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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-11-04 · 45 (4.11.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
45 (4.11.1892)
Date
1892-11-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 814 Vefierreichische Wochenschrift Sfr. 45 selnd den Sarg getragen. Der czechische Gesangsverein trug zwei sehr schöne Piecen vor. Die Grabrede hielt Herr Rabbiner Thorsch aus Schlau. Uug-Brod. Im Monate Elul besuchte Herr Dr. A. Löwy, Rabbiner aus Nenbidschow, seine Heimatsgemeinde Ung.-Brod um das Grab seiner Eltern zu besuchen. Aus diesem Anlässe wurde ihm seitens des löbl. Cultusverbandes und ehrwürdigen Rabbinats die Ehre zu Theil, am Samstag eine Gastpredigt zu halten, welche in Form und Inhalt allseitig gelobt wurde. Auch der Verein „Chorebb“ lud Herrn Dr. Löwy zu einem Vortrage ein. Derselbe wählte zum Thema Rabbi Jochanan ben Saccay und seine Zeit und fesselte die Zuhörer mehr als eine Stunde. Unser Rabbiner hat im Werke, hier eine Rabbinats- Vorbereitungsschule zu gründen. Jedoch liegt die Bewilligung noch beim hohen Landesschulrathe. Vorläufig lernen 4 Kinder das Gymnasium privat und gleichfalls den Talmud. Nikolsburg. Auf Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Feuchtwang trat eine große Zahl junger Männer unserer Gemeinde zur Gründung eines Vereines „für jüdische Wissenschaft" zusammen. Der erste, äußerst zahlreich besuchte Vereinsabend fand vor acht Tagen statt. Herr Dr. Feuchtwang wird in Zukunft an jedem Sonntag Abend eine Vorlesung abhalten und der allgemeine Eifer, der sich geltend macht, läßt erwarten, daß die Bereinigung das geistige Niveau der Gemeindemitglieder heben und Bestand haben wird. Das ernste Streben unseres Herrn Rabbiners verdient ein williges, opferfreudiges und allgemeines Entgegenkommen. Buczacz. Im Alter von 74 Jahren ist hier am 24. October Herr Hersch Lwow, ein Mann von großen talmudischen Kenntnissen, ein Enkel des berühmten Lemberger Rabbiners Nachansohn verschieden. Der Heimgegangene war ein edler Menschenfreund und die zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängniß war ein Beweis für die hohe Verehrung, die er sich erworben. Horn, 31. October 1892. Am 26. d. M., verstarb der Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde, Herr I. L. Rosner. Derselbe war auf talmudischem Gebiete eine Capacität ersten Ranges, und wie die seligen Professoren Dr. Kämpf und Dr. Goldenthal bezeugen, einer der tüchtigsten Hebräisten unserer Zeit. Llawleebetb Chouhaniiii und Jad Kinjamiu, zwei Werke ethischen und religionsphilosophischen Inhaltes, die er in seiner Jugend verfaßte,, sind bereits vor längerer Zeit im Druck erschienen. Sein literarischer Nachlaß enthält unter Anderem auch ein gediegens Werk, das über die schwierigsten und anfechtbarsten Stellen der talmudischen Hagada Ausschluß gibt; es führt den Titel Paas Kedouschim und sein Inhalt rechtfertigt diese Bezeichnung vollkommen. Dieser auch anderweitig gebildete Mann hat sich nnd seine Familie mehrere Jahre als Weinbauer ernährt; man sah ihn Tag für Tag mit Haue und Schaufel wie einen gewöhnlichen Taglöhner bei seinen Reben arbeiten. Sein bescheidenes Vermögen wurde durch wiederholte Elementarschäden vernichtet und er dadurch gezwungen, den Weinbau aufzugeben. Als daraufhin auch mehrfache Versuche, sich durch strengredliche Geschäftsthätigkeit zu erhalten, mißlungen waren, zog es dieser tief fromme Idealist vor, lieber unbekannt und verkannt als Privatreligionslehrer kümmerlich sein Dasein zu fristen, als Jemandem zur Last zu fallen, oder in irgend einer Gemeinde, deren religiöse Richtung ihm nicht entsprach, ein Amt anzustreben. Der Vorstand der Horner Cultusgemeinde wurde auf diesen charaktervollen Gelehrte!» auftnerksam; man berief ihn, und er wurde von den Mitgliedern der Gemeinde mit Stimmeneinhelligkeit zum Rabbiner erwählt. Leider kam das zu spät; die vielen Entbehrungen, Kümmernisse und Plagen hatten seine Gesundhett bereits untergraben, die Kräfte, die er mit Feuereifer seinem Amte gemidmet, waren bald erschöpft, er verfiel in eine lange schmerzvolle Krankheit, um nie wieder zu genesen. Das Leichenbegängniß fand am 28. v. M., unter tiefer Theilnahme statt. Herr Dr. Diamant aus Schaffa hielt eine sehr paffende ergreifende Denkrede, der Vorsteher Dr. Schlesinger gab der Dankbarkeit und Trauer der Gemeinde beredten Ausdruck, und auch das Vorstandsmitglied Mandl und Herr Spitzer aus Platt, sprachen Worte, die, aus dem Herzen kommend, jedem zum Herzen gingen. Ungemein betrübend ist es, daß dieser vom Geiste der Gotteslehre durchdrungene Mann, der erst 53 Jahre alt, gestorben, seine Familie in hilflosem Zustande und bitterer Armuth zurückließ. Mögen die unglücklichen Hinterbliebenen bei edlen Menschen actives Erbarmen finden, wie es die Seele des Verstorbenen vor dem Throne des Höchsten, des Gerechten, gewiß gefunden. L. M. Karlsbad. Sehr geehrter Herr Redacteur! Nachdem sich durch meinen in Nr. 36 der „Oesterr. Wochenschrift" veröffentlichten Artikel „Unsere neuen Collegen in Böhmen" Herr Josef Kraus in Nirschan persönlich verletzt erachtet, ersuche ich Sie, mir ein kurzes Schlußwort zu meinem Artikel zu gestatten. Ich kenne Herrn Josef Kraus nicht, habe ihn nie gesehen, auch über ihn bis nach Erscheinen meines zweiten Artikels nie sprechen gehört. Es bleibt daher eine absichtliche, persönliche Beleidigung dieses Herrn von vornherein ausgeschlossen und ist die Benützung der an der Spitze des Artikels stehenden Zuschrift als Motto lediglich einem zufälligen Umstande zuzuschreiben. Uebrigens dürfte es jedem Leser des Artikels klar sein, daß derselbe nur gegen jene leider wirklichen Collegen gerichtet ist, die in der dargestellten Weise Rabbinatszeugnisse ausstellen. Irgend welche persönlichen Motive aber waren weder tteibender, noch begleitender Gedanke. Hochachtend Dr. Jgn. Ziegler. Prag. Die Talmud Thora-Schule (Fortbildungsschule für den hebräischen nnd Religionsunterricht für Knaben) war im Schuljahre 1891—1892 von 296 Schülern frequentirt, welche die hiesigen Volks-, Bürger-, Mittel- und Hochschulen besuchten. Der Unterricht wurde von 4 Lehrkräften in 8 Classen ertheilt und umfaßt den Elementarunterricht im Hebräischlesen bis zum Unterricht im Talmud. Der im vergangenen Schuljahre neu eingeführte Lehrplan hat sich auch vorzüglich bewährt. In der 1. 2. und 4. Clasfe lehrte der Schulleiter Sigmund Springer, in der 3., 5. und 6. Classe der langjährige, bewährte Lehrer an dieser Anstalt B. Donat, in der 7. Classe Herr Rabbiner D. Ko h n. Talmud und Mischna lehrte in zwei Abtheilungen Rabbiner und Religionslehrer an Mittelschulen M. Stark. Der Unterricht an der Anstalt ist unentgeltlich. Die Schule wird von der israel. Cultusgemeinde erhalten und untersteht der Inspektion des Oberrabbiners. Zur Hebung der Frequenz, des guten Fortganges, sittlichen Betragens und des fleißigen Schulbesuches wurden als Prämien 21 Ducaten an brave, fleißige und sittliche Schüler vertheilt, Jahreszeugnisse ausgestellt und der Freitisch- sowie Chanukaverein angegangen, Schüler der Talmud Thora-Schule besonders zu berücksichtigen. Dank der Munificenz der Cultusgemeinde-Repräsentanz verfügt die Anstalt über eine große Anzahl hebräischer Lehrmittel und Lehrbehelfe. Laut Sitzungsbeschluß der Repräsentanz wird das seit 37 Jahren bestehende, staatlich genehmigte Institut aus den in der Josephstadt befindlichen, unzulänglichen und schlecht situirten Lehrräumen in die allen Anforderungen der Schulhygiene entsprechenden Lokalitäten im Hause Nr. 25 neu in der Langegasse verlegt. Die am 17. 18 und 19. October vorgenommenen Schülereinschreibungen haben auch ein überraschendes Resultat ergeben. Es wurden bisher 348 Schüler ausgenommen und die Schulleitung ist ermächtigt, noch bis zürn 16. November l. I., an welchem Tage die Uebersiedlung in die neuen Schulräume stattfinden soll, aufzunehmen. Der Unterricht hat bereits am 23. October im alten Schulgebäude, Hampaßgasse 230—5. begonnen. Mit der Knaben Talmud Thora-Schule ist nunmehr auch vom 16. November ab die von der Cultusgemeinde vor 2 Jahren errichtete Mädchenfortbildungsschule verbunden, in welchem der Unterricht getteunt von den Knabenclaffen an jedem Sonntag Bormittags und an jedem Mitwoch Nachmittags in 4 Classen ertheilt werden wird. Die Aufnahme der Schülerinnen findet bis incl. 16. November statt. Prag. Am 24. v. M. ist in Vechin die Mutter des verdienstvollen Cultusvorstehers Emanuel Kohn, Frau Babette Kohn, verschieden. Die Verblichene, eine würdige, fromme Frau, erfreute sich großer Sympathien, welche bei dem Leichenbegängnisse durch eine trotz des schlechten Wetters ungemein zahlreiche Betheiligung aller Kreise der hiesigen Bevölkerung zum Ausdruck kamen. — Prag. Löbliche Redaction! In Ihrem geschätzten Blatte vom 28. v. M. lese ich zu meinem Erstaunen ganz ungerechtfertigte Angriffe, welche, meine Person scharf auf's Korn nehmend, vermuthlich den Zweck verfolgen, mich zu bekehren nnd den Wünschen anderer gefügig zu machen. Ich sehe mich d^her genvthigt, diesem, in emschiedener Weise entgegenzutreten und die Behauptungen als den T hat suchen nicht

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