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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-21 · 43 (21.10.1892) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 782 Oestrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 43 ganz gut , wo der Kern der Sache steckt; man weiß, daß es lediglich der üppig in die Halme geschossene semitische Geist ist, der durch derlei „unbedeutende Aenderungen" die völlige Entchristlichung der Schule erstrebt. Das möge sich auch das „Vaterland" gesagt sein lassen. Seine Versuche, in diesem Falle eine kleine Protestantenhetze zu arrangiren und damit die Ursachen und die Bedeutung des Erlasses zu verdunkeln, werden nicht gelingen. Das fehlte uns gerade noch! Um sich ihrer Feinde zu erwehren, muß die gesammte christliche Bevölkerung einig bleiben und das stuunne Kreuzzeichen wäre für die Protestanten ebenso wie für die Katholiken ein Schlag in's Gesicht." Also: Der Episcopat sicht nicht auf der Höhe seiner Aufgabe und daran sind die Juden schuld. Herr Vergani, der Lwnp mit den tiefen Taschen und weitem Gewissen, schreibt schließlich: „Abgesehen nun von den Maßnahmen, die die Regierung nothgcdrungen gegen die liberalen Urheber«?) des Erlasses vom 29. September wird einleiten müssen, möchten wir schließlich noch bemerken, daß der Vorfall klipp und klar beweist daß die Frage oer Trennung in Christen - und Judenschulen nachgerade zu einer brennenden geworden ist. Sie muß gelöst werden, oder unsere Kinder laufen Gefahr, im „Currentwege" ihres Glaubens beraubt zu werden." Die Antisemiten haben wiederholt bereits, wie historisch sichergestellt, christliche Kinder ermordet, um die Juden des Mordes anzuklage»; nach diesem alten antisemitischen Recepte sind sie auch diesmal vorgegangen. Antisemitische Bezirks- und Qrtsschulräthe fasse» einen antikatholischeu Beschluß und insceniren wegen dieses Beschlusses eine össeutliche Judeuhetze. Die Schurkerei ist einer Steigerung nicht mehr fähig. Die Entdeckung Amercka's. Freitag, 3. August 1492 ging Columbus mit seiner aus drei Schiffen: „Santa Maria", „Pinta" und „Nista" bestehenden Flotte und mit einer Mannschaft von 90, nach Anderen 120 Mann von Palos unter Segel. Es war eine recht gemischte Gesellschaft: Aragonier, Castilianer, Mauren und Juden, auch ein Engländer und ein Irländer ließen sich anwerben, der Schiffsarzt war ein Mestre Berngl, der Wundarzt Mestre Marco, Beide jüdischen Stammes, Louis de Torres, ein Jude aus Murcia, der Hebräisch, etwas Arabisch, Coptisch und Armenisch verstand, galt für einen Gelehrten; auch ein Mönch, der mit Columbus befteundete Juan Perez aus dem Kloster de Rabida, der dem armen, mit seinem Söhnchen herumirrenden Columbus einmal mitleidig Wasser und Brod gereicht hatte, machte die Fahrt mit; der fromme Columbus wollte nicht ohne Geistlichen reisen. Die Caravele hatte bereits über zweitausend Meilen rurückgelegt; die Matrosen fingen an, über die unerträgliche Dauer der Reise zu klagen. Columbus beschwichtigte sie so gut er konnte, durch die Aussicht auf den großen bevorstehenden Gewinn. Am 11. October ermahnte er die Mannschaft, nach dem herkömmlichen Abendgesang recht wachsam nach Land auszuspähen; zu dem Gnadengeschenk des Monarchen toon zehntausend Maravedis versprach er dem ersten Verkünder noch auf eigene Kosten ein seidenes Wams. Endlich, in der Frühstunde des 12. October, au einem Freitag, an dem Tage, an dem die aus Spanien vertriebenen Juden mit ihren Glaubensgenossen allüberall das „Hosiana" anstimmten, wurde von der „Pinta" der Ruf „Tierra! Tierra!“ (Land! Land!) vernommen. Wer hat zuerst das Land erblickt? Columbus gesteht in seinem Schiffsbuche ein, daß das Land von einem Matrosen zu«fft geschaut wurde, dennoch widerstand er in seiner Goldgier der Verlockung nicht, das Gnadengeschenk von 10.000 Maravedis oder 26 Ducaten für sich zu beanspruchen und den armen Ma- ♦ trosen ohne Leibrente und ohne das versprochene Wams ziehen zu lassen. Wer war der Matrose? Der Chronist Gon;alo Hernandez de Oviedo, ein Zeitgenoffe des Genuesen, will von Biconte Pinzon, dem Befehlshaber der „Nista" und von dem Piloten Hernas Perez Matheos gehört haben, daß ein Mann aus Lepe es war, der zuerst Licht erblickt und Land gerufen hätte; nachdem aber der arme Mattose sich um seine Prämie und das versprochene Wams bettogen sah, nahm er seinen Abschied, wandte sich nach Afrika und vertauschte dort das Christenthum mit seinem ftüheren Glauben. — Nach Anderen hat Rodrigo de Triana, ein Matrose der „Pinta" zuerst „Land!" gerufen; es war dies die Insel Acklin Island, von den Eingeborenen „Guanahani" genannt. Und Guanahani soll seine Benennung von den auf der „Pinta" befindlichen spanischen Juden erhalten haben, ja noch mehr, Guanahani soll aus hebräischen Worten zusammengesetzt sein! Diese Entdeckung machte im vorigen Jahre D. Francisco Rivas Puigcerver, Professor der orientalischen Sprachen in Mexiko, in einem besonderen Werke: „Los Indios y el Nuevo mundo!“* *) Ein Werk über: „Die Juden und die neue Welt", dem der Academiker D. Cesareo Fernandez Duro in Madrid, nächst dem trefflichen Harrisse, gegenwärtig der gründlichste Kenner der Columbüs- Literatur, in dem „Boletin" der k. Akademie der Geschichte in Madrid mehrere Seiten widmete! Ich suchte dasselbe mir um jeden Preis zu verschaffen. Ich wandte mich an einen in Mexiko lebenden Budapester und nach einigen Monaten war ich der glückliche Besitzer des — aus dritthalb Seiten bestehenden Schriftchens; es wurde mir von dem gelehrten Verfasser direct zugeschickt D. F. Rivas Puigcerver, der aus Mahon auf der Insel Minorca stammt und den berühmten D. Jsaac Abravanel, bei dem Columbus mehr als einmal vorgesprochen hatte, seinen Ahn nennt, war so freundlich, mir auch die von ihm in seinem Schriftchen benützten Quellen in Abschrift mitzuschicken: zwei spanische Romanzen, im Jahre 1493 an D. Jsaac Abravanel gerichtet, welche seiner Behauptung nach von spanischen Juden in der Berberei ihm mitgetheilt wurden und deren erste beginnt: „A Levante por Poniente! Diz Colombo a la su gente. Der andere besingt Rodrigo de Triana, der einem Mitreisenden Glaubensgenoffen zugerufen: I! I! (Insel! Insel!) Daraufhin wurde er von diesem gefragt: „0—annab?" (Und wo?) Worauf Rodrigo de Triana ihm, wieder in hebräischer Sprache, erwidert habe: „Len—I! (Dort ist die Insel!) So wäre das Wort Uahani entstanden. Es ist das eine Spielerei, kaum cher Erwähnung werth. Rodrigo de Triana war nicht Jude, sprach nicht hebräisch und Guanahani ist, wie männiglich bekannt, indischen Ursprungs. Noch andere behaupten, daß auch nicht Rodrigo de Triana zuerst das Land erblickte, sondern Rodrigo Sonchez, ein Verwandter des königlichen Schatzmeisters Gabriel Sanchez, der ein Schwager des in neuester Zeit oft genannten, aber wenig bekannten Louis de Satangel, der Beaconsfield Spaniens, dem jüdischen Stamme angehörte und auf besonderen Befehl der Königin Jsabella als Vendor oder Aufseher die erste Fahrt mitmachte. Von Guanahani, das Columbus, jetzt schon Admiral und Vicekönig, für die Königin von Castilien in Besitz nahm, segelte er südwestlich nach der Insel Fernandez, entdeckte die Insel, die er seiner Königin zu Ehren Jsabella nannte, und erreichte, immer nach Gold und Gewürzen suchend, am 29. October den Rio de Mares. Von hier aus schickte er zum ersten Male Kundschafter in das Innere. Er wählte dazu den ftüher erwähnten Luis de Torres, ihn begleitete Rodrigo de Lerez aus Agramonte. Nachdem sie zwölf spanische Meilen zurückgelegt hatten, trafen sie einen Wohnplatz mit einer Bevölkerung von ungefähr tausend Einwohner an. Sie würden von den Eingeborenen freundlich ausgenommen, die Frauen küßten ihnen Hände und Füße und beim Abschiede gab ihnen der Fürst und einer seiner Söhne und mehr als fünfhundert Personen beiderlei Geschlechts das Geleite, Der erste, der sich ans amerikanischem Boden häuslich niederließ, von dem Fürsten fünf Sclaven und ein Kind zum Geschenk erhielt, war Luis de Torres.*) Amerika, vor vierhundert Jahren entdeckt, wurde das Land der Freiheit des Gedankens, des Gewiffens, des Glaubens, die Zufluchtsstätte aller Verfolgten, aller Märtyrer der Freiheit Dr. M. Kayserling. *) Documentos ineditos del Archivo de Indias I, 87. *) Mexico, Imprenta del sagrado Corazön de Jesus, 1891.

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