Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 45 (4.11.1892)
- Date
- 1892-11-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 812 Orsterreichifche Wochenschrift iUr. 45 Erfahrung auf dem Gebiete des Colonisaiionswesens besitzt, war sein Begleiter. Wir können unsere guten Freunde in Europa nicht genug davor warnen, falschen Gerüchten über die Colonien und Mrsiedler in Amerika so leicht Glauben zu schenken. Es ist kein leichtes Werk, diesen uncultivirten Boden zu bewirthschaften, Ackerbaucolonien zu gründen, und wenn der Plan auch gut ist, so ist es doch ein Wunder, daß die Unternehmer und Ansiedler nicht ermüden, umsomehr, als viele Unzufriedene und deren böse Freunde den Plan zu verderben suchen. Aber es wird ihnen nicht gelingen, das Unternehmen beginnt sich freundlicher zu gestalten, wenn auch noch nicht alle Hindernisse beseitigt sind. Johannesburg, (Transvaal) 18. September. In glänzender Festlichkeit fand gestern die Einweihung unserer neuen Synagoge statt. Die Nachricht, daß das Staatsoberhaupt, Präsident Krüger, der Feier beiwohnen werde, hatte in der hiesigen jüdischen Gemeinde große Freude hervorgerufen. Beim Orangenwäldchen fand die erste Begrüßung statt, und bald nach zwölf Uhr fuhr der Wagen mit dem Präsidenten, dem General Smit, Herrn Wolmarans und Herrn Benson Aaron, von einer Abtheilung der Staats-Artillerie begleitet, vor der Veranda des Hotels vor, wo schon eine große Zahl der hervorragendsten Beamten der Stadt und Abordnungen aller jüdischen Vereine und Wohlthätigkeitsanstalten versammelt waren. Zuerst fand eins Begrüßung des Präsidenten von Seite der Stadt statt; dann verlas Mr. Morros, der Vorsitzende der Jobannisburg Hebrew Congregation, eine Begrüßungsadresse, die der Präsident auf seine eigenartige Weise beantwortete. Er wäre mit großem Vergnügen der Einladung gefolgt, so äußerte er sich, die Juden wären des Herrn Ouäe Verbond (Altes Testament) und sie glaubten an ihre Religion, wie er an die seine: darüber wollte er aber nicht mit ihnen rechten. Er hoffte nur, daß sie Abends beim Diner von religiösen Ceremonien absehen würden, da diese nicht nach seinen! Geschmack seien. Am Nachmittag fand die Einweihung der Synagoge statt. Ungefähr zweitausend Menschen drängten j sich in dem weiten und schönen Gebäude, darunter die hervorragendsten Einwohner der Stadt. An einer der Galerien prangte in riesigen Buchstaben ein „Willkommen", und draußen wehte von der Kuppel stolz die Fahne der Republik. Laute Hochrufe kündigten das Nahen des Präsidenten an; die Klänge des Volksliedes ertönten, das kleine Fräulein Morris überreichte dem Präsidenten einen silbernen Schlüffel, mit dem er die große Thür der Synagoge öffnete, und unter den Jubelrufen der Versammelten trat er mit seinem Gefolge ein. Bor der heiligen Lade ließ sich der Präsident auf einen erhöhten, mit der Landesfahne geschmückten Stuhl nieder. Dann wurde ihm eine schön geschmückte Dankadresse überreicht für die werthvollen Bauplätze, welche die Regierung der jüdischen Religionsgemeinschaft zur Erbauung ihres Gotteshauses und ihrer Schnle überlassen hatte. Der Präsident erklärte in seiner Antwort, sich stets von jeder Einmischung in die religiösen Angelegenheiten fern halten zu wollen. Dann begannen die religiösen Feierlichkeiten, die einen glänzenden Verlauf nahmen. Abends fand das Bankett statt, dem der Präsident ebenfalls beiwohnte. Um neun Uhr sprach der Präsident das Tischgebet und Herr Rabbiner Wolfers folgte mit einem Gebet für die jüdische Gemeinde. Das Fest, das allen Teilnehmern unvergessen bleiben wird, legte erfteuliches Zeugniß von der herzlichen Eintracht der Bekenner verschiedener Consesfionen in Transvaal ab. NermiMes. Wie«. (Trauungen). Sonntag, den 30. October 1892. wurden getraut: Herr Bernhard Hirsch mit Frl. Hermine Ebstein; Herr Emil Schwarz mit Frl. Ella Jokl; Herr Josef Stricker mit Frl. Gisela Jaray; Herr Armin Rosenzweig mit Frl. Mathilde Stein; Herr Adolf Kronseld mit Frl. Ella Beer. DiqDtag den 1. November 1892: Herr Nochim Nathan Golant mit Frl. Regina Spitzer; Herr Helnrich Ernst mit Frl. Elisabeth Klapper. Mittwoch, den 2. November 1892 : Herr Otto Arens mit Frl. Anna Frank. Witt». Probepredigt. Freitag, den 4. November d. I., Abends halb 6 Uhr, findet im Tempel des Bethausvereines für Mariahilf und Neubau, VI., Schmalchefgasse, eine Probepredigt des Herrn Rabbiner Dr. Tag licht aus Ungar.-Ostra statt. Wien. Auszeichnung. Der Kaiser hat dem Generaldirector der Actien -Unternehmung der Baumwollspinnereien, Webereien, Bleiche. Appretur, Färberei und Druckerei zu Trumau und Marienthal, Wilhelm Specht, in Anerkennung seiner verdienstlichen industriellen Wirksamkeit das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. In kaufmännischen Kreisen, in welchen sich General-Director Specht allgemeiner Werthschützung erfreut, hat diese Auszeichnung allgemeine Befriedigung hervorgerufen und sind dem Decorirten zahlreiche Glückwünsche von Nah und Fern zngekommen. Wien. Die Niederösterreichische Handelskammer hat für die Besetzung von Censorenstellen bei der österreichisch-ungarischen Bank die aus dem Amte scheidenden derzeit in gleicher Eigenschaft sunctionirenden Censoren Bernhard Hellmann, Lazar Haim de Mago, Eduard Reick und Friedrich Vogl zur Wiederwahl vorgeschlagen. Wien. Während der militärischen Manöver war Erzherzog Eugen, der Bruder der Königin von Spanien, einige Tage hindurch der Gast eines Juden. Er ist wohlvertraut mit jüdischen National-Gesängen, die er außerordentlich liebt. So ließ er sich einmal in Pardubitz den dortigen Cantor kommen, um von ihm einige hebräische Weisen zu lernen. Wien. Der hier verstorbene, allgemein beliebte Schauspieler Hallenstein war der Sohn des ebenso beliebten großen Frankfurter Schauspielers und von jüdischer Abstammung. Der ursprüngliche Familienname war Halle. Hallenstein schrieb mehrere Lustspiele im Dialect und unter anderem auch eine Parodie auf Scribes .Le verre d’eau“, betitelt „Ein Glas Eppelwein". Er war Gründer der „Schlaraffia", welcher Verein in Prag entstand und bald eine große Ausbreitung über ganz Deutschland und Oesterreich gewann. Die „Schlaraffia" widmete ihm auch einen rührenden Nachruf. Wien. Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat an Dr. Ludwig August Frankl folgenden eigenhändig geschriebenen > Brief gerichtet: „Mein lieber Herr v. Frankl! Wenngleich Ihr poetischer Glückwunsch zu unserem goldenen Ehe-Jubiläum schon vor mehreren Tagen durch mein Telegramm erwidert worden ist, so möchte ich dennoch nicht unterlassen, Ihnen jetzt, wo ich Ihr Festgedicht nochmals in Ruhe gelesen habe, meinen fteudigen Dank dafür auch brieflich zum Ausdruck zn bringen. Dieser Dank gilt zunächst der reizenden Dichtung selbst, die Ihr Talent im besten Lichte zeigt und der Großherzogin ebenso wie mir aufrichtige Freude bereitet hat; er gilt aber auch nicht minder der Pietät für Weimars große Vergangenheit, die sich in ihrer Huldigung kundgibt. Daß Sie, lieber Herr v. Frankl, sich diese schon so oft bethätigte edle Empfindung auch fernerhin bewahren werden, davon bin ich fest überzeugt und zum Segen Ihres Heimathlandes hoffe ich auch, daß es nie gelingen werde, das geistige Band, das seit den Tagen Grillparzers zwischen Deutsch- Oesterreich und Weimar besteht, wieder zu lösen. Weimar, den 24. October 1892. Karl Alexander." Wien. (Verzeichnis der Vorlesungen'im Wiener Bet ha- Wdrasch 1892—1893.) Herr Lector M. Friedmann: Die laufende Parascha: Samstag V211—12 Uhr; Könige II und Stücke aus den Propheten, soweit sie darauf Bezug haben, Montag 6—7 Uhr; Midrasch Bereschit-Rabba: Dienstag und Donnerstag 6—7 Uhr. Herr Lector I. H. Weiß: Talmud Kiduschin: Sonntag und Donnerstag 8—10 Uhr; Montag 2—4 Uhr; Mischne Thora von Maimonides Mittwoch 9=10 Uhr. Herr S. Schweinburg-Eibenschütz, Historiker: Die österreichischen Juden in der Handels- und Finanzwelt der .Vergangenheit: Sonntag und Mittwoch von 6 bis 7 Uhr. — Herr Lector M. Friedmann wird für Gymnasial-Schüler in der ersten Abtheilung Talmud Samstag von 3 bis 5 Uhr und Liturgie Sonntag von 3 bis 5 Uhr; in der zweiten Abtheilung Talmud Samstag von 5—7 Uhr und Bibel Dienstag von Vr4—6 Uhr vortragen. — Die Bibliothek des Bet ha-Midrasch ist, Freitag und Samstag ausgenommen, täglich von 10—12 Uhr geöffnet. Die Vorlesungen beginnen Samstag den 29. October. Wie«. (Adresse an Hofrath Nothnagel.) Dreihundert Aerzte, welche sich durch die jüngst von anttsemitischer Seite im Landtage gefallenen Aeußerungen verletzt fühlten, haben an Hofrath Nothnagel, der bekanntlich solchen unwürdigen Verhetzungen mit Energie entgegengetreten ist, eine Dankadresse gerichtet, in welcher es nach einigen einleitenden Sätzen heißt: „Sie gehören zu den seltenen Menschen, welche das Anderen zugefügte Unrecht empfinden, als wenn es Sie selbst träfe. Reine Liebe zur Ge- ' rechtigkeit und Menschlichkeit leiten Sie und die edlen Männer,