Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 42 (14.10.1892)
- Date
- 1892-10-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020942--01802-3025860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 42 VestrrrrttMchr Worhenschrist. Seite 759 beamten beredt zum Ausdrucke. Der Oberlehrer gedachte der Verdienste des Jubilars als früherer Schulaufseher und gegenwärtiges Mitglied des Ortschulrathes. Zwei Kinder ernteten mit dem Bortrage für das Fest verfaßter Gedichte reichen Beifall. Gerührt sprach nun der freudig überraschte Jubilar seinen Dank Gott durch das Schechejunu aus, dann der Repräsentanz, die, der jüngeren Generation angehörend, mit Freuden ihre ganze Kraft für das Judenthum einsetzt; er würdigte das Wirken des Rabbiners um die Weckung des religiösen Sinnes: hierauf dankte er allen Vereinen deren bedeutenden Leistungen er die verdiente Anerkennung zollte. Wir schließen unfern Bericht mit dem einzige» Wunsche, daß es dem hochverdienten Jubilar noch durch Jahrzehnte gegönnt sein möge, als Arzt zum Heile der leidenden Menschheit, als Cultusvorsteher zum Wohle unserer Gemeinde in ungeschwächter Jugendkraft und Geistesfrische in gleich hervorragender Weise zu wirken. —»» Raab. Frau Fanni Lederer, Präsidentin des isr- Frauenvereines feierte das Jubiläum ihrer 25jährigen Wirksamkeit im Dienste der Humanität. Im decorirten Gemeindesaal versammelten sich aus diesem Anlasse die Ehrengäste: Deputationen des kath. Elisabeth-, des prot Wohlthätigkeits-, des Rothenkreuz- und Kinderbewahr-Bereines rc. rc., der Gemeindevorstand. Unter Anderen waren erschienen: Frau Dr. Mor Katona, Frau Dr. Theodor Ternyei, Frau Ludwig Kalöcty, Frau Michael Leeb, Frau Josef Mehlschmidt, Frl. Irena Pataky, Frau Julius Horvath, Frau Alexius Elek, Frau-Jenö Kiß, Frau Dr. Theodor Mihalkovics, Frau Josef Nitsiuger, Frau Räth, Frau Johann Auer, Frau Anton Ehler, Frau August Klöczar, ferner Graf Rudolf Laßberg, Obergespan des Raaber Comitates, Dr. Gustav Kautz königl. Rath und Rector der juridischen Facultät, Dr. Theodor Mihalkovics königl. Notar, Benediktiner Gymnasial- Peofessor Francz Samu rc. — Gewesener Benediktiner Gymnasial-Director Norbert Francsics, gegenwärtig Landtagsdeputirter der Stadt Raab, welcher erst später hier anlangte, machte der Frau Präsidentin Nachmittag seine Gratulations-Aufwartung. Durch eine Damendeputytion abgeholt, begrüßt auf dem Wege von weißgekleideter Mädchenschaar geleitete Gemeinde-Borsteher Dr. Philipp Pfeiffer die Jubilarin zum Ehrensitze, wo dieselbe die Beglückwünschungen entgegennahm. Ein prachtvoller Lorbeerkranz wurde gleichzeitig über.eicht. Die formvollendete tiefdurchdachte Festrede des Oberrabiners Dr. Julius Fischer übte auf die Festversammlung einen mächtigen Eindruck. Hierauf überreichten Bicepräsidentin Johanna Herzl und Frau Dr. Ranschburg eine kunstvoll ausgestattete Adresse und im Namen der Jugend richtete eine Schülerin Worte rührenoen Dankes an die Jubilarin. Mit vor Rührung vibrirender Stimme dankte nun die Präsidentin; sie mußte innehalten, es erstickten ihre überschwänglichen Gefühle das Wort auf ihren Lippen — — Görkitz« 1. October. Die hiesige Strafkammer verurtheilte den Pfarrer Friedrich Brengst wegen der seiner Zeit in seiner Gemeinde Spreewitz bei Hoyerswerda verübten erheblichen Unterschlagungen zu 2 Jahren Gefängniß und 2 Jahren Ehrverlust. Oxford. Herr Dr. M. Winternitz aus Wien, welcher sich hier niedergelassen hat, ist eine schätzbare Acquisition in den Reihen der jüdischen Gelehrten Englands. Jüngst hat derselbe in Verbindung mit Professor Max Müller die neue Ausgabe der »8aered dooks ot Last" (heilige Bücher des Orients) besorgt, zu welcher Arbeit seine hervorragende Kenntniß der Sanscrit ihn besonders befähigt. Andere Werke über orientalische Volkskunde stehen von ihm zu erwarten. London, 16. September. Der Vertreter des Baron Hirsch, Herr Feinberg, besuchte vor Kurzem Beßarabien, um Auswanderer für Argentinien anzüwerben. In Perlitzi hat sich eine Ackerbaugesellschaft gebildet, welche Herrn Feinberg pro Familie 500 Rubel zur Verfügung stellte. Diese Familien wollen mit Rücksicht auf ihre Unabhängigkeit das von Baron Hirsch erworbene Land auf eigene Kosten und Gefahr colonisiren. Herr Feinberg hat auch an den Vertreter der jüdischen Gemeinde Akkermanny, Herrn Trachtmann, ein Schreiben gerichtet, in welchem er sagt, daß wenn 50 zuverlässige Ackerbaufamiliev mit einem Capital von 25.000 Rubel (pro Familie 500 Rubel) sich dort befänden, er dort hinkommen würde. Es scheint jedoch, daß die Zahl der auswanderungslustigen Familien viel größer ist, als Herr Feinberg bedingt, daß aber leider alle ohne Vermögen sind. London. Großes Interesse erregte jüngst bei einer Trauung in der East London Synagoge der Bräutigam in der Uniform eines britischen Seemannes. Nach der Trauung durch Rev. I. F. Stern unterhielt sich dieser mit dem jungen Matrosen, welcher mit Stolz und Begeisterung über seinen Beruf sprach. Auf die Frage, weshalb er diesen Beruf gewählt, erwiderte er, daß er vor 2 Jahren Gefahr lief, arbeitslos zu werden und es daher für ehrenvoller gehalten hätte, Matrose zu werden, als seinen Eltern zur Last zu fallen. Nach Beendigung seiner zweijährigen Dienstzeit auf einem Transportschiffe würde er als Matrose auf einem Kriegsschiffe eintreten. Er trat als Jude in den Dienst und hatte keinen Grund, seine Religion zu verleugnen da sowohl seine Vorgesetzten als Mitmatrosen diesem Umstande in jeder möglichen Weise Rechnung trugen. Herr Stern gratulirte dem jungen Seemann zu seinem Berufe und wünschte ihm Glück zu seiner künftigen Carriere. London. Mr. Alfred de Rothschild hat seine Berufung zum Delegirten für England bei der demnächst stattfindenden internationalen Münzconferenz angenommen. Es wird noch ein jüdischer Delegirter an der Conferenz theilnehmen, nämlich Signor Luzzatti, der vormalige Schatzkanzler Italiens, welcher einer der Delegirten Italiens sein wird. London. Bei dem Gottesdienste sür arme Juden, welcher am Versöhnungsf.ste in den Räumen von Jew's Free- School (Jüd. Armen-Schule) abgehalten wurde, hat Lord Rothschild die Haphtorah des Tages in englischer Sprache gon der Kanzel herab vorgettagen. Paris. Die jüdische Gemeinde von Paris hat in der Person von Mr. Michel Erlanger, welcher Samstag in der Ville d’ Aviay starb, eines seiner hervorragendsten Mitglieder verloren. Erlanger war van ganzem Herzen Jude und hat durch mehr als dreißig Jahre sich hingebungsvoll an vielen Werken der Nächstenliebe betheiligt. Auch der Bice-Präsident des Consistoriums von Paris, Mitglied des Comte de Bienfai* sance, des Seminar-Vorstandes, der Handwerkerschule und des Centraleamtes des Allianz. Mr. Erlanger interessirte sich lebhaft für die Colonisirung von Palästina. Conftantinopek. Der Geburtstag des Sultans gab Anlast zu einem Festgottesdienste im sefardischen Tempelore Salata. Die vielen anwesenden Würdenträger boten einen Beweis für die hervorragende Stellung, welche Juden im Staatsdienste einnehmen. Neben mehreren Hauptleuten und Gouvernements- Beamten sah man den General Dr. Elias Pascha, Leibarzt und Augenarzt des Sultans, General Dr. Jsaac Pascha, Chefarzt der ottvmanischen Marine, und David Effendr Molcho den Ober-Dragoman der h. Pforte. Der Oberrabbiner der Türkei, Moise Levi Effendi trug den Osmanie- und den Medjidie- Orden. — Nach dem Gottesdienste begab sich der Oberrabbiner nach Aildig-Palast, wo derselbe vom Obersthofmeister empfangen wurde, welchem er ein Exemplar des vom Oberrabbiner verfaßten, in der Synagoge vor getragenen Festgebetes überreichte. Der Sultan ließ durch seinen Obersthofmeister den Dank für das Gebet und seine Anerkennung sür die Loyalität seiner jüdischen Unterthanen ausdrücken. Feuilleton. Schie Leb. (Eine Federzeichnung.) Es gab mehrere stolze Leute in der Gaffe, in der ich Lehrer war. Stolz war Awrom Geier auf feinen großen Schnurbart und seine rothe Nase, die ihm ein magyarisches Aussehen gaben; stolz war Mardche Schilak auf seine Töchter, die in einem Pester Pensionat waren und mit einem Clavier nach Hause kamen, das man in der Gaffe noch nie gesehen hatte; stolz war Scheie Kallop auf sein Renomme als bester Franzefuß- Spieler in der ganzen Gegend: einen stolzeren Menschen jedoch gab es weit und breit nicht, als Schie Leb. Der fühlte in der That, wie kein Zweiter, was und wer er sei. Er betrieb einen großen Schaswoll- und Rindshauthandel und auf dem Tirnauer Markte machte er immer die Preise. Sein Geheimniß bestand darin, daß er billig kaufte und theuer verkaufte. Wer das nachmachen kann, soll unbedingt reich werden. Und so ist Schie Leb reich geworden und war stolz auf seinen Reichthum.