andere Diöcese in Oesterreich verbindet gleich der Olmützer mit dem Titel auch stolze Erinnerungen. Das „mährische Rom", dessen altehrwürdiges Metropolitancapitel noch das Rechtder Erzbischofswahl besitzt, ist ein stolzer, fürstlicher Bischofssitz; er gemahnt an die alte Zeit geistlicher Souveränetät, sein Titular ist Herr über weite, blühende Herrschaften, prächtige Schlösser, er ist sogar von einer Leibwache umgeben, wie sie in Oesterreich-Ungarn nur noch die Schwarzenbergs und Eszterhazys halten dürfen. Deshalb gewöhnte man sich auch daran, auf dem fürstlichen Sitze der Erzbischöfe von Olmütz Angehörige stolzer Adelsgeschlechter zu sehen, und das Metropolitancapitel zu Olmütz selbst statuirte sich eine gewisse Exclusivität in der Wahl seiner Mitglieder. Und bis in die jüngste Zeit war das Erzbisthum Olmütz ein hocharistokratisches Erzbisthum, wie kein anderes in der großen katholischen Welt, und zwar nicht durch jene bewaffnete Leibgarde, und nicht einmal durch seinen großen Besitz und Reichthum, sondern dadurch, daß das Domherrencollegium von Olmütz einer alten Einrichtung zufolge ausschließlich nur aus Persönlichkeiten bestand, welche dem hohen Adel angehörten. Seit dreihundert Jahren hatte kein Bürgerlicher den erzbischöflichen Stuhl bestiegen, der bürgerliche E^bischof von

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