Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 42 (14.10.1892)
- Date
- 1892-10-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 42 Oestrrrrirhrsrhr Wahrheit muß aus dem Bode» wachsen", auf dem das Unrecht gepflügt und Furchen gezogen. Wer sie erst durch die Speculation findet, kann sie nicht weiter verbreiten. Es erscheinen ja unausgesetzt Schriften über die Mängel in der modernen Civilisation, und doch bleibt Alles wie es ist oder wird noch schlimmer. Sie sind eben nur Schöpfungen der Reflexion und unfruchtbar. Ein treffliches Büchlein, dessen Lectüre man blos zu empfehlen braucht, die Beherzigung des Gelesenen sich aber schon von selbst einstellen wird, weil es vom Herzen gekommen und zum Herzen dringen muß, ist jüngst unter dem Titel „Unmoderne Ansichten über die moderne Cultur"*) erschienen. Der Verfasser scheint diese Ansichten unter Schmerzen empfangen zu haben, und sie sprechen urn so eindringlicher, je weniger sie trotzdem den Character der Polemik und der Bitterkeit tragen, und selbst in Episoden, wo Anlaß zu persönlichen Ausfällen wäre, sich Reserve anserlegen. In mehreren Capiteln mit der Ueberschrift „Bildung und Character", geißelt der Verfasser mit viel Sarcasmus das Protectionswesen und den Corpsgeist in den Aemtern und Bureaux, wodurch das Verdienst unterdrückt wird und die Wahrheit nicht an den Tag kommen darf. Aus mehreren anderen interessanten Capiteln, wie z. B. „Ueber den Glaubenswechsel", „Hygiene" des Leibes und der Seele, „Moderne Ehen", „Ueber den Selbstmord" greifen wir besonders das Capitel mit dem Titel „Semitischer Antisemitismus" heraus, weit es eine speciell jüdische Untugend in verdienter Weise züchtigt. So merkwürdig es klingen mag, es gibt in der That „semitische Antisemiten", die mit ihren arischen Brüdern den Mangel an logischem Denkvermögen in geradezu rührender Harmonie theilen. Der „semitische Antisemit" schlußfolgert just mit derselben Kühnheit, wie sein arischer Gesinnungsgenosse vom Einzelnen aufs Ganze. Ist der „semitische Antisemit" zufällig ein Deutscher, ein Ungar u. dgl., so hat er allein nicht nur die Weisheit mit Löffeln gegessen, sondern auch gleichzeitig alle Ehrenhaftigkeit in Pacht genommen, und der polnische Jude ist ihm nicht minder ein Gräuel, als seinem arischen Geistesverwandten. Natürlich revanchirt sich der polnisch-jüdische Antisemit derselben Culturstufe in gleicher Münze. Es ist diese Klage nicht neu, aber durch die gegenwärtigen Zeitereignisse wieder actuell. Schon die Bewohner Jerusalems hatten eine Antipathie gegen die Juden Babylons und die Galiläer und der Talmud verurtheilt diese grundlose Feindschaft als die Ursache der Zerstörung Jerusalems. Und das kam so. Im Freiheitskampf gegen die Römer flüchteten sich tapfere galiläische Patrioten nach Jerusalem, um hier den Kampf fortzusetzen, nachdem Josefus Galiläa verloren hatte und zu den Römern übergegangen war. Diese galiläischen Patrioten wurden von den Jerusalemiten mit Mißtrauen angesehen und es kam endlich sogar zum Bürgerkrieg zwischen ihnen, während der Feind vor den Thoren stand. Angesichts des Antisemitismus, der uns bedroht, sollte uns das Schicksal Jerusalems als warnendes Beispiel von Uneinigkeit, unter uns selbst vor Augen stehen. Wir meinen nicht Uneinigkeit in religiösen Anschauungen. Stehen doch bei aller Verschiedenheit in dieser Beziehung zwischen Orthodoxen und Neologen beide Schulter an Schulter dem äußeren Feinde gegenüber. Die Uneinigkeit, die wir meinen, sind die nationalen Antipathien der Juden gegen einander, womit wir nur den äußeren Feind unterstützen, denn wenn wir deutsche Juden z. B. an den polnischen Juden kein gutes Haar lassen, so fällt der Antisemitismus dann um so leichter über die polnischen Juden her, als er uns als Succurs anführt. Allerdings ist die nationale Antipathie zwischen uns Juden ein Zeichen unserer Liebe zu dem Volke und Lande, mit und in dem wir leben, allein wir dürfen uns von diesem Patriotismus nicht verleiten lassen, an unseren Glaubensgenossen Fremdenhaß zu üben, um so weniger, als dieser Haß immer ungerechtfertigt bleibt, mag ihn der deutsche Jude gegen den polnischen, dieser gegen den deutschen oder der Spagniole gegen Beide hegen. Es gibt einzelne Hallunken überall; aber nur nicht generalisiren. Kein Theil der Juden ist inferiorer als der andere. Wie wir sind, sind wir durch das Gesetz geworden, und wir haben doch Alle nur ein Gesetz. Und auch unsere Leiden sind gleich, daß eine jüdische Nation vor drr anderen nichts voraus hat. Es ist lächerlich, wenn der deutsche Jude sagt, durch den Polnischen Juden ist wieder das Galuth gekommen, oder umgekehrt. Der Antisemitismus ist gegen das Judenthum überhaupt gerichtet und wir müssen umso mehr vereinigt dastehen, um als Phalanx tviderstandskräftiger gegen *) Unmoderne Ansichten über die moderne Cultur Dr. A. Eitelberg. Wien und Leipzig, Verlag von Wilhelm Altmann. Worhenfehrifk Seite 761 Angriffe zu sein, mögen sie von welcher Seite immer kommen- Möge es dem Verfasser gelingen, die nationalen Vornrtheile, welche den „semitischen Antisemitismus" erzeugen durch seine Schrift in weiteren Kreisen zu zerstreuen. Jugendfreund. Jllustrirte Wochenschrift zur Belehrung und Unterhaltung für die Jugend von 10 bis 16 Jatzren. Preis in Wochennummern vierteljährlich 75 Pf., in Monatsheften ä 30 Pf., Breslau. Franz Goerlich's Verlag.» Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. Vorliegende Jugend-Zeitschrift ist für die reifere Jugend, das heißt, für Knab n und Mädchen von 10 bis 16 Jahren bestimmt. Gerade dieses Alter bedarf eines gefunden, gediegenen und interessanten Lesestoffes, welcher die religiös-sittliche, wie die Bildung der Geisteskräfte gleichmäßig fördert. Der „Jugendfreund" wird bringen: Anziehend geschriebene Darstellungen aus der Geschichte, dem Natrrr- und Menschenleben, mit besonderer Berücksichtigung unseres deutschen Vaterlandes und der neuesten Zeit; Lebensbilder hervorragender Personen aus den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, aber auch des Staats-, Gewerbs- und Handelslebens; leicht verständliche Belehrungen aus der Volkswirthshaftslehre, dem Staats- und Gesellschastsleben. Die freie Erzählung, die in erster Linie der Unterhaltung dient, soll nicht unberücksichtigt bleiben, unter Ausschluß überspannter, die Phantasie überreizender, lang ausgesponnener Jugendromaue. Spiele. Räthsel, unterhaltende Aufgaben verschiedener Art werden regelmäßig beigegeben werde». Stoffe, die irgend eine Confession verletzen könnten, sind unbedingt ausgeschlossen. Die Leitung der Zeitschrift hat Herr Rector Max Hübner in Posen übernommen, der durch seine Jugend schri'ten wohl bekannt ist. Probenummern erhält man in jeder Buchhandlung, aber auch direct vom Verleger, gratis. Wochrnkralendrr. Tischri 5653. — October 1892 24 Samstag 15! Bereschith Rächt um 5t» 45 4 »> 25 ISountag 16 26!Montag i? y 27 j Dienstag 18 l; ■ 28! Mittwoch 19! Vorab. d.Rvsch.-Chod. 29 Donnerstag 20 Enn w um 71» 29 4m Abd : 30 Freitag 9.! Rosch.-Chodesch Mvled Cheschwan - :;nn wn um 3t» 48»> Früh. Briefkasten. L. AI. Für unser Blatt ungeeignet. M. St. Die Hundepeitsche ist für Sie vorbereitet. Lrser, Prag. Jules Simon ist jüdischer Abkunft. Die Versicherung eines Millionärs» Nachdem vor nahezu drei Jahren der österreiehisih-ungarisihe General-Consul T. A. Havemeyer in Newyork nebst vier Familenmitgliedern für fünf Polizzen bei der „Mutual“ den einmaligen Betrag von Dollars 578.345 =-= Oe. W. 1L 1,445.802 erlegte, hat diese Gesellschaft nunmehr auch die grösste bisher erzielte Lebensversicherung bei einmaliger Prämienzahlung mit einer einzelnen Person abgeschlossen. Mr. James J. Hill in St. Paul, Min»., einer der reichsten Männer der Vereinigten Staaten, Präsident der Great Northern Railway und anderer grosser Eisenbahn-Gesellschaften, übergab uns am 30. August d. J. för eine Consol-Polizze über Dollars 100.000 mit vollem Gewmnantheil und Prämienrückgewähr in Verbindung mit einer vom 64. Jahre an beginnenden Leibrente von jährlich Dollars 12.400, einen Check über Dollara 136.350 Oe. W. fL 340.875 als einmalige Prämien zalilnng. .The Mataal'' Garantiefonds am 31. December 1891: 826’4 Millionen Francs General-Diiection for Oesterreich: Wien, I , Lobkoiitzpiatz i.